LIMP BIZKIT: HAMBURG: STADTPARK: 09.Juni 2009

Was Abstand alles bewirken kann.
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Als „Behind Blue Eyes“ 2004 straight Richtung Nummer 1 der deutschen Singlecharts schoss, war es um die Coolness und musikalische Relevanz der Band eigentlich schon längst geschehen. Das Ansehen war genauso am Bröckeln, wie auch die Zukunftsaussichten, schließlich lag das Millenniumsphänomen New Metal bereits apathisch zuckend am Boden. Rote Kappen, springende Mittelfinger und psychotisch gaffende Mimik im Hip-Hop-Outfit waren inzwischen das Gegenteil von up-to-date. Wes Borland machte mit offensichtlichen Seitenhieben auf seine eigene Vergangenheit und Fred mit einer völlig deplazierten EP, das Ende von Limp Bizkit deutlich.
In Zeiten, in denen sich jedoch von Faith No More über Alice In Chains bis hin zu den Guano Apes alles reformiert, was ein potentielles Retro-Festival besetzen könnte, war es nur eine Frage der Zeit, wann Jacksonville, Florida sich zum Comebackreigen gesellt.
„Limp Bizkit will live forever!“. Drohung oder Ansage nach 90 Minuten im grünen und dicht besuchten Stadtpark der Hansestadt? An Spekulationen wurde im Vorfeld der anstehenden Livekonzerte in Originalbesetzung schließlich nicht gegeizt. Lediglich finanzkrisenbedingte Zweckbeziehung oder tatsächlich spielfreudiges Wiedersehen?
Ach, ein Treffen mit Homies, Nookies und all den Fuckers, die anscheinend nur auf einen erneuten Crossover-Supergau gewartet haben. Es will einfach alles passen: ein extrem lässiger Fred Durst, der zwar leicht hüftsteif bzw. to-cool-for-school rüberkommt, dennoch die sympathische Frontnase mit Fannähe in Baggies mimt, die Jonathan Davis nie sein wollte; ein zünftig gefeierter Wes Borland, welcher die obskure Kreuzung aus Black-Metal-Monster und Dandy-Schaf gibt; schließlich aber die Stimmung, die dank der Greatest Hit(z)s-Setlist genau da liegt, wo oben ist. Es rollt, knackt und groovt überzeugend und souverän wie 2001 zuletzt. Große Experimente bleiben natürlich außen vor, die Handvoll Rückkehr-Konzerte sind letztlich mehr erneutes Statement als notwendige Wiedergutmachung. Das nächste Album darf folgen, die Krise überstanden, die Fans wieder hungrig. Red-Cap, you did it!
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DREDG: HAMBURG: GROSSE FREIHEIT 36: 08.Juni 2009

