Mit dem Großvater Ernst ist schlecht Spaßen, hat man sich zu sehr mit ihm eingelassen, wird man schnell zur übertriebenen Existenz. Vorsicht, Skepsis, Zweifel und Teufel an der Wand. Hat sich bei dir der berühmt berüchtigte Stock im Arsch verfangen und lässt nicht locker? Teste dich selbst!

:::
01. Als du nach dem Türklingeln den Spion durchleuchtest, erkennst du zwei Personen, welche in ihren Uniformen potentiell der Sparte „Polizist“ zugeordnet werden könnten. Du tust was?
A] Atmen einstellen und an der Wand festhalten bis die Gefahr gebannt ist.
B] Kapuze über den Kopf, Tür aufreissen und mit einem Blick zwischen Pokerface und Robert Pattinson aus „Twilight“ das anstehende Verhör bzw. Anschiss in die richtige Richtung lenken.
C] Freundlich empfangen und einen koffeinarmen Kaffee anbieten.
:::
02. Du bist am Einlass eines stylishen Großstadtclubs. Deine Freunde werden alle problemlos durchgewunken, nur du wirst arrogant abgewiesen. Du denkst?
A] Naja, wäre eh zu teuer gewesen, aber schade.
B] Pisser, Arschkrampen, Gesocks! Rache ist blutig!
C] Ich ziehe mich zu Hause um, lege den Scheitel auf die andere Seite und hänge mich bei der nächsten Einlassrunde an die Mädels mit den längsten Beinen.
:::
03. Dir fällt auf, dass bei jedem Einloggen des Sofortnachrichten-Webprogramms deiner Wahl, die Anzahl der Offline-Mitmenschen steigt. Das könnte woran liegen?
A] Die haben doch nur Angst vor der Schmach, dass ich sie nicht anschreibe.
B] Die Irrungen und Wirrungen des WorldWideWebs.
C] Ich weiß es nicht, bekomme es aber noch raus, und dann knallt es, aber keine Luftballons.
:::
04. Du kaufst für deine trinkfreudige Meute zum Freitagabend ein. An der Kasse erntest du skeptische Blicke durch Einkaufswagen-Nachbarn. Das liegt woran?
A] Dass ich Spaß am Leben habe und sie das nicht verknusen können.
B] Sie hoffen sicher, dass die Flaschen nicht für reinen Eigenbedarf sind.
C] Eisbein und Pampers im Wagen macht auch nicht glücklich, also sollen sie dahin gucken, wo kein Pfeffer wächst.
:::
05. Du erhälst einen Termin bei deinem Vorgesetzten mit dem Anhang „Dringlich!“. Du reagierst wie?
A] Ich suche Taschentücher zum Schweiss entfernen.
B] Ich gehe im Geiste die vergangen Tage durch und grübele nach Fehlern oder anderen Abmahnungsgründen.
C] Ich mache erstmal Pause, der Espresso aus dem Automat ist seine 50 Cent wert.
:::
06. Im Park sitzt du zwei rein äußerlich beziehungswürdigen Menschen schräg gegenüber. Diese grinsen, kichern und geben sich dubiose Zeichen. Was schwirrt dir durch den Kopf?
A] Die brauchen einen guten Logopäden.
B] Sollen doch rüberkommen, wenn sie was wollen.
C] Einmal hätte ich doch noch Richtung Spiegel schauen sollen, da ist sicher was nicht richtig.
:::
07. Bei einer nächtlichen Autofahrt fällt dir unregelmäßiges Aufblenden durch das Auto hinter dir auf. Was könnte das bedeuten?
A] Ja, was schon? Der wird mich gleich ordentlich abziehen, ausziehen und sich dann verziehen.
B] Die doofen Fahranfänger, Einweisung in die Lichtanlage muss nicht immer verkehrt sein.
C] Typische Albernheiten, die Spaß machen sollen.
:::
08. Dein/e beste/r Freund/in fordert dich nach einem heftigen Disput zu einem Streetfight heraus. Deine Reaktion?
A] Er/Sie will doch nur spielen.
B] Endlich kriegt er/sie all das zurück, was ich ewig zurück gehalten habe. Boom! Posh! Bang!
