
So felsenfest wie das oft genannte Amen in der Kirche bzw. die nächste Ballade aus dem Hause Reamonn, war dieser eine, meist von den Erziehungsberechtigten festgelegte Tag. Der Tag, an welchem es mit der Ladung Glaspfand, leider oft auch Altpapier und latenter Hektik am Steuer auf zum nächstgelegenen – schlechtestenfalls größtmöglichen – Einkaufszentrum der Umgebung ging. Es war Einkaufstag für die ganze Familie, da kommt Freude auf. Vati genervt vom gerade eingekehrten Feierabend , Mutti verunsichert vom vollen Einkaufszettel und Vati, Kinder auf Hochtouren. Wenn man als Nachwuchs die 1,60m erreichte, war man befähigt, den Einkaufswagen zu schieben. Dieser hielt leider selten allzu lange an den interessanten Ecken der Möchtegern-Mall. Der Zeitschriftenstand war genauso schnell abgefrühstückt, wie der Spielwarenbereich, bei den Süssigkeiten kam es letztlich auf das kindliche Betragen der letzten Tage an. Mit Pech hatte man also neben dem Hausarrest und Fernsehverbot, auch noch einen Einkaufswagen vor sich, den Mutti partout nicht mit der neuen PC Games-Ausgabe, einer eigenwilligen neuen Actionfigur oder einem Schokoladenprodukt ohne die Extraportion Milch befüllen wollte. Da war spätestens bei der Frage, was die lieben Kinder denn am Wochenende zu Essen wöllten, ein Tohuwabohu zwischen „Gar nichts!“ oder „Kein Gemüse!“ unüberhörbar. An der Kasse war nicht nur der Wagen voll beladen, auch die Stimmung am Wanken, weil die bevorzugten Geschwister ganz sicher etwas im Überraschungsei haben, man selbst natürlich nur unnützen Plastikkrams. Der Shoppingakt an sich bedarf schon keiner Wertung, dem Ausladen und Verteilen Richtung Speisekammer und Kühlschrank jedoch war nur durch einen ausgedehnten WC-Gang zu entkommen.
Doch Rituale und Gewohnheiten brechen schnell entzwei. Inzwischen ist jeder Tag ein möglicher Einkaufstag, wo sich die drei, vier experimentfrei gewählten Produkte gut unter den Arm klemmen lassen, im Notfall tut es eine leer geräumte Milchpappgroßpackung. Und so sieht man gerade nach 21 Uhr die Scharen alleinstehender Mitmenschen eher stumm und unauffällig durch die Discounter schlürfen. Es wird zielorientiert gekauft: der Hunger jetzt soll gestillt werden, was am kommenden Dienstag auf den Tisch bzw. neben den Laptop soll, ist einfach kein Thema. Bevorratung ist uncool bzw. sinnfrei, Lagerkosten sind eben auch Kosten. No-Go’s in Bezug auf Zeiten gibt es gar nicht. Hat man die Shopping-Rush Hour dummerweise verpasst oder verpassen lassen, hat sicher irgendein Eck-Spätkonsum die Tür noch offen. Begrenzte Auswahl macht entscheidungsfreudiger. Die allgemeine Einkaufskultur hängt zwar immer mehr auf halb 8, positioniert sich da aber möglicherweise besser als gedacht, feranb von alten Weisheiten wie „Donnerstag kauft es sich am besten“ oder „Dienstags gibt man doch kein Geld aus!“.
:::

Oh, lecker Picknick auf dem Balkon oder der Dachterasse – wie idyllisch. Nicht ganz. Horden von turbulent blökenden Kindern umlaufen das Wohnviertel, der Nachbar mit dem bösen Blick hat den Rasenmäher für den eh schon kahl geschorenen Kleingarten auf Turbo laufen, zwei Flugzeuge kreuzen in Sicht- und vor allem Hörweite das gemütliche Stelldichein, Schoßhunde fechten Kleinkriege am Bordstein aus, der Wind klappert an den Markisen, ein Mobiltelefon zaubert kostengünstige Melodien durch die Gasse, der hübsch häßlich getunete Golf lässt die 43. Terrordome-Ausgabe und den röhrenden Motor mit Dezibelüberschuss laufen, ein Eiswagen lädt den Verkaufsgong auf Dauerschleife und ein gefrustetes Pärchen gibt seinen geschundenen Gefühlen unverdeckt den wohl notwendigen Freiraum. Leben und leben lassen? Im Grunde ja, wenn da nicht das Wort namens „Lärm“ wäre, welches uns alle still und heimlich zu unterwandern versucht. Schlafstörungen, Magen-Darmerkrankungen oder Konzentrationsdefizite, davor ist keiner gefeit, nur wird es den Wenigsten bewusst.