Leider tatsächlich ein paar Informationen zuviel.
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Im Laufe eines Lebens überfallen einen immer wieder Ereignisse, die man lieber ausklammern möchte: Das Realisieren, dass die eigenen Eltern nicht unantastbar sind, dass die Existenz doch kein komplettes Quiz ist, dass Freundinnen potentiell zum Fremdgehen bereit sind, und dass die Lieblingsband inzwischen nicht mehr die Lieblingsband ist.
Letzteres ist allein deshalb schon besonders schwierig, da doch all die voran gegangene Identifikation, die miteinander verbrachten Stunden und die innere Begeisterung plötzlich im Wind verweht, wertlos scheint und man genau da ist, wo die nun feiernde Meute heute nicht sein kann und möchte.
Runtergebrochen auf die Frage, ob das da vorne ein schlechtes Konzert oder man selbst einfach am falschen Ort war, lässt sich nur eins sagen: Dredg sind nicht mehr Dredg bzw. waren Dredg nie diese Dredg?
Die Antwort lässt sich natürlich nicht ausschließlich mit den offensichtlichen Fakten beantworten: MTV hat ihnen eine eigene „All Eyes On …“-Kampagne geschenkt, VOX fährt ihre aktuelle Single als Filmtrailer Richtung Radioprogramm, die einschlägig ausschlägige Musikpresse featured bis zum Umfallen und aktuelle Interviews lesen sich ungewohnt abgeklärt bis steril.
Doch sind dies nur Randnotizen, schließlich pisst 2009 niemand mehr glaubwürdig Richtung Mainstream. „Schöner werden die aber auch nicht mehr“ schießt es frech aus dem Mund eines weiblichen Fans (?) aus der hinteren Reihe. Lässt man die körperlichen Oberflächlichkeiten der Band mal außen vor und betrachtet sich das Songwriting und die Livedarstellung 2009, lässt sich zumindest eindeutig einstimmen.
Feinschliff ist das Eine, banale Emotionsstrudel das Andere. Erschreckend luftige Arrangements treffen auf den inoffiziellen Kompost des gestapelten Balladenschmocks. Gitarrenriffs werden als Alibi kurzfristig eingereicht, um die drum herum gebastelten Progpop-Schmachter in Ansätze von Rockformat zu stecken. Natürlich ist das ausgeklügelt, der Effektmaschinerie sei dank auch nett verspielt und hyperprofessionell, aber dermaßen blutarm, dass rückblickend die rohe Unfertigkeit von „Leitmotif“ wie schlechtes Mittel zum Zweck wirkt. So nostalgisch verklärt es auch gerne klingt: San Francistos kreativsten Tage sind gezählt, es sei denn man wartet zum samstäglichen Dancefloorbumms im Anschluss an das käsige „Human“ der Killers auf den Tonbruder im Geiste „Information“. Dredg haben sich ihrer eigenenen Geheimnisse beraubt und dürfen vielleicht sogar stolz darauf sein.
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SIESTA FESTIVAL: HÄSSLEHOLM: SCHWEDEN: 28.-30.Mai 2009
Die wahrscheinlich längste Abi-Vorfinanzierungsparty Schwedens.
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Man stelle sich vor, es wäre Schulfest in einer südschwedischen Provinzstadt und alle sind sie da. Der coole Ole von der letzten Bank, die expressive Anneke aus dem Busch und all die anderen, die man sonst nur zwischen Pausenhof und Erstsemesterparty auf einem Haufen zu sehen bekommt. Ach ja, dazwischen spielen dann auch noch einheimische bis international angesehene Bands, die dem Spuk zwischen eng geschnallter Leggins, rosa Plastikbrillengestell und durchweg beschrifteter Hautareale, den passenden Soundtrack bieten bzw. die Krone aufsetzen.Mit dem sympathischen Flair eines durch Jugendclubhände organisierten 3-Tages-Events zum Anfassen und Fassenlassen, hebt sich das Siesta! eindeutig vom deutschen Gleichschaltungskonzept der Marke Hurricane oder Highfield ab. Statt auf Teufel komm raus so viele Big Names wie möglich einzukaufen, setzt Hässleholm überwiegend auf ausgewogenes Kulturgut aus schwedischer Herstellung. Und um Feld und Wiesen der Region zu schonen, findet all das dort statt, wo es vielleicht auch hingehört: in das Stadtzentrum.
Entdecken gibt es neben dem abgegrenzten Alkoholbereich musikalisch auf drei Bühnen so einiges.

Die Damen regieren bekanntlich längst schon das Ruder der Independent-Szene. Adiam Dymott z.B. stellt die leibhaftige Antithese zur Behauptung auf, Poprock mit Frau am Mikro schiele generell gen Belanglosigkeit. So dürfen rundum sitzende Radiohits klingen, bitte auch bald überregional. Anna Ternheim hat den Begriff Rampensau für sich zwar nicht mal teilweise gepachtet, braucht sie für das souveräne Singer/Songwriter-Set aber auch nicht. Der luftige Pop klingt und steht gut. As In RebekkaMaria sind spätestens seit dem offiziellen Ende von Lampshade dermaßen ambitioniert im Auftrag quietschbunter Electropop-Unterhaltung unterwegs, dass man sich bei Anfeuerungen wie „All you boys, shake your ass!“ kaum noch an die elfengleichen Dickichtpreisungen von einst erinnern kann oder mag. Da helfen nur noch die tanzenden Bären im Doppelpack. Frida Hyvönen sitzt sicher am Klavier, bearbeitet dies auch genauso geschmeidig, wie ansonsten Sahnetörtchen oder traurige Hengste auf den Promobildern der Vergangenheit. Noch mehr Grand Dame war nur Jenny Wilson. So groß ihr Hut, so abwechslungsreich ihr Repertoire. Da war der Bogen zwischen Handclap-Indiepop und Semi-Chanson schnell gespannt.

