ASSJACK
Assjack

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Es war irgendwo im Grenzgebiet von Nashville, Tennessee.
Ein paar Leute erzählten bereits Tage zuvor was von einer Jackass-Party am Samstag Abend.
Da, wo doofe Stunts gepaart mit der amtlichen Überdosis Alkohol, einer Horde moshfreudiger Rednecks und kollektivem Psychobilly-Flair den eventtechnischen Ton angeben sollen.
Wo die Lunte brennt, Testosteron, Spaß und Spiel als Headliner regieren und der Feingeist mit der Axt gepeinigt wird.
Dort, wo wild und ungestüm Trumpf ist, und abgehangene Frauen zum Ankrabbeln bereit stehen.
Onkel Mikes bärtige Truckerfreunde der generellen Einödnis den Mittelfinger oder fettigen Mittelscheitel zeigen.
Die schlecht gezähmten Köter noch auf Kampf aus sind.
Wo das Fleisch blutig tropft und Bier noch richtig fließt.
Sich das handgemachte Teufelszeichen selbst beim Sturz in die eigene Kotze wie von alleine aufrichtet.
Da, wo Metal noch Gefahr plus Faustschläge bedeutet.
Zwar die Hälfte Anwesender wie genau solche aussehen, kompositorisch jedoch keine Gefangenen gemacht werden. Riff, Ratter, Röhr!Und das fast durchweg im beliebten Hasenficktempo.
Moment mal, die Fete lief vielleicht doch unter ASSJACK, nimmt sich am Ende aber genau gar nichts.
Ich war dort. Einmal und wohl nie wieder.
Entschuldige, alter Rebell Hank Williams III oder in deiner Sprache: Fuck you, Bastard!
(Sidewalk Records)
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written for FUZE Magazine
ALICE IN CHAINS: BLACK GIVES WAY TO BLUE: VIRGIN (EMI): 2009