C] Wie unpassend und spannungsarm, sind ja sicher nicht mal Zuschauer dabei.
:::
09. Du triffst einen alten Bekannten. Dieser gibt plötzlich Schwindel und Unwohlsein an. Du denkst?
A] Bin ich eigentlich das einzige Gegenteil zur Dramaqueen?
B] Wir brauchen einen Notarzt, gegebenenfalls auch zwei.
C] Ach, einen Trinken will er mit mir, das kann er haben.
:::
10. Du liest eine neue Ernährungstudie, die einige deiner Lieblingscerelalien negativ bewertet. Deine Konsequenz?
A] Ich mache mir so meine Gedanken und letztlich den Kühlschrank auf, irgendwas muss man ja essen.
B] Ich kann dem Bericht gar nicht so ganz folgen, das Kauen selbst strengt schon an.
C] Ich erzähle meinen Freunden aufgeregt davon und lege mir ein Speisetagebuch an.
:::
11. Du gewinnst einen Gutschein für eine angeblich hieb- und stichfeste Hellseherin. Was denkst du?
A] Jetzt kommt alles raus!
B] Mich wird die Alte nicht durchleuchten.
C] Das wird ein Spaß!
:::
12. Endlich traust du dich zum ersten Schritt, doch du erhälst die perfekte Abfuhr deines Schwarmes. Wie gestaltet sich deine Reaktion?
A] Ich bastele im Dunkeln eine perfekte Voodoopuppe.
B] Ich scheuere mir die Knie durch und hoffe, meine feuchten, traurigen Augen machen alles rückgängig.
C] Ich habe aber echt schon knackigere Körbe bekommen.
:::
Das Ergebnis:
12-21 Punkte: Egal-Haltung Helau!
Da hat sich aber eine nette Schutzmauer um dich hochgezogen, welche Kritik, Warnsignale oder Zaunpfahl-Winken auf Höchststufe einfach ordentlich abblockt. Wer will dir schon was bzw. wollen die überhaupt alle? Nicht nur, dass es dir reichlich gleichgültig ist, du bekommst all das gar nicht erst mit. Was bist du: ein gebranntes Kind oder eher Scheuklappentier? Irgendwas dazwischen. Doch Vorsicht im Alltag, Ignoranz ist gern gewähltes Mittel zur Abschottung von Tatsachen, kann aber kippen und dann die Bruchlandung des Jahres werden. Solange einfach das gelassene Wälzen in der Hängematte genießen.
22-29 Punkte: Vorsicht ja, offener Mund nein!
Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt, dessen bist du dir bewusst. Scheinender Schein und trügerisches Sein lauert um jede zweite Ecke, das hälst du dir im Hinterkopf. Den Mittelweg wählen ist gesund, hat jedoch stets den Hang zur anderen Seite. Realistisch bleiben lautet die Devise auch für Übermorgen.
30-36 Punkte: Das Leben ist ein Kopfsteinpflaster!
Der Mond ist ein böser leuchtender Klumpen zur Nacht, die Wäschetruhe der ultimative Ort zum Verstecken halber Leichen, und die Leute da draußen wollen entweder deine Seele, deinen Körper oder deinen Restverstand. Etwas schizophren die ganze Sache, aber spannend! Das Leben als schlecht gewählter Krimi mit Überlänge von Cliffhangern kann auf Dauer zwar anstrengend, für die Umgebung jedoch herrlich ertragreich sein.
>>>
Die Lösung des Tests ergibt sich durch das korrekte Addieren (+) der jeweils geantworteten Möglichkeiten (A, B oder eben C)
| Frage | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | XI | XII |
| A | 3 | 1 | 2 | 2 | 3 | 1 | 3 | 1 | 2 | 2 | 3 | 3 |
| B | 2 | 3 | 1 | 1 | 2 | 2 | 2 | 3 | 3 | 1 | 2 | 2 |
| C | 1 | 2 | 3 | 23 | 1 | 3 | 1 | 2 | 1 | 3 | 1 | 1 |
NAHEMAH
„A New Constellation“

Zustimmendes Nicken in Dauerschleife.
