Corvonism

TROELS ABRAHAMSEN: WHT.

TROELS ABRAHAMSEN: WHT: SONY MUSIC: 2009

WHT

Die effektive Welle.

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Unauffällig, vorsichtig, mit Bedacht. Das stetige Vereinnehmen unterliegt keinem lautstarken Posaunenchor, keinen Hymnenrufen mit schier endloser Reichweite, erst recht keiner plötzlichen Offensive aus dem Hinterhalt. Manchmal geschieht es auch latent von hinter der bröckelnden Wandfassade. Der Angriff in anstehender Dauerschleife glitzert nicht, vertuscht nur geringfügig die grauen Töne zwischen dem Aufbegehren. Es pocht und blubbert durch den Korridor, nimmt einen weder den Halt unter den Füßen, noch lässt es erschrocken umblicken. Die Stille zwischen den Schlägen ist es, die zählt und wofür man zahlen wird.

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TURBOWEEKEND: GHOST OF A CHANCE.

TURBOWEEKEND: GHOST OF A CHANCE: MERMAID RECORDS: 2009

Ghost Of A Chance

Rauch fehlt, Schall bleibt.

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Mit Electropop ist es wie mit der Wahl von Kaugummis. Was mit plakativer Werbung, knalligen Farben und interessanter Formgebung anlockt, entpuppt sich nach zwei Kaudurchgängen als schnell geschmacksfreies Stück Gummi mit großen Blasen und wenig Nachhall. Der liegt schneller in der nächsten Pfütze, als Electro P-O-P buchstabieren kann.Das Genre ist spannend, aber teilweise auch mächtig verspannt, schließlich sind Überdosis Frauendeo und zu enge ausgeliehene Tigerleggins schnell das Gegenteil von cool.

Dänemark ist bezüglich tanzbarer Popmusik recht kompetent und fremdschämarm. Guter Beweis: Turboweekend. Klingt nach der prall dröhnenden Schranzladung, die sie natürlich weder ist, noch sein möchte. „Ghost Of A Chance“ ist die Art Sommerplatte, die zum offen gelegten Cabrio genauso passt, wie zur wodkagetränkten Untergrundsitzung. Nicht übertrieben arrogante Attitüde im Sonnenbrillenstyle, kein nervig-androgyner Gesang mit wenig Luft aufwärts. Zurückgenommene Atmo, dennoch nicht zu chillig und sauerstoffentleert. Doch neben all den erklärungstechnischen Banalitäten hat das Kopenhager Trio einen entscheidenden Vorteil: Hits. Ja, natürlich nicht die, mit der wehenden Peitsche, eher die sich langsam aufbauenden. Der angegossen sitzende Opener  „Trouble Is“, der Mitsinger „Something Or Nothing“ und v.a. der gefühlte Tiefseetanzer „Up With The Smoke Down With The Ash“ beweisen, dass Turbo auch nicht mehr das bedeutet, was es mal sollte. Wer zwischendurch Fr. Klums Ehegatten Seal am Mikro vermutet, liegt falsch, stimmtechnisch jedoch nicht völlig im Falsch. Dass nicht ein komplettes Wochenende ohne gewisse Längen auskommt, zeigt sich im Laufe der 11 Songs, macht die Handvoll wertvoller H&M-Umkleidehits umso mehr präsent.

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THE OCEAN: FLUXION (Re-Release)

