
So felsenfest wie das oft genannte Amen in der Kirche bzw. die nächste Ballade aus dem Hause Reamonn, war dieser eine, meist von den Erziehungsberechtigten festgelegte Tag. Der Tag, an welchem es mit der Ladung Glaspfand, leider oft auch Altpapier und latenter Hektik am Steuer auf zum nächstgelegenen – schlechtestenfalls größtmöglichen – Einkaufszentrum der Umgebung ging. Es war Einkaufstag für die ganze Familie, da kommt Freude auf. Vati genervt vom gerade eingekehrten Feierabend , Mutti verunsichert vom vollen Einkaufszettel und Vati, Kinder auf Hochtouren. Wenn man als Nachwuchs die 1,60m erreichte, war man befähigt, den Einkaufswagen zu schieben. Dieser hielt leider selten allzu lange an den interessanten Ecken der Möchtegern-Mall. Der Zeitschriftenstand war genauso schnell abgefrühstückt, wie der Spielwarenbereich, bei den Süssigkeiten kam es letztlich auf das kindliche Betragen der letzten Tage an. Mit Pech hatte man also neben dem Hausarrest und Fernsehverbot, auch noch einen Einkaufswagen vor sich, den Mutti partout nicht mit der neuen PC Games-Ausgabe, einer eigenwilligen neuen Actionfigur oder einem Schokoladenprodukt ohne die Extraportion Milch befüllen wollte. Da war spätestens bei der Frage, was die lieben Kinder denn am Wochenende zu Essen wöllten, ein Tohuwabohu zwischen „Gar nichts!“ oder „Kein Gemüse!“ unüberhörbar. An der Kasse war nicht nur der Wagen voll beladen, auch die Stimmung am Wanken, weil die bevorzugten Geschwister ganz sicher etwas im Überraschungsei haben, man selbst natürlich nur unnützen Plastikkrams. Der Shoppingakt an sich bedarf schon keiner Wertung, dem Ausladen und Verteilen Richtung Speisekammer und Kühlschrank jedoch war nur durch einen ausgedehnten WC-Gang zu entkommen.
Doch Rituale und Gewohnheiten brechen schnell entzwei. Inzwischen ist jeder Tag ein möglicher Einkaufstag, wo sich die drei, vier experimentfrei gewählten Produkte gut unter den Arm klemmen lassen, im Notfall tut es eine leer geräumte Milchpappgroßpackung. Und so sieht man gerade nach 21 Uhr die Scharen alleinstehender Mitmenschen eher stumm und unauffällig durch die Discounter schlürfen. Es wird zielorientiert gekauft: der Hunger jetzt soll gestillt werden, was am kommenden Dienstag auf den Tisch bzw. neben den Laptop soll, ist einfach kein Thema. Bevorratung ist uncool bzw. sinnfrei, Lagerkosten sind eben auch Kosten. No-Go’s in Bezug auf Zeiten gibt es gar nicht. Hat man die Shopping-Rush Hour dummerweise verpasst oder verpassen lassen, hat sicher irgendein Eck-Spätkonsum die Tür noch offen. Begrenzte Auswahl macht entscheidungsfreudiger. Die allgemeine Einkaufskultur hängt zwar immer mehr auf halb 8, positioniert sich da aber möglicherweise besser als gedacht, feranb von alten Weisheiten wie „Donnerstag kauft es sich am besten“ oder „Dienstags gibt man doch kein Geld aus!“.
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