:::
Überraschungen müssen nicht immer gleich in Form des weißen Kaninchens aus dem Zylinder, oder der barbusigen Tante aus der Geburtstagstorte zelebriert werden. Der freudige Aha-Effekt kann auch gerne im Stile der neuesten Veröffentlichung NAHEMAs einsetzen, ohne überlaute Pauken und Trompeten. Dafür mit der tatsächlich vorherrschenden „A New Constellation“, die der Titel bereits verspricht. Das Quintett aus dem südwest-spanischen Alicante hat ihrer Black-Metal-Vergangenheit inzwischen fast komplett Siesta verordnet, und spielt in den kreativen Bahnen, durch die sich auch BURIED INSIDE und BURST derzeit kompetent schlagen. Diese ausschweifende Geradlinigkeit inmitten der niemals ausartenden Kalt/Warmduschen, dieses Hauptaugenmerk auf Atmosphäre und getragender Härte. Auf der Spur, wo Postcore sich wie von selbst mit Progrock samt Ambient verbindet, ohne zum halbgaren Gewäsch zu mutieren. Anders als die ähnlich agierenden CALLISTO auf ihrem aktuellen „Providence“ schlängeln sich NAHEMA jedoch mit mehr spielerischer Dynamik und Abwechslung im Songwriting durch das Genre, dem man verwunderlicherweise noch keinen wirklichen Namen gab. Und anders als das böse Erwachen im Postfach oder Kontauszug, darf sich diese musikalische Überraschung gerne wiederholen und weitergereicht werden.
(Lifeforce Records)
written for FUZE Magazine
Corvonism starts … Junius follows.01] Genius vs. Junius ... The plural of genius is genii and that is where we get the word genie. So if it was Genie vs. Junius, Junius would most definitely lose. 02] Who Could Make Our Days ... Into nights? A large planetary object within the earths gravity could definitely slow the rotation of our planet down and create darkness on one side of the planet for an extended period of time. 03] The Depths Of Louisiana ... Is where "A Dramatist PlaysCatastrophist" was written. In a one room house beside a swamp the fourof us slept next to our amps and pedals. We wake up and write for ten hours go back to sleep. I witnessed one of the best lightning storms there. 04] While Blood Is Getting Bright ... People are losing their humanity. 05] Don't Spit At The Wall Of Sound ... Is that like peeing into the wind? 06] In The Heat Of The Knife ... Is the best place to cut butter? 07] Art Works? ... Art can only work if you work at art. 08] The Logoff To Postrock ... I wish postrock would go away. So yes, let's all logoff from postrock. 09] No Isolation Without ... Medication. 10] Constants ... Has a new album coming out, it's great. 11] You Better Stay Backstage If ... You're awkward around crowds. That's what I do. 12] The World Is A Vampire ... Sent to drain secret destroyers, hold you up to the flames and what do I get, for my pain betrayed desires. Good line. 13] The Final Word That Could Kill Us ... Avada Kedavra! ... did it work!?
::: ::: ::: www.lastfm.de/music/Junius www.myspace.com/junius www.juniusmusic.com
Dúné: HAMBURG: HEADCRASH: 19.05.2009

Ausverkauft im lässigen Schwitzkasten.
:::
Es scheint in Mode gekommen zu sein, Bands einige Monate vor Plattenveröffentlichung auf inoffizielle Promoreise im kleinen Rahmen durch die einschlägigen Städte zu schicken, so als Anheizer Richtung Fanblock für Kommendes und als Probelauf des neuen Materials für die Musiker. Doch mit einem Bein im Studio, einem Arm in den Miesen und dennoch on the road, resultiert dies häufig in eher lauwarmen Konzerten, die nicht wirklich einen Vorgeschmack bieten wollen oder können.
Die Sieben-auf-einen-Streich aus dem dänischen Skive wären da passendstes Beispiel gewesen, touren sie doch seit drei Jahren mit den Songs des Debüts „We Are In There You Are Out Here“ unaufhaltsam durch die Lande. Fast wollte man dem zynischen Gerücht Glauben schenken, sie würden als Kirmeskapelle enden, die sich für immer auf ihre Handvoll Songs beruft.
