Corvonism

Sommerpause.

Dort, genau hinter dem Sandberg, hat sich dieses bereits angesprochene Sommerloch wohl ausgebreitet. Wohin es das lässig latschende Pärchen treibt, liegt dennoch im Dunkeln.

So lange Corvonism den raffinierten Forschungen nachgeht, wird hier Veröffentlichungspause gefeiert. Statt Höhlenlampe und Lupe also bitte dem Hochsommerwahn fröhnen. Ordentlich überschwenglich, aber doch so, dass man sich bald wieder in alter Manier und Beschaffenheit an bekannter Stelle einfindet.

Corvonise to realize, the summer is just a fake inside.

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Fall 16.

K. aus H.

01] Als erstes war

… das Wort.

02] Du, Feind aller Musikinteressierten

… hast recht!

03] Die Quadratwurzel ziehen

… ist unnötig.

04] Ratschläge tun weh

… machen dann aber umso mehr Spaß.

05] Kühl und blond

… ist Scarlett Johansson.

06] Das Leben als Diven-Wettbewerb

… führe ich Tag für Tag.

07] Heute fahre ich schwarz

…das darfst du XXX aber nicht sagen.

08] The circle of

… Fear.

09] Wochenendeinkauf

… nächstes Mal keine Kondome.

10] Pressure Pressure / Pleasure Pleasure

… der Reim is leesure.

11] 3 Jahre wach

… Guantanamo.

12] Im Osten geht die Sonne auf

… Träum weiter!

13] Die letzte Bahn

… hast du schon vor Jahren verpasst.

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MELT! / 18.-20.JULI 2008

Melt!ing away to stay.

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MELT! / 18.-20.JULI 2008 / FERROPOLIS

Knapp zusammengefasst bestehen Festivalbesuche doch überwiegend aus dummen Rumstehen, noch dummeren Rumgucken und erschreckend viel Wartezeit. Soweit, so klar. Jeder Debütant des Gräfenhainicher 3-Tage-Events wird sich jedoch noch mehr erschrecken, wieviel mehr man davon drauf packen kann.

3 Tage wach, 3 Tage mehr oder weniger Krach, 3 Tage Lach- und Sachgeschichten, ohne zeitliches Limit und ohne Securities die ab 2Uhr nachts die international angereiste Meute hinter rot-weissen Absperrbändern gen Campingareal drängen. Toll, aber gefährlich.

Es passte ja alles zuammen. Der Freitag musste wettertechnisch wohl der fulminante Start in das livehaftige Abenteuer werden. Nach dem Motto: Wenn schon outdoor, dann richtig. Bester Freund des Juliwochenendes, neben dicken Beats und pumpenden Bassläufen, sollte nämlich Regenjacke bzw. Schirm sein. Am Hauptanreisetag war logischerweise am Ticketzelt die Hölle los. Tropfend und vom stürmischen Nass angepeitscht, schallten lauthals „Die Mauer muss weg“-Choräle vom dicht gedrängten Wartemob. > Kate Nash < liebsäuselte sich währenddessen auf der Mainstage geahnt unspektakulär durch das Popset, um im Anschluss von > dEUS < und den > Editors < erstaunlich packend und rund abgelöst zu werden.

Die Frage, ob > Dune < grundsätzlich der Mini-Playback-Show Tribut zollen, > Klee < 2008 endgültig Richtung > Ich & Ich < -Status fliegen, und wie > Zoot Woman > es schaffen, mit „Automatic“ eine Nummer ohne jeglichen Kratzer oder Staub im Gepäck zu haben, rattern durch das Festivalhirn Tag Eins. Dazwischen die allerorts hoch gejubelte Lichterschau zwischen Bagger und Matschstraße. Spätestens beim Sonnenaufgang am Samstagmorgen, lange nach > Goldie, kamen die großen Gefühle von Love, Unity und endloser Glückseligkeit. Auch gegen 8 Uhr lässt sich strahlend dem neuen Tag entgegen dancen, das Zelt kann warten.

Schieb es raus, weit raus. Unabhängig von der Running Order wurde der Gang Richtung Braunkohlegelände nach dem Erwachen weitestgehend gedrückt, schließlich sollte der schwitzigen Miefklimatik im Iglu anscheinend ein erneutes Wetterspektakel folgen. Am Himmel wurde zusammen gebraut, was das Zeug hält. Halt deine Liebste fest oder setz sie ins Auto, hieß es da.

