Ähm, und wer macht jetzt die Charts?

Drei Stunden nach dem großen Kollektivknall am Neujahrsmorgen lagen viele schon in den Seilen, sich manche noch in den Armen und MTV Deutschland bereits abgedeckt am Boden. Ironisch setzte das verdrängte Schmachtwerk “Viva Forever” der Spice Girls der Freiheit des coolen Stück Jugendkulturs der 80er & 90er gegen 02:55 Uhr den Gnadenstoß. MTV, adios! Hallo VIVA – in neuem, gekonnten Outfit, doch ohne jeden inhaltlichen Rückhalt, der den Begriff Musikentertainment gerechtfertigen möchte.
“Zahlen bitte!” – die neue Devise, welche die einstige Musikmarke Nr.1 samt den Zeichen der Zeit Richtung Bedeutungslosigkeit schlucken wird. Das Pay-TV-Konzept wird sich entgegen vieler Hoffnung nicht durchsetzen, gerade nicht im Bereich Clipprogramm, das zu lange schon kaum noch zuckend sein Schattendasein frönte. Investition in die Zukunft duftet irgendwie anders, wenn auch der Ansatz für mehr Sparte statt Schwarte Sinn macht.
Die vergangenen Monate des großen M’s Deutschland überraschten mit ausgedehnten Clipstrecken, mehrstündigen Non-Stop-Bahnen, die fast schon old-school anmuteteten, hätte man noch eine aufgeschreckte Tante im neonfarbenen Oberteil hölzern die kommenden Hitfilmchen anmoderieren lassen. Da musste quasi etwas im Busch sein.
MTV kehrte 1999 in den deutschsprachigen Raum zurück aus dem verschlüsselten Outback und konkurrierte über Jahre mehr oder selten auch weniger offensiv mit VIVA.
Jung vs. Alt / Bunt vs. Farbig / Sterile Top 40 vs. Charts plus Ecken und Kanten.
Die Schlacht endete mit der Übernahme VIVA’s durch den US-Medienkonzern Viacom im Juni 2004. Durch in diesem Moment vier aktuell flächendeckend ausgestrahltenn Musikkanäle sprudelte so etwas wie Hoffnung am Firnament. VIVA und MTV2POP für die Kleinen, MTV und VIVA Plus für die Großen – so in etwa war kurz gesagt der Leitspruch für die Zukunft. Doch Konsequenz konnte sich nur an der immer kräftigeren Umstrukturierung des Tagesprogramms festmachen lassen. Von Realitydokus über Comicserien von gestern bis Fashionshows – 30 Minuten-Retortensendungen mit Untertiteln oder Synchronisationen aus dem Jenseits als Zuschauerfänger an allen Enden. Der Clip hatte als Magnet längst ausgedient, dafür hatte das Web bereits mit der größten Videodatenbank die Herrschaft mehr still als heimlich übernommen. Generation 3.0 schien zu wenig Interesse an Musikwahl ohne Eigenregie zu besitzen. Warum inmitten von Klingeltonwerbewänden vor der Röhre warten, wenn per Mausklick Wünsche sofort und bedingungslos erfüllt werden können.
Die Frage bleibt: Wie setzen sich nun die Top 100 zusammen bzw. macht eine Umstellung auf eine höchstens Top 40 nicht mehr Sinn? MTV hatte oft und gerne die führende Hand für Hypes und Pushsegmente neuer Bands oder Clips aus fremdländischen Hitparaden. Wie aber soll VIVA mit einer mageren Stunde Musik im Tagesprogramm zeigen, was hip sein soll oder morgen gehört wird, wenn die Wiederholung drittklassiger Serien deren Ausstrahlung verhindert? Man kann schließlich nur Charts austrahlen, wenn man bereits im Tagesverlauf Anwärter dafür bietet. Eine spannende Selektion steht vor uns, in welcher die eh schon großen Superstars wohl die einzigen Gewinner bleiben. Die Rotation von etwa dem Jahre 2001 mit circa 65 aktuellen Musikvideos in der Tagessetlist ist im Jahre 2011 kaum zu schaffen. Glück dem, der weit nach Sonnenuntergang Zeit und Laune hat, das Nachtprogramm des neuen Monopol-Kanals VIVA zu durchstöbern und auf mehr als nur die zehn zu oft gehörtesten Songs der vergangennen drei Monate stößt. Media Control, ick hör dir klappsen & Mtv, ein bißchen vermissen wir dich jetzt schon!