THE OCEAN

„Fluxion“

fluxion-2009

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Quarkauflagen sind bekanntlich hilfreich gegen Schmerzen, Neuauflagen in der Tonträgerabteilung bereiten  dem Hörer hingegen überwiegend genau diese. Alte Hüte stehen dem Hier und Jetzt eben nicht grundsätzlich gut, und so verkommen Re-Releases gerne zum überflüssigen Deja-vu, den Plattenfirmen sei dank. Anders verhält es sich beim Musikerkollektiv von THE OCEAN, die ihr Debütalbum „Fluxion“ ganz bewusst neu verfasst haben. Zum einen, da die Scheibe inzwischen vergriffen ist, vor allem aber aufgrund der stetigen Unzufriedenheit über das Endprodukt bzw. dem Wunsch, die songwriterische Klasse von einst mit dem künstlerischem Anspruch von heute zu verbinden. Chefkapitän Robin Staps tut nichts ohne hörbaren Masterplan, und so klingt der 9-köpfige Ritt natürlich auch. Perfekt in der Schnittstelle zwischen den unkaputtbaren Felsbrocken von „Aeolian“ und der Wagenladung Atmosphäre und Tiefe des Konzeptmonsters „Precambrian“. Das nette, aber leicht gesichtslose instrumentale Postmetal-Material von 2004 entpuppt sich erwartungsgemäß zur metallischen Wall-of-Sound mit Hirn und Klasse, wo kein Platz für Zweitklassigkeiten sein möchte, liefert THE OCEAN wohl trotzdem wieder nicht den verdienten Erfolgsschub nach vorne, schade.

(Pelagic Records)

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MOTHRA: DYES

April 15, 2009
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MOTHRA

„Dyes“

mothra

Passables Vorwälzen.

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Ob mit visuellem Etikettenschwindel der günstigste Weg gewählt wurde, bleibt fraglich, vermutet man hinter dem kecken Artwork von „Dyes“ doch eher tanzbare Elektronik aus Skandinavien, statt der Zweitveröffentlichung eines polnischen Quartetts, welches laut Bandname japanischen Filmmonstern der alten Schule Interesse schenkt

Die Motte Mothra wurde im Jahre 1961 aus den Angeln der Filmgeschichte gehoben und gab die oft siegreiche Godzilla-Konkurrenz.

Passend dazu, wird die knappe halbe Stunde keine zart flatternde Tanzakrobatik, sondern eine gut verkrustete Ladung Mathcore geboten, die sich hörbar und dennoch gekonnt an Szenevorreitern wie DILLINGER ESCAPE PLAN und CONVERGE orientiert. Da poltert das dicke Insekt im Rausschmeisser „Fullgin/B“ genauso wild durch die Prärie, wie es es sich zuvor in „Octarine“ herrlich zäh am Boden wälzt. Kompakt, gut durchschlagend und dennoch mit der songschreiberischen Abwechslung, die Eindimensionalität vor dem Schnittstudio lässt.

Aber genau wie bei den verblichenen Helden von einst, bedarf das perfekt inszenierte Aufbäumen meist stetiger Vorarbeit, die müssen wir den Jungs von MOTHRA vorerst noch zugestehen.

(2009/Selfmadegod Records)

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YEAH YEAH YEAHS: IT’S BLITZ!

April 7, 2009
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YEAH YEAH YEAHS: IT’S BLITZ:

its-blitz

Mediokres Dancing At The Bowlingbahn.

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Warum die eigene Entwicklung künstlich in die Länge ziehen und nicht einfach ein gefühltes Album auslassen, um da anzukommen, wo man anno 2009 tatsächlich steht bzw. stehen möchte. Den imaginären Mittelfinger einziehen, Fackeln im Dickicht löschen und alles was man unter „Art-Punk“ je verstehen sollte, in 10 Songs lautstark zu Boden werfen.

Die YEAH YEAH YEAHS sind also nun tot? Hörbar nicht, sie atmen inzwischen sogar lauter denn je, drücken offensiv auf den Puls der Zeit und wandeln dennoch nicht geradlinig auf dem Pfad der Mainstream-Riege. Wenn’s nicht arscht, ist es für’n Rock, oder wie sagte Charlotte Roche zu VIVA Zwei-Zeiten so gerne?