Also gut, es scheint sich zu bewahrheiten: neues Album, neues Glück. In Zeiten, in denen sich auf skandinavischen Dancerock anscheinend alle einigen können, war natürlich die Frage: Mehr Electro, mehr Rock, mehr Pop? Die ungemütlichste , weil unglaubwürdigste Anwort heißt: Das Beste von allem.
So jung und schon dermaßen geschmackssicher, das bleibt weiter ein Phänomen. Die bekannte Vorliebe für ungehemmte Rhythmik, mitsing-, jedoch nicht stumpf mitgröhltauglich, Gitarren ohne aufgesetzten Metallanschliff. Herrlich poppig und immer mit dem songwriterischen Drive, welcher Beliebigkeit keinen Platz bietet. Sie spielen in Sachen Hitdichte schon jetzt in ihrer eigenen Liga, und das weiß die dicht gedrängte Meute auch nur zu gut bzw. honoriert das mit einer Euphorie, die jenseits von Böse liegt.
Kreischende Mädels, wie soeben von THE DOME 53 entsprungen, können sich gar nicht entscheiden, ob sie nun eher zum Lockenkopf und potenten Mikrohalter Mattias, der sympathischen Cecilie an der linken Saite, oder doch dem heimlichen Frontmann und Keyboardbeauftragten Ole schielen sollen. Letzterer ist am wahrscheinlichsten, hat er den Begriff Entertainment geradezu gefressen. Gut trainiert ist halb gewonnen, scheint dessen Motto. Und so präsentiert er das schwitzende Sechserpack mehr als omni. Ob mit fallenden Eiswürfeln auf dem Bartisch, küssend mit Bandchef oder hochmotiviert tänzelnd zwischen dem ganzen Clan, in Szene setzen ist Hauptdevise.
Comeback gelungen, waren sie auch nie weggewesen.
:::
TROELS ABRAHAMSEN: WHT: SONY MUSIC: 2009

Die effektive Welle.
:::
Unauffällig, vorsichtig, mit Bedacht. Das stetige Vereinnehmen unterliegt keinem lautstarken Posaunenchor, keinen Hymnenrufen mit schier endloser Reichweite, erst recht keiner plötzlichen Offensive aus dem Hinterhalt. Manchmal geschieht es auch latent von hinter der bröckelnden Wandfassade. Der Angriff in anstehender Dauerschleife glitzert nicht, vertuscht nur geringfügig die grauen Töne zwischen dem Aufbegehren. Es pocht und blubbert durch den Korridor, nimmt einen weder den Halt unter den Füßen, noch lässt es erschrocken umblicken. Die Stille zwischen den Schlägen ist es, die zählt und wofür man zahlen wird.
:::
TURBOWEEKEND: GHOST OF A CHANCE: MERMAID RECORDS: 2009

Rauch fehlt, Schall bleibt.
:::
Mit Electropop ist es wie mit der Wahl von Kaugummis. Was mit plakativer Werbung, knalligen Farben und interessanter Formgebung anlockt, entpuppt sich nach zwei Kaudurchgängen als schnell geschmacksfreies Stück Gummi mit großen Blasen und wenig Nachhall. Der liegt schneller in der nächsten Pfütze, als Electro P-O-P buchstabieren kann.Das Genre ist spannend, aber teilweise auch mächtig verspannt, schließlich sind Überdosis Frauendeo und zu enge ausgeliehene Tigerleggins schnell das Gegenteil von cool.
