Corvonism

TIGER LOU: A PARTIAL PRINT | November 5, 2008

TIGER LOU: A PARTIAL PRINT: STARTRACKS (INDIGO): 2008

Kein Schulterklopfen nötig.

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tiger

Es gibt ja eine Menge Arten von Freundschaft. Die aus Nostalgie und Gewohnheit geführten Quartalsfreundschaften z.B., oder die eigentlichen Freizeit-Bekanntschaften, welche lediglich zum geselligen Freitag Abend bzw. nächsten Konzert der Wahl relevant sind. Nicht zu vergessen sind Nutz/Zweckbeziehungen, die den kostengünstigen Weg zur Arbeit anbieten oder das stetige Gefühl, immer einen Schritt weiter und schneller als der andere zu sein.

Fängt Freundschaft da an, wo man sich wohl fühlt, gerne hängen bleibt und das Geben-Nehmen-Konzept für beide Seite zu verantworten ist. Gut, dem zu Folge ist Karl Rasmus Kellermann tatsächlich ein Freund.

Seinen Lauf nahm das Miteinander im Jahre 2004 dank des Mixtape-Schlagers „Sell out“. So schlicht, so klein, ein Evergreen des Schwedenpop.

Das Nachfolgealbum „The Loyal“ war dann die gelungenste Freundschaftsgeste, die sich erst nach und nach in all ihrer Schönheit offenbarte. Aus dem War wird ein Ist.

Elf Hymnen, elf mal der Beweis für kompaktes Songwriting mit dem Anspruch auf Zuspruch. Rasmus sang lauter, direkter, nahm seine Kapuze endlich ab. Verstecken blieb zwecklos.

Und jetzt? Ist aus der freudigen Bekanntschaft die Freundschaft plus dem potentiellen Stempel mit ohne Verfallsdatum geworden. Das Wiedersehen ist geglückt, die Erinnerungen waren nicht gefälscht.

Doch aus dem kleinen Stein am Wegrand hat sich teilweiser ein recht massiver Brocken gebildet. Die Produktion hat an Luftigkeit eingebüßt, streckenweise bersten sich sogar Postrock-Riffs aufwärts. Detailreicher, voller und dichter ist die Tonwelt des > Tiger Lou < geworden. Aber eines kristallisiert sich wieder heraus: Stimmung kann man nicht kaufen.

Der Kellermann hat sich zurück gezogen, nicht um irgendwas unter die Meute zu werfen, sondern nicht weniger als das kreative Optimum seines Jetzt. Für alle Käufer der Premium-Edition gibt es außerdem die komplette Scheibe im elektronischen Remix auf einer Zusatzdisc. Selbst zwischen Ambientflächen und clubfähiger Beatkorsage wirken die Songs. Tanzen, aber bitte mit Seele, heißt es da. Da darf sich im Booklet gerne bei den jeweiligen Künstlern bedankt werden. Auf der Bühne will er das Album am Stück spielen, so eng gehören die frischen Werkstücke für ihn zusammen. Kreativer Kopf, Perfektionist und seit 22.Oktober wieder Begleiter so mancher Autofahrten, nächtlicher Kakaositzungen und nun auch alternativer Tanztees weltweit. Danke, sicher nicht das letzte Mal.


Veröffentlicht in ROTATION

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