
Jemand sagte mal, letztlich ist jeder Tag wie Halloween. Was soll man sich schon dabei denken bzw. was hat er sich eigentlich dabei gedacht? Auf die Kürbisse kann es nicht bezogen sein, schließlich ist der Umsatz dieser Sorte Obst ausschließlich Ende Oktober auf Hochtouren. Die Hexenthematik passt auch eher weniger, denn geflattert wird vielleicht in der Walpurgisnacht oder eben in jeder durchschnittlich funktionierenden Beziehung. Es geht um was anderes. „Gib Süßes-sonst Saures!“. Gut, könnte man aufkleistern. Wenn auch nur zum Schein und Befriedigung der gesellschaftlichen Etikette, Smiliies kommen grundsätzlich gut. Gut gegrinst ist halb gewonnen. Wer jedoch das Honigkuchenpferd mimt, dem wird eher belächelnd als freudig zurück gewunken. Und ganz wörtlich genommen: Wer mit Scheiße wirft, kann keinen Honig als Retoure erwarten. Zwirbeln wir das weiter auf. All die Masken, falschen Identitäten und vorgegaukelten Persönlichkeiten. Oft und gerne nur schlechte Schau. Hinter Fassaden lässt sichs gut die Augen verdrehen, auch gleich schließen oder eben abflennen. Mach ich heute den Lachsack, vermutet niemand den dahin siechenden Trauerklops. Bin ich die devote Vampirdiva, kann das unsichere Mädel vom Lande nicht ferner sein. Aber mal die Uhren zurück gedreht… Doch schon als Kind macht der seltsam bemalte Clown zwischen Pony und Hullahuppreifen mit seinen abrupten Späßen eher Angst als alles andere. Allein will man den auch nicht treffen. Aber mal ehrlich, wer ist schon durch und durch er selbst? Wie anstrengend und aufbäumend. Den ganzen Tag ohne Vorhang, ohne schlechter Beleuchtung? Man wäre von sich selbst erschlagen, vom eignen Sein genervt. Helloween, ich mag dich irgendwie (das ätzende Geklingel kann trotzdem bitte ausfallen, danke).
CASPIAN/NIHILING: HAMBURG: KNUST: 29.10.2008

Überraschungsei im Doppelpack.
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Manchmal sind die Vorraussetzungen genial, gerne aber auch mal so: Person A rät, bestimmter Band gar keine große Aufmerksamkeit zu schenken. Person B steigt in den Tenor mit ein und warnt vor Gähnalarm bei Liveerlebniss. Person C schließlich bügelt das Mitkommen gleich ab. Ergibt: Ein anscheinend kaum wertvolles Stück Musik bzw. das aufkeimende Interesse, sich von all den Vorurteilen selbst zu überzeugen.
Konzert vorbei, drei Personen ab sofort in der Erklärpflicht. Von der zu erwartenden Langeweile der fünf Herren aus Beverly, Massachusetts ist nämlich in der Stunde „Knust“ nichts zu vernehmen. Sicher, da waren sie wieder, die Songs in epischer Fassung mit den Flügel verleihenden Gitarrenwänden, jedoch plus deutlich mehr Rock als Rost unter dem schwebenden Postrockmantel. Statt nachdenkliche Mittwochsplätscherein wird mit überraschend viel Rückenwind voran gerudert. Das gefällt, Narkosefeeling und schwere Beine sind eben nie angenehm. Ganz erreichen sie nicht die ergreifende Tiefe von > This Will Destroy You < oder die raffinierte Spieldynamik der > Long Distance Calling <, trotzdem sollte die aktuelle Scheibe „The Four Trees“ fairerweise nicht im Wuselkabinett der Veröffentlichungen untergehen.