Die üblichen Verdächtigen spielten auch ihr teilweise übel bemächtigtes Set. Mando Diao wollten anscheinend auf Sparflamme laufen, da wirkten selbst Hits wie „Gloria“ recht blutarm. Dass Brian Molko die Haare wachsen lässt, bedeutet nicht parallel eine steigende Relevanz Placebos. Trotz neuem Drummer wirkt das Programm unterkühlt und steif. Da dürfen die Franzosen von Phoenix Hochmut spielen wie sie wollen, besser macht das ihren Lounge-Indiepop auch nicht, doch die Masse mag ja Mittelklasse. Von The (International) Noise Conspiracy ganz zu schweigen. Dass ihnen an der Neudefinition von Härte nichts liegt, ist bekannt. Dennoch hatte niemand diese 60’s -Hochzeits-Rock-Darbietung verdient. Da waren Alesana aus North Carolina mit ihrer unglaubwürdigen „Pop Sucks!“-Parole fast witzig, auch wenn Justin Timberlake auf Screamo nicht funken wollte. Bizarr wurde es spätestens bei Dag För Dag. Stelle dir eine Musiklehrerin in ihren frühen Vierzigern und einer ausufernden Experimentalphase in barfuß, mit Haarband so rot wie der Lippenstift und einer begrenzten Spielfertigkeit vor. Kennt jemand Kleerup? Ja, den schwedischen Top-Produzent und gleichzeitig enttäuschesten Liveperformer. Wenn es um drögen Electro mit gefühlten 76,4 BpM geht: Kleerup fragen.
Die Überraschungstorten der Tage waren rar gesät, aber umso einprägsamer. Die Junior Boys kamen lässig und angenehm, den verspielten Klangflächen und der Samtstimme sei Dank. I Are Droid dürfen ab sofort die legitimen Editors-Nachfolger spielen, Wrestling With Angels bei Jeniferever zum Kaffee vorbei schauen und Jonathan Johansson weiter auf Bruce Springsteen machen.

Die Abschüsse kamen stets zum Schluss. Sonic Youth könnten teilweise die Großeltern der Festivalmeute sein. Und weil man sich nach Mitternacht von denen nichts sagen lassen will, haut man lieber ab- so passiert. Lag größtenteils auch an der Klimalage, welche das Gegenteil einer Wärmflasche sein wollte. Cult Of Luna schleuderten Freitag Abend die geballte Faust auf alles was zwischen Metro und Retro wuselte. Perfekter als mit einer leider zu kurz geratenen Sludge-Einlage konnte man die Unwissenden nicht verstören. Was Chaos angeht, können nur The Horrors mit ihrer Psychopunk-Gossipe noch eine Schippe drauf legen. Wer nun genau sagen kann, ob das wackelnde Ereigniss der letzte Mist oder total geil war, bekommt ein Shirt für lau. Für den Eintrag als obskurster Festivalabgang reicht es vorerst allemal.
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Dúné: HAMBURG: HEADCRASH: 19.05.2009

Ausverkauft im lässigen Schwitzkasten.
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Es scheint in Mode gekommen zu sein, Bands einige Monate vor Plattenveröffentlichung auf inoffizielle Promoreise im kleinen Rahmen durch die einschlägigen Städte zu schicken, so als Anheizer Richtung Fanblock für Kommendes und als Probelauf des neuen Materials für die Musiker. Doch mit einem Bein im Studio, einem Arm in den Miesen und dennoch on the road, resultiert dies häufig in eher lauwarmen Konzerten, die nicht wirklich einen Vorgeschmack bieten wollen oder können.
Die Sieben-auf-einen-Streich aus dem dänischen Skive wären da passendstes Beispiel gewesen, touren sie doch seit drei Jahren mit den Songs des Debüts „We Are In There You Are Out Here“ unaufhaltsam durch die Lande. Fast wollte man dem zynischen Gerücht Glauben schenken, sie würden als Kirmeskapelle enden, die sich für immer auf ihre Handvoll Songs beruft.
Also gut, es scheint sich zu bewahrheiten: neues Album, neues Glück. In Zeiten, in denen sich auf skandinavischen Dancerock anscheinend alle einigen können, war natürlich die Frage: Mehr Electro, mehr Rock, mehr Pop? Die ungemütlichste , weil unglaubwürdigste Anwort heißt: Das Beste von allem.
So jung und schon dermaßen geschmackssicher, das bleibt weiter ein Phänomen. Die bekannte Vorliebe für ungehemmte Rhythmik, mitsing-, jedoch nicht stumpf mitgröhltauglich, Gitarren ohne aufgesetzten Metallanschliff. Herrlich poppig und immer mit dem songwriterischen Drive, welcher Beliebigkeit keinen Platz bietet. Sie spielen in Sachen Hitdichte schon jetzt in ihrer eigenen Liga, und das weiß die dicht gedrängte Meute auch nur zu gut bzw. honoriert das mit einer Euphorie, die jenseits von Böse liegt.
Kreischende Mädels, wie soeben von THE DOME 53 entsprungen, können sich gar nicht entscheiden, ob sie nun eher zum Lockenkopf und potenten Mikrohalter Mattias, der sympathischen Cecilie an der linken Saite, oder doch dem heimlichen Frontmann und Keyboardbeauftragten Ole schielen sollen. Letzterer ist am wahrscheinlichsten, hat er den Begriff Entertainment geradezu gefressen. Gut trainiert ist halb gewonnen, scheint dessen Motto. Und so präsentiert er das schwitzende Sechserpack mehr als omni. Ob mit fallenden Eiswürfeln auf dem Bartisch, küssend mit Bandchef oder hochmotiviert tänzelnd zwischen dem ganzen Clan, in Szene setzen ist Hauptdevise.
Comeback gelungen, waren sie auch nie weggewesen.
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BEIRUT / ALASKA IN WINTER: HAMBURG: DOCKS: 03.05.2009

