FALL OF EFRAFA: HAMBURG: ROTE FLORA: 30.08.2009

Abschiedswort: Gewaltig.
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Das Ende zu verdrängen ist gefährlich, letztlich jedoch reiner Selbstschutz. Das Ende zu erahnen wirkt dagegen wie ein latenter Stimmungsbarometer. Das Ende aber zu wissen und die quasi finale Runde mitzunehmen, ist irgendwas zwischen gewollter Körperverletzung und den Tatsachen in die Augen schauen.
So überraschend gut besucht, wie Hamburgs Rote Flora, da war weniger mit Sehen, als mit Hören. Das muss auch ausreichen, schließlich kommen die potentiellen Bilder dazu wie von selbst.Und diese sind weitab von lieblichem Winken und Tränen im Knopfloch. Da setzt es eher das gewünschte Kopfloch.
Wer will Sludge schon exakt definieren bzw. sagen, ab wo Crustcore emotional wird. Die Briten von Fall Of Efrafa spucken auf kurze Technikdefizite. Tun tontechnisch das, wofür ihre Trilogie letztlich steht. Wenn sich zwei streiten, freut sich die Dritte. Der satte Batzen fesselnder Klangwelten, welcher zwar kratzt und tief gräbt, gleichzeitig unnötige Blutsequenzen gekonnt außen vor lässt. Hart, aber schmerzlich. Sie fallen tief, ziehen sich im nächsten Augenblick doch aus dem herrlich zuckenden Sumpf, in welchem sich die Brüder im Geiste Cult Of Luna ähnlich wohl fühlen. Efrafa ist gestürzt, die LP-kauffreudigen Besucher am Merchstand im Anschluss eher bestürzt. Wo wir wieder beim Anfang wären: Das Ende darf gerne ein bißchen weh tun, danke dafür.
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THE XX: XX:2009

Aktenzeichen XX abgelöst.
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Aus einem Fragezeichen werden schnell zwei. Das große X lauert überall. Nicht unbedingt in der Welle britischer Nachwuchskünstler. Da wird alles zu schnell geklärt, offenbart und dermaßen prall ausgeleuchtet, dass aus dem erkennbaren Begriff „Heiß“ rasch „Hype“ wird. Das schreckt ab. Zu selten verirrt sich da kreatives Silberbesteck inmitten des NME-tauglich lackierten Sondermülls.
Und dann kommen diese beiden Buchstaben so groß weiß auf schwarz. Somit trifft er auch ein: der lebendige Gegenbeweis zur These, und zwar schwarz auf weiß.
Das Doppel-X fängt ein, nicht auf – fällt nur latent auf, und dann wieder in sich zusammen. Das sind keine fix abgeschusterten Teeniegedankengänge im oberflächlichen Fetentrubel. Keine zirpenden Stampfbeats als pupertäres Animationsprogramm, wie das The und akutes Namedropping weis machen könnten. Im Grunde herrscht hier klassisches Pop-Songwriting mit der Portion Melancholie, die nicht jugendliches Fernweh sein möchte. Elf mal Klangwelten, die nach links und rechts Ausschau halten und doch im wohligen Nebel verharren, ganz ohne schlecht gepuderten Glanz- und Bombastmantel. Das Quartett trägt schwarz, und denkt dennoch nicht finster. Sie wissen um die Funktion elektronischer Untertöne, aber ebenso um die künstlerische Waagschale. Wenn das der inoffizielle Einstieg Richtung Herbst und verregneten Gassen sein soll, dann kann der Sommer gerne dort bleiben, wo das Kalenderblatt vom vergangenen Monat liegt.
(XL/Beggars)
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Unzensierter Gossip der Woche zum Mitreden:
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+ Aqua sind zurück: Neue Single „Back To The 80s“ läuft auf VIVA schon heiß.
Ergo: Sie konnte als Barbie Girl einst schon nicht singen, übel aussehen schafft sie 10 Jahre später nun ebenfalls.
+ Christian Bale hungert wieder: Diesmal erfordert Neuproduktion „The Fighter“ Knochentransparenz .
Ergo: Erst pumpen, dann pumpen lassen. O-Saft im Wattebausch als tägliches Gewinnerfrühstück und für einen guten Zweck.
