ESBEN AND THE WITCH: COMET CLUB: BERLIN: 17.02.2011
Drei sind keiner zuviel.

Ja, alle Zeitschriften und Online-Plattformen, die sich irgendwie um Musik oder Kultur an sich zu drehen versuchen, haben aktuell einen Mehrzeiler zur Band des Abends parat.
Ein Hype ist aber letztlich, was du draus machst und entgegen der wirtschaftlichen Norm, wird und wurde hier eben nicht der Nenner für alle so zurecht gestutzt,
dass man auch zum Trio aus Brighton parallel tanzen, träumen und gut aussehen kann.
Die neu gewonnene Düsternis im Pop-Gedanken zieht sich durch das aktuelle Who-is-Who der Alternativmusiklandschaft.
Wo Fever Rays anonymes Konzept alles überstrahlte, Zola Jesus genau davon nur halb-gerechtfertigt profitierte und These New Puritans z.B. verschrobenen Bombast neu aufstellten, schlendern Esben And The Witch letztlich fast unbemerkt mit düster glimmender Fackel hinterher.
Verliebten ist nicht zu trauen, und so will man den Dreien, die sich ganz und gar dem abgedunkelten Nightmare-Pop (Eigenkreation des Labels?) hingeben,
nicht so ganz die eigene Hand anbieten.
Dabei sind es die Songs des ersten Albums “Violent Cries”, die am heimischen Rechner leicht distanziert und abwesend,
und erst live vor Ort bedrohlich und latent aggressiv den gut besuchten Comet Club der Hauptstadt betönen.
Es braucht keine Lichtshow, keine Inszenierung – nur drei Personen und eine knappe Stunde Zeitfenster.
Es brummt, knistert, flackert, poltert plötzlich, stapelt sich heimlich und will dennoch nicht wie ein aufgeblähter Postrock-Batzen funktionieren – Gott sei Dank.
Schließlich ist es diese Stimmung, die nicht dem idyllischen Waldspaziergang im Tagtraum gleichen will, eher der Silhouette eines vergessenen Klinikgeländes im Outback.
Rachel Davies setzt ihr Stimmorgan so nah, direkt und ebenso fast parareal ein, dass die hängenden Schultern im Nebellicht nicht grundlos abzeichnen,
was diese Band scheinbar auszeichnet.
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