Ohne Krawall, mit Remmidemmi.
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Beirut ist für alle da. Ja, das sagen Reamonn auch von sich, aber das ist eine andere Geschichte. Angesprochen fühlt sich in diesem Falle anscheinend wirklich nahezu jeder, der irgendwo zwischen aktuellem Kulturteil und Musikexpress quer hört. Im Grunde machen es einem Zach Gondon und Anhang auch leicht, sie zu mögen, sind diese doch seit dem aufhorchenden Debüt „Gulag Orkestar“ mehr als ein para-relevanter Haufen ambitionierter Landmusikanten. Runtergebrochen auf die Essenz des musikalischen Schaffens, ist es diese Gefühl zwischen Euphorie und Fernweh, welches die Leute generell zu packen scheint.
Dass sie potentiell in die unterschiedlichsten Situationen passen, wird spätestens live klar. Sie sind die Art Band, welche den jungen Muttis das abendliche Vorlesen an der Bettkante des Nachwuchses ersparen könnte. Sie würden die Hochzeit deines besten Freundes stilvoll untermalen, die spontane Urlaubsfahrt ins Irgendwo sowieso. Was machen sie anders als der Genrerest? Nicht viel. Spielfreude ohne zur wirbelnden Zirkuskapelle zu mutieren, große Klanggesten ohne übertrieben ausgebreitete Arme, durchgehende Rhythmik ohne plumpe Anpassung an aktuelle Electoinfluenza. Beirut haben Spaß da vorne, vielleicht noch nicht so souverän wie Calexico, nicht so tiefgehend wie etwa Bon Iver, aber Sympathie lässt sich nicht erzwingen. Und so feiert Hamburg samt international eingetrudelter Fanbase, all die lieblichen Multi-Instrumentarium-Hymnen. Ausverkauft? Nachvollziehbar. Schade nur, dass die liebevoll-witzige Einmann-Performance Alaska in Winter im Vorprogramm eher missachtet wurde, was wohl eher an dem unpassenden, da zu großen Rahmen für die inszenierte Videoshow lag, vom laschen Walkman-Sound mal ganz abgesehen. Schließlich ist Brandon Bethancourt nicht umsonst der heimliche Favorit für die Mainstage des Melt!s von 2011 bzw. den Award für minimalistische Bühnendarstellung mit Format.
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IAMX: BERLIN: FESTSAAL KREUZBERG: 25.04.2009

Degradierende Rhythmusstunde.
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Zum staubtrockenen Samstagabend lässt sich mit so manchem die Zeit vertreiben: Freunde treffen, Tanzstunde, Wodkaziehung der Woche, Mitmenschen beobachten, irgendwie Geld ausgeben. Man kann auch genau alles miteinander verbinden, steht im Kreuzberger Festsaal und wartet auf einen eigenwilligen Mann mit mehr Gesichtern, als generell aufsetzbar. Warten ist dabei das Wort der Stunde, gibt der liebe Chris Corner doch wenig auf das Schwitzverhalten der zahlenden Leute. Genau auf die Menge Wartender, die beim Wort Ventilator Glücksgefühle produzieren könnten, das Tropfen im Stehen dann aber mit den knapp 90 folgenden Minuten Unterhaltung verrechnet bekommen.
Das Debütalbum „Kiss And Swallow“ aus dem Jahre 2004 scheinen tatsächlich mehr als vier Sneaker Pimps-Anhänger noch auf dem musikalischen Schirm zu haben, gibt es doch vor Ort diverse Frontdiva-Lookalikes, neben einer wild geordneten und schlecht zu zuordnenden Hörerschaft. Die Frau von der Edeka-Kasse klatscht dem Hantel-Typ aus Wedding fröhlich ins Ohr, mitgröhlen tun sie letztlich alle.
Und was ist dieses X? Hochmütiger Pathospop mit wuchtigem Elektrounterbau vielleicht? So in etwa. Wenn der kappentragende Wahl-Berliner am Mikro das Stimmbearbeitungsprogramm bis auf ein Maximum hochtuned, bleibt das Pendel noch immer zwischen perfekt klagend und anklagend. Die 80er Beats wirken zeitgemäß und semi-trashig zugleich, von der weiblichen (?) Erscheinung am Keyboard ganz zu schweigen. Soll heißen: Die da vorne spielen ihren eigenen Zirkus, peinliche Clowns und Akrobaten bleiben Gott sei Dank im Käfig.
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END PILOT FESTIVAL 09: ERFURT: CENTRUM: 11.04.2009