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Zehn Floskeln aus dem Volksmund … die bei Gebrauch weh tun sollten.
Du bist was du isst? Du bist aber vor allem auch was du sprichst. Doch da letztlich jeder anfällig für unreflektiertes Allerweltsgewäsch scheint, sollte man sich die Problemworte in spe mal vor Augen führen.
01] Danke, ich bin wunschlos glücklich.
Wer hat damit angefangen, wer hat es verbrochen, wem darf man den Punch verpassen?
Diese Floskel ist die prallste Lüge jenseits der Erotikbranche. So sehr verheiratet, taubstumm oder medikamentös ruhig gestellt kann niemand sein, dass aktuell wirklich alle potentiellen Wünsche implodiert sind und man parallel vom lieblichen Wattebauschmantel umhüllt wird. Auf den Spruch sollte man weder Eid noch Blut schwören, könnte fatal oder im Bumerang-Effekt enden.
02] Ja, grüße sie/ihn mal von mir.
Hand aufs Herz, wie oft hat man die Grüße niemals weitergegeben? Eben - mindestens! Und das ist auch gar nicht schade, da diese Kettenreaktion an versendetem Winken per Mittelsmann einen eher faden Nebeneffekt hat. Warum meldet er/sie sich denn nicht einfach mal selbst um diesen Gruß zu senden? Hm.
Aber etikettiertes Füllmaterial macht sich generell gut, daran ändert kälteres Gesellschaftsklima auch nichts. Man will sich schließlich nicht nachsagen lassen, sich zwei Jahre nicht gemeldet zu haben, wenn diese nett gemeinten Grußweitergaben einfach nur im Stille Post-Modus versackt sind.
03] Muss ja!
Arbeit? – Muss ja! / Freundschaft? – Muss ja! / Wetter? – Muss ja!
Das Leben ist zwar nicht durchgehend geschmeidig gerührter Apfelmus, darum noch lange kein Non-Stop-Muss mit verpflichtender Selbstgeiselung. Doofe Situationen und quälende Gegebenheiten muss man ja auch wehrlos als Gott gegeben hinnehmen, is klar. Die Hände bleiben nämlich im Schoß am längsten warm.
04] Nimm es nicht persönlich.
Warum zum Dreihorn bezieht man nur alles auf sich selbst? Ein fast selbstsüchtiges Verhalten, bedenkt man die 150 Menschen, die jede Minute geboren werden.
Das Beziehungsende, das blaue Auge oder die Kündigung schirmt man bestenfalls weit von sich ab – der Schuldige wird sich sicher schnell finden oder sogar melden.
05] Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter.
Ein gewaltiges Mammutprojekt oder der persönliche Antrieb, der wach hält. Will man tatsächlich jeden der 365 Tage im Jahr im überdosierten Saus und Braus führen? Vollgepackt mit allen Last Minute-Verpflichtungen, die noch die To-Do-Liste schmücken. Oder eben apathisch in der mies beleuchteten Isolation verbringen. Gemäß dem Motto: wenn das Ende schon jeden Moment naht, dann zumindest einsam, in Demut und ohne Aufruhr.
Das Ende kann bekannterweise jederzeit Einkehr halten, doch darauf zu hoffen, warten und Wetten abzuschließen, sollte man diesen komischen Zeichen der Zeit überlassen.
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Wo ist sie bloß hin? Wo steckt sie nur? Die Kälte, die Ignoranz im Detail und die abprallende Front des Miteinanders. Alles scheint abgedeckt, dicht gemacht von einer glukosehaltigen Schicht Menschlichkeit. Plötzlich steht Nebel im schönsten Grau statt finsteren Morast. Sonne blendet, verblendet jedoch zu keiner Zeit. Was ist passiert?