Was auffiel, waren die deutlich lichteren Reihen beim Hauptact. Schließlich spielten als Opener die Lokalmatadoren von > Nihiling < eines ihrer weiteren Hamburg-Sets. So weit, so klar-würde man denken. Doch im Zuge des sich drehenden Besetzungskarussels und der anstehenden Veröffentlichung einer Full Length-Scheibe hat sich im Hause > Nihiling < einiges getan. Die Schublade mit den postrockenden Helden von u.a. > Mono < wurde weitestgehend zugeschoben, > Oceansize< bleiben Bezug Nr. 1 und ganz aktuell scheint die Vorliebe für melancholische Dramatik ala > A Perfect Circle < eingekehrt zu sein. Klingt beim Lesen wie Rip Off, livehaftig hingegen war die stilistische Erweiterung notwendig und äußerst erfrischend. Poppiger sagen sicher manche, songorientierter darf es auch heißen. Dass bei den neuen Songs das mit vor Ort gebrachte Netzwerk der Truppe um (inoffiziellen) Bandleader Gorka Morales begeistert und applaudierfreudig agiert, ist einerseits nett und kollegial bedingt, dennoch genauso verdient, trotz kleiner technischer Intermezzi.
Fazit: Besonders in Bezug auf > Caspians < gerade nicht zu erwartende Ecken und Kanten eine runde Sache. > Nihiling <: Man sieht sich immer mehrmals im Leben.
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VS. 
Deko ist lediglich für den Staub zuständig bzw. Mittel zum überflüssigen Zweck? Meistens ist weniger mehr und selten ist zuviel auch Gutes? Schade, dabei hat die Großelterngeneration doch genau das Gegenteil versucht. Was man hatte, wurde gezeigt. Pokale, Auszeichnungen, Souveniere von weit her, kostbarer Schmuck und handgearbeitete Vasen- alles wurde offensiv ausgestellt. Augen auf, schaut her! Das Glotzen/Kleckern-Prinzip eben. Nun sind die Regale leer, bestenfalls ganze Räume. Erahne, was ich habe, oder wie?
Zwei neue Paradebeispiele für ausgeklügeltes Dekorationsbewusstsein haben sich in den norddeutschen Untiefen zusammengefunden. Zwei Objekte, die der angesagten Anti-Deko-Haltung den Marsch blasen. Wenn schon einstauben, dann mit Stolz und Würde.
Dabei sind sich diese beiden Vertreter der tierischen Dekorationskunst weder grün, noch servieren sie einen ähnlichen Darstellungsstil. Da wäre zum einen die Winkikikatz. Wahrlich goldig, das gute Stück. Und der Beweis, dass Nonstop-Winken sehr wohl möglich ist. Nennt man Heavy Rotation. Dass dieses fernöstliche Getier Mitmenschen eher Angst statt Freude bereiten soll,ist nie offiziell belegt worden. Das gute an ihr, auch wenn alle Dämme brechen, she keeps on winking.Dies tut sie am passendsten in einer nett beleuchteten Schrankwand, in Sichthöhe des PC’s oder in Richtung Straße winkend.
Weniger stetig zeigt sich die Discocat, das wilde Stück Stoff. Sie hat den Foxtrott gefrühstückt, wenn nicht sogar den ganzen Tanztiger. Dank des immer glitzernden Bodybandes ist Party angesagt, Glamour Deluxe. Wenn schon die Mieter nicht steil gehen, die Cat tut es ohne Kompromisse. Wer von den beiden jedoch im direkten Catfight den Schwanz einziehen würde bzw. die Pfote vorne hätte, ist nicht zu sagen. Krallen zeigen sie letztlich nur, wenn die Diskussion aufkommt, was nun noch an Dekorationsstücken dem Keller oder Restmüll weichen darf.
BURST: LAZARUS BIRD: RELAPSE (ROUGH TRADE): 2008
Auferweckung mit dem zweischneidigen Schwert.
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Warum zum Dreihorn muss es bitte diese überdurchschnittlichen Veröffentlichungen geben? Diese, wo genau alles stimmt, deren Klasse und bestimmter Zauber unankratzbar sind. Genau die, bei deren Durchlauf man stets aufs Neue erstaunt ist, wieviel es zu entdecken gibt, ganz ohne im komplexen Klangdschungel gefangen zu sein. Das alles war „Origo“ aus dem Jahre 2005. Dem pechschwarzen Stück Hartmetall mit der funkelnden Politur. Dem Beweis, wie schlau böse Schwingungen vertont werden können. Da stapeln sich die Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche bezüglich allem, was da nachkommt wie von allein gipfelhoch. > Burst < versprachen Veränderung, neue Wege.