Zwischen Bühnen und Stühlen.
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Die Erwartungen waren insgeheim so groß, fast schon unrealistisch, schließlich ist ein Festival am Ende des Tages lediglich ein Festival, auch das Erfurter Endpilot. Alles las sich so lieblich ausgewählt, immer ein ordentliches Stück über dem allgemein gültigen Anspruch an das böse F-Wort. Da schwang so viel Leidenschaft, so viel Interesse am Geschehen zwischen den Noten, dass dieser Samstag zwischen den Osterfeiertagen geradezu prädistiniert für Vorab-Begeisterung zu sein schien.
Und nun im Anschluss, alles kaputt und zunichte? Wohl kaum, aber die Relativitätstheorie bezüglich Vorher-und Nachher-Show hat soeben gegriffen. Die Visionen des Endpilot-Projekts können natürlich nicht durchweg erreicht sein, wäre auch traurig und fadenscheinig zu gleich. Das alles ist schließlich nur der Anfang, den kulturellen Boden augenmerklich revolutionieren kann auch in Festivalepisode Nummer 4 nicht endgültig sein. Entwicklung und Co., und so.
Da ist also dieser herrlich laue Abend, der nach Menschen sehen, treffen und Austausch ruft. Das sieht man. Der Hof des Centrums ist durchweg nett bestückt mit Ihm und Ihr, zwischen Raucherpause und Absprachen für die nächste Band. Vor allem aber Letzterem, den Dingen zwischen der Musik. Die Auswahl zwischen den beiden Bühnen und dem Ausstellungsfloor der Lieblingsempire-Kollegen kann gut sein, letztlich jedoch ist dieser Durchgangsverkehr das inoffizielle Hindernis am wirklichen Erleben und Wahrnehmen der großen und gleichzeitig so intimen Momente. Dass das Verlangen danach jedoch mehr als vorrätig ist, wird beim Auftritt der Herren NILS FRAHM und PETER BRODERICK offenbart. Todesstill wird den herrlichen Effektspielerein Brodericks gelauscht, da wird jedes Anprosten oder Handytickern in der hinteren Reihe zur Geräuschsausnahme. Da ist sie dann, diese erahnte Atmosphäre. Klavier, Gitarre, Säge und mehr- das alles in Eigenregie inszeniert. Begeisterung ohne Mediumeffekt, die erste. SCRAPS OF TAPE aus Schweden beweisen dann die Gegentheorie zur hinterhältig/händlichen Meinung, Postrock wäre auch Rostrock. Da knallt es, flirrt es, saust und tobt ohne zur gewollten Krachkulisse zu mutieren. „The Grand Letdown“ ist albumtechnisch lediglich der derzeitige Schritt, das geht noch weiter. KANDING RAY zaubern den angekündigten magischen Schlag, angenehm und visuell raffiniert.
Am Ende stehen, nach gefühlten zwei, aber tatsächlich knapp fünf Stunden, die Headliner und angeblich auch ewig verbundenen geistigen Ideengeber des Festivals, LOGH zum langsamen Auslöschen des samstäglichen Wirrwarrs an. Skeptiker nennen sie die belanglosen Macher potentieller Weihnachtsliedern oder Ton gewordener Valentinsgrüße. Verräter und Unwissende, da ist soviel mehr. Das klasse Lichtermeer ist nur das einzig passende Stilelement zum leisen und doch bestimmten Siegeszug des perfekten Songwritings harmonischer Popmusik. Egal ob „Death To My Hometown“, „The Contractor And The Assassin“ oder „In Cold Blood“, danach kann nicht mehr viel kommen. So ist es dann leider auch. Licht an, Leute raus. Die Wahl: Bett oder Aftershowparty? Wer geht zu den Feiertagen schon 3 Uhr schlafen, schade. Das passende feierliche Outfaden ging in die Hose. The Last Dance? Gerüchte besagen anderes. Dann gibt es eine neue Chance, mit etwas weniger Erwartungen in der Hosentasche.
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MONO / NIHILING: HAMBURG: HAFENKLANG: 29.03.2009

