Corvonism

Musik in der Notenschüssel. | Oktober 10, 2008

Wenn du sicher gehen willst, dass jemand null Ahnung von, oder Interesse an Musik hat, dann laß dir den altbekannten Slogan „Ich höre alles“ entgegen werfen. Alles was jeder kennt, aber besser nicht sollte, sprich: die alte Radiosuppe vielleicht bzw. das, was die Dorfdisse zum Freitag eben so hergibt. In dieser niedlich übersichtlichen Welt, in welcher Metallica eben Metal, Madonna Pop und Eminem Hip-Hop ist. Danach kommt nicht viel. Fuck the Querbeet!

Doch wir schreiben das Jahr 2008 und die Welt hat sich gedreht. Dank Last FM, My Space und unzähligen Möglichkeiten der Präsenz für unbekannte, neue Sounds ist das Anspruchdenken der Jugend gewachsen. Man gibt sich inzwischen nicht mehr mit den lediglich semi-präsenten MTV-Hits oder Schönheiten einer aktuellen Musikzeitschriften-Ausgabe zufrieden. In ist, wer nicht nur ein Dutzend ähnlich klingender Band-iten der Lieblingsbands kennt, gerne aus Marokko oder sonstwo im Backyard, sondern einfach den potentiell coolen Shit von übermorgen auskramt um natürlich dann cool abzuwinken, wenn schließlich auch  bei Carmen und Nadine die ach so hippe Musikneuheit angekommen ist. Musikwissen ist Prestige, genreübergreifend sowieso. All die Grenzen sind längst zerrissen, denn heute gehört es fast zum guten Ton, den Freitag mit einem blutigen Hardcore-Event im Besetzten Haus, den Samstag bei einer dieser Sehen/Sehen lassen-Indietronic-Galas und den Sonntag zum kuschligen Singer/Songwriter-Sit-in zu verleben. Wir sind ja so offen, potentiell ist alles hörbar und am Ende findet man alles gut: Welcome to the WischiWaschi-World. Denn wie oft ist anno 08 Musik nur Mittel zum oberflächlichen Zweck, wo grundsätzlich keiner eine Meinung hat, weil ja alles in den unbegrenzten Musikkosmos passen könnte. Ist das verwerflich? Macht Genrehopping-nonstop schön? Die Leiden des jungen Musikhörers. Liegt die eigentliche Musikleidenschaft am Boden? Eine Welt, wo aus gefühlten 567 Schubladen eine große gemacht wird, eigentlich ja alles Pop ist bzw. alles unter „Klanglaute zum Hören“ als größten gemeinsamen Nenner gestellt werden kann. Help! Needed?


Veröffentlicht in LE SPECIALE

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