Natürlich ist diese begehrte Stille ein aussterbendes Gut der Gesellschaft, jedoch sind wir alle Mitschuld am Noise-Schlammassel. Geräuschfreie Zonen sind nahezu tabu: Ob beim groß angelegten WC-Geschäft, der Mittagspause in der Betriebskantine oder beim Joggen durch den Stadtpark, irgendwas schallt immer. Verständlich, verbinden die meisten Menschen Geräuscharmut unbewusst mit Beklemmung und Angst. Ebenso verständlich, ist genau das auch gerne genutztes Folterinstrument oder Mittel zur Gehirnwäsche. Fehlende Außenreize reizen. Wer will schon die Uhr ticken hören, geschweige denn den eigenen Herzschlag oder Atem? Dann heißt es lieber: Stille ist da, wo ich nicht bin.
> > >
The Sound Of Silence
P. Simon, 1964
Hello darkness, my old friend,
I’ve come to talk with you again.
Because a vision softly creeping,
Left its seeds while I was sleeping.
And the vision that was planted in my brain
Still remains,
Within the sound of silence.
< < <

Wenn der Lehrkörper im Auftrag des Klassenzusammenhalts unterwegs ist oder aber auch nach Feierabend mit dem netten, ledigen Kollegen aus dem Lehrerzimmer ausgehen will, ohne dass es der Allgemeinheit auffällt oder Fragen aufkommen, wird eben eine Nachtwanderung als frühabendliche Gemeinschaftsaktivität angesetzt. Genau, das ist dieses kollektive Laufen durch Wald und Flur bei eintretender Dunkelheit. Da, wo der Klassenclown mit zwei Kumpels aus der letzten Bankreihe, seinen Spieltrieb freien Lauf lässt, so mit abruptem Hervorspringen aus dem Busch oder Absondern seltsamer Laute. Hauptsache, die Mädels machen einmal auf dicke Gänsehaut oder gar Schreien im Hochfrequenzbereich. Denen ist aber generell kalt und sie rufen nach zweimal Augenaufschlag schon nach Rast, Ankunft oder einem tragbaren Schlafsack. Auf lehrreiche Inhalte über die Flora und Fauna bei Nacht hat genau niemand Lust. Der Klassencoolste hat auch nach Sonnenuntergang die Sonnenbrille auf, ggf. die Hand schon bei Clara oder Tina hinten dran (gerne auch beiden) und erzählt Geschichten zwischen Aktenzeichen XY Ungelöst oder Profiler, der Atmo wegen. Die Ganz-Hinten-Läufer haben schon heimlich eine Runde Taschenrutscher intus, lachen bullig durchs Gebälk, zünden sich möglicherweise sogar eine geklaute Zichte an und nehmen die Marschroute auch ohne absehbares Ziel als gefressen hin. Solange die Eltern ihre schriftliche Erlaubnis in das schlecht/recht geführte Hausaufgabenheft gesetzt haben, läuft das ja eh alles. Im Garten der Klassensprecherin oder einem gemieteten Grillplatz angekommen, werden dann Würste erhitzt. Coole Klassenleiter haben am Vortag bereits ein Lagerfeuer bei der örtlichen Feuerwehr gemeldet. Dann ist auch Platz für den sensiblen, ruhigen Typ vom Fensterplatz, der seine Akkustikklampfe auspackt und wider Willen Hits aus dem Musikunterrichtet anstimmt. „Let It Be“ und „Über den Wolken“ mit Eulen und Grillen im Background, macht unerwartet mehr her, als die neueste Just The Best-Compilation. Dann erzählt der sonst so grimmige Physikpauker plötzlich von längst verblichenen Jugendsünden, Faustlachen aus den ersten Reihen inklusive. Dann kehren da acht Mittelklassewagen ein, um die Sprösslinge einzusammeln und schon am nächsten Morgen ist alles wie zuvor. Leistungskontrolle halb 8 morgens. Na, so witzig war das gestern Abend doch alles nicht.

