M. aus D.

01] Sesam…
…“ich hab einen total guten Stuhlgang davon“.
02] Lifetime Achievement Award…
…oder, wer hat mehr geleistet als ich.?
03] Wenn schon Säcke…
…dann wenigstens nette.
04] Ist ja so dunkel hier…
…selbst der Vogel schläft noch.
05] Time 2 play da game…
…and loose again.
06] Angebadet vs. Angegrillt…
…together we are strong.
07] Du, deine Hose hat doch’nen Schlag!…
…wie toll.
08] Snow is only frozen water…
…for guys who believe the truth.
09] Mit mir kannst du viel Spaß haben!…
…gib mir einfach Geld.
10] Heute lach ich, morgen…
…kotz ich…
11] Bratwurst im Postrock…
…is wie der Tequila zur Party.
12] Kassensturz…
…besser nicht.
13] Letzte Runde…
…and the Lifetime Achievement Award goes to…
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Sie sind allgegenwärtig, aber nicht alle gegenwärtig. Soll heißen, eine Reihe an Sprichwörtern haben leider massiv an Präsenz verloren. Das soll das Problem nicht sein. Hier nun eine kleine Reihe an Weisheiten und Spruchsalven, die gerne häufiger den Alltag begleiten können, da ehrlich und gut gepfeffert. Lesen, abspeichern, in die Welt tragen.
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„Auf fremden Arsch ist gut durch Feuer reiten.“
„Besser schnell gestorben als langsam verdorben.“
„Man muss nicht mehr schlachten, als man salzen kann.“
„Im Falle eines Falles, ist richtig fallen alles.“
„Draußen ein Luchs, daheim ein Maulwurf.“
„Der Magen einer Sau, die Gedanken einer Frau und der Inhalt einer Worscht bleiben ewig unerforscht.“
„Aushorcher und Angeber sind Teufels Netzeweber.“
„Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare.“
„Menschenfleisch muss gepeinigt werden.“
„Pessimisten sind Optimisten mit mehr Erfahrung.“
„Wenn man vom Esel tratscht, kommt er gelatscht.“
„Ein Leben wie eine Hühnerleiter: kurz und beschissen“
„Jungfern, die pfeifen, und Hühnern, die krähen, soll man beizeiten den Hals umdrehen.“
„Heiliger St. Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ andre an!“
„Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.“
„Selbst die größten Könige gehen zu Fuß aufs Klo.“
„Gleich Vieh leckt sich gern.“
„Die Schweine von heute sind die Schinken von morgen.“
„Es friert im dicksten Winterrock der Säufer und der Hurenbock.“
„Kurz gefreut, lang gereut.“
Hamburg, willst du rockööön?
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EMIL BULLS: HAMBURG: LOGO: 20.05.2008

Befreie dich von alten Fesseln oder lasse eben diese alten Stricke einfach mal an dich ran.
Themengebiet: Deutsches Kulturgut. Schwierig, unangenehm, gerne auch verdrängt.
Während ich jedoch in der jüngsten Vergangenheit nicht nur > Blackmail < als lange ausgeblendete Rockband aus dem Inland schätzen lernte, alte Rapeinlagen der > Schwester S.< positiv erstaunt wieder raus kramte, war es nicht völlig daneben, dem musikalischen Relikt namens > Emil Bulls < einen Dienstagabend zu schenken.
Die Atmosphäre ist so herrlich 2001, dass gar nicht die Frage der musikalischen Relevanz der Süddeutschen im Hinterkopf steckt, sondern eher, wie toll es ist, bei einer potentiellen Realschulabschlussfeier aus eben dem Jahre X dabei zu sein.
Da drängen sich groß angelegte Tribal-Tatoos neben EMP-Schweissbändern und gut gegelter Papa Roach-Frisur. Und gut gelaunt ist die Meute auch noch, sicher unabhängig davon ob die Logo-Performance gerade live gen MySpace geschleust wird oder nicht.