+ Bushido fährt bei Rot: 150 Öcken Strafe und Flensburg Calling?
Ergo: Augen auf beim Fahrverlauf bzw. wer fährt schon selbst?
+ „Twilight“-Helden Robert Pattinson und Kristen Stewart wollen zusammen ziehen: Pärchenboom auch im Teenieunterhaltungsmilieu angekommen.
Ergo: Brauchen die beiden eine rasche Finanzspritze fürs Eigenheim oder warum wurde Teil II vorverlegt?
+ George Clooney per Harley gestürzt: Wir sind im Geiste bei seiner neuen Flamme Elisabetta Canalis.
Ergo: Einem Emergency Room den Rücken zu kehren, war schon immer böses Omen.
+ Dieter Bohlen erhält für neue DSDS-Staffel Maulkorb: Die potenten Nachwuchsstars von morgen erhalten vertraglichen Böse-Sprüche-Schutz.
Ergo: Castingshows sind auch nicht mehr der Feind, der sie mal waren.
The Gossip-Fronterin Beth Ditto erhält ADHS-Symptomatik von Doktor offiziell bestätigt: Ihr Umfeld hatte schon gewisse Vorahnungen.
Ergo: Das erklärt fast alles.
Avril Lavignes Ehe mit Deryck Whibley vor Einbruch: Die große Krise nach dem 2006er Bündnis.
Ergo: Waschechte Punkverfechter im Ehemodell – das kann ja nicht gut gehen.
+ Gerard Butler verteidigt Möpse: Bei Stressbegegnungen mit fremden Hundebsitzern an der Bordsteinkante kennt Gerry keine Gnade.
Ergo: Fight Your Dog For A Walk.
+ Fans von Amon Amarth erschaffen Epic Viking Rowing: In kollektiver Sitzschlange und Nieten rudern statt Alarm im Circlepit.
Ergo: Auch die Metaller über 50 bzw. über 3,5 Promille können ihre Idole live bewundern, ohne Verletzungs- und Sturzgefahr (scheiße dabei aussehen ist leider noch inbegriffen).
+ Lindsay Lohan plant mit Britneys Manager Realitydoku: Die Irrungen und Wirrungen des nächsten Chaos-Sternchens für die Massen.
Ergo: Sie kann auch Tila Tequilas vakante Dating-Position einnehmen.
+ Megan Fox in Sextherapie: Sie erhält – gibt nicht selbst Unterricht.
Ergo: Die pathologischen Folgen christlicher Erziehung macht auch in US-Haushalten nicht halt.
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Ihr wisst noch mehr? Schön für euch!
DEFTONES: HIGHFIELD FESTIVAL: ERFURT: 23.08.2009
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Die Toten Hosen sind der lebendige Abgesang auf einen Festivalstandort. Dort wächst kein Gras mehr. Muss auch nicht, schließlich waren sie da. Die, wo nie New Metal waren. Die, denen ihre Fans tatsächlich was bedeuten, das aber Lässigkeit und Natur gegebener Coolness sei Dank nicht raushängen lassen müssen. Die, denen man jedes noch so verkackte Konzert nicht ewig nachhält, im besten Falle sogar zum Kult mutiert. Die, die musikalisch schlauer sind, als ihr Musikbiz-Freundeskreis es je sein wollte. Die, welche noch immer nicht den großen Karrierefehler begangen haben. Genau die, welche durchgehend authentisch agieren, ohne transparent zu sein.
Und doch kam fast alles anders als geahnt. Keine kurzfristige Absage. Kein desolater Chaosauftritt im Halbrausch. Keine Verweigerung oder Lust auf Angriff. Sentimentaler Gossip von Chis Krankenbett bleibt bewusst außen vor. Typischer Ami und parallel Dauersympath Chino ist guter Dinge, sehr guter sogar. Er genießt Sonne, blauen Himmel und das Menschenmeer. Grinst und winkt mehr, als der 3-Tages-Timetable erlaubt. Er trägt entgegen aller Gerüchte keinen dicken Ranzen vor sich her, sondern wippt 1999-würdig in den fest sitzenden Kniestrümpfen und ist sichtbar in skate-affiner Sommerlaune. Wenn es den Bands besser geht, als den Zuhörern, fällt doch angeblich die Relevanzkurve. Aber ach, dafür kommen „Be Quiet (And Drive Far Away)“, „My Own Summer“, „Elite“ und all die anderen klassischen Songfreunde weiterhin viel zu zeitlos. Wer hast schon auf neues Material gehofft bzw. auf den Begriff „Eros“ gewartet? Zu sehen, dass die letzten zuckenden Überreste der Epoche „Adidas-Drecklocks und Baggypants im Psychoblick“ von der guten Seite sind, lässt aufatmen und stimmt…zufrieden.