Der Vogel ist inzwischen gelandet, doch wirklich angekommen ist er leider nicht. Progressiv ist das eine, Labyrinthgänge das nächste. Eines konnte man dem Vorgänger nämlich nie vorwerfen: eine zu geringe Hitdichte. Der begnadete Opener „Where The Wave Broke“,“Sever“ und der alles umwerfende Rausschmeisser „Mercy Liberation“ gingen als die standfesten Ohrwürmer durch, an denen es sich einfach zu messen gilt. Gut, das Ziel schien diesmal eine umfassendere Richtung zu sein, letztlich hat man jedoch nicht selten das Gefühl, die Herren um Linus Jägerskog würden sich verlieren bzw. in ihren eigenen Ansprüchen verfangen. Den lieb gewonnen Clean-Vocals wurde die Melancholie abgedreht, verzweifelt und seltsam gequält tönt es da inzwischen. Einige Gitarrenparts klingen wenig zwingend oder bleiben im Songverlauf im Morast stecken. Die erneut herrlich arrangierten Atmosphäre-Teppiche bügeln Stirnrunzeln oder leuchtende Fragezeichen meist schnell wieder weg, aber es bleibt trotzdem ein Gefühl zurück: Ernüchterung. Natürlich ist „Lazarus Bird“ nicht die Enttäuschung, welche man nun erahnen könnte, dafür spielen > Burst < auch in einer zu hohen Kampfklasse, aber eben der herbei gesehnte Nachfolger mit Veränderungen an den meist falschen Stellen.

Sie sind das Murmeltier der Fernsehlandschaft. Immer werktags, ohne Ende, ohne Kompromisse. Daily Soaps. Die hölzernen Studioproduktionen am Fließband, nur ohne schlecht gelaunte Kassentante. Dafür stets mit der Ladung vorgegaukelter Nähe am wahren Leben, dem Zuschauer und Puls der Zeit. Geschichten, die die Welt leider selten so schreibt. Doch am Ende zählt bei den täglich rotierenden Serien doch ein Motto: Je abwegiger, desto besser.Trotzdem bitte so vorhersehbar wie möglich. Schließlich soll man sich vor verrenkter Storyline und derbem Cliffhanger nicht seinen Kaffee über den Couchtisch schütten bzw. Kopfschmerzen vom Szenenchaos bekommen. Wer jedoch hoffentlich das beste Geld am ganzen Set einheimst, sind die Dialogschreiber. Da wird sich auf Plattitüden verlassen. schwülstiges Blabla trifft auf altbackene Drohgebärden. Im folgenden mal eine Auflistung der typischsten Soapaussagen, gerne zur eigenen Verwendung zu gebrauchen.
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/ Aber ich liebe dich doch! (gequälter Blick für gefühlte 3 Minuten Sendezeit)
/ Das wirst du mir büßen! (rachsüchtig die Mundwinkel nach unten plus scharfkantiger Augenpartie)
/ Ist noch Kaffee da? (freudiges Gewusel in der Wohngemeinschaft am Morgen)
/ Ich muss zu ihm!…Kann ich bitte einen Arzt sprechen? (verzeifeltes Flehen gen halbseriösen Seriendoktor)
/ Ich hätte da schon eine Idee… (spitzbübischer Blick neben die Kamera, Szenenwechsel)
/ Darauf müssen wir anstoßen! (das Fernsehen suggeriert zu gerne, jeder alltägliche Mist wäre trinkwürdig)
/ Ich werde dich nie vergessen. (der potentielle letzte Satz als Soapheld)
/ Ich muss mit dir reden. (man hofft, der Fremdgeh-Angle wird endlich aufgelöst > Fehlanzeige)
/ Du liebst mich nicht mehr. (dramatisch aber spätestens nach dem Satz ist es auch Realität, das Dummchen)
/ Ich habe mit ihm geschlafen. (sie heult, die Freundin tröstet, der Typ freut sich auf das nächste Mal)
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J. aus B.

01] Hat der Wecker schon geklingelt?
…nee, solange ich nicht irgendwohin muss, klingelt nur meine innere Uhr! Und zwar 11:09 Uhr!
02] Im Museum für posttraumatische Unterwasserkunst
…kann man gut Panflöte spielen, auch wenn die hackendicht klingen!
03] Berlin Falling
…sagte Nostradamus im Jahre 1526.