Denn eins muss man den > Emil Bulls < gleich ungefiltert zu Gute halten: Fannähe ist alles.
Nun ja, es bleibt ihnen ja auch fast nichts weiter übrig.
Halte deine Schäfchen zusammen. Der Markt ist groß, die Konkurrenz gewaltig, die Räder der Zeit unerbittlich.
Und so wird es ein Fest des Schulterklopfens, Einschlagens, Stagedivens und Crowdsurfens.
Kleine Meute ganz groß, livehaftig und in Farbe.
Passend dazu die scheinbar unkaputtbaren New Metal- Hymnen des frühen Jahrtausends wie > Leavin’ you with this < und die deutlich zu Hardcore- Gewässern schielenden neuen Tracks a`la Single-Auskopplung > The most evil spell <.
Oh, da gibt es mehr auf die Mütze als erahnt, an dem Markenzeichen der gerne übertrieben pathetischen Refrainführung wird dennoch weiter festgehalten. Entwicklung erkennbar, aber im abgesteckten Rahmen, is klar.
Dass sie die besseren Songs in der Hinterhand haben als die stets inoffizielle Konkurrenzband > 4 Lyn <, wird mal wieder bestätigt. Mitglieder genau derer waren ebenfalls vor Ort.
Smells like 2001? Passt also alles wieder.
J. aus O.

01] First step…second step, third step…
02] Grund war nur der Korkenzieher…jetzt habe ich ‘ne Schnittwunde, Fieber und bin schwanger.
03] Hinter schwedischen Gardinen…spricht man schwedisch.
04] I am walking…on the catwalk of life.
05] Barbecue…ist ekelhaft.
06] Lass Terassen fassen…und Frauen bauen.
07] Violence is golden…and the life is green.
08] Nächster Halt…Hauptbahnhof, Informationen zu Bus und Bahn erhalten Sie am Bussteig C.
09] Die Perfektion der Angepassten…ist durchs Leben hasten.
10] We are all stars now on the net-show…ich wollte schon immer mal berühmt werden.
11] Blah!..Bleeh, Blubb und Buuuh, nur der Mann im Mond schaut zu.
12] Sommerregen…nackt im Garten celebrieren.
13] Achtung: Junggesellenabschied…Wer sich selbst ‘ne Grube gräbt fällt selbst hinein.
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A: Was hörst du so?
B: Stimmen.
A: Ne, so generell?
B: Lärm.
A: Und sonst so?
B: Zu viele Lügen.
A: Dem ist so.
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Sie tun weh, sind unumgänglich und wie zu lange gelagerter Ohrenschmalz: Radiorockballaden anno 2008.
Nicht, dass die Schmonzetten der Vergangenheit dadurch an Qualität gewinnen, aber was derzeit so durch den Radiosumpf gezogen wird, spottet jeder Scheidung. „Mach doch mal Radio an!“, sollte als Aussage verbannt werden. Wenn schon Popmucke, dann bitte nicht von Typen mit mehr Geseier statt Eier. Okay, Testosteron hat auf den Frequenzen nicht viel zu suchen. Die Birgit am Bügelbrett lässt sonst Vatis Sonntagshemd anschmoren, aber trotzdem. Die 80er haben bekanntlich schon mehr Längen als nötig, aber diese neue Sparte Musik macht dagegen fast Angst. Melodien mit Gefühl? Spucken! Gänsehautgarantie für den Mensch zwischen Klingeltonfraktion und Querbeethörer. Unecht wie ’ne Rolex vom Marktstand am Dienstag. Sollen Songs doch systematisch ablaufen, aber diese Songkonstrukte sind wahrlich erschreckend. Wer den Scheiß hört, ist selber schuld bzw. einfach doof.
