
AMERICA’S MOST SMARTEST MODEL.
MTV ist für vieles gut, für einiges gut genug, sich letztlich auch für nichts zu schade. In treuer Kooperation mit seinem Ableger VH 1 kämpft der unermüdliche Unterhaltungsriese seit televisionalen Menschengedenken für Shows, die Grenzen in alle erdenkliche Richtungen einreissen. Da wird die Moral getreten, jeder Anspruch bespuckt und trotzdem läuft nichts mehr ohne den nicht ganz so wahrheitsgetreuen Realitydoku-Wahn. Reine Clipstrecken sind außerdem so 90er.
Im Ausland längst schon abgestandener Entertainment-Schnee, im deutschsprachigen Raum gerade erst zu Ruhm im festen Show-Programm gerettet: America’s Most Smartest Model.
Da werden gesellschaftliche Ansichten ad absurdum geführt. Schließlich geht es auch nirgends um Spaniens zärtlichste Haus- und Hofschlachter, oder Japans introvertiertesten Schlangendompteur. Trotzdem schön, den Geist und das Weitdenken potentieller Top-Modelle von morgen unter die Lupe zu nehmen. Da werden jobtypische Vorurteile nicht nur plakativ bestätigt, gerne auch dank dem Schwarz/Weiß-Denken der Produzenten zu neuen Höhen gehievt. Natürlich kann man top aussehen und parallel mehr im Kopf hausieren lassen, als „Everything’s Cool As Long As I’m Getting Thinner“. Wer lässt sich schon gerne als lediglich nette Visage bezeichnen. Da muss doch mehr im persönlichen Angebot sein. Gerade, wenn es um 100.000 Dollar geht, und der straffe Eliminations-Wettbewerb zwischen 14 Kandidaten ausgefochten wird. Da sollte man miese Tricks Richtung nächste Runde nicht nur erahnen, sondern auch eiskalt durchziehen. Während dem muss das Sixpack dennoch stahlhart bleiben, die Frisur im Wind sitzen, das halb-zementierte Grinsen nicht wanken.
Als Zuschauer ertappt man sich überschnell dabei, auf die erahnten Fettnäpfchen und IQ-Defizite der Kandidaten zu schielen. Man wartet auf Catfights im Backstage-Bereich und zumindest angedeutete Kinnhaken. Und all das kommt. Zu viel Hüftspeck, zu aggressives Grundtemperament, zu wenig Persönlichkeit. Wer wird warum nie ein echtes Topmodel sein, und darf man nun eigentlich essen? Dem altehrwürdigen Jury-Chef Ben Stein bleibt mit Hilfe seiner aussagekräftigen Co-Richterin Mary Alice Stephenson nichts verborgen. All die kecken Spielchen für die Teilnehmer sind im Grunde nur fieses Mittel zum Dreck-Zweck. Dabei ist das Ferkel-Sizieren samt Organbenennung genauso schwer, wie das abrupte Aufzählen von Erfragtem während sicheren Steglaufens, von Fastfood-Verdrücken als Strafe ganz zu schweigen. Wirklich fragwürdig wird der Doku-Spuk jedoch erst in der deutschen Übersetzung. Das blonde Dummchen wird dann genauso klischeebeladen synchronisiert, wie der überhebliche „Sovjet!“-Brüller. Das macht Spaß, aber ganz bestimmt nicht schön. Vielleicht ja in Staffel 2.
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All diese edelkulturellen Spartenstreifen mit ihren unterschwelligen Botschaften und Zeigefingern auf den Wundpunkten des menschlichen Seins. So schön sie auch sind, Ratschläge fürs Leben können auch ohne schleichenden Aufbau und cineastischen Feingeist den Zuschauer erreichen. Am besten direkt mit dem Schlaghammer des Unterschichten-Humors, der Schleuder voll Bollo-Slapstick und Situationskomik, die 2009 eigentlich keine mehr sein dürfte.
Da hängt man nun also nach 100 Minuten im Kinosessel, ist selbst erledigter als die Protagonisten, von all dem Fremdschämen, Kopfschütteln und betreten zum Sitznachbar Schauen. Dummerweise war dazwischen auch noch diverses Gegrinse und Faustlachen angesagt – passende Gegenwehr als Fehlanzeige.
Storyline-Aufhänger des von Todd Philipps in Szene gesetzten Ü30-Klamauks ist ein Thema der großen Missverständnisse: Der Junggesellenenabschied. Genau, dieser zeitlich begrenzte, geplante Supergau der versammelten Männlichkeit. Egal, was kommt – an diesem Abend muss alles raus: der Frust und verkappte Lust. Da wird der eingefahrene Alltag von hinten genommen. Werte und Normen dürfen abrupt dahin, wo Erwachsen drauf steht. Kind und Kegel werden von Absinth und Pegel überschattet. Und geschieht genau das, findet man sich eben im Fachbegriff des Kinotipps der Woche wieder: dem Hangover.
