TIGER LOU: HAMBURG: ÜBEL & GEFÄHRLICH: 03.12.2008

Bahn frei für „Fehlerfrei“.
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Es herrscht ja die Auffassung über bestimmte Bands, welche man nur hassen oder lieben kann. Doch wir sind hier nicht bei > Metallica < oder gar > Deichkind <. Im Grunde bleibt einem nichts anderes übrig, als diese Schweden in sein Herz zu schließen. Wo man quasi bereits beim Fazit des Konzertabends im Bunker angelangt wäre: Wer dem guten Ruf der Jungs um Karl Rasmus Kellermann nicht so recht trauen wollte, wurde erbarmungslos übermannt. Wer bisher nur von „The Loyal“ angetan war, hat spätestens morgen die komplett in chronologischer Reihenfolge gespielte neue Scheibe „A Partial Print“ auf Heimrotation. Wer den Tiger bisher ganz gerne mochte, wird ihn nun innig lieben.
Es ist verzwickt und unverständlich, doch es mangelte an Fehlern, kleinen Patzern oder möglichen Längen. Da passt kein „zeigte sich stets bemüht“ oder „befriedigend“, weil es mehr als das war. Perfektionisten und Männer in absolut künstlerischer Eigenregie gibt es im Musikbereich nicht wenige, doch wer schafft es menschlich sowohl auf Platte als auch livehaftig durchweg sympathisch und weitestgehend selbstlos rüber zukommen? Billy Corgan, Mike Patton und Conor Oberst wohl nicht. Herr Kellermann hat mit seinem Projekt > Tiger Lou < nicht nur jede Menge vor, sondern hat die Taschen auch voll mit Kreativität ohne Haltbarkeitsdatum, aber mit Massentauglichkeitsstempel. Popmusik mit ordentlich Hirnmasse ausgelegt und ein neuer Beweis, wieviel innerhalb vier Minuten an Stimmungsbögen und songwriterischen Glücksgriffen gehen kann.
Wenn sich vor Ort schon so dicht gedrängt wird und die liebenden Mitmenschen nun tonale Wangenstreichler wie „So Demure“ und „Coalitions“ als ihren neuen Soundtrack zum Knuddeln entdeckt haben , ist der Begriff „Hype“ zwar da, wird aber wertungsfrei wieder verworfen, schließlich hebeln sich im > Tiger Lou <- Fall Gerechtigkeit und Berechtigung eben nicht gegenseitig aus.
Dass Hamburg fast schon heiß auf den gut gezähmten Tiger ist bzw. die Band Spielfreude plus Euphorie im Alsterwasser hatte, ist nicht zu überhören/sehen. Da ist es fast klar, dass nach den zehn Stücken der beworbenen Neuerveröffentlichung natürlich nicht Ruhe in der Truhe ist, sondern ein kleiner Zuschlag an vorigen Hits nach kommt, auch mit gesanglicher Unterstützung Frau Kellermanns, die mit ihrer Elektropopkapelle > Firefox AK < zusätzlich den Opening Act gab.
Als das Licht angeht und die Garderobenschlange sich rasch verdichtet, wird es ebenso am Merchandisestand eng. Verständlich, ist neben dem Liveerlebnis als perfektes drittes Kalendertürchen, weiterhin die im Fokus der Tour stehende „A Partial Print“ das Nikolauspräsent der Wahl. Und auch das selbst Beschenken soll ja glücklich machen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Konzert unter den Erwartungen!
Kommentar von Christoph — Dezember 4, 2008 @ 4:34