
Das öffentliche Jonglieren mit Normen, Werten und dem alten Spinnefeind namens Moral geht wieder in eine neue Runde. Sich vor Publikum von mies bis erschreckend bedeutungsfreier Jury bewerten zu lassen, gehört zum TV-Alltag wie auch zum guten Ton. Die Suche geht ja nie zu Ende bzw. gesucht wird immer. Ob nun ein vermeintlicher Star der Superlative, der Top-Dog oder das Nachwuchsmodell der Saison, Medaillen sind zum Verteilen da.
Während unser aller US-Darling und A-Class-Ikone Paris zu gerne mit gemein gemeinten Urkunden bedacht wird, hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, die höchste aller gesellschaftlichen Auszeichnungen zu verleihen. Nicht das dickste Steak, die schlecht gemachtesten Möpse oder der ungenierteste Umweltsünder stehen zum Abschuss bereit, es geht um den neuen besten Freund. Genau, der „best fuckin’ friend“ für die Zwecke Madame Hiltons wird auserkoren. Da lässt die Paris natürlich keine Berater oder Assistenten ans Werk, da vertraut sie sich selbst am besten, zumindest fast. Kulturkanal Nummer 1 MTV ist der gaffende Begleiter auf der spannenden Reise. Kursierten vor Drehstart der Realityshow die Gerüchte, nicht mehr als 40 Bewerbungen wären bei der zugehörigen Casting-Website eingegangen, änderte man bald die offizielle Zahl auf satte 85.000 junge Menschen, von welchen lediglich 18 die Fernsehrunde erreichten.
Paris hat selbstverständlich mehr Ansprüche an einen besten Freund als das Volk. Ob männlich oder weiblich ist im Grunde egal, ein gutes Schmuckstück und ansehnliches Mitbringsel muss die Person jedoch schon sein. Ob bei stürmendem Wind oder engstem Partygewimmel, da muss alles sitzen, verrutschen nur wenn es was bringt. Feten bis zum Anschlag ist standard, doch die Queen Paris übertrumpfen fällt natürlich raus. Jetleg darf sein, sehen sollte das jedoch niemand. Außerdem ist man als Paris’ Freund auch Geschäftspartner und Vertreter einer Weltmarke, da muss eine Spur Scharfsinn bis Abgebrühtheit schon im Inneren lodern. Das klingt alles so statisch und gefühlsarm, dass es einer Hilton gar nicht würdig sein kann. Dabei will sie doch nach all den Enttäuschungen von Ausnutzern und menschlichen Schmarotzern nur endlich festen Halt an ihrer schlecht genährten Hand spüren. Wer spielt ein Spiel und wer mit ernsten Absichten? Das ist hart, Paris. Jedoch kommt ihr bei den Entscheidungsshows die schauspielerische Erfahrung, welche man ihr generell ja absprechen möchte, sichtlich zu Gute. Sie gibt sich so nah an den aufgeregten Kandidaten, mit sichtlich Interesse, gleichzeitig thront sie distanziert über den Clan, der schließlich noch nichts geleistet hat. Sie wandelt mit Zauberstab und ihrer Gott gegebenen Coolness bzw. Distanz, ggf. auch Dummheit plus Naivität, durch die verschiedenen Szenen und beeindruckt das erste Mal für das, was sie kann: Sich selbst inszenieren.
Man will ihr wünschen, dass die mehrteilige Suche nach dem besten Freund von morgen neben dem dicken Promoeffekt auch das hält, was der Slogan verspricht: Den Freund für die Ewigkeit. Wahrscheinlichkeit der Realisierung liegt im Dunkeln oder auch Argen, dafür beschert uns Miss Hilton die Unterhaltung, die wir im Jahre 2009 einfach verdient haben.
::::::::::::::::::::::::::::::