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SIESTA FESTIVAL: HÄSSLEHOLM: SCHWEDEN: 28.-30.Mai 2009 | Juni 1, 2009

SIESTA FESTIVAL: HÄSSLEHOLM: SCHWEDEN: 28.-30.Mai 2009

Die wahrscheinlich längste Abi-Vorfinanzierungsparty Schwedens.

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Siesta!

Man stelle sich vor, es wäre Schulfest in einer südschwedischen Provinzstadt und alle sind sie da. Der coole Ole von der letzten Bank, die expressive Anneke aus dem Busch und all die anderen, die man sonst nur zwischen Pausenhof und Erstsemesterparty auf einem Haufen zu sehen bekommt. Ach ja, dazwischen spielen dann auch noch einheimische bis international angesehene Bands, die dem Spuk zwischen eng geschnallter Leggins, rosa Plastikbrillengestell und durchweg beschrifteter Hautareale, den passenden Soundtrack bieten bzw. die Krone aufsetzen.Mit dem sympathischen Flair eines durch Jugendclubhände organisierten 3-Tages-Events zum Anfassen und Fassenlassen, hebt sich das Siesta! eindeutig vom deutschen Gleichschaltungskonzept der Marke Hurricane oder Highfield ab. Statt auf Teufel komm raus so viele Big Names wie möglich einzukaufen, setzt Hässleholm überwiegend auf ausgewogenes Kulturgut aus schwedischer Herstellung. Und um Feld und Wiesen der Region zu schonen, findet all das dort statt, wo es vielleicht auch hingehört: in das Stadtzentrum.

Entdecken gibt es neben dem abgegrenzten Alkoholbereich musikalisch auf drei Bühnen so einiges.

Frida Hyvönen

Die Damen regieren bekanntlich längst schon das Ruder der Independent-Szene. Adiam Dymott z.B. stellt die leibhaftige Antithese zur Behauptung auf, Poprock mit Frau am Mikro schiele generell gen Belanglosigkeit. So dürfen rundum sitzende Radiohits klingen, bitte auch bald überregional. Anna Ternheim hat den Begriff Rampensau für sich zwar nicht mal teilweise gepachtet, braucht sie für das souveräne Singer/Songwriter-Set aber auch nicht. Der luftige Pop klingt und steht gut. As In RebekkaMaria sind spätestens seit dem offiziellen Ende von Lampshade dermaßen ambitioniert im Auftrag quietschbunter Electropop-Unterhaltung unterwegs, dass man sich bei Anfeuerungen wie „All you boys, shake your ass!“ kaum noch an die elfengleichen Dickichtpreisungen von einst erinnern kann oder mag. Da helfen nur noch die tanzenden Bären im Doppelpack. Frida Hyvönen sitzt sicher am Klavier, bearbeitet dies auch genauso geschmeidig, wie ansonsten Sahnetörtchen oder traurige Hengste auf den Promobildern der Vergangenheit. Noch mehr Grand Dame war nur Jenny Wilson. So groß ihr Hut, so abwechslungsreich ihr Repertoire. Da war der Bogen zwischen Handclap-Indiepop und Semi-Chanson schnell gespannt.

Adiam Dymott

Die üblichen Verdächtigen spielten auch ihr teilweise übel bemächtigtes Set. Mando Diao wollten anscheinend auf Sparflamme laufen, da wirkten selbst  Hits wie „Gloria“ recht blutarm. Dass Brian Molko die Haare wachsen lässt, bedeutet nicht parallel eine steigende Relevanz Placebos. Trotz neuem Drummer wirkt das Programm unterkühlt und steif. Da dürfen die Franzosen von Phoenix Hochmut spielen wie sie wollen, besser macht das ihren Lounge-Indiepop auch nicht, doch die Masse mag ja Mittelklasse. Von The (International) Noise Conspiracy ganz zu schweigen. Dass ihnen an der Neudefinition von Härte nichts liegt, ist bekannt. Dennoch hatte niemand  diese 60’s -Hochzeits-Rock-Darbietung verdient. Da waren Alesana aus North Carolina mit ihrer unglaubwürdigen „Pop Sucks!“-Parole fast witzig, auch wenn Justin Timberlake auf Screamo nicht funken wollte. Bizarr wurde es spätestens bei Dag För Dag. Stelle dir eine Musiklehrerin in ihren frühen Vierzigern und einer ausufernden Experimentalphase in barfuß, mit Haarband so rot wie der Lippenstift und einer begrenzten Spielfertigkeit vor. Kennt jemand Kleerup? Ja, den schwedischen Top-Produzent und gleichzeitig enttäuschesten Liveperformer. Wenn es um drögen Electro mit gefühlten 76,4 BpM geht: Kleerup fragen.

Die Überraschungstorten der Tage waren rar gesät, aber umso einprägsamer. Die Junior Boys kamen lässig und angenehm, den verspielten Klangflächen und der Samtstimme sei Dank. I Are Droid dürfen ab sofort die legitimen Editors-Nachfolger spielen, Wrestling With Angels bei  Jeniferever zum Kaffee vorbei schauen und Jonathan Johansson weiter auf Bruce Springsteen machen.

Cult Of Luna

Die Abschüsse kamen stets zum Schluss. Sonic Youth könnten teilweise die Großeltern der Festivalmeute sein. Und weil man sich nach Mitternacht von denen nichts sagen lassen will, haut man lieber ab- so passiert. Lag größtenteils auch an der Klimalage, welche das Gegenteil einer Wärmflasche sein wollte. Cult Of Luna schleuderten Freitag Abend die geballte Faust auf alles was zwischen Metro und Retro wuselte. Perfekter als mit einer leider zu kurz geratenen Sludge-Einlage konnte man die Unwissenden nicht verstören. Was Chaos angeht, können nur The Horrors mit ihrer Psychopunk-Gossipe noch eine Schippe drauf legen. Wer nun genau sagen kann, ob das wackelnde Ereigniss der letzte Mist oder total geil war, bekommt ein Shirt für lau. Für den Eintrag als obskurster Festivalabgang reicht es vorerst allemal.
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Veröffentlicht in THE STAGE OF NO RETURN

1 Kommentar »

  1. scheint ja unterhaltung pur gewesen zu sein.

    Kommentar von endpilot — Juni 6, 2009 @ 5:42


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