Die verspätete Seattle-Aftershow-Fete.
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Wenn man ganz ehrlich ist, war die Zeit für Grunge und all die 1992 ‘er Nachwehen nicht nur vorbei, sondern bereits komplett Geschichte. Als frisch nach dem Millennium Heerscharen an US-Rockern sich mehr oder weniger kompetent an den Herren der Dekade zuvor orientierten (Theory Of A Deadman, Puddle Of Mudd, Godsmack etc.), war offensichtlich, dass neu geladene Erinnerungen gut und schön sind, aber die Musikhistorie ungekonnt verwaschen bzw. gedankliche Verbindungen setzen, die mehr weh als gut tun.
Alice in Chains waren immer die coolere Grungeband. Sie setzten weder auf so eine musikalisch reduzierte Ein-Mann-Show wie Nirvana oder dem verschrobenen Indien-Psycho-Kosmos der Stone Temple Pilots, noch auf die potentiellen Soundtrack-Massenhymnen von Pearl Jam bzw. die Garagenkracher der Mudhoney-Jungs. Immer standen sie mit einem Bein im Heavy Metal, bedienten sich wabernden 70er-Jahre-Doomriffs, hatten eher das Image der selbstzerstörerischen Rocktypen und wollten nie so wirklich als Everybodys-Posterboys durchgehen. Seltsame Junkhead-Bekenntnisse und flehende Todessehnsüchte waren und sind eher kein gern gehörtes Mainstreamfutter.
Es war der Tag X. Layne Staley = tot. Damit zersprang der letzte aufrecht wankende Grungefunke, der bereits mit der elektronischen Unterwanderung des Rock und aufkeimenden New Metal-Invasion in die Ecke verdrängt wurde. Hoffnung ist tabu, gerade wenn der Sänger und Frontmann das lebenstechnische Handtuch wirft. Und so war Staunen und Stirnrunzeln angesagt, als Gerüchte eines Alice In Chains-Comebacks die mediale Runde machten. Wo bleibt da die Ehrfurcht? Der Respekt vor dem eigentlichen Ruf ? Scham und generelle Moralvorstellung? Wer sollte bitte Layne ersetzen? Den Mann, der bis zum Ende mit einem Charisma aufwarten konnte, welches man sich eben nicht kaufen, geschweige denn antrainieren kann. Neues Material nach 13 Jahren – kann nur schief gehen.
Nun ist es raus. Einmal das Album „Black Gives Way To Blue“, und dann, dass es Wiedersehen gibt, die nicht nur Freude machen, sondern im besten Falle auch richtig gut tun. Im Grunde ist auch 2009, nach vielen Jahren Bandpause und kommenden und gehenden Musikhypes alles wie zu den Zeiten, als MTV noch Geld und Platz für Clipformate hatte. Als Karohemden nicht zum wiederholten Mal angesagt waren, lange Haare ein Must-Have und die Generation X die Zukunft als das schwarze Loche ansahen. Kompositorisch ist das alte Schulte, aber eher der freundschaftliche Schulter- als ungewollte Schenkelklopfer. Die kellertiefen Sägeriffs ziehens sich im Classic Rock-Kontext durch 3/4 der Platte, bleiben dennoch zu schräg gespielt um den 0815-Brummifahrer das Cap wackeln zu lassen. Das Wechselspiel aus der vokalen Disharmonie, die sich erst zweistimmig aufbaut, um in nächsten Moment in sich zusammenzufallen, feiert wieder ihr ausgedehntes Fest . Kein „Oooh!“ und „Yeeeah“ zu selten oder zu kurz gehalten. Die obligatorischen Balladen fehlen genauso wenig, wie der Anklang von Countryfolk unter den akkustischen Zeilen. Macht unter dem Strich also den nahtlosen Anknüpfer an die letzte, selbstbetitelte Platte? Nicht ganz. Lyrisch ist die Verzweiflung entschärft, musikalisch die Schärfe leicht entzweifelt wurden. Egal, das passt trotzdem, schließlich kommt ehrlich gemeinte Wut auch im neuen Jahrtausend besser selten auf Knopfdruck.
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RAMONA FALLS: INTUIT: SOUTTERAIN (ROUGH TRADE): 2009

Hände im Schoß.
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Warum das Spice Girls-Comeback floppen musste? Ganz klar, da der „Girl Power“-Banner allgegenwärtig ist, sich geradezu penetrant in alle Richtungen zoomt. Gleichberechtigung hinter dem Mikro ist ausgekämpft bzw. längst vom Unentschieden gekippt. 70% des Radio- und Clipprogramms ist weiblich gekleidet. Und diese Doppel-X-Chromosierung nimmt sich dermaßen viel raus, dass man verwundert und empört zugleich sein darf. Da braucht man über die zunehmende Rücknahme der männlichen Zunft nicht verwundert sein. Isolation, abgedunkelte Arbeitszimmer, aufgezogene Kapuze, Furcht vor Nähe.
Wenn Ramona fällt, leidet mindestens einer mit. Der, der dort bedrückt in der Fensterbank sitzt. Inmitten der groß produzierten Instrumentierung und doch fernab vom bombastischen Großstadttrubel. Der, der sich zurückzieht, der nach unten singt. Der, der ohne Tränen leidet. Der ohne obligatorisches Magnet anzieht, seine Songs aber reihenweihe auszieht. Alles runterbricht, was nicht stehen möchte. Da fehlt die Frage, wo Pop anfängt, Extravaganza aufhört und wann Typen sich mal ins Kissen drücken dürfen. Wie das Panorama des Mount Hoods mit den Straßen Portlands im Vordergrund.
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SWITCHBLADE
„Switchblade“