Dann aber setzte es das große Livespektakulum. > The Notwist < beklimperten gediegen die Haupbühne, gefolgt von den > Stereo Mc’s < mit fast nostalgischem Anstrich. > Franz Ferdinand < brachten die Indiehits von gestern gekonnt unter die Menge und > Roisin Murphy < war glaubwüdiger Blickfang und Tanzleiterin in einem. Nebenher lärmten da > Operator Please < mit überraschender Dramatik die überdachte Geministage, > Jape < überzeigten kompakt und griffig, und Quentin Dupieuxs Ein-Mann-Projekt > Mr. Oizo < kochte die Gesellschaft ordentlich heiß. Über die Relevanz der Live-Kooperation von > Uffie & Feadz < mit den Discohelden der frühen Neunziger von > Technotronic < lässt sich streiten, da fehlte der nötige Funke, für den vielleicht > 2 Unlimited < besser gesorgt hätten.

Abschied nehmen ist schwer aber ein Fest, solange man ihn feiert wie ein Kaiser. Da braucht man natürlich kaum die überbewerten > Get Well Soon >.
Gerne aber die mathematisch agierenden Elekroinstrumentalisten von > Battles < oder die Szene-Gurus von > Hot Chip < („Ready for the floor“ ist und bleibt böser Ohrenkriecher).

Das Finale muss niemals eine durchgehende Umarmung sein, dafür ziert sich > Björk < auch zu pfiffig. Nie wird sich jeder auf Islands ewigen Nummer-1-Export einigen können, dafür ist sie zu sehr Künstlerin. Und so zog sie die versammelte Stylomaten-Community mit reichlich Aufbau zum gefühlstechnischen Höhepunkt. Der Mantel mit dem Weltmusik- und Experimentalpop wurde erst bei den rhythmusoreintierten Hits „Army of me“ und „Triumph of the heart“ abgestülpt, es durfte endlich getanzt werden. Das war Blockbusterkino für die Ohren, ohne schlechte Hauptbesetzung. Sie tanzte mit ihrem dubiosen Bläserensemble und jetzt machten alle mit. Die abschließende Ekstase, sozusagen. Und spätestens nach dem epochalen Donnerwetter „Declare Dependence“, inklusive einer ungeahnten Wut und Kampfeslust, war der langsam abtrabenden Festivalmeute bewusst, die fast letzten Zuckungen der lieblichen Schlampe unter den Festivals erlebt zu haben.

Noch einmal umdrehen und auf 09 freuen, so konsequent sollte man sein. Dann aber auch wieder ohne leuchtrosa Shirt und Schminkpalette in der Visage.


Human Under Pressure – Festival > TÄGLICH LIVE!

Man spricht nicht darüber.
Man weiß es selbst gar nicht.
Man will es nicht wahr haben.

Wir sind alles nur Gefangene unserer eigens gezüchteten Zwänge.
Ja, diese alltäglich einkehrenden kleinen Reisebegleiter, welche sich mal weniger, mal etwas schwerer auf die Schultern setzen und unbemerkt das Handeln leiten und neu weisen.
Sind wir alle krank, fremd gesteuert oder lediglich die Marionetten der psychotisch überlagerten Medienwelt?
Das alles und noch viel mehr? Wir greifen einmal in die kleine Forschungskiste des eigenen Handelns und Denkens, ganz ohne unbequemes Sofa oder tief blickender Akademikervisage.

Frage 01_
Du hast die letzten drei Tage die selbe Jeans und selbes Shirt an und diese Tage verliefen erschreckend positiv stimmend und erfolgreich. Machst du dir am Morgen des vierten Tages Gedanken, ob bei einem Wechsel der Kleidung die Glückssträhne möglicherweise abreisst?

Frage 02_
Du hast dir soeben die Hände gesäubert. Ein Freund erzählt dir von Gartenarbeiten auf dem Kompost bis Zeckenalarm im nächst gelegenen Wald. Denkst du an ein rasches Waschen der Hände bzw. fühlst dich beschmutzt?

Frage 03_
Es ist Nacht und du liegst schlafbereit im Bett. Eine kleine Lampe des Receivers leuchtet in deine Richtung. Fühlst du dich angestrahlt oder hängst die Leuchte ab?