Es fehlt meist das Schreien Karen O’s , die Hektik, das latente Chaos und die hippe Verzweiflung zwischen den Zeilen. Dafür riecht es ab sofort nach Großstadt, vielleicht nicht Heimatstadt New York, eher dem neu gemachten Indie-Schuppen Hamburgs. Tanzen, wackeln, aber keinesfalls Jubel, Trubel, Eitelkeit. Der Synthesizer läuft auf Hochtouren, in „Heads Will Roll“ wartet man auf die gleich einsetzenden Eurodance-Riffkanäle und die Single „Zero“ würde mit plötzlichen Rapeinlagen nicht mal verwundern. Dem als Gegenpart steht dann aber auch Feingeistkost wie die Postrock-Hommage „Runaway“ oder der atmosphärische Flächenteppich „Little Shadow“ als Rausschmeißer. Unausgegoren oder die neue Abwechslung? Das mag die Zeit uns beantworten, wenn das Trio nächsten Sommer Festivalheadliner spielen darf oder ihr Karriereende bekannt gibt.

(POLYDOR / UNIVERSAL: 2009)

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HACRIDE: LAZARUS

April 3, 2009
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HACRIDE

„Lazarus“

hacride

Perfekter Fall über den Tellerrand.

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Selbstwahrnehmung ist wichtig, Selbstüberschätzung eher gefährlich.

Dass HACRIDE den Begriff „Progressivität“ sich bestenfalls patentieren lassen würden, zeigten bereits die beiden Vorgänger zu „Lazarus“. Szenebedingte Zwänge, Auf-der-Stelle-Treten und verstaubte Ansichten bezüglich des eigenen musikalischen Kosmos waren seit jeher rote Tücher für die Franzosen. HACRIDE sind erneut im Auftrag des guten Songwritings unterwegs, und diesmal sollen es alle wissen. MESHUGGAH als Väter im Geiste waren jedoch gestern.

Wenn schon komplex und ausladend, dann mit Klasse und Format ist die Devise. Das betonte Streben nach Perfektion servieren uns die Herren in siebenfacher Ausführung. Ist aber gut durchdacht, schon ganz gewonnen? Nun, Atmosphäre scheint hier einfach alles. Akurat ausgearbeitete Spannungsbögen und große Momente von Pathos und Stimmungswechseln sind allgegenwärtig.

Daran gibt es grundsätzlich nichts auszusetzen, die Kollegen von THE OCEAN oder auch BURST überlassen schließlich ebenso wenig dem musikalischen Zufall. Mit einem bedeutendem Unterschied: HACRIDE wirken dabei steif, verkrampft und insgeheim angespannt. Wer den Metal revolutionieren will oder angeblich bereits schon übernommen hat, kann letztlich nicht vor Ausgeglichenheit strotzen bzw. fast nur scheitern, leider.

(2009/Listenable Records)

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FEVER RAY: FEVER RAY

März 25, 2009
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FEVER RAY

Fever Ray

fever-ray

Fahnen langsam hoch.

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Der Begriff „World Music“ wirkt abschreckend, weil irgendwie das Gegenteil von cool und zeitlich relevant. Wer sich diesen Genre-Button anheften darf bzw. muss, hat sich für das aktuelle Popgeschehen nahezu eliminiert. Dabei verbirgt sich hinter der sogennanten Weltmusik, die in den 80er Jahren erstmals namentlich auftauchte, lediglich die Kreuzung aus westlicher Popmusik und traditionellen, nicht westlichen Musikformen. Grenzgänger sind aber doch im Grunde immer zeitgemäßig, nur eben ohne die gedankliche Verbindung zu bewusstseinserweiterten Reformhaustreffen oder Großstädlern, die in ihre Mittagspause afrikanischen Ausdruckstanz im Park einbauen. Abgedunkelt heißt nicht gleich Keller, Trommeln nicht automatisch rituelle Zeremonie im Outback.

