OPETH / CYNIC / THE OCEAN: HAMBURG: MARKTHALLE: 12.12.2008

Hauptgang ohne Zwischenfälle.
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Eine lange Schlange sagt noch nicht viel aus, schließlich herrscht auch am 14.Februar bei den Blumenhändlern oder zur offiziellen Freigabe der Böllerware zum Jahresabsch(l)uss großes Treiben, doch nichts dahinter. Der Freitagabend hat da schon ein anderes Kaliber auf die Speisekarte gesetzt, für den es sich sichtlich zu lohnen scheint. Das „Ausverkauft“ – Schild am Eingang war mehr Beweis als Vorwurf, dass Qualität generell auch zum Durchsetzen bereit ist.
Bevor jedoch „Schweden, Schweden“ – Parolen quer durch die gut klimatisierte Markthalle geworfen werden, stehen die Herren von > The Ocean < auf der Startrampe. Endlich einmal ein Rahmen, welcher dem Musikerkollektiv ansatzweise gerecht wird. So lieblich die Atmosphäre der Undergroundgigs mit 37 zahlenden Gästen auch sein mag, es wäre unverzeihlich, ein derart gut ausgeleuchtetes Werkstück wie „Precambrian“ unter Ausschuß der potentiellen Hörerschaft laufen zu lassen. Gerade live wird noch einmal bewiesen, dass komplexe Songstrukturen und erstaunlich präzise Durchschlagskraft nicht gegeneinander spielen müssen. Tja, Stimmung lässt sich nicht kaufen. Aber servieren schon, danke > The Ocean <.
Metal mit Hirn, die Zweite: > Cynic<. Wer sich vom Bandnamen irritieren lässt und eine Portion technoiden Grind-Alarm erwartet, wird getäuscht. Nach dem Split im Jahre 1994 folgte im vergangenen Jahr die nicht erwartete Wiedervereinigung. Für viele die Möglichkeit, von der eigenwillig-einzigartigen Avantgarde-Metal-Mixtur Notiz zu nehmen. Vertrackt, voll von Breaks und Tempowechseln und über allem diese dramatische Stimmführung, die einer ganzen Straße an Effekten zu gleichen scheint. Böse Zungen würden von der intelligenteren Ausgabe von > Porcupine Tree < sprechen.
Dann wird es laut, dank Vorfreude knisternd und fast schon emotional. Nun, > Opeth < waren und werden nie die Sorte Liveband, bei denen man Bizeps, die neue Haarfärbung oder seinen ungezügelten Alltagshass präsentiert. Mikael Akerfeldt ist Kumpel, Kritikerliebling und allürenfreier Rockstar in einem. Das macht sogenannte Lieblingsbands schließlich meist aus. Doch abseits der sich stetig vermehrenden Fanmassen gibt es auch die Leute mit der Ladung negativer Aspekte. Gut, > Opeth < können zwar auf einen beeindruckenden Katalog an Klassikern der jüngeren Prog-Metal-Geschichte zurück greifen und sie wählen auch in der Hansestadt mit Bedacht, dennoch fehlt eines: der Überraschungseffekt. Gerade die Stücke der neuesten Veröffentlichung „Watershed“ zeigen, was an urplötzlichen Wendungen und Oho!-Resultaten drinne zu sein scheint, und trotzdem will erschreckenderweise das einsetzen, was insbesondere den ewigen Innovatoren > Opeth < ein Stirnrunzeln bereiten könnte: Sie sind nicht mehr zwingend. Eher schlecht versteckte Zweitverwertung, leicht uninspierierte Riffs und Melodiebögen und die ein oder andere Länge im Songwriting wird dann auch livehaftig sichtbar. Darf man das sagen? Man darf. Nein-man muss sogar. Natürlich verliert unsere Stockholmgemeinschaft nicht an musikalischer Relevanz, doch der Ruf einer unfehlbaren Siegertreppchen-Truppe, vor allem in Livebetrachtung, sollte ihnen nicht anheften. Man sieht sich ja wieder.