Bored Candle In The Wind.
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Monotonie ist grundsätzlich der Welten Hohn. Im Falle der Schweden von SWITCHBLADE wird jedoch der bandinterne Slogan „Less Is More“ nicht nur berücksichtigt, sondern geradezu penetrant ausgereizt.
Da freut sich der Spannungsbogen, könnte man denken.
Doch leider gefehlt. Innerhalb der 49 Minuten wird der zähschleppende Doomaufguss mit einer Geduld abgehandelt,
die im Gegensatz zum Vorgänger weniger faziniert, als erschreckt.
Der dreigeteilte Trauerkloss nimmt weder Gefangene, noch ein paar Zuhörer zum Lachen in den Keller.
Das Gesicht eines Albums fällt mit song-gegebener Ausstrahlung, doch hier liegt bereits alles am Boden:
Hoffnung, Träume, Wunsch nach Tageslicht und Abwechslung.
Das kann Freunde grabestiefer Ritualsklänge natürlich ungewollt glücklich stimmen, Anhänger der angeblichen Brüder im Geiste wie CULT OF LUNA oder ISIS jedoch eher ein Schulterzucken entlocken.
Dafür klingen SWITCHBLADE eben dann doch so, wie der Alltag es vormacht: Ziemlich eintönig und schwarzmalerisch.
(Trust No One Recordings)
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written for FUZE Magazine
THE XX: XX:2009

Aktenzeichen XX abgelöst.
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Aus einem Fragezeichen werden schnell zwei. Das große X lauert überall. Nicht unbedingt in der Welle britischer Nachwuchskünstler. Da wird alles zu schnell geklärt, offenbart und dermaßen prall ausgeleuchtet, dass aus dem erkennbaren Begriff „Heiß“ rasch „Hype“ wird. Das schreckt ab. Zu selten verirrt sich da kreatives Silberbesteck inmitten des NME-tauglich lackierten Sondermülls.
Und dann kommen diese beiden Buchstaben so groß weiß auf schwarz. Somit trifft er auch ein: der lebendige Gegenbeweis zur These, und zwar schwarz auf weiß.
Das Doppel-X fängt ein, nicht auf – fällt nur latent auf, und dann wieder in sich zusammen. Das sind keine fix abgeschusterten Teeniegedankengänge im oberflächlichen Fetentrubel. Keine zirpenden Stampfbeats als pupertäres Animationsprogramm, wie das The und akutes Namedropping weis machen könnten. Im Grunde herrscht hier klassisches Pop-Songwriting mit der Portion Melancholie, die nicht jugendliches Fernweh sein möchte. Elf mal Klangwelten, die nach links und rechts Ausschau halten und doch im wohligen Nebel verharren, ganz ohne schlecht gepuderten Glanz- und Bombastmantel. Das Quartett trägt schwarz, und denkt dennoch nicht finster. Sie wissen um die Funktion elektronischer Untertöne, aber ebenso um die künstlerische Waagschale. Wenn das der inoffizielle Einstieg Richtung Herbst und verregneten Gassen sein soll, dann kann der Sommer gerne dort bleiben, wo das Kalenderblatt vom vergangenen Monat liegt.
(XL/Beggars)
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ERYN NON DAE.
„Hydra Lernaia“