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„Care For Your Forest-Project“.

Fünf Männer in kollektiver Mission im dänischen Outback. Wie Freie Körperkultur sich thematisch gekonnt zur Heimatliebe hangelt, und dennoch sympatisch bleibt, beweist Schlagzeuger Rasmus Sejersen.
>> Hi! Wir sind THE PSYKE PROJECT aus Kopenhagen, Dänemark. Wir spielen Hardcore, welcher Wert auf harte Riffs und epische Strukturen legt, also liebt uns! <<
„Dead Storm“ kriecht quer durch den Sumpf, und scheint dabei einer existentiellen Erfahrung zu huldigen: dem Ankommen in der Natur mit all ihrer Kraft und Anmut. Zurück zum Ursprung – euer Pfad und gewähltes Konzept der vierten Veröffentlichung?
>> Als wir anfingen, uns Gedanken über das Schreiben zu ”Dead Storm” zu machen, wussten wir bereits, dass unser neues Material unsere skandinavische Herkunft wiederspiegeln soll. Also begannen wir zum Thema Skandinavien zu recherchieren, uns selbst zurück zu erinnern und einfach alles einzuatmen. Alles von Volksmusik über Erzählungen bis hin zu alten Sagen, lieferte uns die Inspiration um loszulegen. Diese Arbeitsmethode zahlte sich wirklich aus, schließlich waren die Inspirationsquellen nahezu endlos. Wenn du in einer Band spielst, die bereits drei Alben auf dem Rücken hat, musst du deine Herangehensweise frisch halten. Das Konzept half uns dabei sehr.
Wir wussten ebenso, dass wir die Sache langsam angehen lassen, und uns komplett auf das Songschreiben und die Dynamik jedes einzelnen Stücks konzentrieren wollten. Mit dem Konzept im Hinterkopf, waren wir darauf aus, die Natur Skandinaviens innerhalb der Songs zu portraitieren. Ob nun donnernd, morsch und zerbrechlich, oder bombastisch – all diese Stimmungen sollten in der Musik eingefangen werden. Es war definitiv ein neuer Weg des Songschreibens für uns. <<

Wie steht es um die Gerüchte, die neuen Songs wurden im Blair Witch-Stil kreiert, weit weg vom Stadtzentrum? Kommt sonst keine wahre Atmosphäre auf, so zwischen Rechner und einem Cocktail 2 Go?
>> Die Gerüchte stimmen. Der Großteil des Materials wurde innerhalb einer Marathonsitzung in einer Waldhütte geschrieben. Hoch im Norden zu sein, ohne die potentiellen Ablenkungsmanöver, hatte auf jeden Fall einen positiven Effekt auf das Endergebnis. Wir wollten die Atmosphäre, welche im Wald herrscht, regelrecht aufsaugen, und dies konnten wir wohl auch erfolgreich auf ”Dead Storm” wiederspiegeln. Der Rest des Albums wurde innerhalb des Kopenhagener Grenzgebiets geschrieben. Wenn du den Ort kennst, wirst du die bedrohliche Atmosphäre nachvollziehen können, welche die Platte in sich trägt. Das generelle Konzept war ja, sich während des Schreibens möglichst von der Gesellschaft zurückzuziehen.
Es ist recht einfach, sich ablenken zu lassen, wenn der Laptop in Reichweite ist. In Kopenhagen gibt außerdem immer etwas zu sehen bzw. zu tun. Aber ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum ein Cocktail ausschließlich im Großstadtleben möglich sein sollte… <<
Eure Songtitel wie „Stockholm Bloodbath“ klingen wie Überschriften zu netten B-Movie-Ausgaben. Woher kommen diesbezüglich eure Inspirationen?