Dänemark ist bezüglich tanzbarer Popmusik recht kompetent und fremdschämarm. Guter Beweis: Turboweekend. Klingt nach der prall dröhnenden Schranzladung, die sie natürlich weder ist, noch sein möchte. „Ghost Of A Chance“ ist die Art Sommerplatte, die zum offen gelegten Cabrio genauso passt, wie zur wodkagetränkten Untergrundsitzung. Nicht übertrieben arrogante Attitüde im Sonnenbrillenstyle, kein nervig-androgyner Gesang mit wenig Luft aufwärts. Zurückgenommene Atmo, dennoch nicht zu chillig und sauerstoffentleert. Doch neben all den erklärungstechnischen Banalitäten hat das Kopenhager Trio einen entscheidenden Vorteil: Hits. Ja, natürlich nicht die, mit der wehenden Peitsche, eher die sich langsam aufbauenden. Der angegossen sitzende Opener „Trouble Is“, der Mitsinger „Something Or Nothing“ und v.a. der gefühlte Tiefseetanzer „Up With The Smoke Down With The Ash“ beweisen, dass Turbo auch nicht mehr das bedeutet, was es mal sollte. Wer zwischendurch Fr. Klums Ehegatten Seal am Mikro vermutet, liegt falsch, stimmtechnisch jedoch nicht völlig im Falsch. Dass nicht ein komplettes Wochenende ohne gewisse Längen auskommt, zeigt sich im Laufe der 11 Songs, macht die Handvoll wertvoller H&M-Umkleidehits umso mehr präsent.
:::
Corvonism starts … Scraps Of Tape follows.

::: ::: :::
00] Scrape The Tape … Is Scraps Of Tape in Czech.
01] Food, As It Should Never Be … English.
02] Who The Hell Is Marcus? … A forgetful guitarist. Maybe THE best forgetful guitarist.
03] Reasons For No More Wine … Too many to fit in here.
04] Time To Exit The Stage … When the concert-hall is empty.
05] This Scene Is Territorial … So let’s not belong to one.
06] On The Highway To Venestad You Should … Beware of wild boars.
07] The Most Glorious Mistakes Of The Month: … Is not going back to Ginko in Graz for another meal.
08] Party-Hard In The Woods of 1908 … Is better than party – hard in the cities of 2009.
09] The Best Ways To Keep Distance From Bastards … Is to surround yourself with loved ones.
10] Running And Stunning News From The Tour-Diary: … ON THE ROAD TO XXXX. IT’S GREAT TO BE HERE IN XXXX.
10 1/2] No Sunday Morning Without … A saturday evening.
11] Tagged As: Coast Rock … Is what Scraps Of Tape’s next album might be.
12] Riding The Ghostbike … Is like trying to describe god.
13] Farewell At The Windmill … Is not really farewell at all.
::: ::: :::
http://www.scrapsoftape.com/
http://www.myspace.com/scrapsoftape
http://www.lastfm.de/music/Scraps+of+Tape

Oh, lecker Picknick auf dem Balkon oder der Dachterasse – wie idyllisch. Nicht ganz. Horden von turbulent blökenden Kindern umlaufen das Wohnviertel, der Nachbar mit dem bösen Blick hat den Rasenmäher für den eh schon kahl geschorenen Kleingarten auf Turbo laufen, zwei Flugzeuge kreuzen in Sicht- und vor allem Hörweite das gemütliche Stelldichein, Schoßhunde fechten Kleinkriege am Bordstein aus, der Wind klappert an den Markisen, ein Mobiltelefon zaubert kostengünstige Melodien durch die Gasse, der hübsch häßlich getunete Golf lässt die 43. Terrordome-Ausgabe und den röhrenden Motor mit Dezibelüberschuss laufen, ein Eiswagen lädt den Verkaufsgong auf Dauerschleife und ein gefrustetes Pärchen gibt seinen geschundenen Gefühlen unverdeckt den wohl notwendigen Freiraum. Leben und leben lassen? Im Grunde ja, wenn da nicht das Wort namens „Lärm“ wäre, welches uns alle still und heimlich zu unterwandern versucht. Schlafstörungen, Magen-Darmerkrankungen oder Konzentrationsdefizite, davor ist keiner gefeit, nur wird es den Wenigsten bewusst.
Natürlich ist diese begehrte Stille ein aussterbendes Gut der Gesellschaft, jedoch sind wir alle Mitschuld am Noise-Schlammassel. Geräuschfreie Zonen sind nahezu tabu: Ob beim groß angelegten WC-Geschäft, der Mittagspause in der Betriebskantine oder beim Joggen durch den Stadtpark, irgendwas schallt immer. Verständlich, verbinden die meisten Menschen Geräuscharmut unbewusst mit Beklemmung und Angst. Ebenso verständlich, ist genau das auch gerne genutztes Folterinstrument oder Mittel zur Gehirnwäsche. Fehlende Außenreize reizen. Wer will schon die Uhr ticken hören, geschweige denn den eigenen Herzschlag oder Atem? Dann heißt es lieber: Stille ist da, wo ich nicht bin.