Es lohnt sich ja nicht mal tiefschürfend an diese Thematik ranzugehen, weil Gift und Galle stärker sind als Anstand und konstruktive Kritikführung. Männer in den Endzwanzigern, die sich ihre Kreativität und Glaubwürdigkeit entweder von Menschen mit schweren Koffern oder Mädels mit leichten Kleidchen haben abnehmen lassen oder einfach nur grundsätzlich beklopfte Songwriter sind, die Balladenbrei als ausreichend gewürzte Suppe sehen. Kennst du eins, kennst du alle. Hasst du eins, hasst du sie alle. „Das Lied ist aber echt schön“, zählt nicht. Mit 3 Kindern im Automobil ist die Beschallung auch nur bedingt gerechtfertigt, weil dann schon im Alter X falsche Assoziationen zur Thematik >Rock< gezogen werden. Da können peinlich berührende R’n B-Häschen ohne Musikverständnis durchs Radioprogramm hoppeln oder ein lang nicht mehr blühender Evergreen von Vorgestern schief quaken, richtig panne wird es, wenn die so bunte Mixtur mit einer Radiorockballade pro Songblock beschmutzt wird. Mitsingen fehl am Platz, Mitfühlen Todsünde. Und ja, liebe Kuschelrocker, fummeln bei dem Lappengesäusel ist strafbar, man kümmert sich drum.
Die besten Beispiele für schlechte Ohren dank Radio on the softrocks:
Hoobastank – Reason
Sunrise Avanue – Fairytale gone bad
Plain White T’s – Hey there, Delilah
Nickelback – Far away
Stanfour – For all lovers
Rob Thomas – Little wonders
Reamonn – Allright
Snow Patrol – Chasing cars
Three Doors Down – Here without you
Linkin Park – Shadow of the day
Razorlight – America
Incubus – Love hurts
Revolverheld – Ich könnt’ die Welt verändern
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Komme nicht vom Weg ab. Es sei denn, er führt dich zum Laufsteg, Richtung Rampenlicht oder eben ins unantastbare Hier & Jetzt. Wer will schon im Gestern vegetieren. Die fleischgewordene Zeitschrift vom Vorjahr darzustellen ist nicht nur erschreckend, sondern vor allem der direkte Weg sein eigenes Elternteil zu werden. Doch wer weiß schon, wie weit einen das Rad der Zeit abseits katapultiert hat? Corvonism tut das natürlich. Und zwar sofort. Zwölf Fragen ohne Schminke und Weichzeichner. Noch drin? Bitte sehr!

01] Vor dem Schlafengehen tust du was?
A: Ein paar Situps und vielleicht ne Peelingrunde.
B: Postfach checken und ggf. Bulletins rausschicken.
C: Nachsehen, ob die Tür abgeschlossen ist und die Herdplatten ausgestellt.
02] Wenn du Hunger hast…?
A: Fange ich an zu trinken und schalte das Licht aus.
B: Gehe ich schnell zum Döner um die Ecke.
C: Sitze ich schon längst mit meinen Leuten im Viertel und werfe der Bedienung kesse Blicke zu.
03] Was reimt sich auf >Generation<?
A: Innovation.
B: Königssohn.
C: Klatschmohn.
04] Der Satz, der dir völlig fremd ist…?
A: Na, du kannst dir das ja auch leisten.
B: Das wird schon wieder.
C: Pardon, ich habe gerade nicht zugehört.
05] Mehrere Dinge parallel zueinander starten, bedeutet…?
A: Beweispflicht.
B: Stress.
C: Alltag.
06] Dein flotter Begriffsdreier wäre am ehesten…?
A: Drahtesel / Luft und Liebe / Apfel.
B: Taxi / DAX / Piccolo in Wattebausch.
C: PKW / Gullideckel / Ja, getrennt, bitte.
07] Auftstehen um 6 Uhr bedeutet für dich…?
A: Durchmachen auf hohem Niveau.
B: Aufhören, wenn es am schönsten ist.
C: Tod auf Raten.