>> Als ein großer von B-Movies, möchte ich für die Assoziation bedanken. Zu schade, dass du die Arbeitstitel niemals gehört hast, haha. Normalerweise hören wir uns den Song an, verbinden es mit etwas, und kommen so zu unseren Songtiteln. Oft sind es nicht mal an die Texte, welche uns zum endgültigen Titel inspirieren. Eigentlich geht es letztlich darum, den Titel für die Zuhörer und uns denk- oder erinnerungswürdig zu gestalten.<<
Entgegen der immer häufigeren Meinung, Videoclips wären inzwischen lediglich sinnfrei rausgeworfener Teil des eh begrenzten Budgets, habt ihr zum Track “Winter“ einen Clip abgedreht. Erzählt doch mal von den Aufnahmen im Dickicht. Irgendwelche nennenswerte Verletzungen bzw. unbekannte Waldsubjekte vor Ort?
>> Der Dreh zu ”Winter” war eine interessante Erfahrung, um es kurz zu sagen. Im Winter mit seinen Bandkollegen nackt durch den Wald zu rennen, sich in Schlamm zu hüllen und auf Bäume zu klettern, war keinesfalls etwas, an was ich in meinem Leben je gedacht hätte. Doch es war ein Mordsspaß und wir hatten alle eine tolle Zeit. Ich muss dich enttäuschen, wir hatten keinerlei Verletzungen. Das einzige was verletzt wurde, war mein Stolz, haha.
Eine witzige Geschichte habe ich jedoch. Unser Gitarrist Mikkel und ich saßen nackt und voll von Matsch in einem Baum. Als wir während des Drehs unseren Song spielten, kamen zwei Läufer vorbei und riefen: ”Sieht klasse aus, Jungs!”. Ich muss schon zugeben, dass ich mir in diesem Moment ordentlich dumm vorkam. Doch das Ergebnis spricht für sich. Es war all die Herzschmerzen wert.
Zum Thema Videoclips kann ich mich nicht anschließen. Wir nutzen all die Plattformen, ob Myspace, Youtube und so weiter. Das erlaubt uns, uns mit Tausenden von Leuten zu teilen. Ich denke, Videos haben ihre Relevanz zurück gewonnen. Es ist außerdem eine nette Möglichkeit, mit unseren Zuhörern in Kontakt zu kommen. So ist es ihnen möglich, uns in Aktion zu erleben. Es ist auch eine Frage der künstlerischen Herangehensweise. Man sollte es schon visuell ansprechend gestalten. <<
Passend zum groß angelegten Wald- und Wiesenthema, wäre doch ein Nachtkonzert im dänischen Unterholz nun so etwas wie halbe Pflicht. Die Frage ist nur, für wen das Ereignis furchteinflößender wäre – für die Zuschauer, den Jäger oder der beheimateten Fuchsfamilie von nebenan?
>> Wenn sich Leute blicken lassen würden, würden wir es sicher in Erwägung ziehen. Und was das mit dem am meisten Fürchten betrifft, würde das wahrscheinlich jeder der Anwesenden sein. Ich habe Martin im Wald schreien hören, und das ist gar nicht schön! <<
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http://www.thepsykeproject.dk
http://www.myspace.com/thepsykeproject
„Dead Storm“ Veröffentlichung: 24.08.2009 (Lifeforce Records)
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written for FUZE Magazine
Beziehungen sind im Grunde Verbindungen zwischen Ob- oder Subjekten, die zusammen passen oder dies zumindest gerne hätten. Und da liegt der Igel im Jahre X im Curry. Alles, was eben verbindlich sein soll, schreckt erstmal ab. Wer will schon Konsequenz, offizielle Abmachungen oder einen unsichtbaren Zwang inmitten des Alltagsspuks. Klammeraffen tun weh, und so windet man sich gerne aus allem raus, was die innere Freiheit und Individualität potentiell in Gefahr bringt. Sich selbst offenbaren gleicht wohl Erniedrigung und menschlicher Transparenz in einem. Gut, Einzelgängerdasein umgibt gesellschaftlich auch eher die fragwürdige Aura. Also herrschen dann menschlichen Verbindungen, die von Erwartungen bis Vertrauen in die Kombination an sich, auf Off oder unterstem Level laufen. Wo es bei Zwistigkeiten oder Atmösphärewechsel keinen Big Bang geben wird, weil eh nie etwas ausgesprochen, geschweige denn abgesprochen war. Und so suhlt man sich weiter im Sumpf der Unsicherheiten, auf die man selbst angeblich so viel Wert legt. Dort ist es auf Dauer nicht nur ungemütlich, man macht sich womöglich schmutziger, als auf der konventionellen Ebene. Der Beziehungsstatus „Unentschlossen“ wird im Volkmund natürlich auf „die richtige Person warten“ umgemünzt. Es soll ja nicht heißen, man wüsste nicht wohin mit sich und all den dubiosen sozialen Ansichten. Das Image des Abwartens bzw. reinen Warmhaltens kommt locker, aber im schlechtesten Falle als billigstes Alibi für den eigenen fehlenden Arsch in der Hose.