Nennt man auch Filmriss, Blackout oder Amnesie. So schön der fette Kater sich auch anfühlt, die Erinnerung an den Vorabend bringt er leider nicht ins Spiel. Dumm, wenn jedoch die Hochzeit ansteht, der dazugehörige Bräutigam aber genau dort ist, wo die kaputten Kumpels nicht sind. Ein alkoholbedingtes Revue-Menü schmeckt oft bitter, v.a. dann, hat man sich für den Abschied vom Ledig-sein Las Vegas als Tatort auswählte. Wer war wann wo und vor allem warum? Was in Vegas passiert… – wir wissen Bescheid.
Als Jon Lucas und Scott Moore sich am Hangover-Drehbuch vergangen, müssen sie selbst fern von Gut und Böse existiert haben. Jede noch so abstruse Idee fand ihren Platz. Gerne auch mehrmals. Da wird Mike Tysons Tiger gestohlen und rückwärts beglückt, Baby Carlos bekommt seine Wichsen-am-Tisch-Szene und Zahnziehen im Club seinen verdienten Auftritt. Von all den kleinen Obzönitäten zwischen Tangaschau eines dicken Semi-Pädophilen, Blowjobs im Lift und aus Autos springenden FKK-Japanern, mal ganz abgesehen. Dennoch wird Hangover nicht zum wirren Manifest der verfilmten Absurditäten, dafür hat die Geschichte im Endffekt dann doch leider genug Hand und Fuss. Daumen hoch und Empfehlungswarnung für alle, die den herrlichsten Abspann des Jahres und einen dämlich ungehemmten Abend mit seinen Jungs erleben möchten. PS: Die Moral von der Geschicht – Heirate nicht mit Krebsgesicht.
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Die Tradition der Ambition
So schnell wie die wirtschaftliche Lage des spanischen Heimatortes Alicante sich entwickelt, wäre es doch nur passend,
dem Quartett NAHEMAH den ebenso verdienten kommerziellen Rutsch vorwärts zu wünschen.
Sänger und Lyrikbeauftragter Pablo Egido über staatliche Unterstützung, die nicht existiert, aktuelle Trends, die es zu bekämpfen gilt, und der goldenen Trophäe namens Zukunft.
Eine liebliche Hafenstadt an der Costa Blanca, mit der marmorübersäten Palmenpromenade Explanada de Espanada,
ausgedehnten Wochenmärkten und einer Stierkampfarena – klingt nach der Werkstätte einer Latinpop-Legende,
ist aber auch Herkunft der nach wie vor unter Wert verkauften NAHEMAH.
Macht sonnige Dauereinstrahlung gar kreativer? Wie steht es überhaupt um das Musikgeschehen
Spaniens außerhalb der nationalen Mainstream-Riege?
Wir sind keine Standardband in unserer Heimat. Im Grunde fühlen wir uns recht isoliert, denn bezogen auf das Songwriting beeinflusst uns der heiße Süden überhaupt nicht, schließlich kommen all unsere musikalischen Einflusse aus dem Ausland. Die Musikszene ist hier wirklich mies und außerdem schlecht organisiert. In Spanien werden außergewöhnliche Ideen oder Stilrichtungen nicht richtig akzeptiert. So lange du nicht innerhalb der Massenklischees liegst, wirst du meistens abgelehnt. Genau so läuft es ja mit unserer Band, dass wir eben im Ausland eindeutig mehr Anerkennung erhalten als hier vor Ort. Dank der Internationalität unseres Plattenlabels werden wir jedoch außerhalb Spaniens nicht als 100% spanisches Produkt wahrgenommen. Wir wurden bisher als eine Art Ausnahmeerscheinung behandelt, ganz ohne die Vorurteile, welche spanischen Metall generell anhaftet. Ich bin mir fast sicher, wären NAHEMAH eine skandinavische oder amerikanische Band, würden wir wir bereits an der Spitze der Metal-Welt spielen.
Im Jahre 1997 bereits gegründet, folgten einige Schritte nach vorne, vor allem jedoch Richtung Sackgasse:
Unveröffentlichte EP’s, diverse Besetzungswechsel und eine generell sehr langatmige Entwicklung innerhalb der internationalen Musikszene.
Nun scheint es, als hätte der steinige Weg seine Gründe bzw.Vorteile gehabt,
haben sich Lifeforce Records inzwischen NAHEMAs angenommen und damit die Möglichkeit, sie endlich auf die nächste Karrierestufe zu hieven.
Bei Lifeforce Records zu landen, war ein Riesenschritt für uns. Diese schleichende Entwicklung, welche du bereits erwähntest,
lag in der Vergangenheit an der mangelnden Unterstützung seitens der spanischen Szene. Doch jetzt haben wir mit Lifeforce’ die Hilfe, welche wir benötigen, um als Band weiter zu wachsen, und weltweit veröffentlichen zu können.
Doch du weißt ja, der Mensch ist anspruchsvoll, und wir denken schon, dass wir noch weitaus bessere Aussichten in Zukunft erwarten können. Wir werden hart arbeiten um NAHEMAH auf eine deutlich bessere musikalische Position zu bringen.
Die Zeiten riechen mehr und mehr nach Veränderung, gerade die wachsende Anzahl verschiedenster kreativer Einflüsse
lassen NAHEMAH den alten Black-Metal-Tagen weiter Lebewohl sagen.