Frage 04_
Denkst du beim Benutzen der Herdplatte schon daran, nachher zu kontrolieren, ob du sie tatsächlich wieder ausgeschaltet hast?

Frage 05_
Du läufst an einem Schwarzen Brett vorbei. Alle angepinnten Blätter sind gerade aufgehangen, nur eines hängt schief. Bist du gewillt, dieses eine auch gerade zu rücken?

Frage 06_
Dein bester Freund sagt dir zum Abschied stets „Und fahr ja vorsichtig!“. An einem Tag verlässt er euer Treffen ohne den Satz. Schlechtes Omen?

Frage 07_
Du fährst eine bekannte Strecke durch die Stadt. Machst du dir Gedanken, dass bei einer gleich folgenden roten Ampel das Pech auf deiner Seite ist und bei Grün alles gut wird?

Frage 08_
Du kaufst seit Jahr und Tag eine Marke Deo. Als du eines Tages gen Drogerie hetzt, ist die Sorte aus. Ein Zeichen?

Frage 09_
Sind dir Leute sympathisch, welche auf Reisen jedes Kleidungsstück in eine Extratüte packen bzw.vor dem Verlassen ihres Zeltes beim Camping alle Utensilien diagonal anreihen?

Frage 10_
Glaubst du, vor einer Prüfung oder wichtigen Termin tatsächlich immer eine Doppelzigarillo, einen Apfel oder 27 Klimmzüge zu einer erfolgreichen Absolvierung hinter dich bringen zu müssen?

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Hast du mehr als 5 Fragen mit einem erst zögernden aber dann doch sicheren <JA> beantwortet, bist du ein gutes Spiegelbild der gebeutelten Gesellschaft. Nicht ärgern oder verdrängen, aber auch nicht wundern. Heute geht es nur die Kontrolle des wirklich raus gezogenen Toastersteckes, morgen die Angst vor der Sinnflut weil es zum vierten Mal in Folge während „Unter Uns“ regnet. Keep your mind open, not over.


Fall 15.

M. aus L.

01] Hallo, wer kennt hier eigentlich wen?…
Keiner? Gut!

02] Ein Beispiel für Verweichlichung der Zunft…
ist nur das abtun von Tatsachen.

03] Times Square Alliance…
Football League.

04]
Eine Frau muss tun…
was ein Mann tun muss.

05] Hidden at the Hiddensee…
Taken at the Tokenplace.

06] Das Gegenteilung von Stimmung…
ist die Zusammenfuegung fuer Lautung

07]Lava Schalom…in Vino vertias.

08] Die Kunst glücklich zu sein, ohne es zu merken…
ist die Kunst, es zu geniessen ohne es zu bereuen.

09] Shake Milk Shake…
it, like a Polaroid Picture.

10] Life? A Dramedy…
Comedy.

11] Wir müssen reden…
aber nicht jetzt und nicht hier!

12] Marokko in ocker…
is doch eine Farbe, oder?

13]
Eine finale Runde Koma-Saufen für alle…
ich fang an! Wer bezahlt????

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ANTI-FE!

Die prägnantesten Gründe auf Festivals zu scheissen >

01] die Besucher sind prinzipiell schon mal das Gegenteil von Musikinteressenten.

02] das Wetter ist grundsätzlich völlig daneben, irgendwo zwischen Regentanz-Atmo und Red-Nose-Day.

03] die Performances sind selten bahnbrechend, nur will das zwischen hibbeligem Klatsch-Alarm dank dämlichen Massen-Animationsprogramm niemand wahr haben.

04] alle stinken und sehen verdorben aus und finden das gut, schließlich ist ja alles Rock’n Roll.

05] man wird innerhalb eines Wochenendes dermaßen viel Geld los, dass man auch gediegene Jetski-Sessions in Antalya im Last-Minute-Angebot hätte starten können.

06] im Nachhinein kränkelt die Überzahl der heimgekehrten Meute doof rum und Schulleiter bzw. Arbeitgeber sollen Verständnis zeigen.

07] Alkohol macht kommunikativer, doch nicht schlauer, viele vergessen das.

08] die Magenschleimhaut will den doppelt aufgekochten Fertigramsch aus dem Nachbarzelt nachts um 4 Uhr nicht sehen.

