Corvonism

Interview mit: Barry Burns (Mogwai) | Januar 18, 2011

- Der letzte Tee geht auf Margaret Thatcher -


Was kann der Tod schon anderes tun, als uns alle mehr oder weniger angemeldet abzuholen und sich dabei mächtig wichtig vorkommen?
Ja – seinen Ruf wahren und dabei gleichzeitig Tabu-Thema Nr.1 bleiben.
Passender Gesprächspartner ist Multiinstrumentalist Barry Burns der schottischen Freunde von MOGWAI, der wenig überraschend, neben versteckten Todesbotschaften auch eine Schippe Sarkasmus in petto hat.

“Hardcore Will Never Die, But You Will” liest sich als aktueller Albumtitel tiefgründiger als man mit Grinsen fertig ist.
Für zweideutige bis absurde Aussagen bis Songtitel sind die inoffiziellen Thronhalter des Postrock bereist bekannt – wer benennt sich schon ohne ein gewisses Rückgrat nach einem exklusiven Film aus dem Jahre 1984. Von den Fratzen der Gremlins zu den des Hardcores.
Wenn der unkaputtbare Hardcore sein Gesicht zeigen würde, wem würde es ähneln?

“Tom Waits oder Mark Lenegan, einem dieser Art von Gesichtern.”

Nun gut, aber wenn Mogwai selbst die Anführer des Todes wären, wie würdet ihr dann aussehen?

“Wenn man es in überzeugender Weise machen würde – wahrscheinlich wie eine gigantische Margaret Thatcher – mit Scheiß-Lasern.”

Schöne Vorstellung, welche einen geradewegs zu den sogenannten Deathparties bringt. Wart ihr jemals ein Mitglied oder könnt euch zumindest vorstellen,
wie diese von statten gehen?

“Die spezielle Party, auf die du hier wohl Bezug nimmst, ist die von Margaret Thatcher. Das könnte eine zu realistische Veranstaltung in Schottland sein.
Ein Land, das sie wie ein Meerschweinchen behandelte in ihren dubiosen sozialen Experimenten.
Ich kann mir nicht viele Leute aus dem Norden vorstellen, die an diesem Tag weinen, doch es wird Kuchen geben.”

Während diese Dame der Politik von vorgestern – Premierministerin des Vereinigten Königreichs der Jahre 1979-1990 – bereits per Umfrage auf Rang 3 der schlechtesten Briten aller Zeiten gewählt wurde,
ist es ein anderes prominentes Kaliber, das auf der siebten Platte seine Erwähnung findet: Lionel Richie.
Bitte einmal vorstellen: +++ Newsticker +++ Lionel Richie ist tot! ++++ Eure Gedanken und darauf folgenden Handlungen?

“Ich denke mal, ich würde mir die Geschichte durchlesen und einen schwachen Stich an Traurigkeit fühlen, dann aber einfach versuchen, meinen Tag ganz normal weiter zu führen. Ich bin wirklich kein Fan, doch das Video zu “Hello” ist eines der witzigsten aller Zeiten.”

Weniger witzig ist die visuelle Vorstellung der Einrichtung “Castle Of Doom”, in dem vergangenen Sommer die Scheibe gemixt wurde.
Wie verbringt man denn seine Zeit dort?

“Nun, wir haben lediglich das Album dort gemixt, doch es ist schon ein schöner, kleiner Platz.
Ich kann mich nur daran erinnern, dass wir tatsächlich eine Menge Soldaten auf der Xbox in der Studiolounge getötet haben.
Ein wenig beschämt bin ich, dir sagen zu müssen, dass wir auch viel Golf von Tiger Woods spielten. Außerdem zerstörten wir sehr, sehr viel indischen Curry.”

Konsolenspiele fördern also nachweislich die Zerstörungswut – was wurde denn noch zusätzlich seit der letzten Veröffentlichung so alles demoliert?

“Nicht viel. Ein paar iPods, mehrere Weinglässer. Um ehrlich zu sein, sind wir keine wirklich zerstörungsfreudigen Menschen.
Alles was ich zerstöre geschieht rein zufällig.”

Bitte keinen Schein zerstören, schließlich braucht man Fantasie. Die Kunst des attraktiven Sterbens zum Beispiel – eine ewig lebende Vorstellung.
Aber gibt es grundsätzlich eine gute Version des Ausfadens?

“Uh, ich mag meine augeblichenen Jeans. Das ist die beste Art des Ausfadens, die ich seit langem auf einem Textilprodukt gesehen habe.
Insbesondere so rund um den Kniebereich. Sterbende Jeans – Sterbende Gene. Autsch!”

Wenn schon sterben, dann richtig? Doch welchen Satz sollte niemals ein Sterbender bzw. von einem Sterbendem kommen?

“Zu einem: Vergiss die 8 €! / Von einem: Der goldene Schatz liegt unter …….”

Und wenn die kommende Scheibe auf einer Lebens/Sterbeskala stehen würde, wo würde das in etwa sein?

“So rund um den “Ich habe gerade einen roten Sportwagen gekauft”-Bereich des Lebens.

Noch wirkt und scheint ihr recht lebendig – wenn ihr an das Jahr 2011 denkt, sollte welches Gefühl niemals verschwinden?

“Ich bin nicht so gut darin, über die Zukunft nachzudenken. Ich bin wenig einsichtig. Ich will nur mit dem Touren beginnen und hoffen, dass die neuen Songs live gut klingen.
Langweilig aber wahr.”

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written for Fuze Magazine


Veröffentlicht in LE SPECIALE

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