Corvonism

Die sieben Formen des Verabschiedens. | Februar 4, 2009

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FORM 01] Der spannungsfreie Abschied.

Man läuft zusammen noch bis zur nächsten Ecke, gibt nach einer kurzen Schweigephase eine neutrale Phrase wie „Man sieht sich!“ oder „Yo, dann hau rein!“ mit auf den Weg und verschwindet schon im selben Moment auf dem kommenden Zebrastreifen und in Vergessenheit.

Ergibt: Das passendste Auseinandergehen im Falle einer Zweckfreundschaft, Arbeitsbekanntschaft oder dem eigenen Wunsch auf Unverbindlichkeit

Vergleichbar mit: Dem Rollen eines Artikels über das Aldi-Laufband.

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FORM 02] Der abrupte Abschied.

Plötzliche Umstände zwingen zur Trennung, wie das aufgeregte Telefonat des Partners, die gerade einkehrende Bahn, Anzeichen eines Durchfalls oder ein Wirbelsturm. Lässt höchstens Platz für ein abgehacktes „Öh, mach’s gut!“.

Ergibt: Meist den ungewollten Cut eines Meetings, der im Nachhinein vielleicht passender kam als im enttäuschten ersten Moment gedacht.

Vergleichbar mit: Dem rumms-bumms eingeworfenen Abspannbalken und Werbetrailer von RTL II nach der spannenden bis emotionalen Schlußszene.

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FORM 03] Der langatmige Abschied.

Eigentlich ist alles gesagt, der Schritt tendiert schon deutlich Richtung wegwärts und trotzdem wird dem Phrasenschwein nochmal ordentlich Futter gegeben. „Naja, dann sag ich mal Tschüß.“ wird zum wiederholten Mal vom etwas dümmlich wirkenden „Gut, dann…meld dich mal“ gefolgt.

Ergibt: Den zähflüssigen Wortbrei, der nach abschließenden Worten ringt und nicht weiß, ob man sich mit einem Umarmen oder hanseatischen Adioszeichen nicht endgültig befreien sollte.

Vergleichbar mit: Dem im Kreis laufenden Pony auf dem Kleinstadtrummel.

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Form 04] Der alberne Abschied.

Mit der eigenen Überforderung, die Abschlusssequenz dramafrei und eigentlich unspektakulär zu meistern, verkommt es dank dem letzten Stich bzw. der Kitzelgeschichte in die Hüftgegend, übertriebenem Schulterklopfen, doofen Grimassen oder Panneslogans wie „Tschüssikowski!“ und „See you later, Alligator“ zum Goodbye des Fremdschämens.

Ergibt: Für Außenstehende, das Pleiten, Pech und Pannen-Schauspiel, wo man noch auf ein fliegendes Furzkissen oder Huckepack 2 Go wartet.

Vergleichbar mit: Dem Witz zum Schluss, welcher nur Eingeweihten/Eingeweiden ein Lachen entlockt.

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Form 05] Der melodramatische Abschied.

Tiefe Blicke mit Tränenpotenz werden ausgetauscht, welche sich abwechselnd treffen und anschließend wieder betreten zu Boden fallen. Hände wandern schwitzig zwischen Hosentasche und Hals des Anderen. „Geh nicht!“ wird offiziell ausgesprochen oder liegt zumindest wie der große Banner über dem drohenden Auseinanderdriften.

Ergibt: Ein kleines Fest der Emotionen auf öffentlicher Showbühne, dass als Gegenargument zum stetigen Werteverfall und allgemein wachsender Distanz funktioniert.

Vergleichbar mit: Dem zweistimmigen Refrainfinale eines Pophits zum Weihnachtsgeschäft.

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Form 06] Der unechte Abschied.

Nochmal ein oberflächliches Fazit über das Treffen ziehen, viel Glück wünschen, erneut für die neue Frisur gratulieren, seichtes Bussi und geschwungenes Winken aus der rechten Hand. Ein „Das müssen wir öfters machen“ folgt dem „Ciaoi, melde mich!“.

Ergibt: Eine Trennung mit Wahrung der Etikette, doch ohne Kette der Wahrheit.

Vergleichbar mit: Einer Konversation mit Paris und Bruce Darnell gleichzeitig.

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Form 07] Der pampige Abschied.

Abschied ist ein schweres Schwert, in diesem Falle eher ein scharfer Dolch. Unabhängig von der Relevanz des Treffens oder der Bedeutung des freundschaftlichen Miteinanders wird zum Ende mit dem bösen Gesicht aufgewartet. Mit Vorwürfen, kleine verkappte Beleidigungen und dem Zurücklassen des Gefühls von Bedeutungslosigkeit wird bis zum Grand Finale gewartet.

Ergibt: Ein Ende mit Schrecken, welches dennoch vorhersehbar ist.

Vergleichbar mit: Der versteckten Stinkbombe im geworfenen Ball.

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Rätsel: Um welche Form handelt es sich auf dem oben ersichtlichen Foto?


Veröffentlicht in LE SPECIALE

2 Kommentare »

  1. määh!

    und wo ist das entnervte weggerenne nun???

    das auf dem foto da oben ist form nr. 8: das relativ vernünftige, dennoch schnell hinter sich zu bringende verabschieden mit „ciao! war nett.“, meist unernst gemeint und bei genügend reichweite vom zurückgelassenen wird dann erstmal anfangs verhalten, später intensiver über die (un)eigenarten des hinterbliebenen diskutiert.
    ps: foto sieht ein bisschen aus wie teile des kuckucks-klans.

    Kommentar von Das Wollschaf — Februar 4, 2009 @ 3:31

  2. „i lol’d“.

    sozialwissenschaftsstudium. das wäre was für dich gewesen. reicht man deinen blog nachträglich als examensarbeit ein. reichts mindestens zum doktor, ich meins ernst.
    witzige ernsthaftigkeit und ernsthaft witzig alles.

    abschied oben: eher der „fuck off“ abschied. nicht mal unter der kapuze hochschauen und meistens noch mit einem faustschlag den abschied/ das ableben besiegelt.

    wobei die körperhaltung eher auf einen anquatschversuch vom schwarzen mann schliessen lässt. owned!

    Kommentar von bollohorst — Februar 4, 2009 @ 4:59


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