Jeder will geliebt werden, so weit so unspannend. Kämpfen macht schließlich müde, Abwehr auf Dauer wohl unsexy, negative Wellen nur Kopfschmerzen. Nun: Jeder Winker, Drücker, Freudenschrei mutiert zum zukunftsorientierten Mittel des Zwecks. Zeig dem Anderen nicht die kalte Schulter, lass ihm diese eher eincremen oder ablichten. Verschiebe unbequemen Gesprächsstoff auf die nächste Ära, wir wollen ja keinen Ärger haben.
“Freu mich!”, “Miss You 2″ und das allgegenwärtige Verschleudern von Herzchen jedweder Herkunft ist Trumpf statt emotional stumpf. Die Skala in rosarot ist schier unendlich, das Gute kennt nämlich kein Ende. Und so ist das nicht aufzuhaltende Ping-Pong samt herzlicher Gefällt mir- Denkweise weniger auf dem Vormarsch als bereits regierende Umgangsform. Lebt sich auch gut im Raum von Wattebausch und Lolli-Klimatik.
Ein Böser, der behauptet, all das sei Masche um übermorgen sagen zu dürfen, wie schön und problemarm es einst war bzw. das Alibi der folgenden Krise in petto zu haben. Ach, Herz drüber!
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Temporär geschlossen.
PS: Besorgt’s euch selbst.
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Die Mär der schneller tickenden Uhr.
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Wir werden betrogen, immer wieder neu. Nach wie vor beschweren sich alle, betonen es stets und ständig, niemand geht aber gerichtlich oder einfach mit kollektiver Revolte dagegen vor. Wer auch immer dahinter steckt, der Plan wirkt offensichtlich. Zeit stehlen, Momente und Lebensminuten entreissen. Was nützt ein empor steigendes Durchschnittsalter, düst die Uhr im Kopf parallel dermaßen unaufhaltsam, dass Montag, Juli, 2013 oder 40. Geburtstag mehr und mehr zur ungreifbaren Angabe mutieren. Doch werden wir tatsächlich der Zeit beraubt? Dreht sich da Globus-technisch der Fast Forward-Button gleich mit? Werden wir Opfer der viel zu oft schnell-lebig betitelten Welt? Ist der überdimensionale Time-Keeper besoffen bzw. auf Speed?
Wahrnehmung: Check Check. Wer weder die Jahreszeiten samt ihrer einher gehenden Nebenwirkungen an sich ran lässt, freien und Minuten des gefühlten Offs keine Chance gibt, letztlich aber auch die täglich 24 parat gestellten Stunden nicht mit Leben und Leben lassen füllen kann oder möchte, darf dann selbstverständlich zu gerne im trüben Kanon der Kollegen oder Mitstudenten in die “wie die Zeit vergeht”-Blase versinken. Hormonen und physiologisch gesteuerten Vorgängen sei Dank ist die Wahrnehmung von Zeit meist eine phasenorientierte Angelegenheit. Was sich also heute zieht und windet wie französischer Weißschimmelkäse von vorletzter Woche, kann morgen bereits das visuelle Daumenkino mit 172 Cuts-per-minute mimen. Nicht mit dem Alter kommt der Zeitschwund, nur das Augen-auf für die persönlichen Wichtigkeiten des Alltags wird verlernt und der innerliche Mr. Abgeklärt kämpft sich zu gerne aufwärts. Da kann man nur selbst als ein Vertreter der Geschworenen auftrumpfen, ansonsten wird jede Anzeige gegen Zeit- und Raumgefüge abgeschmettert.
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Wahre Szenen von da, wo auch Straße ist.

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Berlin: Greifswalder Straße: 17 Uhr: Mutter mit Kind an einer Ampel
Kind: Mama, guck ma!
Mutter: Wasn?
Kind: Was hier steht – “Suche 1-Raumwohnung mit Balkon”.
Mutter: Reiss ab!
Kind: Was?
Mutter: Los, reiss ab! Scheiß-Zugezogenen.
Kind: Hm.