Spirituell, verwoben, nicht massenverdaulich: so in etwa liest sich der visuelle Untertext zum Stück Solodebüt der Karin Dreijer Andersson, potentiell durch THE KNIFE bekannt. Sie klingt und dementsprechend findet sie vielerorts Anklang. Dank des elektronischen Unterbaus der experimentell-minimalistischen Sorte, horchen aufgeschlossene Groove-Leser bzw. Melt!-Gänger auf. Die verträumten, mitunter herrlich bearbeiteten Gesangseinlagen wecken Interesse beim Postrock-Hörer von Heute, genauso wie beim extra-vertierten Singer/Songwriter-Publikum. Der offensichtliche Bezug zur Kunst durch Album-Artwork, Videoclip-Ästhetik und der eigenwilligen, düsteren Selbstinszenierung macht FEVER RAY zu einem Geamtprodukt, welches mehr sein will, als BJÖRK-Reloaded oder ein weiteres Beispiel der aktuell angesagten Überambition in Sachen Imagepflege weiblicher Künstlerinnen. Aus dem Wollen wird ein Wird, und ohne tonale Penetranz einer der großen Lichtblicke des Frühjahrs.

(2009: Cooperative/Universal)


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BAT FOR LASHES: TWO SUNS

März 12, 2009
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BAT FOR LASHES: TWO SUNS

bat

Das Sagenreich sagenhaft überstrahlt.

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Auch andere Mütter haben schöne Töchter. Ja, natürlich. Gehen wir doch mal allein die Riege der märchentechnischen Damenriege ab. Gut, Rotkäppchen ist jung und dumm-dreist, Rapunzel hat Haar und nichts dahinter, Dornröschen kann gerne weiter durchschlafen, Schneeweißchen hat Rosenrot, Gretel ihren Hänsel, Aschenbrödel schlechte familiäre Verhältnisse und Goldmarie zuviel Glück samt Verstand. Bleibt man am Ende eben doch bei der Erkenntniss, dass auch bei den Grimms nicht alles Gold war, was glänzt, und sie mit dem Schneewittchen die unangefochtene Grand Dame der sieben Berge erschaffen haben. An der müssen sie sich alle messen: A Fine Frenzy, Fever Ray, Soap & Skin und sogar Lily Allen. Und unbewusst bedienen sie sich allesamt dem unverwechselbaren Charme des Fantasieobjekts Nummer 1. Eigenständig auf den schlanken Beinen unterwegs, losgelöst von den Ketten der Vergangenheit, auf dem Weg in das fragwürdige Morgen.

Natasha Khan, schwarzhaariger und britischer Schopf der > Bat For Lashes < perfektioniert das Schwarz/Rot/Weiss- Ideal spätestens mit Zweitalbum „Two Suns“ dermaßen gut ausgeleuchtet, dass man an ein kitschiges Happy End inklusive dem Grobmotorik-Prinz gar nicht denken möchte.

Mystik ohne Nebelschußleuchten, Hochglanz ohne unpassenden Rahmen, songschreiberische Dramatik ohne Emotionsüberschuss. Alles wirkt getragen statt abgehangen. Die Khan lullt niemanden, hüllt lieber ein. Ihre Stimme thront über den nie aufdringlich- doch eindringlichen Klangerüsten, ist das episch? Wer will das schon sagen. Relevant und wertvoll ist die 11-Song-Kollektion allemal, die Zwerge würden vor Stolz erblassen.

( EMI: 2009)

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http://www.batforlashes.com

http://www.lastfm.de/music/Bat+For+Lashes

http://www.myspace.com/batforlashes


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NIHILING: ME[I]OSIS

Januar 26, 2009
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NIHILING

Me[i]osis“

nihiling

Sollen die Motten nur kommen.

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Postrock ist, was du draus machst. So oder völlig anders könnte der Slogan zur gefühlt veröffentlichungsreichsten Gitarrensparte des vergangenen Jahres klingen.
Während die einen bequem da fortsetzen, wo MONO und THIS WILL DESTROY YOU begannen, versuchen die anderen weiter zu schwimmen.
Zu letzterem gehören die Hamburger NIHILING, welche den Postrock-Urgedanken des Einpackens und Wegschwebens bereits mit der EP „Pandora’s Box“ aus dem Jahre 2006 hörbar und szeneaffin zelebrierten.
Das dem Genre schnell mehr Rost als Rock attestiert wird, war nie im Sinne der fünf Hanseaten, und so lösen sie auf „Me(i)osis“ die kreative Daumenschraube. An atmosphärischer Dichte kann man NIHILING keinen Hahn für ein Bison verkaufen, die Klangfahrten bleiben episch angelegt, ohne jedoch den Song an sich außer Sichtweite zu treiben.