04] Dafür bist du unbezahlbar
…für den Quatsch, den ich hier grad zusammentippe.
05] La Isla Wodka
…Gin Tonic, Mann!
06] Tod der menschlichen Aufmerksamkeit
…ist der Tod. Oder Fußball.
07] Nagelstudios
…werden manche Leute in ihrem Leben niemals betreten müssen!
08] Tür auf, Schuhe aus
…Computer an, Musik an, Myspace/Last.fm/Word/ICQ an! Und dann erstmal ins Bett.
09] Balcony Hate Affairs
…was? HÄ?
10] Gib mir Straßenattitüde
…Drama! *schnarch*
11] Pfui, überall kalte Körper
…A cold dead body. How sweet
12] Twelve Monkeys
…hab ich nie gesehen! Zieh dir lieber mal Hallam Foe rein!
13] Ende gut, alles
…fragt sich wahrscheinlich, warum’s das jetzt schon war.
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Kostenfrei ist nicht gleich billig. Kinderbuch ist nicht gleich Kinderbuch. Und Monster sind nicht generell böse.

Beweise dafür liefern Linus Neumann und Roland Brückner zweimonatlich mit einer frischen Ausgabe ihres kleinformatigen Mumpelmonster-Kinderbuchs. „Seid lieb! (…nicht brav…)“ ist da der offizielle Slogan. Klingt liebenswert, ist es auch. Da fallen alle potentiellen Vorurteile raus, denn die Geschichten rund um die kecke Feuerlilli und das knuddelwürdige Mumpelmonster sind tatsächlich ohne Altersgrenzen genießbar. Schmunzelswert fantasievolle Erlebnisse, die unsere beiden Helden da durchleben. Von der Suche nach einem geeigneten Haustier, dem Fund eines wundersamen Dings, dem herrlichen Kinderzimmerstreit oder den Abenteuern unter Wasser- allesamt witzig und gekonnt eigenwillig, dennoch lehrreich, ohne den bösen Zeigefinger zu erheben.
Für alle Berliner ist das Ergattern des Stück Kulturguts ein Leichtes, liegt die aktuelle Ausgabe stets in diversen Kinderboutiquen oder Spielwarengeschäften der Landeshauptstadt aus. Für alle anderen wäre ein Abo Mittel der Wahl. Für jeden, der also ab sofort mitreden und mitfühlen möchte, unter: www.mumpelmonster.de einklicken und sich den Spaß direkt nach Hause holen. Let’s mumpel, bitte weitersagen!

Es ist Freitag. Frau Müller läuft eine letzte Abendrunde mit ihrem Collie durch das Wohngebiet. Beim schicken Einfamilienhaus „Marke: Modern“ der Schneiders bleibt sie stehen. Die ganze Einfahrt ist dicht geparkt mit Kleinwagen, aus der Wohnstube lärmt eine Krawallmischung aus gut gelaunten Menschenmassen, Partymusik und undefinierbarem Krach. Letzteres setzt sich aus fallenden Gläsern, stürzenden Mädels und den Resultaten aus sinkenden Hemmungen zusammen. Die Eltern sind in der Ferne, eine Hausparty ist angesetzt.
Frau Müller zieht ihren wuschligen Anhang flott weiter. Wer weiß schon, was vielleicht noch geschehen könnte. Hinter den Vorhängen steht nicht nur unheimlich viel Nebel (Ohne Dampf keine Leistung), dank Zigaretten mit oder ohne Kräuterzusatz aus den Niederlanden, sondern auch eine gute Ladung Hochprozentiges im Raum. Marina knutscht mit Peter, schließlich hat Steve sich eben in der Garage mit dem so called „Dorfmoped“ Ina näher befasst. Kevin sitzt stinkig vor dem Fernseher, seine Eltern haben bereits 4 mal auf seinem Handy angeklingelt. In der Küche brutzelt auf Herdplatte Eins Wasser für die Bockwürste, die Jungs haben schließlich nicht nur Durst. Auf der Platte nebenan wird eine seltsame Bowle gemixt, dessen Inhalt nur die generell seltsame Yvette kennt. Man sieht Max grinsend mit einem Trichter durch den Flur rennen, mit Hose unten wohlgemerkt. Tina rennt auch, jedoch heulend über den Hof, ihre Jacke wurde angegokelt. Ohne Vorankündigung bei der örtlichen Feuerwehr flackert im Garten nämlich ein kleines Feuer, die Mädels lieben das. Spätestens wenn Thomas seine Akkustikgitarre zückt um irgendwas zwischen „Under The Bridge“ und „Knocking On Heavens Door“ mit sentimentalem Blick zu klimpern, kehrt die Atmo zwischen Möhrenbeet und Wäscheleine knopfdruckartig ein. Nur Max zerschnippelt diese dank einem gut inszeniertem Sprung ins Feuer. Das Telefon klingelt Sturm, die Meiers sind schon auf 180. Tja, Sturmfrei hat eben noch nie allen gut getan.