Sein Auftritt steht bevor, unverhofft und doch sehnsüchtig herbei gesehnt. Er soll nicht latent mal reinschauen, sondern das Volk einmal komplett überrennen. Alles überstrahlen, verblenden, überfordert wegdrehen und gleichzeitig gebannt gen Himmel starren lassen. Der leuchtende Bastard namens „Frühling“ ggf. auch „Lenz“ (Literarisches Quartett) steht direkt vor Ankunft. Nach den beschwerlich-verwerflichen Wintermonaten ohne Lichtblicke auch dringlichst zu empfehlen. Die Tage werden länger, die Nächte lediglich vollgepackter. Spannend, ob man nach der Winterruhe die Nachbarn noch erkennt bzw. die kecke Übergangsjacke noch passt. Die Schaufenster erfreuen sich an wieder mehr gaffenden Augenpaaren, die Bordsteinpflaster an einer höheren Durchlauffrequenz mit einer niedrigeren Durchschnittsgeschwindigkeit, die Wiesen auf ausgebreitete Decken und menschliche Deckungsaktivitäten oben drauf, und Gärten auf rotierende Hacken, Spaten und motivierte Buddelgriffel. Frühling kommt letztlich allen zu Gute: Madame Natur darf ihrer Vorliebe für saftiges Grün fröhnen, das Tierreich sorgt für Nachschub der Gene und morgendlichen Alarm am Schlafzimmerfenster, Serotonin und Dopamin sorgen potentiell für innere Euphorie der Menschheit, was in plötzliches Zuwinken des Gegenübers, Reinigung des keimbesiedelten Dachbodens oder Ausschüttung kreativer Substanzen münden könnte. Mit Pech überkommt einen vorerst die allgemeine Müdigkeit, doch Schlafen macht angeblich schön, da könnte aus dem Zuwinken im Mai dann sogar ein Zuzwinkern werden. So weit, so erfreulich. Doch dafür, dass der Frühling gerne als Lebenswende oder dicker Erwartungsbrocken herhalten muss, kann er auch nichts, und letztlich ist auch diese Jahreszeit nicht mehr als ein Versuch oder neu gewonnes Alibi. Trotzdem gilt: Spring-Break für alle!

Hm, lecker Kaffeebohnen. Hui, O-Saft für alle. Oh, die Cornflakes knacken aber gut.
Es gibt jedoch einige Punkte, die gegen die Institition „Frühstück“ sprechen.
Als erstes: die Zeit. Wer bitte hat die schon bzw. kann sie sich nehmen? Frühstücken bedeutet vor allem sitzen, mampfen, zuviel reden oder reden lassen und das alles mit der tickenden Uhr im Rücken. Bremst die Stunde des Frühsports der Kaumuskulatur den potentiellen Fluss des Tages nicht mehr, als dass sie gleich den Höhepunkt vorwegnimmt? Vor dem Essen ist schließlich nicht nach dem Essen, und so kugelt sich ein prächtiger Fressalienknäuel quer durch die Magengrube. Das drückt tief in den Bürostuhl, nimmt einiges an Schritten pro Minute und das sauerstoffreiche Blut landet weniger im Hirn als da, wo das Sesambrötchen gegen Enzyme und Salzsäure arbeitet. Das Bedeutet erneut tote Zeit, die aus wirtschaftlicher Perspektive fatal ist. Klappern gehört vielleicht zum Handwerk, nicht aber das Verdauungstief halb 10 in Deutschland.
Ausgewogen sollte das Frühstück sein. Da steckt der Leibhaftige ja schon im Text. Wer nicht wiegt, der kaum gewinnt. Kaiserlich ist die Mahlzeit zum Morgen einzunehmen, wurde seit jeher überliefert. Doch die geballte Energie, welche sich im gut geölten Rührei, lauwarmen Schokocroissant oder überzuckerten Hafertabs verstecken möchte, muss vom Mensch erstmal wieder kompensiert werden. Alles so schön bunt auf dem Tisch und man hat den überwiegenden Spaß Alltag noch vor sich, da futtert es sich gleich doppelt so gut und viel.
Frühstück bedeutet für viele Zwang. Druck, ausgeübt durch die Kollegen, welche beim Sausenlassen der Pause eine eh scheiternde Diät oder Frust im Bett erahnen. Da lässt sich mehr spekulieren als diskutieren. Die Stechuhr freut sich. Dann Druck der Familie, die diese Stunde „4 Stühle – (noch) keine Meinung“, trotz hängender Augen, hetzender Panik oder rigoroser Ignoranz einiger Teilnehmer, einfordern. Der lieblich duftende Tisch mit Mutti zwischen Toaster und Kaffemaschine gilt auch als Forum zum Informationsaustausch von Neuigkeiten, lieber aber noch Ungereimtheiten.
Ist das hier die Abrechnung mit der kleinen Sitzung zum Sonnenaufgang? Alarmmeldungen, dass jeder zehnte Deutsche gerne auf das Frühstück verzichtet, machen Angst. Besonders einem norddeutschen Marmeladenhersteller, der aktuell mit der „Rettet das Frühstück“-Parole voran prescht. Es passt ja laut Gesellschaft weiterhin nicht, die streichzarte Pflaume oder körnige Beere zum Abend oder Mittag statt der Kalbsfettwurst auf die Stulle zu packen. Da besteht verständlicherweise auf Industrieseite die Angst, auf lange Sicht vom einnahmetechnischen Teller zu fallen. Doch keine Angst, liebe Erziehungsberechtigten, Mitarbeiter und Chefetagen der Konfitürenproduktion. Dieses großstädtischen Brunchen ist zwar cool, doch das waren Limp Bizkit auch mal. Nicht alles und jeder kann den Atem ewig halten. Auch Spätshops und dadurch das sündige Mitternachtsmahl gelten als Alternative, doch wer will mit über 25 schon nach den Tagesthemen noch einmal los? Die Eieruhr lässt grüßen, letztlich wird das gute alte Frühstück über die modische Durststrecke kommen, und dann schreien Coppenrath & Wiese oder die Rügenwalder vielleicht nach der Rettung.