Kompakte Progressivität sind die Worte der Stunde, welche dem Titel „A New Constellation“ hörbar gerecht werden möchten.
„A New Constellation“ liegt weit von unseren früheren Aufnahmen entfernt. Jedoch eher im Stil, nicht im Geiste, arbeiteten wir doch stets mit der gleichen Atmosphäre.
Unsere neueste Veröffentlichung ist eine Mischung all der Musikrichtungen, welche wir selbst gerne hören.
Ein Cocktail experimenteller Sounds und spiritueller Gefühle war einfach die logische Konsequenz.
Aber eigentlich ist die Scheibe nur ein weiterer Schritt nach vorne, wir haben nämlich bereits jede Menge neuer, noch abgefahrener Ideen, mit welchen wir unsere Hörer hoffentlich in Zukunft erneut überraschen können.
Videoclips, Coverartwork, das Image – Kunst ist das, was du draus machst,
letztlich aber doch der Grund musikalisch Schritte voran zu gehen, oder ?
Ja, natürlich. Ich würde sagen, dass Kunst der Hauptgrund ist, überhaupt weiter Musik zu machen.
Sie ist der Weg unsere Gedanken und Gefühle auszudrücken und mit anderen auszutauschen.
Kunst ist die Sprache unseres Seins. Sie ist der Grund, weshalb es uns gibt, um eben unsere Gefühle in dieser Weise nach außen zu tragen.
Dabei ist das Image natürlich wichtig, schließlich ist es genau das, was mit Hilfe unserer Sinne aufgenommen wird.
Erst wenn man Musik mit Ohren und Augen erlebt, prägt sie sich wirklich im Gehirn ein.
Die Konkurrenz im Bereich progressiver Gitarrenmusik scheint deutlich härter zu werden.
In Zeiten, in denen Bands wie THE OCEAN, BURST oder CALLISTO erfolgreich nach neuen Methoden suchen, um extreme Musik unvorhersehbar und interessant zu gestalten, scheint Standard fast schon zum Schimpfwort zu mutieren.
Ich weiß nicht, ob du uns zu der Gruppe dieser Bands zählst, wir selbst tun es jedoch.
Die genannten Bands arbeiten und kämpfen hart dafür, gerade wegen ihres eigenen und unverwechselbaren Sounds Gehör zu finden.
Fühlt ihr euch bereits wie in den Fängen des Musikzirkus?
Ich würde es gar keinen Musikzirkus nennen, auch kein musikalisches Rennen.
Ich denke, es ist eher ein Kampf gegen die Trends und Massentendenzen. Ein Kampf, um klar zu machen,
wie ernst wir es mit unserer Musik meinen, und dass wir unsere künstlerische Seite einfach rauslassen müssen.
Eines wird deutlich, die Jungs meinen es wirklich ernst.
Da ist es fast schon scheinheilig, nach den gewünschten Zukunftsaussichten zu fragen.
Selbstverständlich ist die Existenz und das Fortbestehen NAHEMAHs eines unserer Hauptanliegen,
und wir arbeiten täglich daran.
Gerade planen wir eine Promotour, welche jedoch wohl nicht vor kommenden Herbst realisierbar sein wird.
Aber dann könnt ihr uns auf der Bühne erleben und das rund um Europa.
Keine Angst, wir werden vor Ort sein, wenn auch nicht so gut gebräunt wie unsere südländischen Kollegen.
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Turrón ist ein empfehlenswertes Stück Süßgarnitur, bestehend aus Mandeln, Honig, Zucker und Eiklar.
Für die geschmackliche Weiterverarbeitung gilt die alte Swinger-Weisheit: Alles kann, nichts muss.
Wird hergestellt in Nahemas Geburtsort Alicante, von den Einwohnern traditionell vor allem im feierintensiven Spätdezember verzehrt.
Der Glukosebatzen zeigt sich als längliche Tafel, und liegt deutlich schwerer in der Magengrube als jeder
„A New Constellation“-Track rückwärts.
Daran schuld ist das traditionelle Reinheitsgebot der produktionstechnischen Verarbeitung bzw. eine extra dafür
engagierte Überwachungsorganisation. Selber machen ist möglich, der Export dennoch das Mittel der der Kilojoule-Wahl.
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written for FUZE Magazine

Verstauungsobjekte für all die überflüssigen, ggf. auch flüssigen Dinge im Alltag, wechseln modisch und persönlich bedingt gerne. Ist im Februar noch der funktionelle Rucksack die gewählte Ladestation am Mann, darf es im Juli nur die Arschtasche der halbweiten Jeans sein, um im November von einer Hängetasche abgelöst zu werden. Handtelefon, Kleingeld, Taschentuch für die Freundin, Notizbuch für Nebensächliches und die typischen Suchtutensilien wie Feuerzeug und Zigarettenschachtel müssen ja irgendwo ihren Platz finden. Gedacht sind diese Sammelbehälter als Hilfsmittel, bei Damen auch nicht selten als generelles Mystikum oder eben Waffe bzw. Beweis für die soziale Schichtzugehörigkeit. Was aber, wenn sich die Tasche z.b. als offensichtlicher Feind entpuppt, als Gefahrenquelle, sogar stoffgewordene Axt des Leibhaftigen?