Feedback garantiert.
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Der Heavy Metal ist also konservativ, Country ja sowieso, vom Jazz mal ganz zu schweigen. Wirklich anders sieht es jedoch im Bereich des Postrock auch nicht aus. Die Altvorderen werden verehrt, bejubelt, sogar ausverkauft. Doch nimmt man MONO einmal den Vorreiter-Bonus weg, bleibt da nicht viel. So ehrlich darf man sein, dass sie genauso wie EXPLOSIONS IN THE SKY und MOGWAI songwritingtechnisch längst von raffinierten Nachzüglern überholt wurden. Das Quartett aus Tokio pfeifft auch 2009 auf elektronisches Geplänkel, seltsame Vokalexperimente oder der Handreichung zum klassisch angehauchten Riffrock. Das dürfen sie ja auch, waren MONO seit jeher mehr für ihre gewaltigen Liveauftritte bekannt.
Der Hafenklang ist knackevoll, eine satte Party wird trotzdem nicht gefeiert. Da schieben schon NIHILING im Vorspiel, hinter vorgehaltener Hand auch Hamburgs postrockende Allzweckwaffe genannt, einen Riegel vor. Sie sind nervös, das dürfen sie auch sein. Skeptische Gesichter beim stimmlichen Einsetzen des Bandkopfes Gorka waren absehbar. Doch rein instrumental agieren muss nicht dauerhaft die Devise sein, und Richtung groovenden Rock und gleichzeitig kompakt poppigen Songstrukturen schielen, kann bei der MONO-Community fast nur negativ beäugt werden.
Primetime des Abends wird die erwartete Dosis „Druck, Rüttelbewegungen, Schwingungen“, schön episch angelegt. Pompös, bombastisch und traumwandlerisch fehlen noch. MONO können mitreissen und die Wall Of Sound bis zur Maxime schrauben, dass selbst die Langhaarigsten sich wider willen die Ohren halten. Sie können diese genretypische Wellenstimmungen bis zur Perfektion ausreizen, aber ihnen fehlen am Ende leider die sogenannten Hits, welche THIS WILL DESTROY YOU und THREE STEPS TO THE OCEAN z.B. in rauen Mengen bunkern. Innovation muss nicht der Gradmesser von Relevanz und Existenzberechtigung sein, aber Vorhersehbarkeit und Songverläufe wie am Reissbrett zählen letztlich doch in jede Wertung. Diese vier Musiker lieben das, was sie tun und Leidenschaft spricht ihnen niemand ab, doch das Stil-Monopol sind sie schon lange nicht mehr.
SOAP&SKIN: HAMBURG: KAMPNAGEL: 25.03.2009

Glanzlicht im Halbdunkeln.
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Die Tribüne sitzt voll. Voll mit erwartungsschwangeren Gesichtern zwischen knapp Postpupertär und rentenfähigem Alter. Sollte der Feuilleton recht behalten, die allgemeine Medienpräsenzenz der vergangenen zwei Monate die angepriesenen Früchte tragen und diese kleine, dunkel gekleidete Anja Plaschg tatsächlich dem wuchernden Interessenrummel Stand halten und Zweiflern Paroli bieten?
Bandnamen, die weniger verheißen als verdient? Nicht unselten. Leidende Frau am Piano? Altes Thema. Laptopspielerein als musikalische Auflockerung und Relevanzwahrung des Hier und Jetzt? Üblich, Zeitgeist und so.
Der Kampnagel schweigt brav, während Anja ihre Sitzung am Flügel recht klassisch und ebenso gediegen beginnt. Lediglich zwei Scheinwerfer leuchten, inszeniertes Stageacting bleibt vor der Tür. Dezent latente Effekte blubbern zu den übersichtlichen Tastenläufen, der Gesang schwelgt unaufdringlich. TORI AMOS calling? Von wegen. Sie kann und will auch anders. Es folgen die kleinen Brüche, gut akzentuierte Sperrigkeiten, vokalen Ausreißer, ohne dass der rote Faden zerspringt und die Atmosphäre kippt. Fehlerfrei durchgezogen, nennt man das, doch die Unsicherheit im Zwischenraum und innere Überwältigung kann die Wahl-Wienerin nicht verstecken. Muss sie auch nicht. Das Publikum klatscht sich die Begeisterung frei, nach dem kurzen Songwriting-Wunder „The Sun“ oder spätestens dem ergreifenden Hit im Geiste „Spiracle“, auch wenig überraschend. Das ist erst der Anfang? Zu jung, um wahr zu sein.
NIHILING: HAMBURG: LICHTHOFTHEATER: 25.01.2009