___________________________

Irgendwo in der dunkelsten Schulhofecke, im Keller, hinter dem Spielplatz oder direkt im Wald passiert es. Man ist zwischen 10 und 15 Jahre jung und schon hormonbedingt experimentierfreudig. Der große Bruder vom besten Freund oder das toughe Mädel aus dem Nachbareingang stehen plötzlich vor einem, mit einer geöffneten Zigarettenschachtel. Der Onkel hat seinen Tabak auf der Terrasse liegen lassen oder der neue Schwarm zieht samt Gang mit rauchendem Stängel an einem vorüber.
Was tun?
Dem versüfften Elternhaus aus Prinzip wider handeln und dem Dampf keine Chance geben, den auf Vernunft und Vorbildcharakter erbauten Bild der Erzeuger Paroli bieten und sich der Neugier hingeben oder den Lachern der coolen Klassenmeute aus dem Weg gehen und gruppenzwangtechnisch den erwarteten Versuch starten.
Denn sie wissen nicht, was sie tun.
Zu dem historischen Ereignis des ersten Zigarettenzugs gehört natürlich neben verstecktem Herzklopfen die obligatorische Anleitung des richtigen Inhalierens eines Großen oder bereits Eingeweihten.
Ey, du machst doch Backe! – Verkackt!
Hektisches Husten ist zu unterlassen, Würgen sowieso und auch abwehrendes Händefächern wirkt in der Runde eher unpassend. Die Frage nach dem tatsächlichen Geschmack bleibt auch besser unbeantwortet. Hat man die erste geschafft, bleibt man zurück mit dem Gefühl, dazu zu gehören, insgeheim seine Erziehungsberechtigten enttäuscht zu haben oder eh vom vertrauensunwürdigen Klassenclown verpetzt zu werden.
Mit dem Beginn regelmäßiger Rauchaktivitäten beginnt zusätzlich der Erstkontakt mit einem halben Doppelleben. Kleine Lügen, Deo am Hals plus Pfeffi im Mund als Last-Minute-Rettung und immer mit der Gewissheit, von irgendwem gesehen werden zu können, da blüht Spannung auf. Bis der Tag kommt und Mutti entsetzt am Küchentisch sitzt, während Vati bittet, vor der Familie die gesamte Schachtel leer zu rauchen.
Da werden die Kinder wieder ganz klein: Flennen, Dackelblicke, Flehen nach dem baldigen Ende des Fernseharrests und dieser unangenehmen Familienstimmung.
Ich mach’s nie wieder! Und geschmeckt hat das nie, ehrlich!
Meist entscheidet die Ersterfahrung den potentiellen Verlauf der Raucherkarriere, ist klar. Und alle, die mit 18+ der Marlboro-Community beipflichten, sollten darüber den Mantel des Schweigens hüllen.

Es ist Freitag. Frau Müller läuft eine letzte Abendrunde mit ihrem Collie durch das Wohngebiet. Beim schicken Einfamilienhaus „Marke: Modern“ der Schneiders bleibt sie stehen. Die ganze Einfahrt ist dicht geparkt mit Kleinwagen, aus der Wohnstube lärmt eine Krawallmischung aus gut gelaunten Menschenmassen, Partymusik und undefinierbarem Krach. Letzteres setzt sich aus fallenden Gläsern, stürzenden Mädels und den Resultaten aus sinkenden Hemmungen zusammen. Die Eltern sind in der Ferne, eine Hausparty ist angesetzt.