Nein, Gedanken an schlecht inszenierte Szenen aus einem D-Horror-Streifen, mit abrupt angreifenden oder bedrohlich sprechenden Taschenmodellen, sollten nun nicht aufkeimen. Eher diese latenten Vorkommnisse aus dem Alltag, die man bei der Rechnung der dreigeteilten Quersumme nur auf dieses Stück Stoff als Urheber runterbrechen kann.
Wenn innerhalb von zwei Monaten zwei EC-Karten, welche es sich im Tascheninneren mehr als bequem machen, einen totalen Defekt erleiden und die Demagnetisierung keinen anderen Hintergrund findet, ist Stirnrunzeln angesagt. Wenn in Einkauszentren diverse Kassen ein fieses Piepen beim Durchlaufen (ganz ohne Klauenseuche als kriminellen Hintergrund) abgeben, die Tasche dabei stets vor Ort ist, darf man aufhorchen. Fangen jedoch taschengelagerte Batterien urplötzlich Feuer, ist nicht mehr nur Vorsicht geboten, sondern zu handeln. Weg mit der Production Of Evil!
Ohne Tasche keine Competition? Mit Tasche eher keine Vision!
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MELT! FESTIVAL: FERROPOLIS: 17.-19.07.2009

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REVUE-MENUE.
Ein Schlag fördert das Denkvermögen, ein paar mehr davon angeblich das Gelenkvermögen. Streichen wir das angeblich, schließlich bleibt (f)rohes Abzappeln und galantes Geländeablaufen auch unter dem „The Dirty Dozen“-Slogan 2009 in der Eisenstadt großes Muss. Trotz der erstmaligen „Ausverkauft!“-Position eine Woche vor Festivalstart, wird das offensichtlich, was Veranstalter Matthias Hörstmann auch abschließend am Sonntag zur Pressekonferenz klar macht: Verbesserung ja, Vergrößerung nein. Zumindest ab dem Folgejahr, schließlich zeigte sich das Gelände für die erwarteten 16.000 Besucher deutlich umarrangiert, ausgeweitet, teilweise jedoch platztechnisch fehlinterpretiert. Enge Gassen zu Mitternacht, Ellenbogenattitüde bleibt trotzdem aus. Das Melt!-Publikum ist ja bekanntlich eine Spur über dem typischen Festivalgänger, bei dem Helgarufe und Limbotanz im Emodress als No-Go gilt, und wo kollektive Wut genauso wenig Platz findet, wie beseelte Gänseblümchenaura.
Schade nur, dass viele der Stammgäste dank des internationalen Ansturms eben in die Vorverkaufs-Röhre schauten, war das Line Up 09 kommerziell dermaßen hochkarätig, dass jede vierte Ticketvorbestellung aus dem Ausland einkehrte. So war auf dem Campinggelände nicht das Fluchen über die Dusch-und Klo-Nutzgebühren Thema Nr.1, sondern der Wettbewerb, wer mehr fremdländische Sprachen neben Iglu und Minigrill erraten hat. Gewinner des Freitags waren jedenfalls die feststeckenden Heringe und alles, was sich auf wasserfest reimt. Die Unwetterwarnungen waren kein Alibi, sondern ab 03:30 Uhr sturm-platzregnende Realität. Akuter Abbruch des Festivals schien da nur logische Konsequenz, entertainmenttechnisch waren flitzende Mülltüten und fahrende Tonnen fast ebenbürtig. Grotesk dagegen die Empfehlung eines semi-kompetenten Security-Mitglieds, die Meute solle aus Sicherheitsgründen das Gelände Richtung Zelt verlassen. In genau denen war zumindest feucht-fröhliche Atmo bzw. das Suchen der Einzelteile brachte den Spaß, den Moderat und Trentemöller nun verwehrt blieb.
Das Melt!-Magazin in der Tasche zeigte sich ansonsten gut abgekrabbelt, war man doch stets auf der Hut, die Programm-Highlights nicht zu verpassen. Die neue Geministage, mit ihrem Fake-Glasdach und Nähe zur Hauptbühne, präsentierte zwar einen dubiosen Volksfestanstrich, aber ebenso die Stimmungsgipfel der Stunde. Crystal Castles zelebrierten zwar stimmtechnisch eher mau, der Atariclash platzte dennoch gewaltig durch die Massen. Die sympathischen Edelspacken von Bodi Bill starteten mit Technik- statt Technofiasko, wurden letztlich aber derart euphorisch gefeiert, wie es selbst im Berliner Bang Bang Club nur Wunschtraum wäre. Fever Ray brachte die Dosis Kulturgut in die Samstag Nacht, die nur hinter schwedischen Wohnzimmergardinen entstehen kann. Düster, sich langsam aufbauend, irgendwo zwischen Calypso und Apocalypse Now. Erol Alkan & Boys Noize feierten dagegen die satte Electrosause, die irgendwann durch Dauervollgas auch müde machen sollte oder wollte. Brodinski aus Frankreich wird seinen Daumen hoch-Geheimtippstatus mehr als gerecht. Everybody’s Wuchtbrumme Deluxe Beth Ditto gab samt ihren Gossip alles und oft mehr, mit „Heavy Cross“ auf dem Weg in die deutschen Single-Top 10 sitzt jede Größe gut. Der !!!-Indiediscofunk schrammelt nett, aber nicht bahnbrechend. Die Hauptfrage aber: Wann haben/werden MSTRKRFT denn nun spielen? Antwort bleibt weiter aus. Auch bei den erstmals angebotenen Baggerrundgängen wurden diese nicht gesichtet, genau wie die Foals, welche krankheitsbedingt gar nicht erst anreisten.
