LILY ALLEN: THE FEAR (2009)

Das bunte Gestrüpp der auftstrebenden Pop-Diven löst sich auch im jungfräulichen 2009 nicht auf. Ob man will oder nicht, die weibliche Garde am Mikro hat dem Konkurrenzgeschlecht den Rang in Bezug auf musikalisches Aufhorchen, Hingucken und Wundern längst abgeflitzt. Ob durch gewagt innovative Images, die gerne unbeständig sind oder soundtechnische Referenzen abseits des Mainstream, die Damen haben das Entertainen allem Anschein nach besonders in diesem Jahrzehnt direkt im Blut bzw. im Finger. Bei Lily Allen besonders im Mittelfinger, fiel sie doch in der Vergangenheit eher durch rüde Ausagen gegenüber des Indiekonsortoriums auf, außerdem mauserte sie sich mehr und mehr zum modischen Aushängeschild der InTouch-feat. MySpace-Generation samt Fuck-Attitüde.
Neues Jahr, neues Glück, aber wohl ohne die Frage, ob die 1985 in London geborene Lily nun zu- oder abgenommen hat, wie verdient der Worst-Dressed-Award des NME ist, und wie es um ihre Hautbeschaffenheit im ungeschminkten Zustand steht. Mit der angesprochenen Portion Glück und notwendigen MTVIVA-Zugkraft könnte es in diesem Jahr für Madame nämlich endlich zu dem internationalen Durchbruch kommen, den ihre eher witzboldig gemeinten Coverversionen zu Britneys „Womanizer“, „Naive“ der Kooks und „Oh My God“ der Kaiser Chiefs latent einleiteten. Überraschende Clickzahlen auf diversen Webpages sagen nicht viel aus, jetzt muss was kommen.
Und- es kommt: The Fear. Der Single-Vorbote zum Album „It’s Not Me, It’s You“, welches Anfang Februar die deutschen Plattenläden entert. Die angebliche Soundveränderung hat statt gefunden. Statt freudiger HipHop-Beats und Ska-Rhythmik setzt es hier eine fast hypnotische Traum-Line, die Lilys Zweifel und kaum versteckten Sarkasmus über das heutige Star-Dasein lyrisch passend einbindet. Ein Songverlauf so nervfrei wie möglich, 3:45 Minuten so erschreckend lieblich wie nötig. Tja, Lily, Applaus-Applaus. Und nicht für ohne Höschen sondern für mit starkem Songwriting und Kissen-nach-Mitternacht-Atmosphäre. Das ist der Radiohit, der es sich selbst verdient hat und das passende Video dazu, welches tanzende Geschenkkartons zeigt und eine wandelnde Frau Allen, die doch so gar kein Wässerchen oder Männerherzchen trüben mag. Danke, Song der Woche.
Gekonnter Textauszug: „Now everything is cool as long as I’m getting thinner.“