Frau Müller zieht ihren wuschligen Anhang flott weiter. Wer weiß schon, was vielleicht noch geschehen könnte. Hinter den Vorhängen steht nicht nur unheimlich viel Nebel (Ohne Dampf keine Leistung), dank Zigaretten mit oder ohne Kräuterzusatz aus den Niederlanden, sondern auch eine gute Ladung Hochprozentiges im Raum. Marina knutscht mit Peter, schließlich hat Steve sich eben in der Garage mit dem so called „Dorfmoped“ Ina näher befasst. Kevin sitzt stinkig vor dem Fernseher, seine Eltern haben bereits 4 mal auf seinem Handy angeklingelt. In der Küche brutzelt auf Herdplatte Eins Wasser für die Bockwürste, die Jungs haben schließlich nicht nur Durst. Auf der Platte nebenan wird eine seltsame Bowle gemixt, dessen Inhalt nur die generell seltsame Yvette kennt. Man sieht Max grinsend mit einem Trichter durch den Flur rennen, mit Hose unten wohlgemerkt. Tina rennt auch, jedoch heulend über den Hof, ihre Jacke wurde angegokelt. Ohne Vorankündigung bei der örtlichen Feuerwehr flackert im Garten nämlich ein kleines Feuer, die Mädels lieben das. Spätestens wenn Thomas seine Akkustikgitarre zückt um irgendwas zwischen „Under The Bridge“ und „Knocking On Heavens Door“ mit sentimentalem Blick zu klimpern, kehrt die Atmo zwischen Möhrenbeet und Wäscheleine knopfdruckartig ein. Nur Max zerschnippelt diese dank einem gut inszeniertem Sprung ins Feuer. Das Telefon klingelt Sturm, die Meiers sind schon auf 180. Tja, Sturmfrei hat eben noch nie allen gut getan.

No Happy Ending?
Stillstand ist der Tod, schon klar.
Trotzdem gibt es Dinge, die sich hoffentlich nie ändern werden, ohne dass man sich darüber Gedanken machen würde.
Sie sind wie sie sind- Punkt.
Unregelmäßig wird man dann negativ überrascht.
Halt, stop- das war doch vorher viel besser und auf Gewohnheitsrechte pochen wir insgeheim immer wieder.
Der Stammitaliener hat plötzlich eine neue Karte, die Lieblingsmall komplett umgeräumt oder eben das hier.
[Achtung: vorerst nur Gerücht >]
Die > Bravo <, unser bundesweites Sprachrohr der Jugend, hat still und heimlich eine Revolution gestartet. Nein, Dr. Sommer wirft weiter gut gemeinte Ratschläge durch die Kinderzimmer und auch die Songbooks finden nach wie vor ihren Platz im Magazin.
Viel schlimmer: Die Foto-Lovestory, 2002 in Foto-Roman umgetauft, ist Geschichte.
Billig ersetzt durch mangaartige Geschichten, denen jede Dramatik und Glaubwürdigkeit fehlt.
Dabei sollten doch gerade die fünf herrlich illustrierten Seiten seit 1988 den Brückenschlag zwischen Unterhaltung und Lehrkraft darstellen.
Geschichten, die das Leben schrieben.
Gefühle, mit einer unbändigen Transparenz zu Papier gebracht.
Mimik und Gestik tanzten jahrelang Woche für Woche wahre Feste der fotographischen Inszenierungskunst.
Motiv und Sprechblase gingen stets ein Topf/Deckel-Bündnis ein.
Aufgerissene Münder, bedrohliche Blicke, romantische Turtelein- das alles und noch viel mehr. Eingebunden in Themen, die direkt am Puls der Zeit steckten und so manche Tabus einrissen. Die Kameras waren in jede erdenkliche Ecke gerichtet, zwischen Friedhof über Ravetunnel bis zum Ausländeramt, packende Schnappschüsse überall.
Fraglich, ob die Jugend heute einfach über dieses klassische Format hinaus ist oder am Ende die > Bravo < – Redaktion auf Kniebrecher- Veränderung aus war und diese Entscheidung schon bald bereut. Wir hoffen alle auf Letzteres.
Die kleine Riege einiger großer Fotokomparsen:
+ Caught in the Act
+ The Moffats
+ Captain Hollywood
+ Fanta 4
+ Kelly Family
+ David Hasselhoff
+ Eric Benz
+ Gil Ofarim
+ Big Brother-Stars
+ Axel Stein
+ ATC
12 Beweise für die schier endlose Kreativität einiger Lovestory- Titel:
+ Die Klau-Boys
+ Wirbel um Wuschel
+ Schade, dass er Lehrer ist
+ Verliebt in einen Punk
+ Der Neue aus der 10b
+ Einmal Knacki – ewig Knacki?
+ Frevler im Wildpark
+ Rave mit dem Teufel
+ Verliebt in einen Asylanten
+ Krieg der Sprayer-Gangs
+ Beats, Babes und Zärtlichkeit
+ Engel der Gewalt
___________

Typische Szene: Der helle Bastard brutzelt ordentlich runter, Wasser fließt vom Körper, Speiseröhre und Rachen nehmen Wüstenverhältnisse ein, und im ganzen lechzt man nur nach so einem frostigen Ding zum Lecken.