„Scheinkräfte sind die musikalischen Schwarzfahrer“, gilt als denkwürdige These.
Es gibt zumindest keine fatalere, weil irreführendere Genrebezeichnung als die
des Power Metal. Im Grunde arbeitet man dort selten ansatzweise mit der Kraft der zwei Herzen.
Da lauern ja mehr Schein als Sein und unechte Energieschübe, als noch in den berüchtigten US-Motivationsevents „Hour Of Power“.
Kraftanwendungen brauchen Raum und Luft, und wenig schweißtreibendes Leder plus Nieten.
Dichte und Intensität existieren ebenso ohne Nebelmaschinen, gefühlte Weite ohne den Plastikfels in der Brandung und
völlig steinfreie Wege bleiben der Feind des Spannungsfeldes.
Vom sich aufbauenden Knalleffekt haben auch Ernyn Non Dae, ehemals END., nicht nur gehört,
sondern anscheinend auch ordentlich im heimischen Toulouse gelöffelt.
In der Furche, wo TEPHRA zu eintönig werden, GOJIRA schon seit jeher Überzeugungsarbeit leisten,
wirft der französische Fünfer seinen „Volle-Kraft-voraus“-Anker dermaßen überzeugend grimmig nach links und rechts,
dass man den Begriff „Leben“ als Haupteinfluss der Band fast schockiert annehmen möchte.
Fest steht, dass die alten Initialien END. genau das wiederspiegeln, was sich hörbar abspielt,
jedoch zukunftstechnisch nicht das Schicksal der Band sein darf.
(Metal Blade)
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THE PSYKE PROJECT
„Dead Storm“
Zurück zur Natur, am besten mitten rein in’s fiese Dickicht, wo stinkende Sümpfe Trumpf sind,
und satter Morast die Liegewiese der Wahl wird.
Die generell recht ambitionierten Dänen des PSYKE PROJECT sind derzeit im Auftrag der Macht skandinavischer Urgewalten unterwegs.
Doch im „Deadstorm“ geht es allen Ohren nach um mehr, als die romantisch verklärte Vertonung tanzender Eulen
oder Danksagung an längst verblichene Baumgruppen.
Album Nummer Vier wird mit jedem Durchlauf mehr zum unkaputtbaren Manifest der Welt hinter dem Ortsausgangsschild.
Doch der Hang zur Mystik und diffusen Schattenspielen im Metal läuft oft Gefahr,
zum fremdschämenden Gläserrücken zu mutieren. Keine Angst, THE PSYKE PROJECT bleiben stets stilsicher und der
satt peitschende Beweis, dass man Feld-und Flur-Atmosphäre nicht mit lieblicher Harfe und Panflöte am Lagerfeuer kaufen muss.
Die Songtitel schweben passenderweise zwischen obligatorischen Stephen King-Kapiteln wie „Fire Blizzard“ und „Storms Of The North“,
Kurzfilmzitaten a`la „Utopia Is Not An Option“ oder bewährter Schocker-Überschriften der „Stockholm Bloodbath“-Sorte.
Man darf es ausgefuchsten Sludgecore nennen, am Ende auch gerne tannengrün funkelnde Albumüberraschung des Sommers.
(Lifeforce Records)
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FAUST AGAIN
„The Trial“

Man reibt sich zu gerne an Randnotizen und den typischen Äußerlichkeiten. Beispiel hier: Der Bandname FAUST AGAIN bleibt unschön im Klang, das Artwork der dritten Scheibe macht eher Kopfschmerzen als Kopfnicken, und von dem landläufigen Unwort „Progression“ aus der Promoinfo kann man inzwischen auch nichts mehr erwarten. Dies alles könnte was aussagen, muss es aber nicht. Auf den Geschmack kommt man schließlich beim Essen, und so mutiert „The Trial“ plötzlich von einer eher uninteressanten Vorspeise zum empfehlenswerten Gericht des Tages. Der 1999 im polnischen Grudziadz gegründete Fünfer hat den klassischen Death- Metal zwar noch intus, die angepriesene Weiterentwicklung aber hörbar nachgeladen. Ja, DARKEST HOUR lassen mehr als einmal grüßen, doch dank der kurzen, aber teilweise mutigen Soundspielerein als Interludes, erkennt man den künstlerischen Blick über die zielsicheren Riffsalven auf der Mainstage des Pressure Festival hinaus.
(Bastardized Records)
written for FUZE Magazine
NAHEMAH
„A New Constellation“