09] ätzende Euphorie am Festivalstart bei Zeltaufbau und erster Geländekontrolle.

10] Planungen, Vorbereitungen, Klassenfahrtsstimmung.

11] Kacke, Pisse, Kotze, Wichse.

12] dem hippiesken All-Together-Segen. Von Fummeln bis Lecken everywhere.

13] zu wenig Freikarten.


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Mantel des Schweigens.

Sie war kein Freund von U-Bahn-Schächten, gerade nicht gegen Mitternacht und vor allem nicht allein. Aber was sollte sie machen. Ihre alteingesessene Regenparanoia war stärker. Gerade in letzter Zeit, es war schließlich November, konnte sie diese immer stärker entwickelte Angst kaum vor ihrem Umfeld verstecken. Dass ursprünglich dieser Hauptschüler Philipp schuld an dieser wachsenden Misere ist, wusste natürlich niemand. Jedenfalls rannte sie Richtung U-Bahn-Schild, mit ordentlich Tempo auf den abgetretenen Sportschuhen. In der Hand hielt sie eines dieser völlig fettigen Salamibrötchen vom Bäcker. Sie ließ es fallen. Dabei war es das erste, was ihr Magen nach dem leicht welken Salatmix am Vormittag sehen durfte. Sie war auch nicht dieser Umdreh-Typ, außerdem war da ja der Regen. Sie riss die Kopfhörer aus den Ohren. Sie pendelten von links nach rechts, ganz leise konnte man „Monster Hospital“ von Metric vernehmen. Der Song passte wie ein frisch vermessener Anzug, spätestens beim Anblick des abgehetzt erreichten Untergrundganges.

Dass es ein Samstagabend sein muss, war unübersehbar. Diese verrückten Scherbenläufer hätten zumindest ihren Spass gehabt, Messis ebenfalls, von Gestankfetischisten ganz zu schweigen. Vorsichtig lief sie in dem Fahrplan entgegen, wobei sie gar nicht daran dachte, mit der Bahn weiter zu fahren. Im Grunde war ihre Lust auf Aktionen zum Wochenende soeben ins Bodenlose gerutscht. Sie fühlte, ob ihre Haare etwas vom Regen abbekommen haben und versuchte sich in der Scheibe zu erkennen. Da fiel ihr ein Typ schräg hinter ihr auf, Marke männliches Täschchen. Sie wird aggressiv beim Anblick von gelackten Jungs. Dass sie noch vor zwei Jahren zielstrebig auf diese Herrschaften zusteuerte, hüllte sie inzwischen natürlich in Schweigen. Klar, muss er auch noch SMS schreiben und dabei aufgesetzt cool zum Gleis schauen, dachte sie. Einen Schrei konnte man von weiten vernehmen. Sie setzte sich wieder ihre Kopfhörer auf und wollte sich gerade an einen Pfeiler anlehnen, als dieses Schreien ein weiteres Mal durch die Halle schallte. Der Typ mit der Pomade verschwand, dafür flitzte eine schwangere Frau mit Schweissperlen auf der Stirn an ihr vorbei. Sie stürzte fast, waren ihre Pumps auch erschreckend hochhackig. Was war los, dachte sie. Naja, Großstadt eben.

Sie schaute auf ihre abgekauten Fingernägel, versteckte sie sofort wieder in der Hosentasche, eine Horde gut Angetrunkener polterte nämlich die Treppen abwärts. Sie war genervt, wollte jetzt einfach so wenig Kontakt mit Menschen wie möglich. Sie lief den Gang weiter, holte sich eine Zigarette aus ihrer Jackentasche. Offiziell hasste sie das Rauchen, war sie jedoch innerlich angespannt, war ihr Griff zum Feuerzeug ein Paradebeispiel für Schnelligkeit. Diese blöde Einweihungsparty, ging ihr durch den Kopf. Alles nur dumme Bratzen. Das war ihr Lieblingsspruch. Aber ihr Bruder würde da sein, und seitdem sie sich langsam wieder annähern, freute sie sich insgeheim immer wie ein Kleinkind auf das nächste Treffen. Eine Frau jenseits der Fünfzig kam ihr starr schauend entgegen. Sie sagte nichts, zeigte nur auf die Zigarette und schüttelte den Kopf. Diese dumme alte Bratze, dachte sie, was will die denn? Unhöflichkeit war aber nicht ihr Aushängeschild, so warf sie die Kippe neben den etwas entfernt stehenden Mülleimer. Die Frau blickte mit hoch gesetzter Nase über die linke Schulter. Gut, dann trete ich sie eben offensiv aus, war ihr sofortiger Gedanke. Gesagt, getan. Sie ging weiter, blieb dabei an einem Bündel hängen.