Und wie sagte Mutti schon mit überzeugender Stimmführung: „Steck dir nicht alles in den Mund“ !. Mit Recht, wohlgemerkt. Schließlich müssen die 3 Euro in der Bermuda befriedigend gespendet werden, einen enttäuschenden Erfrischungsflash kann man sich zwischen Flip-Flop-Gelatsche und Stirnwischen nicht erlauben.
In der Eistruhe der Wahl tut sich dann der große Wettbewerb auf. Das dicke Schwarze mit Noppen oder lieber das rosa-weisse Sandwich? Die wohl längste Erfrischung der Welt ist aber fernab von Erdbeer-, Vanille- oder Mandelgeschmack. 25 cm lang, gut gebräunt und mächtig gesüßt- wie es sich für ein erfrorenes Stück Cola eben gehört.
Mit Vorteilen spritzt dieser inzwischen bereits klassische Langnese-Vertreter nur so um sich. Die Handlichkeit dank der schlanken Papphülle ist vorbildlich, nur bei zuviel Drückeffekt könnte es zum fatalen Eisflutsch führen (Selbsterfahrung hilft). Statt dem überteuerten Schluck Coca vom Eckcafe von überforderter Blondine serviert, kann man sich am > Calippo Cola < ungeniert gütig tun. Die Suchtgefahr ist durch beachtlichen Zuckergehalt auffällig hoch. Nicht grundlos hat das braune Elend im allgemeinen Ansehen ähnliche Evergreens der Eisbelegschaft, wie > Ed von Schleck < oder den > Flutschfinger < weit hinter sich gelassen. Gerade der immer übrig bleibende Schluck Colasuppe am Leckende rundet den sommerlichen Genuß ab. Bevor das ebenfalls hart umkämpfte Eisgenre der hier Tribute gezollten Marke den Garaus macht, wird noch mal an die Nation appelliert-Lick that!

Gewaschen wird sich bestenfalls täglich, in der deutschen Fernsehlandschaft seit dem Mai 1992 und der Einführung von > Gute Zeiten, Schlechte Zeiten < von Montag bis Freitag durchgehend. Daily Soaps- ein Thema der großen Missverständnisse. Wer verdreht nicht die Augen, versuchen sich die Drehbuchautoren zur Abwechslung mal an Geschichten mit potentiellem Tiefgang und Aussagekraft, wie etwa Umweltschutz, Armut oder Ausländerfeindlichkeit. Wir Zuschauer wollen letztlich ja doch nur das eine wissen: Wer bumst mit wem statt wem? Und das bitte in ein schauspielerisches Korsett gesteckt, welches ordentlich hölzern und leienhaft ausgestattet ist. Große Kunst der Worte und Werke gibt es woanders. Beim Begriff > Seifenoper < hat einfach das Gewohnheitsrecht zu walten, welches besagt: Bunte Unterhaltung auf der Skala zwischen Pimkie-Filiale und Sugar-Magazin. Über die inventarähnlichen Vorabend-TV-Romane wie > Unter Uns < und > Verbotene Liebe < lohnt es sich kaum zu schreiben, sahen die gierigen Schonkost-Fans doch da ganz andere Formate kommen und vor allem gehen bzw. ist es dazu teilweise kaum gekommen.
Da wäre der absolute Edelflop > Lotta in Love <, der dank dicker Promowelle zwar namentlich bekannt wurde, aber eigentlich niemand je einschaltete. Die > Ahornallee < übertraf dies jedoch noch um Wellen. War da der Ideenreichtum genauso dünn gesät, wie das interessierte Publikum. Dieses nur knapp einmonatige Fiasko zog nicht mehr Leute als die 02:00-Shoppingshow auf QVC. Die > Geliebten Schwestern < von SAT1 geizten zwar nicht mit weißen Westen, sorgten dann in der Finanzbuchhaltung doch eher für rote Zahlen.
Den absoluten Vogel schoss jedoch anno 1996 unser Kulturkanal erster Wahl RTL2 ab, als > Alle zusammen- Jeder für sich < on air gesetzt wurde. Man darf die Tage des berührten Schweigens gerne brechen, schließlich muss es einmal raus. Der visuelle Totalschaden wurde neu definiert. Das war die Marke Familienserie, bei der man nur darauf wartete, dass bald ein Mikro ins Bild fällt, sich die Scheinwerfer in der Brille eines Komparsen spiegeln oder das „Und Action!“ des Regisseurs dummerweise beim Schnitt überhört wurde.
Na aber hey, Teenie-Idol Oli P. feierte dort sein Schauspieldebüt, VIVA-Dancefee Daisy Dee schlammasselte sich durch die Folgen und mit Verona Feldbusch hatte man einen weiteren exklusiven Trumpf im Ärmel.