Zustimmendes Nicken in Dauerschleife.
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Überraschungen müssen nicht immer gleich in Form des weißen Kaninchens aus dem Zylinder, oder der barbusigen Tante aus der Geburtstagstorte zelebriert werden. Der freudige Aha-Effekt kann auch gerne im Stile der neuesten Veröffentlichung NAHEMAs einsetzen, ohne überlaute Pauken und Trompeten. Dafür mit der tatsächlich vorherrschenden „A New Constellation“, die der Titel bereits verspricht. Das Quintett aus dem südwest-spanischen Alicante hat ihrer Black-Metal-Vergangenheit inzwischen fast komplett Siesta verordnet, und spielt in den kreativen Bahnen, durch die sich auch BURIED INSIDE und BURST derzeit kompetent schlagen. Diese ausschweifende Geradlinigkeit inmitten der niemals ausartenden Kalt/Warmduschen, dieses Hauptaugenmerk auf Atmosphäre und getragender Härte. Auf der Spur, wo Postcore sich wie von selbst mit Progrock samt Ambient verbindet, ohne zum halbgaren Gewäsch zu mutieren. Anders als die ähnlich agierenden CALLISTO auf ihrem aktuellen „Providence“ schlängeln sich NAHEMA jedoch mit mehr spielerischer Dynamik und Abwechslung im Songwriting durch das Genre, dem man verwunderlicherweise noch keinen wirklichen Namen gab. Und anders als das böse Erwachen im Postfach oder Kontauszug, darf sich diese musikalische Überraschung gerne wiederholen und weitergereicht werden.
(Lifeforce Records)
written for FUZE Magazine
TROELS ABRAHAMSEN: WHT: SONY MUSIC: 2009

Die effektive Welle.
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Unauffällig, vorsichtig, mit Bedacht. Das stetige Vereinnehmen unterliegt keinem lautstarken Posaunenchor, keinen Hymnenrufen mit schier endloser Reichweite, erst recht keiner plötzlichen Offensive aus dem Hinterhalt. Manchmal geschieht es auch latent von hinter der bröckelnden Wandfassade. Der Angriff in anstehender Dauerschleife glitzert nicht, vertuscht nur geringfügig die grauen Töne zwischen dem Aufbegehren. Es pocht und blubbert durch den Korridor, nimmt einen weder den Halt unter den Füßen, noch lässt es erschrocken umblicken. Die Stille zwischen den Schlägen ist es, die zählt und wofür man zahlen wird.
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TURBOWEEKEND: GHOST OF A CHANCE: MERMAID RECORDS: 2009

Rauch fehlt, Schall bleibt.
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Mit Electropop ist es wie mit der Wahl von Kaugummis. Was mit plakativer Werbung, knalligen Farben und interessanter Formgebung anlockt, entpuppt sich nach zwei Kaudurchgängen als schnell geschmacksfreies Stück Gummi mit großen Blasen und wenig Nachhall. Der liegt schneller in der nächsten Pfütze, als Electro P-O-P buchstabieren kann.Das Genre ist spannend, aber teilweise auch mächtig verspannt, schließlich sind Überdosis Frauendeo und zu enge ausgeliehene Tigerleggins schnell das Gegenteil von cool.
Dänemark ist bezüglich tanzbarer Popmusik recht kompetent und fremdschämarm. Guter Beweis: Turboweekend. Klingt nach der prall dröhnenden Schranzladung, die sie natürlich weder ist, noch sein möchte. „Ghost Of A Chance“ ist die Art Sommerplatte, die zum offen gelegten Cabrio genauso passt, wie zur wodkagetränkten Untergrundsitzung. Nicht übertrieben arrogante Attitüde im Sonnenbrillenstyle, kein nervig-androgyner Gesang mit wenig Luft aufwärts. Zurückgenommene Atmo, dennoch nicht zu chillig und sauerstoffentleert. Doch neben all den erklärungstechnischen Banalitäten hat das Kopenhager Trio einen entscheidenden Vorteil: Hits. Ja, natürlich nicht die, mit der wehenden Peitsche, eher die sich langsam aufbauenden. Der angegossen sitzende Opener „Trouble Is“, der Mitsinger „Something Or Nothing“ und v.a. der gefühlte Tiefseetanzer „Up With The Smoke Down With The Ash“ beweisen, dass Turbo auch nicht mehr das bedeutet, was es mal sollte. Wer zwischendurch Fr. Klums Ehegatten Seal am Mikro vermutet, liegt falsch, stimmtechnisch jedoch nicht völlig im Falsch. Dass nicht ein komplettes Wochenende ohne gewisse Längen auskommt, zeigt sich im Laufe der 11 Songs, macht die Handvoll wertvoller H&M-Umkleidehits umso mehr präsent.
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THE OCEAN
„Fluxion“

