Corvonism

WWE UNDERTAKER’S REST IN PEACE TOUR 2009: HAMBURG: COLOR LINE ARENA: 13.11.2009 | November 14, 2009

WWE UNDERTAKER’S REST IN PEACE TOUR 2009: HAMBURG: COLOR LINE ARENA: 13.11.2009

:::

Manchmal stellen Menschen zu viele Fragen.

Was – dieses Catchen gibt es noch?

Kann man dieses US-Bollobuilding-Kostümschau auch mit über 18 gut finden?

Ist das wirklich alles nur Show?

Findet man was an diesen seltsamen halbnackten Typen und übertrieben glamourös gestylten Uschis?

Dolph Ziggler

Auf alles ein saftiges Ja plus Ausrufezeichen. Wrestling ist und bleibt weiterhin der best inszenierteste Unterhaltungssport weltweit. Da treffen herrlich oberflächliche Schauspielleistungen im Muskelkostüm auf akrobatisches Können und hannebüchene Storylines, welche das Leben leider selten schreibt. Dafür kann man nie zu alt sein, nur alles zu ernst nehmen bzw. plötzliche unangebrachte Erwartungen an eine Branche setzen, die sie gar nicht erfüllen möchte. Wer sich vor Männern in Stahlkäfigen oder auf wenig bruchsicheren Kommentatorentischen fürchtet, Rollenspiele mit Vorsicht genießt bzw. nicht verstehen kann, warum Frauen sich ohne Öl oder Schlamm quer auf ein paar qm schubsen müssen, dem bleibt die Aktiengesellschaft WWE weiterhin als das große Fragezeichen zurück.

Entgegen der rückläufigen Verkäufe der zahlungspflichten TV-Großveranstaltungen und einem Absinken der DVD-und allgemeinen Merchandise-Einnahmen, erfährt der Boom der frühen Neunziger seine Rückkehr in Deutschland. DSF, Eurosport, einer größeren Produktpallete samt Promomaschinerie und der erneut familienorientierteren Ausrichtung sei Dank, verzeichnet Wrestling hierzulande ordentlich Wachstum. Extrem, blutig, sexistisch oder unterirdisch beleidigend war gestern. Der Sport soll zurück auf die Tauschbörsen der Schulhöfe und in die investierfreudigen Kinderzimmer. Figuren, Poster, Sticker, Sammelkarten, Videogames, Shirts und Discsets – kommerzielles Ende der Fahnenstange ist Fremdwort. Auch okay so, dafür ist bzw. so bleibt man Fan.

Rey Mysterio

Freitag, der 13. Die Color Line Arena ist mehr als gut besucht und besonders auffällig gut gestimmt. Und das trotz teilweise mehrstündiger (erfolgloser) Wartestunden in der Novemberkälte zur nachmittäglichen Autogrammstunde Nähe des Hauptbahnhofs. Die Rey Mysterio-Masken sitzen genauso wie die Unmengen an ausgewaschenen Undertaker-Shirts. Da kann es ja losgehen. Smackdown!-Ringsprecher Tony Chimel wechselt mimiktechnisch zu gerne zwischen versteckt albern und plötzlich bierernst. Vor allem wird inzwischen zu gerne zwischen Match und Werbetrommelrühren geswitcht, der produzierte Spuk am Ausgang muss schließlich weg.

