Sympathische Notlügen.
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30 SECONDS TO MARS: 05.05.2008: BERLIN: COLUMBIAHALLE

Was tut man an einem Montag Nachmittag?
Genau, sich freuen, dass die Tageshälfte geschafft ist. Es handelt sich jedoch in diesem Falle um einen besonderen Montag Nachmittag. Leto ist in der Landeshauptstadt-Jared Leto. Ja, das inflationär weltweit funktionierende Rollenmodell des Emohypes. Der einstige Serienstar zieht sich die Kontrolle der Hormonwelt der Unter-18-Fraktion gehörig unter die lackierten Nägel, und das wird nirgends dermaßen offensichtlich, wie am Columbiadamm 13-21. Die Sonne brutzelt ordentlich abwärts, dass tut der schwarzgefärbten Mädchentraube natürlich keinen Abbruch. Vorne dabei sein ist alles, hat man von den Zuständen von anderen Boygroup-Events bereits gelernt. Seitenhieb? Okay. Gemein? Nicht wirklich. > 30 SECONDS TO MARS < sind letztlich ja nicht mehr als die breitenwirksame Essenz des Emogedankens, die sympathischste noch dazu.
Sie geben der restlos ausverkauften Columbiahalle die Ladung Entertainment, die ihr Image dank MTV-Kurzstreifen und dem Übermaß Merchandise eben vorgibt. Pathos fürs Kinderzimmer. Wenigel kredibil, aber live dann wohltuend agil.
Nach lediglich einer knappen Stunde regulärer Spielzeit und so einigen Minuten fast nervigen Füssevertretens dazwischen, bleiben diffuse Eindrücke zurück.
Natürlich die eng stehenden Reihen von Totenkopf-Mädels, die scheinbar wie von Schönheit geblendet stocksteif Richtung Bühne starrten, und auf neue Forderungen des gut gegelten Helden am Mikro warteten. Springen, Klatschen, Schreien, Fäuste recken- das umfassende Animationsprogramm. Die Tränen flossen da wie automatisch. Da sind die sauber inszenierten Single-Hits wie > The Kill < und > From Yesterday < zwar nur schnödes Beiwerk zur emotionalen Identifizierung, doch darf das kaum als Vorwurf dienen. Bombast aus Plastik fühlt sich eben mehr künstlich als künstlerisch an. Und bitten lassen sich die vier Herren sichtlich gerne, abfeiern sowieso. Doch um die vielen hängenden Münder bei der Ankündigung einer längeren Auszeit tat es einen schon leid. Sehen wir uns wieder? Wohl eher nicht. Bis zur Rückkehr haben die aufgeregten Tanjas, Sandys und Ninas um mich herum, die musikalische Seifenblase des Mars vielleicht auch durchschaut. Bis dahin sagen wir alle, danke Jared. Poster mit Dackelblicken gehören schließlich seit jeher in die Stuben der Jugend.