Die musikalischen Vorbilder werden offensichtlich, ohne dass das Debütalbum direkt zum Wuselkabinett der Reminiszenzen mutiert.
OCEANSIZE lauern genauso offensichtlich zwischen den Noten, wie AEROGRAMME und A PERFECT CIRCLE, denen man mit dem potentiellen „A Thirnteenth Step“- Bonustrack „Nascent“ ohrenscheinlich Tribut zollt.
Fernab des Klischees norddeutscher Distanz bieten NIHILING das Stück progressive Rockmusik, auf welchem sich aufbauen lässt.

(Abandon Records / New Music Distribution / 2009)

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ARCHITECTS: HOLLOW CROWN

Januar 21, 2009
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ARCHITECTS

Hollow Crown“

architects

Setzen dem fast die Krone auf.

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Das Bild von Krönungszeremonien ist in den Köpfen der meisten Menschen überwiegend unrealistisch, soll heißen prunkvoller als es in der Vergangenheit, bevor es später zum monatelangen Prozess ausartete, von statten ging.

Im Falle der britischen ARCHITECTS benötigt die Amtserhebung Richtung Szenegipfel keine langwährende Inszenierung, haben sie sich mit Veröffentlichung Nummer Drei ihre rechtliche Stellung doch ohne übertriebenen Aufruhr gesichert. Dafür aber mit einer kompositorischen Durchschlagskraft, die so nicht zu erwarten war.

Hier steckt der Songwriter-Teufel im Detail. Ausgefuchst, raffiniert und dennoch mit der nötigen Präzision wird auf „Hollow Crown“ geschossen. Dynamik gab es wohl im 3-Gänge-Menü zum Frühstück, mit der progressiven Variante des Ritter Sport-Slogans „Quadratisch, praktisch, gut“ zum Nachholen.

Wenn es melodisch zugeht, dann eher feierlich ein- als peinlich ausladend.

All die potentiellen Anwärter auf die periodisch vakante Position des Hardcorethrons, von Tourkollegen namens BENEATH THE MASSACRE über SUICIDE SILENCE bis SIKTH, dürfen vorerst nur kratzen, die Krone sitzt bis auf weiteres fest und verdient strahlend, aber keineswegs blenderisch.

(Century Media / 2009)

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Das metallische Veröffentlichungsquintett im Januar.

Januar 16, 2009
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A PALE GREY SCENE

My Ocean“

a pale grey scene

Es wird kaum leichter, aus der grauen Masse hervor zustechen, insbesondere nicht, wenn es sich um das wild besiedelte Metalcore-Dickicht handelt.

Da muss schon mehr als nur latente Kreativität das Licht erblicken, sonst steht man schnell zwischen Durch- und Abschnitt.

A PALE GREY SCENE aus der Bundeshauptstadt wollen mit ihrer EP schon recht viel, könnten aber hörbar mehr. Laut Eigenaussage bedienen sie sich aus dem großen Pott des metallischen Fundus, welcher an kollektiven Hardcore-Shouts und fliegenden Gitarrensoli genauso wenig spart, wie an Chaosparts und der Portion emotionaler Kla(ge)rgesänge. Mehr ausbaufähig als auf dem falschen Dampfer.

(Demo-EP)

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LAVATCH

Lavatch“

lavatch

Jemand sagte mal, es käme nicht auf die eigenen songwriterischen Fähigkeiten an, letztlich zählten nur die richtigen Vorbilder. Fragliche These, dennoch diskussionswürdig.

Bei den Jungs von LAVATCH macht sich die Leidenschaft für NORMA JEAN und CONVERGE nicht nur bemerkbar, sie drängt sich geradezu auf.

Dass sie dabei aber mit mehr Ernst zu Werke gehen, als unbestimmte globale Webseiten erwarten lassen, muss man den Kölnern nach ihrer Besetzungskarussell bedingten Pause lassen.