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Manchmal und leider zu oft sind Neuigkeiten vom Erdball nicht nur unfassbar, sondern offensichtlich filmtauglich. Das sind diese Nachrichten, deren Verlauf oder Hintergund dermaßen reißbrett-mäßig wirken, dass man sie neben die Realitätssparte packen möchte. Cliffhanger und Schattenszenen inklusive.
Sagt man die 17 Grad im Schatten vom nächsten Donnerstag voraus, kann das Glück oder Wetterfroschintuition sein. Sieht man seinen Nachbar vor sich, obwohl er noch nicht mal die Haustür öffnete, klingt das seltsam bzw. die Haustür ist gläsern. Spielt ein Underground-DJ einen Clubhit von morgen, bevor dieser datentechnisch überhaupt erfasst wurde, ist es schon obskur oder die neue Zukunft. Das alles sind jedoch nur Statistenanekdoten, wenn man sich den aktuellen Fall um den Brasilianer Wallace Souza vor Augen hält.
National populär dank einer Fernsehshow, die den 50-Jährigen stets am Schmelztigel akuter Verbrechen präsentierte. Noch bevor Sanitäter Infusionsmaterial aus den Krankenwagen holten bzw. die Polizei am Ort des Geschehens eintraf, war er schon da. Das Mikro lief, die Kamera schwenkte. Auch so ein faszinierender Bauchmensch, der zwischen Mittelalter-Hellsehfähigkeit und Elbenaugen pendelt? Wohl kaum. Einer, der mit seinem Team aufklären möchte? Eher dem Volk das zeigte, was es anscheinend sehen wollte. Mord ist im Bundesstaat Amazonas kein Tabu oder thematischer Kolibri. Tagesordnung trifft es eher. Da lohnt es sich, schneller zu sein, als die anderen.
Das Nützliche mit dem Anrüchigen verbinden, klingt so verlockend, wie umsetzbar. Herr Souza war auch in politischer Mission auf der Spur. Gewalt, Verbrechen und Drogenhandel den Garaus machen, sind große Ziele. Ein emotionaler Volltreffer, wenn man selbst die Abschussliste setzt. Das tat er, angeblich in fünf Fällen. Schon als Polizist soll er in dubiose Geschehnisse verwickelt worden sein. Ein Grund seines damaligen Rausschmisses. Jetzt ist er es, auf den die gierigen Kameras zielen. Mindestens die Geschichte des Monats gibt er ab. Mit seinem Sohn und einem guten dutzend weiteren Anhängern soll er einen groß angelegten Zirkel von Korruption und Waffenhandel führen, und tödlicher Auftraggeber sein. Sein Anwalt schlägt die Anschuldigungen vehement von sich, Souzas Ruf schlägt Purzelbäume, die Newsticker-Quoten rund um sein offenbarten Machenschaften ebenso. K11 meets Profiler, nur ohne Drehbuch. Der Star der Story ist klar, die Folgen noch nicht ganz.
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ALICE IN CHAINS: HAMBURG: GRÜNSPAN: 10.08.2009

Flashbacks ohne Crackfleck.