Kind schaut fragend zur Mutter nach oben
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Lübeck: Discountcenter: 19 Uhr: Mann im rentenfähigen Alter geht mit Artikel zur Kassenfrau
Kassenfrau: 1,99 €.
Mann: Bitte?
Kassenfrau: 1,99 €, bitte.
Mann: Da steht aber ein Schild mit 1,79 €.
Kassenfrau: Nein, kostet aber 1, 99 €.
Mann: Aber das geht doch nicht, da steht genau.
Kassenfrau: Ja, aber dann stimmt das nicht.
Mann: Ich möchte es aber für den ausgeschriebenen Preis.
Kassenfrau: Tja.
Mann: Ich werde mich beschwerden, ich gehe zum Ordnungsamt. Sowas hab ich ja noch nie erlebt, gibt’s doch gar nicht, also nein, also … (brumm brumm).
Kassenfrau schaut gelangweilt auf das leere Förderband
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Berlin-Buch: Sparkassenfiliale: Frau mit kleinem Jungen steht am Überweisungsterminal, mit den Füßen tretende Frau 2 steht nervös dahinter
Frau 2: Och, wie lange brauchen sie denn?
Frau schaut über ihre Schultern hinter sich, tippt schneller
Frau 2: Wie lange brauchen sie denn?
Frau: Also bitte.
Frau 2: Müssen sie das denn alles hier machen?
Frau: Jetzt lassen sie mich, sonst dauert das noch länger.
Frau 2: Oooh!
Frau: Also wollen sie mich mal in Ruhe lassen?
Frau 2: Ich warte auf sie.
Frau: Wollen wir uns jetzt anlegen, ja?
Frau zieht schnell ihre Karte raus, beide Damen schauen sich Kopfschüttelnd an, die restlichen Bankbesucher verstecken ihr Grinsen
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“Die Gerüchte halten sich hart bis neckisch. Inhaltlich hat die selbstfinanzierte One-Man-Gang, welche sich seit ca. 3 Jahren willig dem gewollten Cocktail der offensichtlichen und oft auch schlecht sichtbaren Erscheinungen aus Medienwelt und Knackpunkten der Gesellschaft verschrieben hat, angeblich inzwischen ausgedient. Die Zeiten der ironischen Halbbreitseite aus dem Corveum sollen also ihr jähes Ende finden. Keine aktuellen In vs. Out-Listen mit Gewähr, schräg gemeinte Horoskope für übermorgen und Vorschläge aus dem musizierenden Background.
Den steigenden Clickzahlen und einhergehendem Bekanntheitsgrad zum Trotz, sollen in Zukunft kaum lyrische Neuaufnahmen das WWW erreichen. Inwieweit die hämischen Unkenrufe realistisch bis glaubhaft sind, wird sich zeigen. Abwarten, ob mögliche eingerichtete Peditionen, Trauersekunden und Abschiedsfeten zum Thema Corvonism Ende 2010 Früchte getragen haben werden oder das Webspektakel im kleinen Rahmen letztlich doch erwartungsgemäß zu Grabe getragen wurde.”
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei, manchmal sogar drei. Davon abgesehen gibt es mindestens einen Unterhaltungsbereich, der scheinbar täglich komplexer und verwurzelter agiert und sich bei nicht nahezu täglicher selbstständiger Up-Date-Motivation in die Unübersichtsfalle verliert. In Zeiten, in welchen die verbliebenen Musikclipkanäle nichts weiter als der unreflektierte kleine Ausschnitt auf die bedeutungsfreien Verkaufs-Top 40 darstellen, die inländische Radiolandschaft weitestgehend zur retrospektiven Ü30-Büro-Beschallungsmaschinerie verkommt, Musikzeitschriften im Druck sich mehr und mehr reduzieren bzw. inhaltlich angleichen, ist Musik ein Kulturgut der Schatztruhen-Sorte.
Such & Find als Motto. Auf Mund-zu-Mund-Propaganda wird sich stärker denn je verlassen. Das musikhörende Umfeld sieht ggf. nicht nur über den klangtechnischen Tellerrand, sondern sogar direkt in isländische Garagenrecordings mit 94 gelisteten Plays beim obligatorischen Musikkatalog-Netzwerk Last.fm. Der gigantische Musikservice von Spotify ist schon namentlich zum Stöbern und Aufwühlen des noch Unbekannten gedacht.
