Corvonism

DREDG: HAMBURG: MARKTHALLE: 02.09.2008 | September 3, 2008

Vorwiegend heiter.

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DREDG / LONG DISTANCE CALLING: HAMBURG: MARKTHALLE: 02.09.2008

Es steht ein Konzert an, und zwar eines von einer dieser sogenannten Lieblingsbands. Erkennbar schon daran, dass vor den Toren der Markthalle Fachgespräche zu vernehmen sind, die eindringlich die potentielle Setlist behandeln, genauso wie Gerüchte über neues Material und allgemein die freudige Aufregung, dass es heute so weit ist.

Weiße Schilder zeigen ein „Ausverkauft“, die ersten Luft schnappenden Besucher schon Schweiß auf der Stirn.

„Long Distance Calling“ zelebrieren in ihrer Vorbandfunktion die packende Fassung Postrock, welche das klasse Debüt „Satellite Bay“ bereits verspricht. Vorhersehbare Laut/Leise- Wellen sind hier Fehlanzeige, bei dem sympathischen Münster- Dortmund -Mannheim- Kollektiv regieren komplexe Soundwände ganz ohne zähfließenden Verkehr. Da ist mehr als nur Höflichkeitsapplaus verdient, jeder neu gewonnene Fan sowieso.

Gegen 22 Uhr wird es recht eng, gut klimatisiert und endlich dunkel:

„Yeah yeah, Hamburg“ genügt erst mal als bodenständige Begrüßung.

Was folgt, ist eine Lehrstunde für progressive Rockmusik, dennoch nicht ganz ohne Schattenspiele.

Die Songauswahl ist natürlich schlau, aber statt all der offensichtlichen Hits mit noch immer gültigem Haltbarkeitsdatum, hätte man die existierenden Pole des > Dredg <-Kosmos gerne auch offensiver ausgelotet gesehen. Die gut gestimmte Meute zeigt sich durchweg begeistert, ob bei atmosphärischen Evergreens der Sorte „Same Ol’ Road“ und vor allem „Bug Eyes“, oder auch den vier neuen Songs.

Die Marschrichtung der folgenden Platte wird hier deutlich aufgezeigt. Dem Ritter Sport- Motto soll anno 2009 noch stärker gefrönt werden: Quadratisch, praktisch, gut. Aber leider auch mit zuviel Ballaststoffen, denn irgendwann ist der Pathosgipfel erreicht, die plakative Schlichtheit des Popgedanken überstrapaziert.

Sorry > Dredg<, auch euer so oft betitelter Artrock kann mal aus der Art schlagen.

Die leichte Ernüchterung ob der fragwürdigen Aussichten läßt die Begeisterung über die ausgefuchsten Effektspielerein im Hier und Jetzt nicht aus. Überraschende Einwürfe und dubiose Wendungen im Programming werfen die Portion Unberechenbarkeit in die Runde, die weiter zu erhoffen war.

Wie jedes Konzert endet auch dieses mit dem Passieren des Eingangs und damit des „Ausverkauft“- Schildes. Man drängt sich an den Fanscharen vorbei und betet geradezu innerlich nur eines: Bitte lasst niemals das T am Wortende aus. Danke im voraus.


Veröffentlicht in THE STAGE OF NO RETURN

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