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Man kann es alles zum wiederholten Mal durchkauen: Den Sinn und Nutzen ständig neuer Reunions-Fahrten. Gerade, wenn der ursprüngliche Sänger das Mikro nicht mehr halten will bzw. sogar todesbedingt nicht mehr halten kann. Dann Grunge, der ähnlich wie New Metal eben eine musikalisch längst abgegraste und historisch eher zweischneidige Epoche darstellt. Doch wer kann sagen, ob Layne Staley dieses unerwartete Neuaufleben nun tatsächlich verteufeln würde, wieviel Geld den Spaß an der Sache bereits übermannt hat, und ob Wiedersehen nicht auch einfach mal Freude machen darf.
„Ausverkauft“ kann schon mal eine Aussage in sich sein, muss es aber nicht. Gefühlte 47 °C im Schatten des Grünspans entfachen sich kaum grundlos. Allem Anschein nach ist die Nachfrage so groß wie berechtigt. Wenn man ein Konzert platzbedingt lediglich hören und die Bühnenaktivitäten nur erahnen kann, ist das ärgerlich und hilfreich zugleich.
Soll heißen: Vom Eck am Merchandisestand kann man von den vier 90’s-Helden genau nichts sehen. Das kann man der euphorischen Wand tropfender Rücken und belegter Stirnflächen nicht übel nehmen. Schließlich sind wir alle aus einem Grund hier. Das ist weder exzessives Saufen zum Montag, noch die obligatorische Gitarrendosis der Woche. Wenn die Band, die den Spagat zwischen nicht selten abwegigem Rocksongwriting, blei ziehender Atmosphäre und der gefährlichen Spur Leidenschaft hinter den Tönen durchgehend halten konnte, sich nach einer guten Dekade die livehaftige Ehre erweist, hat man da zu sein. Ob nun direkt bühnennah, fest am Tresen oder halb-beschäftigt auf der Toilette. Es ist eigen und willig zugleich, all die alten Hauer mal fernab vom leiernden Mixtape zu erleben. Man kann Jerry nur erahnen, Sean und Mike ebenso. Zu erschrecken, wie die Jahre an den Herren genagt hat, fällt so mit aus.
Doch Sänger William Du Vall tut das, was niemand glauben oder hoffen mochte – er lässt den 20. April 2002 kurz vergessen. Das Leid, die Verzweiflung und die raffinierten Achterbahnfahrten sind allgegenwärtig, doch keineswegs halbherzig oder pathetisch imitiert. Kein Track ohne ein gerauntes „Yeah!“, der Vorwurf eines seichten Revivals ist Fehlanzeige. Intensiv und nicht altersschwer – Drogenfrei und mit Spaß dabei. Man kann es nicht fassen. „Would“, „Rooster“, „We Die Young“ und „Down In A Hole“ sind zwar historisch, aber ohrenscheinlich noch nicht Geschichte. Denn diese freuen sich. Knackig, glasklar und clean in einem. Alice in Chains sind da. Erinnerungen an den grundsätzlich eher stimmungsarmen Singles-Streifen aber auch, vom selbstzerstörerischen MTV-Unplugged und der dichten Junkwolke von einst ganz zu schweigen. Hier wird gezeigt, wie man auferstehen kann, ohne sich selbst zu pfählen. Oder, wer sind Billy bzw. Axl? Im November geht es weiter. Dann mit Neuveröffentlichung und der Location, die klimatechnisch nicht gegen ein türkisches Bad anstinken will.
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ERYN NON DAE.
„Hydra Lernaia“

„Scheinkräfte sind die musikalischen Schwarzfahrer“, gilt als denkwürdige These.
Es gibt zumindest keine fatalere, weil irreführendere Genrebezeichnung als die
des Power Metal. Im Grunde arbeitet man dort selten ansatzweise mit der Kraft der zwei Herzen.
Da lauern ja mehr Schein als Sein und unechte Energieschübe, als noch in den berüchtigten US-Motivationsevents „Hour Of Power“.
Kraftanwendungen brauchen Raum und Luft, und wenig schweißtreibendes Leder plus Nieten.
Dichte und Intensität existieren ebenso ohne Nebelmaschinen, gefühlte Weite ohne den Plastikfels in der Brandung und
völlig steinfreie Wege bleiben der Feind des Spannungsfeldes.