> > >
The Sound Of Silence
P. Simon, 1964
Hello darkness, my old friend,
I’ve come to talk with you again.
Because a vision softly creeping,
Left its seeds while I was sleeping.
And the vision that was planted in my brain
Still remains,
Within the sound of silence.
< < <
THE OCEAN
„Fluxion“

::: ::: :::
Quarkauflagen sind bekanntlich hilfreich gegen Schmerzen, Neuauflagen in der Tonträgerabteilung bereiten dem Hörer hingegen überwiegend genau diese. Alte Hüte stehen dem Hier und Jetzt eben nicht grundsätzlich gut, und so verkommen Re-Releases gerne zum überflüssigen Deja-vu, den Plattenfirmen sei dank. Anders verhält es sich beim Musikerkollektiv von THE OCEAN, die ihr Debütalbum „Fluxion“ ganz bewusst neu verfasst haben. Zum einen, da die Scheibe inzwischen vergriffen ist, vor allem aber aufgrund der stetigen Unzufriedenheit über das Endprodukt bzw. dem Wunsch, die songwriterische Klasse von einst mit dem künstlerischem Anspruch von heute zu verbinden. Chefkapitän Robin Staps tut nichts ohne hörbaren Masterplan, und so klingt der 9-köpfige Ritt natürlich auch. Perfekt in der Schnittstelle zwischen den unkaputtbaren Felsbrocken von „Aeolian“ und der Wagenladung Atmosphäre und Tiefe des Konzeptmonsters „Precambrian“. Das nette, aber leicht gesichtslose instrumentale Postmetal-Material von 2004 entpuppt sich erwartungsgemäß zur metallischen Wall-of-Sound mit Hirn und Klasse, wo kein Platz für Zweitklassigkeiten sein möchte, liefert THE OCEAN wohl trotzdem wieder nicht den verdienten Erfolgsschub nach vorne, schade.
(Pelagic Records)
written for FUZE Magazine
BEIRUT / ALASKA IN WINTER: HAMBURG: DOCKS: 03.05.2009

Ohne Krawall, mit Remmidemmi.
::: ::: :::
Beirut ist für alle da. Ja, das sagen Reamonn auch von sich, aber das ist eine andere Geschichte. Angesprochen fühlt sich in diesem Falle anscheinend wirklich nahezu jeder, der irgendwo zwischen aktuellem Kulturteil und Musikexpress quer hört. Im Grunde machen es einem Zach Gondon und Anhang auch leicht, sie zu mögen, sind diese doch seit dem aufhorchenden Debüt „Gulag Orkestar“ mehr als ein para-relevanter Haufen ambitionierter Landmusikanten. Runtergebrochen auf die Essenz des musikalischen Schaffens, ist es diese Gefühl zwischen Euphorie und Fernweh, welches die Leute generell zu packen scheint.
Dass sie potentiell in die unterschiedlichsten Situationen passen, wird spätestens live klar. Sie sind die Art Band, welche den jungen Muttis das abendliche Vorlesen an der Bettkante des Nachwuchses ersparen könnte. Sie würden die Hochzeit deines besten Freundes stilvoll untermalen, die spontane Urlaubsfahrt ins Irgendwo sowieso. Was machen sie anders als der Genrerest? Nicht viel. Spielfreude ohne zur wirbelnden Zirkuskapelle zu mutieren, große Klanggesten ohne übertrieben ausgebreitete Arme, durchgehende Rhythmik ohne plumpe Anpassung an aktuelle Electoinfluenza. Beirut haben Spaß da vorne, vielleicht noch nicht so souverän wie Calexico, nicht so tiefgehend wie etwa Bon Iver, aber Sympathie lässt sich nicht erzwingen. Und so feiert Hamburg samt international eingetrudelter Fanbase, all die lieblichen Multi-Instrumentarium-Hymnen. Ausverkauft? Nachvollziehbar. Schade nur, dass die liebevoll-witzige Einmann-Performance Alaska in Winter im Vorprogramm eher missachtet wurde, was wohl eher an dem unpassenden, da zu großen Rahmen für die inszenierte Videoshow lag, vom laschen Walkman-Sound mal ganz abgesehen. Schließlich ist Brandon Bethancourt nicht umsonst der heimliche Favorit für die Mainstage des Melt!s von 2011 bzw. den Award für minimalistische Bühnendarstellung mit Format.