ALASKA IN WINTER: HAMBURG: ASTRASTUBE: 30.09.2008

Hochklassige Mehrfachbesetzung mit Hut.
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Im Grunde sind Überraschungen schrecklich. Gerade liebgemeint können sie ordenlich in die Hose laufen oder eben mit absoluter Überforderung einher gehen.
Es gibt jedoch auch Ausnahmen, ganz ohne empor springende Dame aus der rosa Torte oder dem quietschenden Furzkissen auf dem Stuhl am Essenstisch.
Schmunzeln ist nicht die passendste Nebenerscheinung eines Livekonzerts, es sei denn die Truppe vor einem ist mehr oder weniger mutwillig außer Rand und Band, dass es fast peinlich berührend wird. Aber der junge Brandon Bethancourt gehört gar nicht in diese Sparte. Er weiß genau was er tut und tut letztlich genau das, was man so gar nicht erwarten konnte. Es gibt kein Instrument, abgesehen vom Laptop, welcher per Knopfdruck brav die Klanggerüste des Debüts „Dance Party In The Balkans“ abspielt. Dazu presst sich der sympathische Herr an das Mikro und lässt seine traurigen Verse amtlich durch den Verzerrer tanzen. Soweit, so öde. Doch damit käme man nicht weit. Was tun? Sich kleidungstechnisch den Stimmungen der Songs anpassen und mit einer herrlich inszenierten Selbstdarstellungsvideoshow die Leinwand zum Ort des Geschehens machen. Verflogen sind die melancholischen Bilder der liebevollen Electropop-Kleinode, als die kaum ernst zu nehmenden Schauspielerein seiner imaginären Band zwischen cool, devot und schick-feminin pendeln. Herrlich grinsig das, als zum Ende neue Tracks mit amtlichem Beat und Handclaps jeden Gedanken an verlorene Waldhütten verdrängen. Heute vor 30 Leuten, morgen im Melt!-Nachmittagsprogramm-ich schwöre.
01] Rohes Fleisch macht mager.
02] Nicht an den Fensterrahmen knabbern.
03] Kleiderschränke zum nach innen öffnen bleiben Ladenhüter.
04] Umzüge sind nur vorrübergehend.
05] Internationale Finanzkrisen sind schuld am eigenen Dispo-Disput.
06] Filzstifte verursachen keinen Krebs.

Wenn du sicher gehen willst, dass jemand null Ahnung von, oder Interesse an Musik hat, dann laß dir den altbekannten Slogan „Ich höre alles“ entgegen werfen. Alles was jeder kennt, aber besser nicht sollte, sprich: die alte Radiosuppe vielleicht bzw. das, was die Dorfdisse zum Freitag eben so hergibt. In dieser niedlich übersichtlichen Welt, in welcher Metallica eben Metal, Madonna Pop und Eminem Hip-Hop ist. Danach kommt nicht viel. Fuck the Querbeet!