Es ist nicht unbedingt die Tour der großen Namen. Triple H und John Cena fehlen kaderbedingt genauso, wie Shawn Michaels und Randy Orton. Das scheut nicht. Ist schließlich das Phänomen und Deadman in einem – der Undertaker – als das altehrwürdige  Zugpferd mit an Bord, da kann nicht viel schief gehen. Eröffnet wird mit einem flotten Triple-Threat-Match um den wieder relevanteren Intercontinental-Title, wo der erfolgreich als Massenliebling etablierte John Morrison seinen Gürtel gegen den noch euphorischer bejubelten Matt Hardy und überzeugend überzogenen Egomanen Dolph Ziggler verteidigt. ECW-B-Stars haben es bekanntlich schwerer. Nicht jedoch, wenn man Mit-Neunziger Star Goldust an Bord hat, ihm Athletikwunder Shelton Benjamin an die Seite stellt und mit Ezekiel Jackson den beeindruckendsten Oberarm-Batzen im Team plus selbstüberschätzenden Schönling Zack Rhyder als Kontrahenten anbietet, und Erstere auch noch den Sieg einfahren. Drew McIntyre hat die krasseste Stimmfarbe des gesamten Rosters, mit Finlays Hilfe sogar den lautstärksten Zweitnamen als „Weichei“.  Macht nichts, die Chefunterstützung durch Vince McMahon ist ihm gewiss und so geht Drew trotz ewigem Geplänkel wie verbalisiertem Deutschlandhass zwischen den Aktionen als Sieger heimwärts. Die Divas können meist nur kurz für Aufmerksamkeit sorgen. Lediglich Mickie James bleibt seit ihrer Top-Fehde vor gefühlten 10 Jahren allgemeiner Applausmagnet. Mit der deutschstämmigen Katie Lea Burchill, die hier überraschend als Gute agiert,  im Tag-Team gegen Women’s Champion Michelle Mc Cool und Glamzone Beth Phoenix. Da wird offensichtlich, dass die weiblichen Main Events für 2010 positiv gesichert sind.

Fannähe als Grundsatz heißt es bei Rey Mysterio, der unabhängig von Titelgeschehen oder großer Airtime, der Held der Prä-Pupertätsgruppe bleibt. Sein ehemals bester Freund und nun Erzfeind Batista will mit seinem kaltblütigen neuen Image noch nicht ganz zünden, tut aber aktionstechnisch schon mal alles dafür. Eine Disqualifikation als Matchausgang kommt heel-typisch immer gut, und so sind es nochmal John Morrison und Matt Hardy, die dem Maskierten zu Hilfe eilen. Auch Mr. Ziggles und Rhyder hauen kurzfristig noch einmal mit ins wilde Treiben. Doch die euphorischen kleinen Fans, Unmengen Handycams, Maskenverteilung, Umarmungen und eine Kinderfreundlichkeit, die Mutti zu Tränen rührt, sind es vor der Pause, die zeigen, warum Rey einfach einen wasserdicht abgeriegelten Vertrag benötigt.

Diva Tag Team Match

Für alle, die zwischen Toilette und Burgerstand zu lange brauchen, verschließt sich leider der unfassbar intensive Buh!-Yeah!-Wechselkurs beim ECW-Titelkampf zwischen Captain Charisma Christian und Dauergriesgram William Regal. Matchtechnisch bleibt weniger in Erinnerung, dafür köchelt die Stimmung trotz dem sonst eher mauen ECW-Bonus amtlich. What’s up? R-Truth weiß es. Neuling Eric Escobar ebenso. Nur, dass Letzterem außer der Wut über eher den Rekordsieg seines rappend-tänzelnden Gegners nicht viel bleiben wird.

The Undertaker

Und dann kehrt der Mann ein, der seit knapp 20 Jahren mit durchgehend einem Grundcharakter auftritt, doch ebenso durchgehend als halb-lebender Grund für verkaufte Tickets gilt. The Undertaker. Was wäre er ohne seinen Gong,  Mantel, Nebel und dem getragenen Einmarsch? Der Sarg steht schon bereit. Schließlich muss Straight Edge-Überzeugungskünstler CM Punk in einem Casket-Match ran. Und das bedeutet erstmal: Fluchtverhalten. Das können die vermeintlich Bösen ja über die drei Stunden Show reihum perfekt. Doch keine R.I.P.-Tour ohne ihren würdigen Sieger. Die World Heavyweight Championship bleibt bei dem Mann in Schwarz. Und dann, Licht an, Spot aus, Ring abgebaut. Und die erneute Erkenntnis, dass man all die trantütig typischen Fragen von Unwissenden getrost ignorieren kann, solange man selbst drei-stellig ausgegebene Beträge für schlau investiert hält.

:::



Veröffentlicht in THE STAGE OF NO RETURN

1 Kommentar »

  1. Ich war da und es war der absolute HAMMER. Habe noch nie so eine geile Show gesehen Gruß Ela

    Kommentar von Michaela — November 29, 2009 @ 6:25


Kommentieren? Kommentare-RSS TrackBack URI