Corvonism

HURRICANE FESTIVAL: SCHEEßEL: 20.-22. JUNI 2008 | Juni 24, 2008

Rock you like a Hurricane.

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HURRICANE FESTIVAL: SCHEEßEL: 20.-22. JUNI 2008

Es herrschte wieder das große Bangen. Würde das > Hurricane < auch in der 2008er Fassung seinem Namen gerecht werden und die Besucher mit einem furiosen Unwetter ein Grand Finale schenken. Die Vorraussetzungen waren reichlich günstig, schließlich wanderte über Scheeßel drei Tage lang unregelmäßig, dunkel gefärbtes Wolkengut. Letztlich wurden die 70.000 Angereisten doch verschont bzw. enttäuscht, zog das am Sonntag groß angekündigte Hagel- und Sturmmeer brav am Gelände vorbei, und so blieben die Traktorfahrer der Region vergebens in Wartestellung.

Dabei hätte es das passendeste aller Unhappy-Ends werden können, Thom Yorke verzweifelnd winselnd in der visuellen Apokalypse. Wobei > Radiohead < erwartungsgemäß ihr eigenes Blitzwerk auf die Bühne stellten, und somit passte wieder alles. Gelungen war auch die Songauswahl, die natürlich nie alle zufrieden stellen kann. Mit zu vielen Klassikern im Arsenal lebt es sich eben nicht unbedingt leichter. Und UK’s Finest lassen einen emotional ungewollt immer im Regen zurück, davon leben sie bekanntlich auch.

Ähnlich aufwühlend zauberten sich > Sigur Ros < durch ihr Set. Ganz ohne Versteck- und Schattenspielerein meisterten sie ihre Rolle. Das nahm viel von der Mystik, ließ letztlich aber doch tiefer blicken. Die verträumten Blicke der Lauschenden blieben natürlich nicht aus, wenn auch die neu gewonnene Leichtigkeit der Isländer immer wieder kurz durch schimmerte. Vielleicht ist auch der schönste Winterschlaf eines Tages vorüber. Da heißt es, Augen offen halten.

Wider Erwarten schwach geölt zeigten sich die Jungs vom > Black Rebel Motorcycle Club <. Was war los? Kater, Bier zu warm oder doch der Ausstieg von Drummer Nick Jargo? Die Antwort steht noch aus.

Was an sommerlich anmutenden Klängen aus dem Hause > Calexico < an die Menge gesendet wurde, ließ wenig Fragen offen. Das war die Portion Kultur und Weltmusik, die man nach einem entsetzlichen Auftritt von z.B. > Monster Magnet < auch schuldig war. Herr Wyndorf ist nach seinem ausgedehnten Exzessen nun völlig außer Rand und Band. Da helfen die alten Gassenhauer dem Gaul auch nicht mehr aus dem Dreck.

Ihrer Form hinterher rennen, scheinen leider so manche. > Maximo Parks < Sommer scheint wohl auch vorüber, zumindest ist all die hibbelige Spannung aus den Tanzteehits verschwunden. Und auch die > Foo Fighters < lieferten außer einen soliden Auftritt nichts weiter ab. Hinzu kamen die recht ungünstigen Soundverhältnisse der grünen Bühne und ein anscheinend nicht völlig feierlauniges Publikum.

Dazwischen mauserten sich natürlich auch ein paar Überraschungen. Die Koblenzer Herren von > Blackmail < bewiesen einmal mehr, dass sie nicht nur ein klasse neues Album vorgelegt haben, sondern leider wohl auch dauerhaft die Underdogs spielen müssen. So hoch konnte das Zelt gar nicht sein, dass die übergroßen Refrains ihren verdienten Raum erhalten. Genügend Stehplätze dagegen war bei den australischen Newcomern von > Operator Please <, die mit wild gewordenem Dance-Punk samt Violinenattacken die Ohren kräftig lädierten. So jung und so laut, arme Musiklehrkraft.

> Bat For Lashes < dagegen stellen mal wieder die Erwartungen auf den Kopf. Glaube niemals den Bandtexten der Festivalplaner, heißt es. Aber sie waren dann doch alles: hypnotisierend, düster, packend und doch unbefangen.. Vor allem aber die Vertreter der These: Nichts geht ohne Rhythmus.

Der Begriff Postrock will und darf im Falle von > Oceansize < inzwischen nicht mehr greifen. Trotz dem enttäuschenden aktuellen Album wurde zum Samstag Abend mit einer fast beängstigenden Durchschlagskraft bewiesen, was progressive Gitarrenmusik außer Fliegen noch so alles kann. Herzschrittmachertragende bitte draußen bleiben, das ging durch.

Genau wie die eigentlich ungewollte Nerveisenstimme der Bassistin Charlotte Cooper von den > Subways <. Jugendlichkeit darf gerne anders klingen. Überbewertet die nächste: < Razorlight >. Gitarrenmusik für das Radioprogramm. Und die lieben Buben von den > Kooks < zeigten mal wieder, dass man mehr als übergroße Ziele bzw. Selbstüberschätzung braucht, um an den Status der Prog- Legende > Pink Floyd < zu gelangen. Mit diesen federleichten Strandliedchen wird das so bald nichts. Aber ja, knuffig soll angeblich auch ein gängiges Kriterium sein. Mehr Puff als Knuff gaben die Big Beat- Pioniere der > Chemical Brothers < zum Besten. Epileptische Lichtschau zur Hitreihe, erwartungsgemäß das satte Kino der Sinne.

Wie das eben so ist mit einem Wochenende zwischen Sitzungen am Zelt, Warten am Bierstand und Hüpfen im Staub. Wo Sonne ist, ist auch Schatten. Wo gearbeitet wird, fallen Späne. Wo Enttäuschung ist, kommt auch Vorfreude. Schließlich vergehen die Tage wie im Sauseschritt und der Ticketanbieter eurer Wahl hat wieder einen neuen Eintrag für den Suchbegriff: < Hurricane 2009 >.


Veröffentlicht in THE STAGE OF NO RETURN

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