Es war ein Mantel, ein recht schicker noch dazu. Erst schaute sie leicht wütend zu Boden, einen Moment später nahm sie schnell auf der Sitzgelegenheit daneben Platz. Eine Bahn fuhr ein. Es stiegen nur wenige aus. Ein albern kicherndes Pärchen hüpfte so unpassend lebensfroh aus der Bahntür. Die lachen über ihre eigene Dummheit, lief ihr sofort durch den Kopf. Dumme Bratzen ohne Klamottengeschmack, im Anschluss. Plötzlich kehrte Ruhe ein. Sie war allein. Und sie merkte jetzt auch die Kälte, welche die Bahn anscheinend zurück gelassen hatte. Wieder schaute sie zu dem Bündel, bei näherem Hinsehen auch als Mantel zu identifizieren. Niemand lässt jetzt freiwillig seinen Mantel hier liegen, dachte sie mit einsetzenden Stirnfalten.

Nächste Woche steht der erste Advent bevor. Das wüsste sie nicht, hätte ihr Bruder das nicht beiläufig beim Kaffeetrinken am vergangenen Donnerstag eingeworfen. Sie schaute sich um, hatte sie doch gerade die Idee, den Mantel einmal aufzuheben. Ein älterer grauhaariger Mann nahm in fast jugendlicher Manier nur jede zweite Treppenstufe. Er schob ernst blickend die Brille zurück auf die Nase. Irritiert ließ sie vom Mantel ab. Würde der Herr seinen Mantel nun abholen, den er hier unbeabsichtigt liegen ließ. Anscheinend nicht. Er versuchte die Zahlen auf der Anzeigetafel zu erkennen, seine Augen wurde ganz schmal und klein. Aufeinmal drehte er sich um und verschwand wieder in die Richtung, aus der er soeben kam. Sie nahm einen weiteren Anlauf und fuhr mit der linken Hand zu Boden. Sie kannte sich nicht mit Stoffen aus, dieser jedoch gehörte nicht in ihre Lieblingskategorie. Er war kratzig, außerdem grau. Als sie den Mantel so zu sich auf hob, fiel ihr sofort die bemerkenswerte Größe auf. Sie legte ihn neben sich, nahm von der fixen Idee, in die Taschen zu schauen, im gleichen Moment wieder Abstand.

Das Wort Fundbüro sah sie vor sich. Hatte sie dieses schon jemals geschrieben, überlegte sie. Gibt es hier in der Nähe denn überhaupt eines, ebenfalls. Als sie aus weiter Ferne das Signalhorn der Polzei hörte, überkam sie eine Wandlung. Was mache ich hier eigentlich, warum verbringe ich meinen Abend mit einem Mantel? Einem fremden Mantel, um genau zu sein. Der Herr von eben fiel ihr plötzlich wieder ein. Ohne Schirm in der Hand kam er die Treppen nach unten. Ein Mann in diesem Alter trägt bei Regen doch immer einen bei sich, war ihr überzeugter Gedanke. Es sei denn, es regnet gar nicht. Sie stand auf, ließ den Mantel zurück und rannte die Stufen hinauf.


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Morgenzerrung.

: Du bist Teil des Zerfalls des eigentlichen Freundschaftsgedanken. :

: Der aber nicht dein geistiges Chaos bedingt. :

: Dein Leben verkommt dennoch immer mehr zu einer abgelegenen Bushaltestelle. :

: Schickst du denn mal Érsatzverkehr los? Wohl kaum. :

: Hast du mich nicht mal eine fleischgewordene Schwarzfahrt genannt? Du liegst richtig, mit höchstens 2 km/h natürlich. :

: Weder der Herr vom Amt für allgemeine Kontrolle, noch der Leiter der Stadtbibliothek kann dich vor dir selbst retten. :

: Du trinkst deinen Kaffee ohne alles? :

: Ich trinke ihn schnell, aber ungern, nimm das zu Protokoll. Lass dabei aber den Kaffee raus und füge irgendwas mit dem Leben dazu. :

: Man sieht sich. :

: …selbst am schlechtesten, trotz Spiegel. :


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Der erfreuliche Musikherbst [Spoiler].

