
Im Grunde sind wir ziemlich schlecht.
Abgesehen davon ob diese, rechnerisch betrachtet, genau drei Tage, vom empfundenen Zeitfaktor mal zu schweigen, nun den ursprünglichen religiösen Hintergrund gerecht werden oder nicht,
Weihnachten kann Krampf sein und alle machen mit. Was aber, wenn man sich diesem feierlichen Supergau bei Kerzenschein entziehen möchte?
Es feiert sich angeblich lockerer in der studentischen WG oder der abgelegenen 1-Zimmer-Wohnung.
Kurzfristig sitzen gelassene Eltern sind aber das Gegenteil von lieblich, mies gewählte Ausreden jedoch das größere Übel.
Bevor also diverse Planungen bezüglich parentalen Abseilens über die Feiertage an den Start gehen, hier einmal die Topliste an ausredetechnischen No-Go’s.
01] „Ich muss arbeiten!“
Klingt direkt, leicht Mitleid auswerfend und fast stichfest.
Aber halt: Bei Arbeitsplätzen mit genereller Betriebsruhe könnte das mehr Fragen aufwerfen als erwartet.
Bei plötzlichen Krankheitsfällen im Schichtsystem oder einem last-minute-mäßig eingetroffenen Endjahresprojekt wird der Begriff Ausrede weniger
zur Hand genommen. Blöd nur, wenn sich jemand aus dem Freundes- und Familienkreis dann verplappert oder Mutti das noch eben mit dem Chef auf eigener Faust abklären möchte.
Fazit: Fragwürdig und zeigt zu viele Löcher.
02] „Mir geht es gar nicht gut!“
Au weia, das hört sich schon tragisch an. Wird es auch, schließlich ist das der potentielle Sargnagel für angedachte Feiertage ohne kollektives Beisammenschreien.
Statt Verständnis und Mitleid für den urplötzlich aufgetauchten grippalen Infekt samt seiner Nebenwirkung, dreht Mutti ggf. den Spieß um.
Da wird der Korb voll gepackt und dem Kind die Gaben eben vor Ort gebracht. Macht sich mit dem Reichen einer Wärmflasche, der Tasse Kamillentee und Unmengen
zu lieb gemeinter Genesungsworte doch herrlich. Dann schiebt Vati die Erkrankung auf den Saustall zwischen Bad und Küche und aus den Streicheleinheiten wird die große Farce.
Fazit: Schauspielleistungen meist zu unterirdisch und sind den möglichen Umkehrschluß nicht wert.
03] „Ich habe da jemanden kennen gelernt!“
Ach ja!?
Genau, seit Urzeiten als Solo-Projekt unterwegs bzw. durch eine Beziehungskrise in die nächste, aber das heilige Fest dann unabhängig von den Erziehungsbrechtigten
und in den Händen der neuen Flamme. Da wimmelt es Fragen, die Erklärungsnot steht Schlange. Wer ist das? Ist er/sie also wichtiger? Das willst du uns antun? Hast du kein Herz?
Oh oh, wenn man elterliche Tränen auf die Dominosteine grundsätzlich auslassen möchte, wirft man dieses Alibi besser nicht in die Runde.
Problem wird nämlich, wenn darauf bestanden wird, dass das gute neue Stück nach den Feiertagen doch bitte mal vorgestellt und auf Tauglichkeit geprüft wird.
Fazit: Könnte zu emotional oder verstrickt enden.
04] „Ich nehme mich dieses Jahr zurück, feiert ihr mal ohne Kinder, ganz ohne Verpflichtungen“!
Spinnst du? Selbst wenn deine Füße längst nicht mehr unter dem Küchentisch der Eltern gondeln, hast du genau gar nicht zu bestimmen oder entscheiden, was deinen Eltern gut tut oder tun könnte.
Die Ansage wird schnell als Umleitung enttarnt, um irgendwelchen Pflichten und Ritualen zu entfliehen.
Gemeinsames Singen, zu eng gewordene Kostüme in rot/weiß und der als lähmend empfundene Kirchengang: da kannst du dich nicht raus mogeln, indem du
deinen gesetzlichen Vertretern den angeblichen Aufwand durch dein Erscheinen widersagst.
Fazit: Das riecht nach Stress und tiefgreifenden Diskussionen.
05] „The Person You Are Calling Is Not Available At Present“.
Da macht es sich aber jemand einfach, alle vorhanden Kontaktmöglichkeiten per Mobil- oder Festnetztelefon und Klingelanlage mit absoluter Ignoranz zu füttern.
Nicht erreichbar sein ist eine Lösung, aber keinesfalls Patentrezept.
Hat Mutti bis zum Baumschmücken am Heiligabend nichts vom menschlichen Ableger gehört, wird Terror auf Mobilbox, ggf. Maileingang und Anrufbeantworter gestartet,
bis schließlich bei den besten Freunden, Nachbarn und der nächstgelegenen Polizeistelle Alarm geschaltet wird.
Und dann hat man nicht nur den Salat, sondern die ganze Bagage direkt vor der Haustür und von Friede, Freude, Lebkuchen ist in den besorgten bis amtlich verärgerten Visagen kaum was zu spüren.
Fazit: Verursacht schlimmstenfalls den Rattenschwanz, den man irgendwo auch verdient hat.
PS: Frohes Fest!