Chaos ist nicht gleich Chaos, und so wird gemäß der besagten Helden recht kompetent das Feld von hinten quer gepflügt.

(Demo-EP)

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BETWEEN THE BURIED AND ME

Colors_Live“

colors-live

Wundertüten gehen immer mit der Mischung an Emotionen einher: Freude, Enttäuschung, Erstaunen und einer Portion Stirnrunzeln.
Im Falle der musikalischen Wundertüte „Colors“, der vierten und wichtigsten Platte BETWEEN THE BURIED AND ME’s, nicht anders.
Für alle, die das Ton gewordene Labyrinth verpasst haben, folgt nun mit Veröffentlichung der kompletten Disc und DVD in Live-Fassung, samt Einblicke Richtung Studio und Backstage, die Chance.
Zurück bleibt für das Quartett sowohl erneut der Beweis, eines der progressiven Schmuckstücke der jüngsten Vergangenheit im Gepäck zu haben, als auch die Gewissheit, Ebenbürtiges für die Zukunft parat stellen zu müssen.

(Victory Records)

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COROVA

Sequence Of A March“


corova

Was reimt sich alles auf Sludge? Genau, Matsch, Grudge und Platsch.

Könnte auch reichen, wenn man das Debüt der Koblenzer COROVA zur Spielrunde hinzu zieht.

Dafür, dass im Jahre 2006 gegründet, klingen die Herren schon beachtlich professionell.

Der gerne gewählte Vergleich der Rasenmäher-Methodik, greift im Falle der kraftvollen Gitarrenwandansage von „Sequence Of A March“ bereits ausgesprochen potent.

Zähfließend, meist gemächlich und gerade dadurch zielsicher auf dem gewünschten Zerstörungspfad. Zurück zum Reimespaß: Quatsch lassen wir hier mal bewusst aus der Liste raus.

(5gegen5000Records)

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SHE SAID DESTROY

This City Speaks In Tongues“

destroy

Etikettenschwindel Helau!

Die Norweger von SHE SAID DESTROY bringen alle Unwissenden erst mal dahin, wo der Boden unsicher ist: Richtung Holzweg.

Fängt bei den dubiosen Stilerläuterungen an, die zwischen Shoegaze und Black Metal pendeln, und geht direkt zum schwarz-rosa Artwork über, welches schicken Tanzstoff vermuten lässt.

Doch das 8-köpfige Missverständnis windet sich weder leichtfüßig durch die Berge, noch wackelt es urban über das Parkett.

Letztlich haut Oslo mit dem Nachfolger des Debüts „Time Like Vines“ den komplexen Metalbatzen vor die Stadtmauern, der mit Vielfältigkeit und trotzdem ohne überflüssige Umwege gerechtfertigt Zähne zeigen darf.

(Tabu-Recordings / Plastic Head Distribution)

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[Song der Woche] LILY ALLEN: The Fear

Januar 6, 2009
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LILY ALLEN: THE FEAR (2009)

lily

Das bunte Gestrüpp der auftstrebenden Pop-Diven löst sich auch im jungfräulichen 2009 nicht auf. Ob man will oder nicht, die weibliche Garde am Mikro hat dem Konkurrenzgeschlecht den Rang in Bezug auf musikalisches Aufhorchen, Hingucken und Wundern längst abgeflitzt. Ob durch gewagt innovative Images, die gerne unbeständig sind oder soundtechnische Referenzen abseits des Mainstream, die Damen haben das Entertainen allem Anschein nach besonders in diesem Jahrzehnt direkt im Blut bzw. im Finger. Bei Lily Allen besonders im Mittelfinger, fiel sie doch in der Vergangenheit eher durch rüde Ausagen gegenüber des Indiekonsortoriums auf, außerdem mauserte sie sich mehr und mehr zum modischen Aushängeschild der InTouch-feat. MySpace-Generation samt Fuck-Attitüde.