Hey Musikfreunde und die es gerne sein äh werden wollen, kein Trübsaal blasen. Sicherlich befriedigen die obligatorischen Palmenhits an der Eckbar oder die ach so chilligen Lounge-Klänge everywhere in keinster weise die Musikleidenschaft, aber spätestens wenn im September die Sonne langsam am Verglühen ist, rattert es wieder im Universe of Sound. Um die anstehenden Tage auf Malle mit Mutti und Vati oder den ewig gleichen Tagen im Freibad etwas zu erleichtern, folgt eine Liste der kommenden klangtechnischen Veröffentlichungen. Da nimmt man doch gerne eine Extrabahn am Schwarzen Meer in Kauf oder eben den nächsten Grillabend bei der distinguierten Tante im Osten.

Augen auf, das erwartet euch in baldigster Bälde:

BURST_Der deutlichste Beweis, wieviel galante Ästhetik in die Metal-Schiene passt. Der > Lazarus Bird < wird am 19.September die Bundesrepublik entern, angeblich mit einer ordentlichen Steigerung der musikalischen Mittel. Das warten wir doch mal ab. 

INTRONAUT_Schöner Schlagstock, die nächste. Während die Jungs aus LA derzeit noch jede Ecke von New York über Memphis bis Dallas im Zuge einer saftigen Tourkette bespielen, steht der Nachfolge-Release des tollen  >Void < von 2006 immer dichter bevor. Man hörte was von afrikanischen Trommelheerschaften, hui-jui.

MOGWAI_Natürlich sind die Reigen an Postrock-Bands gerade im vergangenen Jahr recht überzeugend am Laut/Leise-Urgestein vorbeigezogen. Support the idols heißt es am 19.09., dann schiebt sich > The hawk is howling < nämlich in die Regale.

DEFTONES_Oh, war > Saturday Night Wrist < doch nicht der letzte gemeinsame Atemzug. Glaubt man den Gerüchten, fühlen sich die Herren aus Sacramento derzeit vitaler und frischer denn je, was angeblich in einem amtlichen Batzen Wut am Jahresende münden soll.

THE APPLESEED CAST_Im finanziellen Loch steckend, riefen sie ihre Fans auf, doch bitte das hauseigene    Merchandise-Angebot mehr zu supporten, schließlich stände der fällige Studotermin bevor. Hm, es herrscht derzeit wieder Ruhe und man kann nur hoffen, die Euphorie zum folgenden Album hat sich nicht im Desaster versponnen.

PORTUGAL.THE MAN_Kein Jahr ohne Portugal. Sie packen ihr Equipment auch 2008 wieder an jeder erdenklichen Bude aus und eine neue Veröffentlichung kommt da natürlich nicht ungelegen-bzw.umgedreht. Die musikalische Mixtur ist inzwischen klar, dennoch nicht uninteressant. Spätestens September ist das Ergebnis dingfest.

OASIS_Junge Junge, die ziehen das aber wirklich durch. Solange die Gallaghers in ihren Clips wie auf 1995 zurecht gemacht werden können, wollen sie am Ball bleiben. Dieser nennt sich > Dig out your soul < und soll hypnotischer denn je klingen. Erscheinen wird das Britpop-Werk am 04.Oktober auf dem bandeigenen Big Brother- Label. Naja, we are watching you.

CALEXICO_Schlechtes Times. Da erscheint das neueste Anschauungsstück in Sachen Alternative-Country namens > Carried to dust < doch zum Sommerende. Müssen bis dahin eben die altbekannten Urlaubshauer her halten. Dann aber soll es die umfassendste aller > Calexico <-Scheiben regnen, mit jeder Menge Gastmusiker auf dem Heuwagen.

MASTODON_Top-Produzent Brendan O’ Brian werkelt mit den Bärten von > Mastodon < aktuell am Nachfolger vom vielseits gelobten > Blood Mountain <. Die Testosteron-Früchte können zum Ende des Jahres angeblich gepfückt werden.

