ALICE IN CHAINS: HAMBURG: GRÜNSPAN: 10.08.2009

Flashbacks ohne Crackfleck.
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Man kann es alles zum wiederholten Mal durchkauen: Den Sinn und Nutzen ständig neuer Reunions-Fahrten. Gerade, wenn der ursprüngliche Sänger das Mikro nicht mehr halten will bzw. sogar todesbedingt nicht mehr halten kann. Dann Grunge, der ähnlich wie New Metal eben eine musikalisch längst abgegraste und historisch eher zweischneidige Epoche darstellt. Doch wer kann sagen, ob Layne Staley dieses unerwartete Neuaufleben nun tatsächlich verteufeln würde, wieviel Geld den Spaß an der Sache bereits übermannt hat, und ob Wiedersehen nicht auch einfach mal Freude machen darf.
„Ausverkauft“ kann schon mal eine Aussage in sich sein, muss es aber nicht. Gefühlte 47 °C im Schatten des Grünspans entfachen sich kaum grundlos. Allem Anschein nach ist die Nachfrage so groß wie berechtigt. Wenn man ein Konzert platzbedingt lediglich hören und die Bühnenaktivitäten nur erahnen kann, ist das ärgerlich und hilfreich zugleich.
Soll heißen: Vom Eck am Merchandisestand kann man von den vier 90’s-Helden genau nichts sehen. Das kann man der euphorischen Wand tropfender Rücken und belegter Stirnflächen nicht übel nehmen. Schließlich sind wir alle aus einem Grund hier. Das ist weder exzessives Saufen zum Montag, noch die obligatorische Gitarrendosis der Woche. Wenn die Band, die den Spagat zwischen nicht selten abwegigem Rocksongwriting, blei ziehender Atmosphäre und der gefährlichen Spur Leidenschaft hinter den Tönen durchgehend halten konnte, sich nach einer guten Dekade die livehaftige Ehre erweist, hat man da zu sein. Ob nun direkt bühnennah, fest am Tresen oder halb-beschäftigt auf der Toilette. Es ist eigen und willig zugleich, all die alten Hauer mal fernab vom leiernden Mixtape zu erleben. Man kann Jerry nur erahnen, Sean und Mike ebenso. Zu erschrecken, wie die Jahre an den Herren genagt hat, fällt so mit aus.
Doch Sänger William Du Vall tut das, was niemand glauben oder hoffen mochte – er lässt den 20. April 2002 kurz vergessen. Das Leid, die Verzweiflung und die raffinierten Achterbahnfahrten sind allgegenwärtig, doch keineswegs halbherzig oder pathetisch imitiert. Kein Track ohne ein gerauntes „Yeah!“, der Vorwurf eines seichten Revivals ist Fehlanzeige. Intensiv und nicht altersschwer – Drogenfrei und mit Spaß dabei. Man kann es nicht fassen. „Would“, „Rooster“, „We Die Young“ und „Down In A Hole“ sind zwar historisch, aber ohrenscheinlich noch nicht Geschichte. Denn diese freuen sich. Knackig, glasklar und clean in einem. Alice in Chains sind da. Erinnerungen an den grundsätzlich eher stimmungsarmen Singles-Streifen aber auch, vom selbstzerstörerischen MTV-Unplugged und der dichten Junkwolke von einst ganz zu schweigen. Hier wird gezeigt, wie man auferstehen kann, ohne sich selbst zu pfählen. Oder, wer sind Billy bzw. Axl? Im November geht es weiter. Dann mit Neuveröffentlichung und der Location, die klimatechnisch nicht gegen ein türkisches Bad anstinken will.
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