FEVER RAY
Fever Ray

Fahnen langsam hoch.
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Der Begriff „World Music“ wirkt abschreckend, weil irgendwie das Gegenteil von cool und zeitlich relevant. Wer sich diesen Genre-Button anheften darf bzw. muss, hat sich für das aktuelle Popgeschehen nahezu eliminiert. Dabei verbirgt sich hinter der sogennanten Weltmusik, die in den 80er Jahren erstmals namentlich auftauchte, lediglich die Kreuzung aus westlicher Popmusik und traditionellen, nicht westlichen Musikformen. Grenzgänger sind aber doch im Grunde immer zeitgemäßig, nur eben ohne die gedankliche Verbindung zu bewusstseinserweiterten Reformhaustreffen oder Großstädlern, die in ihre Mittagspause afrikanischen Ausdruckstanz im Park einbauen. Abgedunkelt heißt nicht gleich Keller, Trommeln nicht automatisch rituelle Zeremonie im Outback.
Spirituell, verwoben, nicht massenverdaulich: so in etwa liest sich der visuelle Untertext zum Stück Solodebüt der Karin Dreijer Andersson, potentiell durch THE KNIFE bekannt. Sie klingt und dementsprechend findet sie vielerorts Anklang. Dank des elektronischen Unterbaus der experimentell-minimalistischen Sorte, horchen aufgeschlossene Groove-Leser bzw. Melt!-Gänger auf. Die verträumten, mitunter herrlich bearbeiteten Gesangseinlagen wecken Interesse beim Postrock-Hörer von Heute, genauso wie beim extra-vertierten Singer/Songwriter-Publikum. Der offensichtliche Bezug zur Kunst durch Album-Artwork, Videoclip-Ästhetik und der eigenwilligen, düsteren Selbstinszenierung macht FEVER RAY zu einem Geamtprodukt, welches mehr sein will, als BJÖRK-Reloaded oder ein weiteres Beispiel der aktuell angesagten Überambition in Sachen Imagepflege weiblicher Künstlerinnen. Aus dem Wollen wird ein Wird, und ohne tonale Penetranz einer der großen Lichtblicke des Frühjahrs.
(2009: Cooperative/Universal)