POISON THE WELL_Gut, die Liveperformances in der jüngsten Vergangenheit überzeugten nur die wenigsten. Trotzdem bleibt > Versions < ein unnachahmliches Glanzstück an Postcore. Da geht noch was, und  hoffentlich bald.

DREDG_Nach der verdächtigen Hitdichte auf dem 2005er > Catch without arms < ist die Spannng immens, was derzeit in der Bay Area zusammen gefingert wird. Sie beeehren die Republik Anfang September in livehaftiger Form, da werden die ersten Fragen sicher überzeugend beantwortet.

THE MUSIC_Sie kamen 2002 urplötzlich ins Rampenlicht gepurzelt. Im Gepäck hatten sie interessante Aussagen („Das Leben ist generell Shit. Es geht nur um Routinen.“), den Drang aus der allgemeinen Langeweile auszubrechen und anders zu sein als der allerorts aufkeimende UK-Hype-Indie. Zwei Alben später ist ihr Name fast vergessen. Nun gilt es mit > Strength in numbers < alten Boden wieder gut zumachen und Worten Taten folgen lassen.

SONIC YOUTH_Sie sind eines der unkaputtbaren Kulturinstitutionen. Nicht immer neuartig und überraschend, für ewig aber wichtig und relevant. Auch die Avancen mit Starbucks oder den Gilmore Girls kann da nichts mehr zerrütten. Ohren auf.

THE OKKERVIL RIVER_Der 13.Oktober ist für alle anzustreichen, die auf Indie mit Hirn und Seele können. Das Cover des amtlich abgefeierten > The Stage Names <-Nachfolgers zeigt einen gestürzten Totenkopf im roten Pulli samt Bierflasche. Soviel ist sicher, mit Berechtigung wird es > The Stand Ins < in die Jahrespolls schaffen.

METALLICA_Völlig egal, ob Fan oder Verächter des Metal-Giganten, ein neues Album ist mindestens ein geöffnetes Ohrenpaar wert. Keine Angst, um die groß angelegte Promo-Maschinerie kommen wir eh alle nicht rum. Soll sie kommen, wir sind bereit.


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MURDER BY DEATH:HAMBURG : MOLOTOW: 08.JULI 2008

Fuego!

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MURDER BY DEATH: HAMBURG : MOLOTOW: 08.JULI 2008

Richtig, derzeit gibt es immer mehr als nur einen Grund, die Hamburger Kulturstätte Nummer 1 für ein Bier im kleinen Rahmen aufzusuchen.

Das Ende, der letzte Vorhang, die finalen Zuckungen > darüber wird es noch genug zu berichten geben.

Dieser Juli-Dienstag steht im Zeichen amerikanischer Mythen und knorriger Western-Atmosphäre, vor allem aber des Rock’ n Roll.

Da kann Sänger Adam Turla seine Predigen noch so brummig Richtung Mikro pressen oder die so herrlich arrogante Sarah Balliet ihr Cello bearbeiten. Hier setzt es mehr klassisches denn altbackenes Liedgut auf die Lauscher, jedoch mit einem Drive unter der Haube, dass man die gute Stunde eher hellwach statt halbtrunken verbringt.

Korrekt, Cash oder auch Cave waren hier nicht weit, aber heute wird Seele plus Eier serviert.

Kauziges Gebräu, stets mit dem Rhythmus-Teufel umgerührt.

Tiefgründig, Staub aufwirbelnd und oft kurz vorm Kippen.

Wenn das Musik für alte Männer sein sollte, ist das Altern wohl nicht völlig daneben.


CULT OF LUNA: HAMBURG: HAFENKLANG EXIL: 03.JULI 2008

Wettervorhersage: Eher Königlich.

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CULT OF LUNA: HAMBURG: HAFENKLANG EXIL: 03.JULI 2008

Wenn die Hitze in den Straßen unerträglichen Platz einnimmt, dass man von kalten Fliesen oder noch kälteren Gesichtsmasken träumt, weiß man, dass sich da oben schneller was zusammenbraut, als die Sonnenbrille abgesetzt ist.

Dicke Luft, die zum Fächern zwingt und auf Regen hoffen lässt.

Und er kommt, und wie er kommt. Es prasselt, es schüttelt, es knallt abwärts, dass einem der Schirm leid tut.

Der Unwetter-Atmosphäre entsprechend, laden die schwedischen Herren von >Cult of Luna< zum abendlichen Stelldichein. Gemäß der aktuellen Scheibe >Eternal Kingdom<, sollte es keinesfalls eine lieblich schwebende Nachtwanderung werden.

