BEIRUT / ALASKA IN WINTER: HAMBURG: DOCKS: 03.05.2009

Ohne Krawall, mit Remmidemmi.
::: ::: :::
Beirut ist für alle da. Ja, das sagen Reamonn auch von sich, aber das ist eine andere Geschichte. Angesprochen fühlt sich in diesem Falle anscheinend wirklich nahezu jeder, der irgendwo zwischen aktuellem Kulturteil und Musikexpress quer hört. Im Grunde machen es einem Zach Gondon und Anhang auch leicht, sie zu mögen, sind diese doch seit dem aufhorchenden Debüt „Gulag Orkestar“ mehr als ein para-relevanter Haufen ambitionierter Landmusikanten. Runtergebrochen auf die Essenz des musikalischen Schaffens, ist es diese Gefühl zwischen Euphorie und Fernweh, welches die Leute generell zu packen scheint.
Dass sie potentiell in die unterschiedlichsten Situationen passen, wird spätestens live klar. Sie sind die Art Band, welche den jungen Muttis das abendliche Vorlesen an der Bettkante des Nachwuchses ersparen könnte. Sie würden die Hochzeit deines besten Freundes stilvoll untermalen, die spontane Urlaubsfahrt ins Irgendwo sowieso. Was machen sie anders als der Genrerest? Nicht viel. Spielfreude ohne zur wirbelnden Zirkuskapelle zu mutieren, große Klanggesten ohne übertrieben ausgebreitete Arme, durchgehende Rhythmik ohne plumpe Anpassung an aktuelle Electoinfluenza. Beirut haben Spaß da vorne, vielleicht noch nicht so souverän wie Calexico, nicht so tiefgehend wie etwa Bon Iver, aber Sympathie lässt sich nicht erzwingen. Und so feiert Hamburg samt international eingetrudelter Fanbase, all die lieblichen Multi-Instrumentarium-Hymnen. Ausverkauft? Nachvollziehbar. Schade nur, dass die liebevoll-witzige Einmann-Performance Alaska in Winter im Vorprogramm eher missachtet wurde, was wohl eher an dem unpassenden, da zu großen Rahmen für die inszenierte Videoshow lag, vom laschen Walkman-Sound mal ganz abgesehen. Schließlich ist Brandon Bethancourt nicht umsonst der heimliche Favorit für die Mainstage des Melt!s von 2011 bzw. den Award für minimalistische Bühnendarstellung mit Format.
::: ::: :::