::: ::: :::
Corvonism starts … Bodi Bill follows.

::: ::: :::
01] Wenn schon Hauptstadt, dann …
Bitte Mitte im Grünen, ohne Autos, nur ab und zu ne Feuerwehr und sonst Love, Peace, Harmony an den Wochenenden, „schön wenn es so wär“.
02] Unser Wolf Henry …
Ist nicht nur ein Song, sondern den gibt’s wirklich. Er hat nur noch ein Auge, dafür ein doppelt so großes Herz wie so manch blinder Hobbyjäger und lebt in Brandenburg, an der Grenze zu Polen – so wie die anderen Wölfe ja auch… die aus der Lausitz, die da angeblich so ne arge Bedrohung für die Bevölkerung sein sollen. Nun, wir mögen Wölfe und sind auch selbst oft hungrig.
03] Tagged as: Indietronic … Ich würd mal sagen, jedes Jahr gibts da’n neues Tag. Heute Indie, morgen Bionic, scheisst der Hund drauf.
04] Gib Artwork keine Chance …
Sagen die müden Downloader. Ok, für uns gibts eh nur Vinyl, CD ist doch n Auslaufmodell, und auf 31X31cm hat so manches Cover ne Chance.
05] Mist, der Sinnbus ist voll …
Geil, ey!
06] Willst du nicht deine Trainingsjacke ausziehen? …
Das ist eine Frage die so nur von Dir kommen kann. Selbst beim Rudern sind wir stets oben ohne oder im Frack. Falls diese Frage auf die Mitt-Neunziger und seine Jugendmode anspielt, so fallen mir da jetzt aber noch ein paar andere markante Kleidungsstücke ein, z.B: Willst Du nicht mal Deinen Armeeparka ausziehen? Aber was hat das mit dem zu tun?
07] Spex als Klolektüre …
Ist bestimmt ok für echte Musikfans. Bei uns herrscht auf der Toilette Ruhe.
08] Der Tanz, das Idiotenfest … der Idiotentest?
09] Drei sind … einer zuviel, heisst es in dem englichen Sprichwort: „two is company, three is a crowd“ – wieder was gelernt!
10] Mein Schirm, das Festival und ... das Mammalapuram 2007. Ja, das waren noch Zeiten! Schöne Zeiten. Ich glaube, dort in Storkow wurde die Idee vom Schirm auf der Bühne begraben… nicht weil’s kacke war, nur weil wir’s in der Folge stets vergessen haben. Gut, dass Du mich mal wieder daran erinnerst!
11] Nightshots in den Büschen sollten … Mein Diplomthema werden, aber dann kam die Musik und mit ihr die Einsicht, dass das andere viel besser machen. Dennoch, Blitzfotos sind toll! Ich bin da ganz einfach gestrickt.
12] Boo! Äh, Goo! … Ok, gerne, denn wer Goo sagt, muss auch Sonic Youth sagen! Außerdem nicht zu vergessen: Moondag! Deerhunter! Elmor Judd! James Murphy! … ach Scheisse, ich kann hier unmöglich jetzt lauter Bandnamen aufzählen.
13] Nächstes Mal … Heisst es bei uns meist sofort nachdem etwas – ein Song, ein Konzert, eine Platte – vorbei oder fertig ist, denn dann beginnt das nächste Mal – wir freuen uns drauf und wollen’s jedesmal besser machen, denn es gibt noch sooo viel zu lernen, dass es uns eine Freude ist – das nächste Mal.