Vom sich aufbauenden Knalleffekt haben auch Ernyn Non Dae, ehemals END., nicht nur gehört,
sondern anscheinend auch ordentlich im heimischen Toulouse gelöffelt.
In der Furche, wo TEPHRA zu eintönig werden, GOJIRA schon seit jeher Überzeugungsarbeit leisten,
wirft der französische Fünfer seinen „Volle-Kraft-voraus“-Anker dermaßen überzeugend grimmig nach links und rechts,
dass man den Begriff „Leben“ als Haupteinfluss der Band fast schockiert annehmen möchte.
Fest steht, dass die alten Initialien END. genau das wiederspiegeln, was sich hörbar abspielt,
jedoch zukunftstechnisch nicht das Schicksal der Band sein darf.
(Metal Blade)
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written for FUZE Magazine

Ein populärer deutscher Privatsender ist seit Wochen eher erfolgfrei auf der Suche nach diesem nicht näher definierten Subjekt. Eigentlich kein Grund, sich weiter Gedanken zu machen. Andererseits jedoch reizt das schlüpfrige Fragezeichen schon. Wer ist sie? Was will sie ? Wo verdammt ist sie?
Erstmal stellt sich die Frage, was dieses sogenannte Sommermädchen überhaupt auszeichnet.
Ist sie etwa die Verfleischigung der Schön-Wetter-Saison, so dass ihr quasi die Sonne strahlenförmig rektal empor schießt? Vielleicht macht ihre Anwesenheit und Nähe in diesem Zusammenhang nicht nur helle, sondern auch mal glücklich. Hm.
Vielleicht existiert sie auch nur zur Verbreitung der „Let The Schein Shine“-Parole. Vorne rum auf hellen Taint, von hinten schwarze Witwe. Eine von der Sorte, die glücklich beseelt mit dir über den Strandhügel flitzt, um anschließend den Hässletten-Barkeeper während der Klopause das zu geben, was man selbst nicht mal buchstabieren könnte.
Im Grunde könnte das Sommermädchen auch nur eine naive Post-Hippie-Tante sein, die Gänseblümchen sammelt und Sommersprossen zählt. Dir nach Sonnenuntergang den Rücken mit einem obskuren Massageöl aus dem fernen Osten einschmiert, um dann unverständliche Sonderbarkeiten in die Ohrmuscheln zu raunen. Der Liebestanz- ggf. auch Regentanz kommt im Anschluss.
Moment, das Sommermädchen ist wahrscheinlich die rosa Tasche in Person. Barbie, Paris und die abgekrabbelte Blondine vom Electro-Eck in einem. Wo offenbarte Haut Trumpf ist, und Eis penetrant Lecken Mittel zum befriedigenden Zweck. Dummbratze für alle eben.
Oder sie ist die Fassung Weiblichkeit, die sich über die kalten Monate halb-wacker und distanziert schleppt, um ab Juni energietechnisch alles aus ihren Kanälen zu holen. Der Hormonbildung sei Dank funktioniert diese dann plötzlich als Aktivistin der guten Laune, wo Ansteckung und Abstoßung nah beieinander liegen.
Oder dieses Mädchen ist so eine, die zwischen langweiliger Fahrradtour mit den Kollegen und Brunchen mit den Eltern, auf einmal da ist. Irgendwo doof rumsteht, dreist auffällig agiert, ohne dem mitmenschlichen Rest aufzufallen. So eine Nachstufe von Schwarm und besserer Freund von Flamme.
Wer weiß, was dieses Sommermädchen auszeichnet? Bilder, Infos, Links und Anschrift bitte einreichen. Der genannte TV-Kanal hätte einen Tipp auch bitter nötig.
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THE PSYKE PROJECT
„Dead Storm“
Zurück zur Natur, am besten mitten rein in’s fiese Dickicht, wo stinkende Sümpfe Trumpf sind,
und satter Morast die Liegewiese der Wahl wird.
Die generell recht ambitionierten Dänen des PSYKE PROJECT sind derzeit im Auftrag der Macht skandinavischer Urgewalten unterwegs.