Das Web ist bekannterweise der ultimative Flohmarkt zum Erstellen seines eigenen Soundtracks. Playlisten in Eigenregie sind die Mixtapes von 1996. Der Heuhaufen ist größer geworden, die Anzahl der Stecknadeln jedoch ebenso. Und so ist das zu-Tage-Bringen versteckter Tonperlen aus dem Outback wie ein kleines Geschenk an sich selbst, irgendwas zwischen Überraschung, Bestätigung und ein Geheimniss, das erst nach ein paar Tagen begeistert den Mitmenschen zum Frass vorgeworfen wird. Das frühere Stapeln von potentiellen Kaufscheiben an den Hörstationen der Plattenläden hat sich gegen Entbröseln und gezieltes Selektieren von abrufbaren Musikdateien gewandelt. Musik wird persönlicher denn je, mehr zum gefühlten Selbsterhalt als lediglich Hobby des Alltags. Und ein Ende ist nicht in Sicht, es sei denn die altersbedingt eintretende Überforderung mit den den sich durchgehend drehenden Rädern der Zeit machen den leidigen Strich durch die Rechnung ohne Lösung.
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SONJAGON: ARCHES: QUADRAROCK R: 2009

Der intravenöse Aufschrei.
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Verzweifelte Trauer zu vertonen ist ein hartes Los. Leider nicht selten auch für Ohrenpaare, die statt potentieller Anteilnahme und Soundtrack zum eigenen Gefühls-Off, eine unschöne Pampe aus Kitsch, Floskeln und pathetischen Zungenschlägen vorgesetzt bekommen. Wo hängende Köpfe zu echten Hängern mutieren, Emotionen am Reissbrett bzw. im Eisbett kreiert zu sein scheinen.
Sonjagon schaffen das selten Mögliche und werfen mit “Arches” den liebenswerten Soundbatzen ins verheulte Kopfkissen, welcher mehr kann als nur elegisch dahin trudeln.
Trauer bedeutet auch Wut, Enttäuschung und ein stetiger Kampf mit sich selbst. So liegen die Nerven eben nicht durchgehend blank, sondern bäumen sich auf, flachen vor der nächsten Spannungskurve wieder ab, verzetteln sich selbst und obliegen doch einem roten Faden, der weh tun muss. Ob Sonjagon nun im Postrock, Progpop oder pfiffigem Emocore zu Hause sind, steht gar nicht zur Debatte. Dass Songs wie “Aristocrats” oder “Alarm Lights” auf dem imaginären Mixtape “Songs For/Against Desperation” Pflichtminuten darstellen, hingegen schon.
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Ein offener Brief … an Corvonism.

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Liebe/s Corvonism,
ich habe zwei Jahre gewartet, doch nun muss ich all das Angestaute mal lüften.
Ich bin kein Fan, kein Anhänger und erst recht kein Freund von diesem Blog, welcher grundsätzlich keiner sein möchte. Es geht hier nicht um negatives Anbiedern oder Schocken, eher um eine allgemeine Rückmeldung, die sicher diversen Lesern auf den Schulter hockt.
Corvonism ist Fake, para-realer als Kunststoff, vorhersehbarer als jede Bahnverspätung, überflüssiger als Kot am Schuh, aufgesetzter als Lady Gaga obenrum, durchtriebener als die obligatorische Telenovela-Fiesette.
Was soll das alles ein – der kecke Cocktail der alltäglichen Randerscheinungen plus Absurditätsanstrich? Die MOPO für Neo-Neon-Alternativos? Das Lexikon für den angeblichen elitären Snob der Großstadt? Die Fibel des Sarkasmus?