Doch wir schreiben das Jahr 2008 und die Welt hat sich gedreht. Dank Last FM, My Space und unzähligen Möglichkeiten der Präsenz für unbekannte, neue Sounds ist das Anspruchdenken der Jugend gewachsen. Man gibt sich inzwischen nicht mehr mit den lediglich semi-präsenten MTV-Hits oder Schönheiten einer aktuellen Musikzeitschriften-Ausgabe zufrieden. In ist, wer nicht nur ein Dutzend ähnlich klingender Band-iten der Lieblingsbands kennt, gerne aus Marokko oder sonstwo im Backyard, sondern einfach den potentiell coolen Shit von übermorgen auskramt um natürlich dann cool abzuwinken, wenn schließlich auch bei Carmen und Nadine die ach so hippe Musikneuheit angekommen ist. Musikwissen ist Prestige, genreübergreifend sowieso. All die Grenzen sind längst zerrissen, denn heute gehört es fast zum guten Ton, den Freitag mit einem blutigen Hardcore-Event im Besetzten Haus, den Samstag bei einer dieser Sehen/Sehen lassen-Indietronic-Galas und den Sonntag zum kuschligen Singer/Songwriter-Sit-in zu verleben. Wir sind ja so offen, potentiell ist alles hörbar und am Ende findet man alles gut: Welcome to the WischiWaschi-World. Denn wie oft ist anno 08 Musik nur Mittel zum oberflächlichen Zweck, wo grundsätzlich keiner eine Meinung hat, weil ja alles in den unbegrenzten Musikkosmos passen könnte. Ist das verwerflich? Macht Genrehopping-nonstop schön? Die Leiden des jungen Musikhörers. Liegt die eigentliche Musikleidenschaft am Boden? Eine Welt, wo aus gefühlten 567 Schubladen eine große gemacht wird, eigentlich ja alles Pop ist bzw. alles unter „Klanglaute zum Hören“ als größten gemeinsamen Nenner gestellt werden kann. Help! Needed?
O. aus E.

01] Einmal Starthilfe für alle…
sagte der ADAC, als die Welt dem sicheren Ende entgegenschritt.
02] Hide and seek in Blackwater Park…
- machen Opeth jetzt Slasherfilme?
03] Heute im Angebot: Zielwasser…
MIT Alkohol.
04] Willkommen zum Schlachtfest…
der Kaninchen. Meine fünf ersten Kindheitstraumata.
05] Pumpernickel…
ersetzt Buttertoast erstklassig.
06] Zwei Saiten, keine Meinung…
die Akustikgitarre des Sigur Rós Sängers Jónsi Birgissón auf dem Opener des aktuellen Albums.
07] Du lachst für zwei…
Traurige.
08] Das Leben als Schmelztiegel…
ist auch nicht mehr so, wie es war, als ein Brötchen noch einen halben Groschen gekostet hat.
09] Smokers outside the carnage-store…
have no other choice.
10] Teaparty…
im Wunderland (auf LSD).
11] Du musst doch offline sein!…
Ich stehe hinter deiner Tür und höre dich eine Seite umblättern.
12] Das Architektenproblem. Erstes Kapitel:…
Wie umgehe ich ein Plagiat?
13] Zahnfleischbluten zum Abschied…
mit dazugehörigem Epilog Dentophobie.
OUR BROKEN GARDEN: WHEN YOUR BLACKENING SHOWS: COOPERATIV (UNIVERSAL): 2008
Kronen im vergessenen Garten.
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Manchmal muss es gar nicht der große, alles übertösende Sturm sein oder die böse unerwartete Kehrtwende, dass man die Ohren hasenartig aufrichtet. Gerne ist es auch diese Waagschale des Wohlbefindens, in welche man urplötzlich geworfen wird.
Die Hilfsmittel dafür sind im Falle von „When your blackening shows“ effektiv gewählt, schließlich eignen sich Piano, Mellotron, Orgel und Gitarre vorzüglich zur Erschaffung einer ruhigen, gemächlichen Stimmung.
Dazu gesellt sich die intime und seltsam irreale Organführung Anna Brondsteds, bisher als Mitglied des dänischen > Efterklang< -Kollektivs bekannt.
Man sieht förmlich die unberührten Felder und lieblichen kleinen Wege zu der alten Dorfschule vor sich, in welcher dieses Debüt laut Aussage geschrieben wurde.
In > Our Broken Garden < klopft niemand aufeinmal gegen die Tür oder lässt den Besteckkasten zu Boden fallen.
Alles wirkt wie aus einem Guss. Abwechslung ist dabei nicht der wichtige Gradmesser, wobei Ausreißer auch gar nicht wünschenswert sind, so mitten im Schwebezustand eines herrlich vertonten Traumes. Zerbrechlich, seltsam distanziert und im Gesamtbild doch so flauschig schön wie ein saftig grünes Moosbeet.