Neues Jahr, neues Glück, aber wohl  ohne die Frage, ob die 1985 in London geborene Lily nun zu- oder abgenommen hat, wie verdient der Worst-Dressed-Award des NME ist, und wie es um ihre Hautbeschaffenheit im ungeschminkten Zustand steht. Mit der angesprochenen Portion Glück und notwendigen MTVIVA-Zugkraft könnte es in diesem Jahr für Madame nämlich endlich zu dem internationalen Durchbruch kommen, den ihre eher witzboldig gemeinten Coverversionen zu Britneys „Womanizer“, „Naive“ der Kooks und „Oh My God“ der Kaiser Chiefs latent einleiteten. Überraschende Clickzahlen auf diversen Webpages sagen nicht viel aus, jetzt muss was kommen.

Und- es kommt: The Fear. Der Single-Vorbote zum Album „It’s Not Me, It’s You“, welches Anfang Februar die deutschen Plattenläden entert. Die angebliche Soundveränderung hat statt gefunden. Statt freudiger HipHop-Beats und Ska-Rhythmik setzt es hier eine fast hypnotische Traum-Line, die Lilys Zweifel und kaum versteckten Sarkasmus über das heutige Star-Dasein lyrisch passend einbindet. Ein Songverlauf  so nervfrei wie möglich, 3:45 Minuten so erschreckend lieblich wie nötig. Tja, Lily, Applaus-Applaus. Und nicht für ohne Höschen sondern für mit starkem Songwriting und Kissen-nach-Mitternacht-Atmosphäre. Das ist der Radiohit, der es sich selbst verdient hat und das passende Video dazu, welches tanzende Geschenkkartons zeigt und eine wandelnde Frau Allen, die doch so gar kein Wässerchen oder Männerherzchen trüben mag. Danke, Song der Woche.

Gekonnter Textauszug: „Now everything is cool as long as I’m getting thinner.“


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I LIKE TRAINS: THE CHRISTMAS TREE SHIP

Dezember 15, 2008
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I LIKE TRAINS: THE CHRISTMAS TREE SHIP: 2008: FANTASTICPLASTICCRECORDS

Legende in Seidenmatt.

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iliketrains

Dass Zugfahren depressiv macht, ist ein anderes Thema, dass Weihnachten den Melancholieschub fördert, ist nämlich das heutige. Neben dem kollektiven Freischießen am Glühweinstand oder Wettlaufen in der Mall eures Vertrauens, gehört dann eben noch die von allen Seiten lauthals gepriesene Stille, Ruhe und das Innehalten zum großen Fest. Endlich mal Zeit, ohne schlechtes Gewissen tagelang durch zuhängen und seltsame Leuchtobjekte in den Fenstern der Nation als Augenhighlight abzusegnen. Mit Glück dann noch ein paar Tannennadeln im Zeh und dazu eine Reihe anheimelnder Geschichten, fertig ist’s. Letzteres übernehmen in der diesjährigen Saison übrigens die Herrschaften von > I Like Trains <, welche zwar keine Lust mehr auf Mixturen aus Groß- und Kleinschreibung oder auch Gesangsspuren haben, dafür ihre Liebe für althergebrachte Geschichten weiter ausbauen. Ergibt eine knappe halbe Stunde Shoegaze der eher klassischen Fraktion. Elegisch nennt man diese Gitarrenspuren, dramatisch den konzeptionellen Albumaufbau. Ideengeber dafür ist die Mär des gen Lake Michigan gesunkenen Weihnachtsbaumhändlers Herman E. Schuenemann aus dem Jahre 1912.

Als visueller Bonus liegt eine DVD zum Soundtrack bei.Die gut ausgeleuchteten Briten ohne verzerrte Mienen an ihren Instrumenten, eine schwarzhaarige Dame mit songabhängigem Ausdruckstanz zwischen Schneefall und Sturmszenario, und dies in gerne gesehener Schwarz-Weiß- Ästhetik.

Soll fazitös heißen: Für die Stunden zwischen dem familiären Supergau schenken > I Like Trains < das weniger erleuchtende, aber angenehm plätschernde Stück musikalischen Adventsstollen, schwerer Magen ausgeschlossen.


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