Die Big Wheel Stage ließ wenig Fragen offen, sprachen die DJ-Sets überwiegend für sich. A Critical Mass zauberten die verträumten Sphären, die nur vom größten gemeinsamen Nenner Paul Kalkbrenner ligatechnisch übertrumpft werden kann. Den Zustand vor Ort nennt man wohl Völkerball. Hell als Legende, da weiß man was kommt oder eben nicht. Das inoffizielle weibliche Pendant der Landeshauptstadt -Ellen Allien bringt die elektronische Qualitätsmarke in den bewölkten Morgen, die vom Finnen Kiki soundtechnisch zuvor amtlich geebnet wurde. Wem das alles nicht passt, für den bringt der Red Bull-Floor mit seinem kleinstädtischen Beachparty-Flair, entspannende Liegestuhl-Abwechslung.
So glukose-intensiv wie der Namensgeber des großen, frisch inegrierten Zeltes, zeigte sich teilweise auch der Soundspuk auf der Bühne. This Will Destroy You kratzen mehr am Etikett Postrock, als ihn zu demontieren. Angenehm anders abgemischt, ohne an Tiefe zu verlieren. La Roux ist Englands Nummero Uno derzeit und heimlicher Konkurrent zur ähnlich synthiepop-aalenden Little Boots. Wenn auch der Gesang gerne quer läuft, fallen Hits wie das rotierende „Bulletproof“ als Ohrwurm der Stunde ab, vom blitzartig nachgeahmten Rote-Tolle-Look der anwesenden Erstsemestergirls mal ganz abgesehen. Caribou dürfen gerne ganz auf Gesang verzichten, schließlich ist der experimentelle Klangkosmos in Zweifach-Schlagzeug-Besetzung deutlich ertragreicher. Anna Ternheim dockt mit ihren poppigen Singer/Songwriter-Hymnen gut an die ansonsten recht akkustikgitarrenarme Running Order an, nur 4 bis 5 Oooh’s waren vielleicht doch zuviel. Die Fagget Fairys brachten ordentlich Rumms in den Sonntag, auch wenn „Insomnia“ vor Mitternacht im Remix doch wirklich zu gewagt kommt. Miike Snow, drehte mit seinem Cocktail aus Pop, Synthieclash und Electro zünftig auf, aber nicht ab. Kakkmaddafakka klingt erstmal unberechenbarer, als das was live raus kommt.
Hauptsache Hauptbühne? Mal sehen. Die Klaxons traten einst den Begriff „Nu Rave“ Richtung Musikzirkus, sind selbst inzwischen darüber weg und agieren irgendwo als tanzbarer Sythie-Rock. Röyksopp zeigten, dass sie nicht nur auf den Catwalks der Welt für den passenden Soundtrack sorgen können, und mehr in petto haben als sterile Hochglanzkeyboards für die Herren ab 30. Für Travis wollte sich dummerweise niemand interessieren, dagegen war es dann das selbst geschaffene Monster Aphex Twin, der das fieseste Klangbrett mit passenden Visuals abfeuerte. Schmerz mit Herz oder doch das absolute Gegenteil, die authentischsten Zuckungen des Abends waren für diese knapp 90 Minuten sicher. The Whitest Boy Alive, sind weiter der Easy Listening-Schunkel-Hype, welcher Fragen aufwirft – weiß und trotzdem farblos. Phoenix liegen da in reichbarer Nähe, gut akzentuierte Popsongs, die um das Wort „belangfrei“ gemustert scheinen. Der obskure Ruf vom Animal Collective wurde bestätigt. Die Fete mit denen ist anders und lebt nicht als Treffen von musikalischen Stereotypen. Sie greifen in viele Richtungen, umarmen tun sie jedoch niemanden, wollen sie ja auch nicht, herrlich.