Die besten Plätze sind besetzt.
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Die gierigen Möwen der Landungsbrücken haben es ja bereits quer durch die Hansestadt gezetert:
Die Umstände rund um die nihilistischen Lokalmatadoren verliefen innerhalb der vergangenen Monate eher fragwürdig statt durchschlagend. Erst das wild drehende Besetzungskarussell an Gitarre und Bass, die seltsamen Gerüchte zwischen Songwriting und Aufnahmeprozess, dann die ungelöste Frage nach dem Veröffentlichungsdatum des Debüts und die Frage „Postrock-Fake und dennoch scheinbare deutsche Nr.1-Vorband der Szene?“ Inzwischen ist Januar und „M(e)iosis“ hat nicht nur die landesweiten Recordstores geentert, sondern wirft auch noch gute bis umarmende Kritiken durch die Republik.
Das Lichthof Theater ist weniger durch seine konzerttechnische Quantität bekannt, denn als selbst betitelter Ort der kulturellen Begegnung. Während Le Triste Cannibaliste im Vorprogramm den musikalischen Zirkus der spirituell-experimentellen Sorte fahren, der Improvisation und Sensation nicht in ein Atemzug setzen kann oder möchte, scheinen die Headliner Nihiling gleichzeitig gut aufgelegt und aufgeregt.
Dabei ist es für den Fünfer an der Zeit, sich einmal vor Augen zu führen, dass das allgemeine Schulterklopfen nicht grundfrei zu nimmt. Der ungewollt komische Startruf „Elektro!“ Richtung Mikrofon passt genauso wenig, wie der unübersehbare Durstanfall des Sängers Gorka oder der technische Defekt eine gute halbe Stunde später. Doch das sind nur Randnotizen, welche letztlich über Bord fallen. Im Mittelpunkt stehen zum Sonntag Abend nämlich die Songs. Und dabei ist der böse Wortjoker namens Postrock nur Mittel zum Zweck. Im Grunde wollen Nihiling die Dosis Atmosphäre in die Tracks packen, die sie den epischen plus gleichzeitig gut eingerahmten Songstrukturen schuldig sind. Macht am Ende Pophits mit Wuschel- und Kuschelrockeffekt, natürlich die guten. Und das ist ja wohl der angedockte Routenplaner: Reise per Flug, aber mit latenter Bodenhaftung. Abheben oder den Metro-Blick aufsetzen können die echten Schweden.
ROLO TOMASSI: HAMBURG: GRÜNER JÄGER: 12.01.2009

Labyrinthia de Avantgarditis.
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XCHAOSXRRRIOTGIRLXXXMATHCLASHXBANGBANGXLETSFETZX
XXHYSTERIEXXXXNOISECOREXXXFRICKELTHEFRICKXXJAZZXX
XXXZAPPELXXXAMBULANCEXSCREAMAMAXXKEYBOARDFUCKX
XSHEFFIELDXBROTHERSISTERXEXPERIMENTMEANTMENTALXX
XCASIOXXCOLLEGEMASSACREXMUCKERMUCKEXXBRAINPAINX
XSONGWRITINGSONGBITINGXFLETSCHENXRÖHREXXSUCKSXXX
XXXXJUPPPIESALARMAXXSHORTCUTXXWONDERGROUNDXTHX.
OPETH / CYNIC / THE OCEAN: HAMBURG: MARKTHALLE: 12.12.2008

Hauptgang ohne Zwischenfälle.
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Eine lange Schlange sagt noch nicht viel aus, schließlich herrscht auch am 14.Februar bei den Blumenhändlern oder zur offiziellen Freigabe der Böllerware zum Jahresabsch(l)uss großes Treiben, doch nichts dahinter. Der Freitagabend hat da schon ein anderes Kaliber auf die Speisekarte gesetzt, für den es sich sichtlich zu lohnen scheint. Das „Ausverkauft“ – Schild am Eingang war mehr Beweis als Vorwurf, dass Qualität generell auch zum Durchsetzen bereit ist.
Bevor jedoch „Schweden, Schweden“ – Parolen quer durch die gut klimatisierte Markthalle geworfen werden, stehen die Herren von > The Ocean < auf der Startrampe. Endlich einmal ein Rahmen, welcher dem Musikerkollektiv ansatzweise gerecht wird. So lieblich die Atmosphäre der Undergroundgigs mit 37 zahlenden Gästen auch sein mag, es wäre unverzeihlich, ein derart gut ausgeleuchtetes Werkstück wie „Precambrian“ unter Ausschuß der potentiellen Hörerschaft laufen zu lassen. Gerade live wird noch einmal bewiesen, dass komplexe Songstrukturen und erstaunlich präzise Durchschlagskraft nicht gegeneinander spielen müssen. Tja, Stimmung lässt sich nicht kaufen. Aber servieren schon, danke > The Ocean <.
Metal mit Hirn, die Zweite: > Cynic<. Wer sich vom Bandnamen irritieren lässt und eine Portion technoiden Grind-Alarm erwartet, wird getäuscht. Nach dem Split im Jahre 1994 folgte im vergangenen Jahr die nicht erwartete Wiedervereinigung. Für viele die Möglichkeit, von der eigenwillig-einzigartigen Avantgarde-Metal-Mixtur Notiz zu nehmen. Vertrackt, voll von Breaks und Tempowechseln und über allem diese dramatische Stimmführung, die einer ganzen Straße an Effekten zu gleichen scheint. Böse Zungen würden von der intelligenteren Ausgabe von > Porcupine Tree < sprechen.
Dann wird es laut, dank Vorfreude knisternd und fast schon emotional. Nun, > Opeth < waren und werden nie die Sorte Liveband, bei denen man Bizeps, die neue Haarfärbung oder seinen ungezügelten Alltagshass präsentiert. Mikael Akerfeldt ist Kumpel, Kritikerliebling und allürenfreier Rockstar in einem. Das macht sogenannte Lieblingsbands schließlich meist aus. Doch abseits der sich stetig vermehrenden Fanmassen gibt es auch die Leute mit der Ladung negativer Aspekte. Gut, > Opeth < können zwar auf einen beeindruckenden Katalog an Klassikern der jüngeren Prog-Metal-Geschichte zurück greifen und sie wählen auch in der Hansestadt mit Bedacht, dennoch fehlt eines: der Überraschungseffekt. Gerade die Stücke der neuesten Veröffentlichung „Watershed“ zeigen, was an urplötzlichen Wendungen und Oho!-Resultaten drinne zu sein scheint, und trotzdem will erschreckenderweise das einsetzen, was insbesondere den ewigen Innovatoren > Opeth < ein Stirnrunzeln bereiten könnte: Sie sind nicht mehr zwingend. Eher schlecht versteckte Zweitverwertung, leicht uninspierierte Riffs und Melodiebögen und die ein oder andere Länge im Songwriting wird dann auch livehaftig sichtbar. Darf man das sagen? Man darf. Nein-man muss sogar. Natürlich verliert unsere Stockholmgemeinschaft nicht an musikalischer Relevanz, doch der Ruf einer unfehlbaren Siegertreppchen-Truppe, vor allem in Livebetrachtung, sollte ihnen nicht anheften. Man sieht sich ja wieder.
TIGER LOU: HAMBURG: ÜBEL & GEFÄHRLICH: 03.12.2008