Statt der immer präsenter gewordenen Postrock-Elemente in der jüngeren Diskographie, wird 2008 live weniger geflattert. Wieder mehr Wolfsrudel als Glühwürmchen. Erfreulich, gerade in Zeiten, in denen der allgemeine Wunsch nach musikalischen Flugreisen immer größere Ausmaße annimmt.

Gut, der Sound ist leider eher medium abgemischt, tut dem Erlebnis zum Donnerstagabend dennoch keinen Abbruch. Frontmann Johannes Persson starrt mit bereits bekannter Miene der Ernsthaftigkeit in die überschaubare Meute. Ansagen braucht kein Mensch, Leiter auf der Bühne bisher eigentlich auch nicht. Die Wall of Sound ohne große Entertainment-Haschspiele.

Es bedarf keiner Zugabe, schließlich wird sich knapp 90 Minuten lang herrlich ausladend und dennoch kompakt durch musikalisches Sumpfgebiet geschleppt, dass die Anwesenden freudig gestimmt den Heimweg antreten können. Hoffentlich mit festem Schuhwerk.


Welcome 2 the Sommerloch.

Richtig erkannt, es wurde tatsächlich gefunden.

Live, fast in Farbe, sehr tief und dennoch kaum ergründet. Wir bleiben dran bzw. drin.

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AVRIL LAVIGNE: MÜNCHEN: ZENITH: 17.JUNI 2008

Girlpower im Schnelldurchlauf.

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AVRIL LAVIGNE: MÜNCHEN: ZENITH: 17.JUNI 2008

Mit einem Pfeifkonzert in den Gehörgängen, offensichtlichen Buhrufen auf den Lippen und vielen hängenden Schultern kann doch kein Popkonzert zu Ende gehen. Das wäre fatal, schließlich sind die doch nicht die Opposition. Und so war spätestens beim komplett leer gekauften Merchandisingstand klar, dass die Fans zwar erst mal schmollen, schlussendlich aber doch das Taschengeld für rosa Fahnen, Anhänger, Poster, Leuchtröhren etc. spenden.

Schnell verdientes Geld für die liebe Avril. 50 Minuten reine Spielzeit sind natürlich bei fast 45 Euro eine Frechheit, da gibt es nichts zu rütteln. Wichtig jedoch, wie diese Zeit gefüllt wird.

Im Falle > Avril Lavigne < erwartungsgemäß mit der satten Ladung US-Entertainment. Da können obligatorische Show-Accessoires wie die riesig blinkende Videoleinwand, welche das jeweils passende visuelle Beiwerk liefert, und ein hippes Tanzensemble, als mehr oder weniger notwendige akrobatische Songbegleitung, natürlich nicht fehlen. Dreh- und Angelpunkt des Geschehens bleibt die Dame in blond. Und mit amtlich Feuer unterm Popo wackelt sie sich durch ihr Set. Da sind die inzwischen auch schon 6 Jahre alten Gassenhauer der Sorte > Complicated < oder > Skaterboy < gut neben den Tanzfegern und inzwischen auch musikalischen Aushängeschildern > Girl friend < (unnötigerweise gleich doppelt performt) und dem Titeltrack der aktuellen Scheibe > The best damn thing < platziert. Wirkte die Avril von damals wie das leicht naiv-wütende Pendant zum Cheerleader- Highschool- Mob, scheint sie inzwischen doch eine von ihnen zu sein. Da richten die Totenköpfe, gebrochenen Herzen, Gitarrenriffs im simplen Punkpop- Style und obligaten Schimpfwörter auch nicht viel aus. Sie ist ihre eigene fette Marke geworden, wo irgendwo alles passt, wenn auch mit einem verschmitzten Lächeln hinter dem Mittelfinger. Wer das hier Punk nennt, denkt auch, Avril wäre eine große Drummerin.

Soviel Mittel zum Zweck lässt sich nicht mal übel nehmen. Für die aufgeregt schreienden Mädels ist sie die kecke große Freundin. Wie lange da die Treue gehalten wird, bleibt offen. Mehr der süßlichen Balladen hätten sich jedoch so einige noch gewünscht, zuviel Krach tut ja schließlich niemals gut.


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