Und da das Budget für Aussendrehs mit Null belastet wurde, schließlich reichte die Action zwischen Kfz-Werkstatt, Arztpraxis und Tanzstudio vollkommen aus, war mehr Lohn für fähige Storylineschreiber auf der Kante. Doping im Profisport, Umgang mit unheilbaren Erkrankungen oder das Drama eines Transsexuellen > alles aktuelle Themen, an die sich Ende der 90er wenige trauten, Zuschauer anscheinend fast gar nicht. Nach sage und schreibe 230 gesendeten Episoden waren alle zusammen entlassen, und das ohne richtiges Ende des Familienromans in eindeutig zu vielen Akten. Schade für alle, die weder die „Together we are strong“-Titelhymne, noch die einmaligen Dialoge zwischen Gut und Besser kennenlernen durften. Der Premiere-Kanal „Passion“ wiederholt die Saga übrigens derzeit täglich, aber eine gut angelegte Pedition reicht aus, den Lacher äh Kracher wieder zurück in das frei empfangbare Fernsehen zu retten. Das fehlende Serienende wäre dann vielleicht schneller realisiert als erhofft, und 9Live braucht sicher noch Füllmaterial für die Sendezeit vor dem Aufstehen.
[NO ARTWORK AVAILABLE]
Die Jeans, unser aller liebstes Stück Kleidung , läuft ja schon seit der Patentierung 1873 durch Levi Strauss und Jacob Davis eine interessante Route.
Ob zu Beginn ausschließlich als robuste Arbeitshose der Goldgräber, mit ordentlich fetzigen Löchern inmitten des Nirvana-Hypes, einem ausgiebigen Schlagende während der Hippieära oder halt körperdicht eng als momentan epidemisch getragene Variante. „Das kommt alles wieder“, sagen viele, womit sie auch Recht behalten. Bis auf hoffentlich eine Ausnahme.
Es war die Zeit der allgemein fragwürdigen Modeerscheinungen.
Ein seltsam piependes Gerät machte sich in den Schulranzen der Nation breit und wartete entweder auf Fütterung oder Spielrunde, den Namen mit T konnten jedoch nur die wenigsten schreiben. Ein groß angelegter Liebesumzug in der Landeshauptstadt zog Massen an Partywütigen herbei, um ungehemmt und ungeniert die Spaßgeneration hoch leben zu lassen, und das stets gewollt (?)komisch.
Doch mal näher an die lokale Bushaltestelle von 1996 geschaut und eines fällt direkt auf: Alles so bunt hier. Und was bitte hat sich da als Beinverkleidung verirrt?
Es leuchtet nicht nur in wahlweise orange, blau oder rot, außerdem zeigt es sich dermaßen weittragend, dass spätestens hiermit die verängstigte Kassenfrau des REWE-Konsums nicht mehr nach vollziehen kann, wo all die Kinder-Pingui und Coladosen hin verschwinden.
In Sachen Style auf ewig ein Totalschaden, da gibt es nichts schön zu reden. >WIT-BOY< schimpfte sich die glorreiche Marke und war urplötzlich der allerletzte Schrei im Kleiderschrank der pupertierenden Meute. Nach den Weihnachtsferien war es auf den Pausenhöfen der Mitt-Neunziger dann farbenfroh wie nie erhofft, weil diese besagte Sorte Jeans neben den Schnullern zum Umhängen und kleinen Trollen mit ebenso giftigen Haarfarben einfach „Wunschzettelprädikat: sehr wichtig“ erhielt. Die musikalische Zugehörigkeit war stets fraglich, da sowohl der Bezug zur noch immer rundum schlagenden Rave-Bewegung, als auch der Hip-Hop-Welle möglich war. Wobei, wer machte sich mit 13 schon Gedanken über Szenezugehörigkeit? Eben.
Erinnern tun sich die meisten noch heute an dieses Verbrechen, doch selbst bei den größten Mode-Messis wird sich keine Ausgabe dieser Neon-Baggies mehr in den Regalen oder auf den Dachböden befinden, weil ab dem Tag X einfach jedem klar war, die wird man nie, nie, nie mehr tragen. Punkt.
Lassen wir sie reden, ein schlechter Verlierer zu sein wäre frevelhaft und das Zeichen von Schwäche schlechthin. Letztlich ist es wohl ein noch aus Urzeiten bestehender Beweis für die eigene Progressivität bzw. eben nicht zur abgeklärten Horde zu gehören.
Nach einem verlorenen Armdrücken-Wettbewerb darf gerne innerlich eine Wut der Extralative aufsteigen, die ein ehrlich gemeintes Händeschütteln im Anschluss unmöglich macht. Hat die Freundin den Kampf um die Wahl des noch ausstehenden Urlaubsortes erneut für sich entschieden, sind konstante Seitenhiebe während der Ibizawoche mehr als gerechtfertigt.