Bahn frei für „Fehlerfrei“.
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Es herrscht ja die Auffassung über bestimmte Bands, welche man nur hassen oder lieben kann. Doch wir sind hier nicht bei > Metallica < oder gar > Deichkind <. Im Grunde bleibt einem nichts anderes übrig, als diese Schweden in sein Herz zu schließen. Wo man quasi bereits beim Fazit des Konzertabends im Bunker angelangt wäre: Wer dem guten Ruf der Jungs um Karl Rasmus Kellermann nicht so recht trauen wollte, wurde erbarmungslos übermannt. Wer bisher nur von „The Loyal“ angetan war, hat spätestens morgen die komplett in chronologischer Reihenfolge gespielte neue Scheibe „A Partial Print“ auf Heimrotation. Wer den Tiger bisher ganz gerne mochte, wird ihn nun innig lieben.
Es ist verzwickt und unverständlich, doch es mangelte an Fehlern, kleinen Patzern oder möglichen Längen. Da passt kein „zeigte sich stets bemüht“ oder „befriedigend“, weil es mehr als das war. Perfektionisten und Männer in absolut künstlerischer Eigenregie gibt es im Musikbereich nicht wenige, doch wer schafft es menschlich sowohl auf Platte als auch livehaftig durchweg sympathisch und weitestgehend selbstlos rüber zukommen? Billy Corgan, Mike Patton und Conor Oberst wohl nicht. Herr Kellermann hat mit seinem Projekt > Tiger Lou < nicht nur jede Menge vor, sondern hat die Taschen auch voll mit Kreativität ohne Haltbarkeitsdatum, aber mit Massentauglichkeitsstempel. Popmusik mit ordentlich Hirnmasse ausgelegt und ein neuer Beweis, wieviel innerhalb vier Minuten an Stimmungsbögen und songwriterischen Glücksgriffen gehen kann.
Wenn sich vor Ort schon so dicht gedrängt wird und die liebenden Mitmenschen nun tonale Wangenstreichler wie „So Demure“ und „Coalitions“ als ihren neuen Soundtrack zum Knuddeln entdeckt haben , ist der Begriff „Hype“ zwar da, wird aber wertungsfrei wieder verworfen, schließlich hebeln sich im > Tiger Lou <- Fall Gerechtigkeit und Berechtigung eben nicht gegenseitig aus.
Dass Hamburg fast schon heiß auf den gut gezähmten Tiger ist bzw. die Band Spielfreude plus Euphorie im Alsterwasser hatte, ist nicht zu überhören/sehen. Da ist es fast klar, dass nach den zehn Stücken der beworbenen Neuerveröffentlichung natürlich nicht Ruhe in der Truhe ist, sondern ein kleiner Zuschlag an vorigen Hits nach kommt, auch mit gesanglicher Unterstützung Frau Kellermanns, die mit ihrer Elektropopkapelle > Firefox AK < zusätzlich den Opening Act gab.
Als das Licht angeht und die Garderobenschlange sich rasch verdichtet, wird es ebenso am Merchandisestand eng. Verständlich, ist neben dem Liveerlebnis als perfektes drittes Kalendertürchen, weiterhin die im Fokus der Tour stehende „A Partial Print“ das Nikolauspräsent der Wahl. Und auch das selbst Beschenken soll ja glücklich machen.