Bloc Party? Nun, sie hätten vielleicht doch auf ihr DJ-Set setzen sollen, toppen ihre Remix-Scheiben das generelle Schaffen anscheinend mühelos. Ja, Kele, bist trotz Nervfaktor sympathisch. Jeder wollte im Vorfeld Digitalism, ein gewisses Stück bekamen sie auch. Nicht das pumpende Maß aller Dinge, für den Quickie dazwischen aber zu gebrauchen. Patrick Wolf propagiert Liebe, Sex und Freiheit mit seinen ganz eigen Mitteln und direkt von den Highheels aus. Nette Popsongs im Sonnenschein, die ohne all die Extra/ovaganz fast nicht aufgefallen wären. Reden wir bitte nicht über Glasvegas, das sind ihre schwarzen Kluften samt Pathosschmock nicht wert. Polarkreis 18 sind „Allein, Allein“, da wird die spontane Nackedei-Performance eines Besuchers ja parallel mehr bejubelt. Halb London scheint sich für Kasabian parat zu stellen. Der Jubel und die Menschendichte ist fast berechtigt, sind doch Hymnen wie „Empire“ und „Processed Beats“ weiter im Indierock-Relevanz-Rennen dabei. Und dann Oasis. Wo war der Zorn, die Angepisstheit und die liebgewordene Anti-Haltung? Ist wohl irgendwo in der heimlichen Begeisterung der Gallaghers für leuchtende Baggermodelle verloren geggangen. Nicht schlimm, all die Greatest Hits kamen trotzdem wie vom Band. Sie spielen fürs Geld, richtig so. Am Ende aber auch für eine Menge Leute mit wehenden Fahnen und überteuerten Pfandbierbechern in der Hand. Sind das die, die wir auch 2010 da wiedersehen, wo Beton den Matschmassen Vorrang gewährt. Tja, kommt auf einen Versuch an.
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Wörter, die … nichts mit Festival zu tun haben.
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A – nstand: Anstehen schon eher.
B – eileid: Höchstens bei den Nachbarn mit der Hörsturz-Dauerschleife.
C – hiffre: Ja, jeder ist nur eine Nummer, open air selten jedoch eine zu groß.
D – aunenedecke: Kommt tagsüber bestenfalls von oben, nachts in Form der prallen Sächsin als wärmende Beilage.
E – innahme: Finanziell eher umgekehrt, oral oft gegen Kontrollrichtlinien.
F – riseur: Hat frei.
G – asse: Livetechnisch nicht selten die mit dem Sack.
H – ummer: Currywurst geht schneller.
I – mker: Honig ums Maul gibt es vor Ort selten.
J – ahrgang: Bleibt, Einsatz erlischt.
K – ultur: Steckt auch höchstens im Beutel.
L – uxus: Zeigt dir den Mittelfinger im Stundentakt.
M – utti: Will gar nicht wissen, was der Kleine mit „War Witzig“ zusammenfassend meint.
N – otdurft: Outdoor ja eher Grundrecht.
O – ptimismus: Nein, die Bandabsage war kein Fake.
P – ersonalveränderung: Schade, Helga noch immer da.
Q – ualifiziert: Sind die Konversationen nicht absichtlich.
R – andgruppen: Alle die, die zu spät Richtung Hauptbühne stürzen.
S – chmusen: Siehe 12-köpfige Meute mit dem „Ficken 4 Free(dom)“-Banner.
T – eatime: Muss ausfallen, Klara macht Mixgetränke.
U – ngeduld: Freitag ist nicht Sonntag, sorry.
V - ersteck: Es gibt kein wirkliches Off.
W – eide: Wird zum braun gefärbten Morast.
X-Y Ungelöst: Nicht für alle Fleisch gewordenen Fragezeichen gibt es eine Aufklärung.
Z – ypresse: Höchstens ähnlich bittere Luftverhältnisse.
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Corvonism starts … Turboweekend [Silas Bjerregaard] follow.
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01] Powerpop? …What’s the alternative? Pop with no power?
02] Partysessions In Denmark’s Winter Woods … Makes you sick if you don’t wear thick socks and long undies.
03] Tell More About The Existence Of Real Good Trouble … „When the shot leaves you gagging for the arrow“ (Kim Deal).
04] Threefold … Hurra!, Hurra!, Hurra!
04 1/3] Things No One Can Wash Out … Guilt, Tatoos, Catpis in a couch (not with water anyway).
05] Studio Star … With todays technology everybody has 15min of fame.
06] Five Pieces Of Evidence For A Turboweekend … Massive hangovers, a couple of concert tickets,bad dog breath, some broken limbs and a TW tatoo somewhere very visible.
07] Is There Still Hope? …Maybe baby.
08] The Kind Of Holidays Nobody Should Do … „Golden Sands“ & „Sonny Beach“ (Bulgaria)
09] Better Leave The Stage … When the next band starts sending you evil eyes…
10] Searching For A Laptop … „And I still haven’t found what I’m looking for“ (Bono).
11] Beware all Floors Are Made Of Lava … We’re on fire already so we don’t worry.
12] Road Tripping … Yes, (but danish mushrooms a really quite mild…)
12.2] Laying On The Kitchen Table … Roasted like a christmas goose.
13] Good Night Noon … Good morning moon
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http://www.lastfm.de/music/Turboweekend
http://www.myspace.com/turboweekend
http://www.turboweekend.com

Corvonism starts … A Whisper In The Noise [West Thordson] follow.
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01] Last Night A Piano Saved My Life … As a recluse.
02] Record Of The Month … Nancy and Lee.
03] In The Darkest Hole You … Often mispell words.
03 1/2] Fog Mechanics … Don’t recommend ethylene glycol because it tastes sweet.
04] Don’t Feed The Bluebirds … Ethylene glycol.
05] The Best Metal Is Black? … Black Cohosh induced.
