Corvonism

Im Gespräch mit: THE PSYKE PROJECT. | August 22, 2009

„Care For Your Forest-Project“.

The Psyke Project

Fünf Männer in kollektiver Mission im dänischen Outback. Wie Freie Körperkultur sich thematisch gekonnt zur Heimatliebe hangelt, und dennoch sympatisch bleibt, beweist Schlagzeuger Rasmus Sejersen.

>> Hi! Wir sind THE PSYKE PROJECT aus Kopenhagen, Dänemark. Wir spielen Hardcore, welcher Wert auf harte Riffs und epische Strukturen legt, also liebt uns! <<

„Dead Storm“ kriecht quer durch den Sumpf, und scheint dabei einer existentiellen Erfahrung zu huldigen: dem Ankommen in der Natur mit all ihrer Kraft und Anmut. Zurück zum Ursprung – euer Pfad und gewähltes Konzept der vierten Veröffentlichung?

>> Als wir anfingen, uns Gedanken über das Schreiben zu ”Dead Storm” zu machen, wussten wir bereits, dass unser neues Material unsere skandinavische Herkunft wiederspiegeln soll. Also begannen wir zum Thema Skandinavien zu recherchieren, uns selbst zurück zu erinnern und einfach alles einzuatmen. Alles von Volksmusik über Erzählungen bis hin zu alten Sagen, lieferte uns die Inspiration um loszulegen. Diese Arbeitsmethode zahlte sich wirklich aus, schließlich waren die Inspirationsquellen nahezu endlos. Wenn du in einer Band spielst, die bereits drei Alben auf dem Rücken hat, musst du deine Herangehensweise frisch halten. Das Konzept half uns dabei sehr.

Wir wussten ebenso, dass wir die Sache langsam angehen lassen, und uns komplett auf das Songschreiben und die Dynamik jedes einzelnen Stücks konzentrieren wollten. Mit dem Konzept im Hinterkopf, waren wir darauf aus, die Natur Skandinaviens innerhalb der Songs zu portraitieren. Ob nun donnernd, morsch und zerbrechlich, oder bombastisch – all diese Stimmungen sollten in der Musik eingefangen werden. Es war definitiv ein neuer Weg des Songschreibens für uns. <<

Winter Clip


Wie steht es um die Gerüchte, die neuen Songs wurden im Blair Witch-Stil kreiert, weit weg vom Stadtzentrum? Kommt sonst keine wahre Atmosphäre auf, so zwischen Rechner und einem Cocktail 2 Go?

>> Die Gerüchte stimmen. Der Großteil des Materials wurde innerhalb einer Marathonsitzung in einer Waldhütte geschrieben. Hoch im Norden zu sein, ohne die potentiellen Ablenkungsmanöver, hatte auf jeden Fall einen positiven Effekt auf das Endergebnis. Wir wollten die Atmosphäre, welche im Wald herrscht, regelrecht aufsaugen, und dies konnten wir wohl auch erfolgreich auf ”Dead Storm” wiederspiegeln. Der Rest des Albums wurde innerhalb des Kopenhagener Grenzgebiets geschrieben. Wenn du den Ort kennst, wirst du die bedrohliche Atmosphäre nachvollziehen können, welche die Platte in sich trägt. Das generelle Konzept war ja, sich während des Schreibens möglichst von der Gesellschaft zurückzuziehen.

Es ist recht einfach, sich ablenken zu lassen, wenn der Laptop in Reichweite ist. In Kopenhagen gibt außerdem immer etwas zu sehen bzw. zu tun. Aber ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum ein Cocktail ausschließlich im Großstadtleben möglich sein sollte… <<

Eure Songtitel wie „Stockholm Bloodbath“ klingen wie Überschriften zu netten B-Movie-Ausgaben. Woher kommen diesbezüglich eure Inspirationen?

>> Als ein großer von B-Movies, möchte ich für die Assoziation bedanken. Zu schade, dass du die Arbeitstitel niemals gehört hast, haha. Normalerweise hören wir uns den Song an, verbinden es mit etwas, und kommen so zu unseren Songtiteln. Oft sind es nicht mal an die Texte, welche uns zum endgültigen Titel inspirieren. Eigentlich geht es letztlich darum, den Titel für die Zuhörer und uns denk- oder erinnerungswürdig zu gestalten.<<

Entgegen der immer häufigeren Meinung, Videoclips wären inzwischen lediglich sinnfrei rausgeworfener Teil des eh begrenzten Budgets, habt ihr zum Track  “Winter“ einen Clip abgedreht. Erzählt doch mal von den Aufnahmen im Dickicht. Irgendwelche nennenswerte Verletzungen bzw. unbekannte Waldsubjekte vor Ort?

>> Der Dreh zu ”Winter” war eine interessante Erfahrung, um es kurz zu sagen. Im Winter mit seinen Bandkollegen nackt durch den Wald zu rennen, sich in Schlamm zu hüllen und auf Bäume zu klettern, war keinesfalls etwas, an was ich in meinem Leben je gedacht hätte. Doch es war ein Mordsspaß und wir hatten alle eine tolle Zeit. Ich muss dich enttäuschen, wir hatten keinerlei Verletzungen. Das einzige was verletzt wurde, war mein Stolz, haha.

Eine witzige Geschichte habe ich jedoch. Unser Gitarrist Mikkel und ich saßen nackt und voll von Matsch in einem Baum. Als wir während des Drehs unseren Song spielten, kamen zwei Läufer vorbei und riefen: ”Sieht klasse aus, Jungs!”. Ich muss schon zugeben, dass ich mir in diesem Moment ordentlich dumm vorkam. Doch das Ergebnis spricht für sich. Es war all die Herzschmerzen wert.

Zum Thema Videoclips kann ich mich nicht anschließen. Wir nutzen all die Plattformen, ob Myspace, Youtube und so weiter. Das erlaubt uns, uns mit Tausenden von Leuten zu teilen. Ich denke, Videos haben ihre Relevanz zurück gewonnen. Es ist außerdem eine nette Möglichkeit, mit unseren Zuhörern in Kontakt zu kommen. So ist es ihnen möglich, uns in Aktion zu erleben. Es ist auch eine Frage der künstlerischen Herangehensweise. Man sollte es schon visuell ansprechend gestalten. <<

Passend zum groß angelegten Wald- und Wiesenthema, wäre doch ein Nachtkonzert im dänischen Unterholz nun so etwas wie halbe Pflicht. Die Frage ist nur, für wen das Ereignis furchteinflößender wäre – für die Zuschauer, den Jäger oder der beheimateten Fuchsfamilie von nebenan?

>> Wenn sich Leute blicken lassen würden, würden wir es sicher in Erwägung ziehen. Und was das mit dem am meisten Fürchten betrifft, würde das wahrscheinlich jeder der Anwesenden sein. Ich habe Martin im Wald schreien hören, und das ist gar nicht schön! <<

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http://www.thepsykeproject.dk

http://www.myspace.com/thepsykeproject

„Dead Storm“ Veröffentlichung: 24.08.2009 (Lifeforce Records)

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