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Quarkauflagen sind bekanntlich hilfreich gegen Schmerzen, Neuauflagen in der Tonträgerabteilung bereiten dem Hörer hingegen überwiegend genau diese. Alte Hüte stehen dem Hier und Jetzt eben nicht grundsätzlich gut, und so verkommen Re-Releases gerne zum überflüssigen Deja-vu, den Plattenfirmen sei dank. Anders verhält es sich beim Musikerkollektiv von THE OCEAN, die ihr Debütalbum „Fluxion“ ganz bewusst neu verfasst haben. Zum einen, da die Scheibe inzwischen vergriffen ist, vor allem aber aufgrund der stetigen Unzufriedenheit über das Endprodukt bzw. dem Wunsch, die songwriterische Klasse von einst mit dem künstlerischem Anspruch von heute zu verbinden. Chefkapitän Robin Staps tut nichts ohne hörbaren Masterplan, und so klingt der 9-köpfige Ritt natürlich auch. Perfekt in der Schnittstelle zwischen den unkaputtbaren Felsbrocken von „Aeolian“ und der Wagenladung Atmosphäre und Tiefe des Konzeptmonsters „Precambrian“. Das nette, aber leicht gesichtslose instrumentale Postmetal-Material von 2004 entpuppt sich erwartungsgemäß zur metallischen Wall-of-Sound mit Hirn und Klasse, wo kein Platz für Zweitklassigkeiten sein möchte, liefert THE OCEAN wohl trotzdem wieder nicht den verdienten Erfolgsschub nach vorne, schade.
(Pelagic Records)
written for FUZE Magazine
MOTHRA
„Dyes“

Passables Vorwälzen.
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Ob mit visuellem Etikettenschwindel der günstigste Weg gewählt wurde, bleibt fraglich, vermutet man hinter dem kecken Artwork von „Dyes“ doch eher tanzbare Elektronik aus Skandinavien, statt der Zweitveröffentlichung eines polnischen Quartetts, welches laut Bandname japanischen Filmmonstern der alten Schule Interesse schenkt
Die Motte Mothra wurde im Jahre 1961 aus den Angeln der Filmgeschichte gehoben und gab die oft siegreiche Godzilla-Konkurrenz.
Passend dazu, wird die knappe halbe Stunde keine zart flatternde Tanzakrobatik, sondern eine gut verkrustete Ladung Mathcore geboten, die sich hörbar und dennoch gekonnt an Szenevorreitern wie DILLINGER ESCAPE PLAN und CONVERGE orientiert. Da poltert das dicke Insekt im Rausschmeisser „Fullgin/B“ genauso wild durch die Prärie, wie es es sich zuvor in „Octarine“ herrlich zäh am Boden wälzt. Kompakt, gut durchschlagend und dennoch mit der songschreiberischen Abwechslung, die Eindimensionalität vor dem Schnittstudio lässt.
Aber genau wie bei den verblichenen Helden von einst, bedarf das perfekt inszenierte Aufbäumen meist stetiger Vorarbeit, die müssen wir den Jungs von MOTHRA vorerst noch zugestehen.
(2009/Selfmadegod Records)
written for FUZE Magazine