Corvonism

Die Kunst des Durchmachens. | August 20, 2008

Durchmachen.

Ach ja, das kann also jeder? Letztlich ja…ABER!

Es gibt hier ja nicht DAS Durchmachen, da wären natürlich einige Abstufungen zu beachten.

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Zum einen die ödeste Version, das sich selbst aufgezwungene Durchmachen.]
Tina trifft Carmen und als sie merken, dass gar nichts geht, fällt eben die jugendhafte Idee des Schlafauslassens in den leeren Raum.
Carmen tippt ab 1 Uhr leicht, ab 2 Uhr schon energischer, die Ideengeberin Tina in die Seite. “ Aber wir hatten es uns doch versprochen“.
Hilft nichts, das Vorhaben kippt eh. Zwänge tun weh, und so lungern die Mädels ab 4 Uhr halbkomatös zwischen Fernbedienung, einer alten Frauenzeitschrift und der leeren Celebrations-Dose. Und am nächsten Tag schauen sich die Freundinnen wissend an, dass es mehr Qual als erste Wahl war. Zwei Stunden später liegen sie mit Sonnenbrille und Tankini auf der Terasse und erzählen per Mobilphone der guten Kerstin, wie geil die Durchmachaktion war,und was sie alles verpasste.

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Dann die einfach praktische Lösung und das notwendige Bindeglied.]
Es ist Silvester, Pascal hat Spätdienst, am Folgetag Frühdienst. Peter schmeisst die Fete der Feten. Was tun?
Naja gut, ein paar Vorkehrungen treffen.
2 Stunden vorschlafen, Red Bull ins Handgepäck, Kopfschmerztabletten ebenso.
Wenn gegen halb 6 die feierwütige Meute dann langsam an Feuer verliert, geht Pascal fluchs unter die Dusche und gleich ab zum Neujahrsdienst.
So bekannt, wie uncool. Wer damit irgendwo punktet, ist lasch gewickelt.

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Und dann die erstrebenswerteste Fassung des Durchmachens: Schlafausfall als Selbstüberraschung.]
Clara liegt mit Tom im abgelegenen Stadtpark. Sie erzählt von Glühwürmchen, er erzählt was vom Pferd.
Dann sind sie nackt und der Himmel plötzlich blau. Und die beiden den Hormonen sei dank noch fit (wie Tennisssocken?) und abenteuerlustig.
Brunchen am Eck, Fummeln am Hafen, Verabschieden am übernächsten Morgen an der U-Bahn.
Schön, Schlafentzug ohne rot zu werden, höchstens schwanger.

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Gut, reichen wir die undankbarste Art des Durchmachens noch nach: Durchmachen als Folter und Arbeitsknechterei.]

Der imposante Hr. A faltet den gehorsamen Hr. V per Telefon gen Scherenschnitt.
“ Nun kommen sie mal aus der Hüfte, Kollege. Beweisen sie sich, das Projekt hat Priorität, jeder ist ersetzbar.“
Hr. V’ s Nacht besteht aus Schweissperlen, wildem Getippe und einer röhrenden Kaffemaschine. Schlafen dürfen die anderen.

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Fazit? Ist nicht. Nur immer bedenken, die Zellregeneration geht eher schleppend zwischen ausgedehntem Waldbang, Laptopmissbrauch oder Kliniksaufen von statten.
Keine Angst, verboten ist das alles natürlich trotzdem nicht.
Make it through the night, but remember: still more sleep than fight.


Veröffentlicht in LE SPECIALE

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