::: ::: :::
http://www.bodibill.de/blog
http://www.myspace.com/bodibill
http://www.lastfm.de/music/Bodi+Bill
Mai 2009

::: ::: :::
[IN]
! Schnaps-Schüsse] Das sind diese hochwertigen Treffer, welche zwischen Wodka-Ahoi und Weisswein-2-Cheap ihre Entstehung feiern. Die Schärfe liegt dabei freilich nicht in der perspektivischen Kunstweise, eher im bekannten „Draufhalten!“. Nicht massen-, jedoch fremdschämtauglich.
! Schwärme] Nicht der fliegende Ansturm von oben, sondern tatsächlich dieses jugendlich orientierte Magengefühl einem Mitmensch gegenüber. Fliegt der Gefühlsquatsch auf, fliegt der Spuk ebenso raus.
! Konventionelle Schlafzeiten] Sich jedem gemeinschaftlich vertretbarem Biorhythmus zu sperren war gestern. Augen ohne Ringmuster, Stimmlage abseits von Friedhof, Konzentrationsfähigkeit über dem eines Eierbechers: kann alles nur gut tun. Soll unregelmäßige Ausbrüche zwischen Donnerstag und Sonntag jedoch nicht ausschließen.
! Wissen über Weltgeschehen] Wer hat die längsten Beine im Land und wo gibt es die provokantesten Parkplatztreffs, gelten nicht als wirklich relevantes Hirnfutter.
! Technikfreaks in der Freundeliste] Röhrende Endschalldämpfer, ungewollte Lichtspielerein indoors oder Fehler im System, da empfiehlt es sich, jemanden zu engagieren, den man und sich damit auskennt.
! Freundschaftsbekundungen] Komplimente und emotionales Winken gehören natürlich in Popsongs, gerne aber auch in Nebensätze oder in Klammern beim Konversationsaustausch.
! Zimmertausch] Ob klaustrophobischer oder gefühlsmäßiger Background, Raumwechsel auf Zeit können der Ideengeber und Leitfaden von morgen sein.
! Fleischgewordene Partysmasher] Nein, nicht diese gemieteten Typen in Tanga und Pornofigur zur weiblichen Erhitzung, sondern die Gruppe Menschen, welche dank ihres Auftauchens zum Wohle/Leid der Festinitiatoren von steigender Lautstärke über hochprozentigen Luftzustand alles Erdenkliche tun, um die Party neben der Party zu zelebrieren. Achtung: Neider möglich, gefrustete Untermieter nötig.
! Toilettenlesungen] Wo die Couch samt Kissenparade zum Schlafen einlädt und die Eckbank im Seitencafe dank ständigem Menschenverkehrs für Unterbrechungen prädistiniert scheint, gibt es letztlich nur einen Ort zum Verinnerlichen von Gedrucktem: das schlecht geflieste Zimmer zum Abschließen.
! Abmachungen Inkognito] Ausklügeln und Abklären mit der spanischen Wand zum Nachbarn, am Ende kommt es ja trotzdem raus.
::: ::: :::
[OUT]
? Magnetismus] Soll offiziell Dinge zusammen führen, kann im Falle X jedoch zerstörerisch tätig sein: defekte EC-Karten oder rumpelnde Herzschrittmacher als fiese Resultate.
? Kopfschmerzen] Darf inzwischen Grund für alles sein, kick the neurological impact.
? Nebengeräusche beim Liveevent] Das seltsame Klicken in der Tasche, Reizhusten oder das lüsterne Raunen vom Pärchen ü40, bitte aus- bzw. rausstellen.
? Pläne als Windei] Schmeiß die Vorfreude aus’m Fenster, wir brauchen Platz für Enttäuschung.
? Stress im Cockpit] Welche Abfahrt, welcher Song, welche Sitzkonstellation > Drama zum (Reifen-)Quietschen.
? Eis ohne Tiefkühlfach] Wo bleibt denn da der Spaß am Lecken?
? Ambivalenz] Auf und ab, hin und her, in and out, Schwindel dank Entscheidungskurven.
? Verweigerung] Man kommt nicht auf ewig dagegen an.
::: ::: :::