06] Hanska At June Afternoon … Has been overtaken by industrial pig farming.
07] Fairytales From Old Barns … Are usually found as water damaged debris.
08] No Regrets? … Welcome to the desert.
09] Songs You Hate … Too frequently generate profits.
10] After The Winterawakening … Things may change.
11] The Best Way To Keep Things Changing … Attempts.
12] As A One-Man-Gang … One might imagine oneself more clearly.
13] Ways To Exile … Gravel roads.
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http://www.awitn.com
http://www.lastfm.de/music/A+Whisper+in+the+Noise
http://www.myspace.com/awitn

So felsenfest wie das oft genannte Amen in der Kirche bzw. die nächste Ballade aus dem Hause Reamonn, war dieser eine, meist von den Erziehungsberechtigten festgelegte Tag. Der Tag, an welchem es mit der Ladung Glaspfand, leider oft auch Altpapier und latenter Hektik am Steuer auf zum nächstgelegenen – schlechtestenfalls größtmöglichen – Einkaufszentrum der Umgebung ging. Es war Einkaufstag für die ganze Familie, da kommt Freude auf. Vati genervt vom gerade eingekehrten Feierabend , Mutti verunsichert vom vollen Einkaufszettel und Vati, Kinder auf Hochtouren. Wenn man als Nachwuchs die 1,60m erreichte, war man befähigt, den Einkaufswagen zu schieben. Dieser hielt leider selten allzu lange an den interessanten Ecken der Möchtegern-Mall. Der Zeitschriftenstand war genauso schnell abgefrühstückt, wie der Spielwarenbereich, bei den Süssigkeiten kam es letztlich auf das kindliche Betragen der letzten Tage an. Mit Pech hatte man also neben dem Hausarrest und Fernsehverbot, auch noch einen Einkaufswagen vor sich, den Mutti partout nicht mit der neuen PC Games-Ausgabe, einer eigenwilligen neuen Actionfigur oder einem Schokoladenprodukt ohne die Extraportion Milch befüllen wollte. Da war spätestens bei der Frage, was die lieben Kinder denn am Wochenende zu Essen wöllten, ein Tohuwabohu zwischen „Gar nichts!“ oder „Kein Gemüse!“ unüberhörbar. An der Kasse war nicht nur der Wagen voll beladen, auch die Stimmung am Wanken, weil die bevorzugten Geschwister ganz sicher etwas im Überraschungsei haben, man selbst natürlich nur unnützen Plastikkrams. Der Shoppingakt an sich bedarf schon keiner Wertung, dem Ausladen und Verteilen Richtung Speisekammer und Kühlschrank jedoch war nur durch einen ausgedehnten WC-Gang zu entkommen.
Doch Rituale und Gewohnheiten brechen schnell entzwei. Inzwischen ist jeder Tag ein möglicher Einkaufstag, wo sich die drei, vier experimentfrei gewählten Produkte gut unter den Arm klemmen lassen, im Notfall tut es eine leer geräumte Milchpappgroßpackung. Und so sieht man gerade nach 21 Uhr die Scharen alleinstehender Mitmenschen eher stumm und unauffällig durch die Discounter schlürfen. Es wird zielorientiert gekauft: der Hunger jetzt soll gestillt werden, was am kommenden Dienstag auf den Tisch bzw. neben den Laptop soll, ist einfach kein Thema. Bevorratung ist uncool bzw. sinnfrei, Lagerkosten sind eben auch Kosten. No-Go’s in Bezug auf Zeiten gibt es gar nicht. Hat man die Shopping-Rush Hour dummerweise verpasst oder verpassen lassen, hat sicher irgendein Eck-Spätkonsum die Tür noch offen. Begrenzte Auswahl macht entscheidungsfreudiger. Die allgemeine Einkaufskultur hängt zwar immer mehr auf halb 8, positioniert sich da aber möglicherweise besser als gedacht, feranb von alten Weisheiten wie „Donnerstag kauft es sich am besten“ oder „Dienstags gibt man doch kein Geld aus!“.
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ALLE ANDEREN.
(Deutschland 2009)

Beziehungen leben bekanntlich von ihrer generellen Inkonstante. Was sich heute auf das eine bezieht, zieht morgen den Gegenüber auf, aus oder emotional ab. Abhängig von der bedienten sozialen Gangschaltung wird analysiert, ignoriert oder terrorisiert. Probleme sind entweder da, um sie zu lösen oder man löst eine Beziehung, in dem man genau diese auf den Tisch packt. Am besten genau solche, welche nicht oder noch nicht da sind.
Fimtechnisch umgesetzt gehören die gefühlstechnischen Achterbahnen rund um die rosa Brille zum großen Muss. Schließlich geht und insgeheim spricht das große L-Thema leider alle an. Genau so oft landen die Stories und Konversationen jedoch mitten in die Kiste der Peinlichkeiten und Abstrusitäten, wo Grotesken gern gewähltes Mittel der Qual werden.
Wird dem weiblichen Geschlecht auf dem Regiestuhl zu gerne der Hang Richtung luftarmer Scheinwelt und romantisierten Wunschgedanken zugesprochen, scheint Maren Ade in „Alle Anderen“ die selten gut bestückte Schublade der Glaubwürdigkeit gezogen zu haben.