Mein erlebtes Fazit der corvonistischen Vergangenheit? Corvonism ist sexistischer Wörterwahn ohne Ziel und Verstand. Freundschaften sind zum Brechen da, Herzen zum Anwichsen, Musik zum traurig Dreinschauen inklusive verschränkten Armen und Schlitzhemd. Corvonism ist der gekaufte Blick in die Sterne, das verschachtelte In/Out-Denken, der unsympathische Versuch einer Weltanschauung.
Aber Achtung: Avantgardistisch liest sich anders, provokant sowieso.
Corvonism, wie du mich immer schon anschaust: von oben, mit schwarzem Kaugummi und den geputzten Zähnen plus scharfen Eckzahn. Wann verschwindest du endlich, gibst du nie auf?
Love,
XXX
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Manche Gefühle kann man weder beschreiben, noch möchte man dies. Das sind existentielle Erfahrungen, die in der Vorstellung allein Unbehagen bis Verlustängste hervorrufen. Doch im Grunde kann man viel reden, austauschen und sich vor das geistige Auge führen, hat man es nicht am eigenen Herz erlebt, kann man nicht mitreden.
Außen vor zu sein, abhängig von dem, was man über Dritte erfährt, im verspürten Abseits: das ist wie der Faustschlag ins allgemein vernetzte Denken der Menschheit. Trinken kann man später, essen generell nur im Mehrtagestakt, selbst der Toilettengang ist nach hinten rausschiebbar. Dieses Empfinden, dabei zu sein hingegen, an der Quelle des Seins, man lässt es sich mehr als nur ungerne nehmen. Wie soll man all das nach Tagen der Abstinenz nur aufholen, das Warten kompensieren? Oh nein: Ich tippe, also bin ich? Ich bin so … offline.
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13 imaginäre Bands,
welche uns den Sommer retten könnten.
01] Druid Of The Gloom
02] Happy Bearthday
03] Schreibtischmöse
04] Be My Father!
05] Soda Soak-Up Society
06] Welcome 2 The String-Break feat. Be-Itched & Brunch Bunny
07] K.Eule
08] Mask VS. Hair
09] Hide Your Pride
10] Class Of 666/69
11] Level-Crossing Fates
12] If Everybody Is Fucked By Himself There Should Be No Non-Satisfaction
13] Die Thüringer Allzweckwaffeln
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Ich bin mächtig, sehr mächtig sogar. Viele Leute bauen auf mich, legen all ihre naive Hoffnung auf mein Erscheinen. Ich zeige mich im Vorfeld bereits einige Male Zaunpfahl-winkend. Als Teaser und Appetizer auf das, was noch kommen soll. Wie die Leute es lieben, über mich zu sprechen. Sie können mich teilweise gar nicht erwarten bzw. sind sauer, wenn ich mich mal verspäte. Dabei bin ich lediglich der inoffizielle Übergang zum vermeintlichen Höhepunkt. Ich bin Mittel zum Zweck, Alibi für allgemeine Seltsamkeiten. Ich schaue rein und schon geht es los: Tierparks erweitern ihr Streichelzoo-Angebot, Männer lockern ihre Hemdknöpfe, Frauen lecken an Eiskugeln, Senioren verdrücken eine wehmütige Träne und Kinder springen unwissend euphorisch im Dreieck. Sicher, ich bin glänzend und gut ausgeleuchtet, fast rein und positiv gestimmt. Aber im Grunde will ich all die hormonwankenden Existenzen lediglich verwirren. Das schaffe ich nahezu perfekt. Wie es sie auswärts zieht, mit der unausgesprochenen Angst etwas zu verpassen. Ich krieg sie alle und sie dank mir ihren Spaß: verlegenes Winken, Handynummern-Austausch, Heavy Petting, raumgreifende Gebärmütter. Plötzlich sehen sie ihre Nachbarn, die Farbe Grün und fremde Haut mal wieder direkt vor Augen. Ich bin schon ein stets wiederkehrender Fuchs, ein beliebter noch dazu, und dass sich niemand meiner Daumen-hoch/Kopf-hoch-Präsenz entziehen kann, macht mich in meinem Viererbund stets so triumphierend. Was ich aber mit blauen Bändern zu tun haben soll, überlasse ich denen, die sich angeblich damit auskennen.
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