Doch im „Deadstorm“ geht es allen Ohren nach um mehr, als die romantisch verklärte Vertonung tanzender Eulen
oder Danksagung an längst verblichene Baumgruppen.
Album Nummer Vier wird mit jedem Durchlauf mehr zum unkaputtbaren Manifest der Welt hinter dem Ortsausgangsschild.
Doch der Hang zur Mystik und diffusen Schattenspielen im Metal läuft oft Gefahr,
zum fremdschämenden Gläserrücken zu mutieren. Keine Angst, THE PSYKE PROJECT bleiben stets stilsicher und der
satt peitschende Beweis, dass man Feld-und Flur-Atmosphäre nicht mit lieblicher Harfe und Panflöte am Lagerfeuer kaufen muss.
Die Songtitel schweben passenderweise zwischen obligatorischen Stephen King-Kapiteln wie „Fire Blizzard“ und „Storms Of The North“,
Kurzfilmzitaten a`la „Utopia Is Not An Option“ oder bewährter Schocker-Überschriften der „Stockholm Bloodbath“-Sorte.
Man darf es ausgefuchsten Sludgecore nennen, am Ende auch gerne tannengrün funkelnde Albumüberraschung des Sommers.
(Lifeforce Records)
written for FUZE Magazine
August 2009.

[IN]
! 17] … Jahr, blondes Haar. Herrliche Jahrgänge zwischen großem Aufbruch und verwirrten Einbruch. Böser Spruch aus dem männlichen Volk: Nimm dir ‘ne 17-jährige. Bis das rauskommt, ist die 18.
! Nachträge] Altlasten bleiben zwar Ballast, dennoch passt der ein und andere Nachwurf zur Klärung oder Standpunktsetzung unbequem aber gut.
! Zufälle] Fallen einem jedoch nicht einfach zu.
! Großzügigkeit] Freundliches Grinsen und keckes Schulterklopfen kommen weiter gut an, doch pompös Eingepacktes oder Überraschungspräsente machen sich ergänzend auch klasse.
! Alarm im Technikraum] Die Zeichen stehen auf „Auswechselpflicht“.
! Softsport] Alles, was mit kleinen Bällen zu tun hat.
! Lug und Trug als Retourkutsche] Anheimelndes soziales Phänomen.
! Komplett-Off auf dem Dancefloor] Doof imitierte Tanzmoves kann jeder. Vollständigen Stillstand mit Augen zu, ist ein beachtenswerter Fall für sich.
! Selbstvertrauen] Eigentlich doch nicht.
! Gesellschaftsspiele] Bombe des Monats: Stadt, Land, Frust.
! „Paranoid“ der Jonas Brothers] Unglaublich, aber wahr!
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[OUT]
? Sommerpärchen] Keine hassenswerte Plage oder großer Neidfaktor, eher allgegenwärtiger Blickfang auf Zeit. Nett, aber auch nett, wenn weg.
? Entscheidungswellengänge] Schwindel und Brechreiz im Für- und Wider-Taumel gehen auf Dauer auf Kondition des Ichs und der Menschen daneben.
? Offensive Anzüglichkeiten] Da geistern sich die Scheiden.
? Hochprozentige Telefonate] Für den Verursacher der beste Auspuff für Albernheiten und unreflektierte Aussagen, welche am Tag danach nicht mehr wahr sein dürfen. Für den Geschädigten irgendwas zwischen interessanten Gossip und Offenheiten, die erpressungswürdig scheinen.
? Sich Einnisten] Get your ass out!
? Post-Mitternachtsmahl] Magen und Darm haben auch ihr Recht auf Nachtruhe.
? Logik] Zumindest, wenn man das eigene Umfeld als Gradmesser wählt.
? Ruhe bewahren] Ausgeglichenheit und Standby-Modus gehören Richtung Ü40-Meeting.
? Unwetterwarnung] Da hilft nur Mülltüte über den Kopf oder einfach im richtigen Augenblick am rechten Ort sein.
? Stehparties] Das steht doch niemand durch.
? Trash] Geschmacklosigkeit erhält nicht generell ein Gütesiegel.
? Stalking im Einkaufszentrum] Nicht mal neben der Schlachtertheke oder dem Epelierstand scheint man sicher.
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