Nicht gewinnen ist scheiße, das ändert sich nie. Schon als Kind wird einem dies sehr anschaulich näher gebracht.
Es ist Sonntag Nachmittag, Omas Pflaumenkuchen verdrückt und der Kaffee kalt oder alle. Was steht an? Mal die unterste Schranktür öffnen, da wo die Gesellschaftsspiele lauern. Jeder weiß es, Brettspiele machen einsam. Ob Halma oder Mühle, nichts liegt ferner an spielerischem Miteinander.
Der Gipfel der emotionalen Vergewaltigung heißt aber noch immer unangefochten > Mensch ärgere dich nicht <.
Nicht ärgern, bitte? Von wegen!
Ist nur ein Spiel? Nein, Krieg.
Man ärgert sich von Beginn an über die sicher falsche Farbwahl der Figuren, über das dreiste Grinsen des eigen Fleisch und Blut bei plötzlichen Rauswürfen und letztlich über die ganze Situation. Man würde am liebsten verschwinden oder eine filmreife Szene durch Leerfegen des Spieltisches abziehen, doch wer riskiert schon den Titel „beleidigte Leberwurst der Woche“ .
Nein, die inneren Schlachten, welche während jedem Wurf und vor allem im Laufe jeder weiteren Runde ablaufen, sind fernab von Gemeinschaftsgefühlen. Lässig das eigene Versagen hinnehmen ist wie zu behaupten, man hätte keinen Hunger, während der verhasste Schulbanknachbar Gummibärchen in der Klasse verteilt.
Modern schimpft sich diese Kreation auch > Nur keine Aufregung <. Es wird ja immer besser. Nach dem unterdrückten Ärger, nun also auch der eigenen Angespanntheit Lebewohl sagen. Erfinder, du gehörst eliminiert. Spätestens bis zum ersten Spielnachmittag mit den Enkelkindern. Dann kriegen die alles zurück, versprochen.
Eine Null kann einem schon den Nerv rauben, sind es gar satte drei Stück, wird es brenzlig.
Jeder hatte eine Meinung zur gigantisch anmutenden 2000.
Es soll Menschen gegeben haben, die dem Jahrtausendwechsel mit einer ignoranten Gelassenheit begegneten, die Mehrheit jedoch teilte sich in die Lager der partygeilen Feieristen und der apokalyptisch denkenden Hängeköpfe bzw. dem wilden Bastard beider Meinungen.
Muddern, knall den Keller voll, die sagen was von Weltuntergang.
Na mal ganz vorsichtig, die komplexe Welt der Technik könnte lediglich, gewissen Aussagen zu Folge, Probleme bei der Umstellung bekommen.
Quatsch, das System Erde ist vor dem Supergau, aber ganz sicher.
Und wenn nicht alle Kernkraftwerke Fasching feiern, dann holen uns bestimmt diese Außerirdischen zum Brunch ab bzw. markieren rüpelhaft ihr neues Revier, time is running out for the planet earth?
Nicht wenige haben nochmal last-minute ihre ertragreiche Beichte abgelegt, den ewig davon geschobenen Heiratsantrag ausgepackt, sich mit der verhassten Familienplage versöhnt oder einfach direkt einen einsamen U-Boot-Urlaub gestartet.
Es lag etwas in der Luft, ob nun von der vertrauenswürdigen Medienpistole abgefeuert oder aus dem menschlichen Instinkt heraus.
Wer nun die Endzeitstimmung nicht in seine heiligen Hallen oder eben Herz ließ, war wohl mehr damit beschäftigt, die Optionen an groß aufgezogenen Events und Partys sorgfältig zu durchforsten. Wird man 10 Jahre später mal befragt, will man schließlich nicht mit Hattengehau oder Wolkenwehe als Festtagsstätte ankommen, da muss schon eine dicke Nummer wie Berlin, Paris oder Matzes 200-Mann-Fete folgen.
Die Messlatte höher als nötig, die Erwartungen ebenso.
Tja, und rückblickend wurden sie irgendwie alle getäuscht.
Weder lugten Armageddons Glubscher über diesen Planeten, noch gab es ein fröhliches Gangbang mit grünlichen Existenzen. Na, und die riesige Schwemme an Partys konnte letztlich nur als Flaute aus dem Rennen gehen, so dass die Veranstalter entweder auf ihren Cocktails sitzen blieben oder die erhoffte überschwängliche Stimmung ausblieb.
Und so lieblich das > Merry Millennium < auch auf den Burger King-Servietten geschrieben stand, umso verächtlicher wurden diese in der ersten Januarwoche am fettigen Mundrand gerieben. Der Countdown läuft…? In dem Jahr lohnte das Zählen nicht., also > Happy New Tears < an alle!