Ein noch junges Paar fern vom zu Hause im Urlaubsabseits. Was auf einer Welle und dem liebenswerten Draht zueinander beginnt, entwickelt sich zum Gefühlsfiasko. All das, wofür das Miteinander steht, gerät ab einem lauen Finkagrillabend ins Wanken. Dem einladenden – sympathietechnisch jedoch recht ausladenden – konventionellen Paar mit der klassischen Rollenverteilung und all den volksnahen Aha-Effekten sei Dank. Was ist männlich, wie wichtig ist beruflicher Erfolg und wer hört eigentlich wem nicht zu?
Gitti, herrlich gespielt von Birgit Minichmayr, und Chris, authentisch wankemütig von Lars Eidinger inszeniert, führen mit einer erschreckend lockeren Gangart durch die 119 Minuten, die locker noch 30 Minuten hätten so weiter gehen können. Wortwitz, Situationskomik, raffinierte Stimmungwechsel und die obligatorischen kleinen Alltagskniffe zwischen Mann und Frau heben das urtümliche Genre des Liebesdrama in die höhere Filmliga, die ihr zusteht.
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JULI 2009

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[IN]
! Sommer] Wir stecken zumindest mittendrin. Nicht ohne tropfenden Morast in der Unterhose oder roten Verfärbungen auf Schulter und Sonnenbrillenumrandung zu durchleben. Sonne macht egal und Opfer der Sinne.
! Hauskonzerte] Eben noch Staubauffanglager der Mittelklasse, gleich schon der Platz für das liebevoll altbackene Musizieren im kleinen Rahmen. Am besten als halb geladener Gast einkehren, wirft Stirnrunzeln und Fragezeichen in das schallende Wohnzimmer.
! Heimliche Lieblingsbands] Home Is Where The Heart Is, selbst wenn es sich um die Ergüsse der Ärzte handelt.
! Lockern statt locken] Geistige Verspannungen entzerren und Knoten lösen, gestaltet den Alltag und die dubiosen Zwischenspiele einfacher.
! Lungern an der Pöpelecke] Es ist Feierabend und man steht mit Freunden (Mensch & Kaltgetränk) genau da, wo alles nach Feind riecht. Den Kontakt zur Basis halten, auch nach Dämmerung.
! Festival-Tristesse] Fahle Gewohnheit zwischen Bierstand und Mainstage wirken erschreckend, erschrecken ebenso wirksam.
! Hypethemen im CC-Modus] Kein Thema wert, aber gerade darum immer auf dem Stand von Jetzt.
! „Nie wieder…!“-Parolen] Sollen herzhaft klingen, wirken meist bewusst halbherzig.
! Mixtapes] Bandsalat garantiert, Nostalgien garniert.
! Spacken mit Stil-Los] Genau ein Stück drüber und man landet eine Etage tiefer.
! Turbo] Ist einfach alles momentan, man muss es nur aussprechen.
! M. Jackson] R.I.P.
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[OUT]
? Sommer] Haut, zu viel Haut. Schaut, wo es graut!
? Nachwuchs androhen] Ob als Beziehungdrücker oder familiäres Schockelement, genetisches Nachladen als Gefahr und Wendepunkt in einem.
? Die Frage nach dem Bandenchef] Jeder weiß die Antwort insgeheim, thematisieren bleibt dennoch tabu, weil konkurrierender Clou.
? Verkehrsmittel als Bürotisch] Projektbesprechungen fühlen sich hinter Autoscheiben unwohl, vor allem für den teilnahmslosen Mensch daneben.
? Doubledates] Drei sind einer zuviel bzw. die Antithese zu Einsam/Zweisam/Dreisam.
? Nachtfraß] Brodelnder Beton im Wanst, Herr Stoffwechsel tut sein Übriges.
? Nonverbale Vorwurfsrunden] Wortgewordene Dartpfeile per SMS bleiben ebenso panne, wie webtechnische Offrunden als Nachschlag/Nachtrag.
? Brandgefahr im Partywahn] Der Boden glüht, die schlecht kontrollierbaren Hormone ja sowieso im Stillen, schlimmstenfalls gar das Männerklo. Evacuate The Dancefloor, aber bitte alle aufeinmal.
? Sitzfleisch] Nicht viel besser als Gammelfleisch.
? Menschliche Überraschungstorten] Fliegen genauso schnell in die Szene, sind jedoch nur halb so süß und ultrahocherhitzt.
? Firmenpolitik und Kündigungsfeten] Der Gerechteste fliegt, der Beste lügt.
? Weisheiten] Einmal: Schlechte Pornos sind unverstandene Kunst. Auch: Assistenten hassen ihren Chef oder warten bis sich das Gegenteil einstellt. Vor allem: Jungs, eins sag ich euch – schafft euch keine Freundin an!
? Jubiläum] Wiederholungen tun weh, Beständigkeiten fast eh. Da freuen sich nur die Anderen.
? Sparkurs] Löblich, doch menschlich ist da das Handeln am falschen Ende.
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