08] Informationen zum Weltgeschehen holst du dir von wem?
A: Von der netten Kassiererin vom Kiosk um’s Eck.
B: Irgendwo zwischen InTouch und Frauke Ludowig.
C: Von meinem Agenten.
09] Zum Thema >Geld< gibst du welche Aussage von dir?
A: Nichts. Da hilft doch nur schweigen.
B: So what? Mach die Augen auf, here comes the money, Fatzke!
C: Lass prasseln! Alles geht auf mich…heute zumindest.
10] Der Filmtitel, den die Welt nicht braucht?
A: Ein Teufel trägt Prada.
B: Feuer, Eis und Dosenbier.
C: 30 über Nacht.
11] Was lässt dich beim Bummeln durch die Innenstadt am ehesten anhalten?
A: Der Laden mit dem Räumungsverkauf-Schild.
B: Fans, Dreck am Schuh und der Wind, der die Frisur zerstört.
C: Meine Füße, die machen mir da immer zu schaffen.
12] Du möchtest nachts wovon bitte nicht umringt sein?
A: Einem Babyphone, einer schnarchenden Co-Existenz und dem Ticken der biologischen Uhr.
B: Meiner eigenen Enttäuschung.
C: Geschlechtspartnern, die mit hoffnungsvollem Augenaufschlag rüber blinzeln.
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Und hier das Ergebnis, also Zahlen entsprechend zählen, bitte!
|
Frage |
I |
II |
III |
IV |
V |
VI |
VII |
VIII |
IX |
X |
XI |
XII |
|
A |
2 |
1 |
3 |
3 |
1 |
1 |
3 |
1 |
1 |
1 |
2 |
3 |
|
B |
3 |
2 |
1 |
1 |
2 |
3 |
2 |
2 |
3 |
3 |
3 |
1 |
|
C |
1 |
3 |
2 |
2 |
3 |
2 |
1 |
3 |
2 |
2 |
1 |
2 |
Ergebnis:
12-21 Punkte > Taschentuch weg, Klapptür statt Falltür.
Es ist ein harter Schlag, zu erkennen, dass man nicht mehr derart in der gesellschaftlichen Marterie steckt, wie irgendwie erhofft. Die Zeit zieht vorbei, das kannst du nicht abstreiten. Während viele neben dir jedoch alle Räder gegen den normalen Lauf der Dinge in Bewegung setzen und mehr mit Equipment und Requisiten beschäftigt sind, als das eigentliche Tagesgeschehen zu leben, bietest du der Gegenwart die Stirn. Dass diese sich vielleicht nicht so lupenrein und frisch zeigt, wie bei der Konkurrenz, ist letztlich nur ein unbedeutender Schönheitsfehler.
22-29 Punkte > Ausgefuchste Umleitung ohne Mehraufwand.
Erstmal Händeschütteln dafür, dass du dem Anschein nach alles richtig machst, um sowohl der Peinlichkeit der Pseudo-Jugendlichkeit inklusive eingekaufter Hippness-Buttons, als auch der Frühreife, einen Haken zu schlagen. Du bist Realist und siehst ein, dass das Leben keine dauerhafte Erstsemesterfete darstellt. Genauso wenig aber muss als Freizeitopener die Wärmflasche oder ein altes Fotoalbum herhalten. Und das Tolle: Du bist eine der Personen, bei der Sprüche wie „lässt aber ganz schön nach,ey!“, einfach keinen Platz finden, weiter so.
30-36 Punkte > Achtung, nur vorerst wasserfester Lackanzug, Kollege!
Da ist ja einer mitten im Leben bzw. macht es sich zur Lebensaufgabe, das sich und den anderen vorzugaukeln. Überall nach vorne drängeln, gut ausgeleuchtet immer Profil zeigen, sich melden und seine Zeit mit dem Selbsterhalt vergeuden. Und nur, um schön im Verdrängungsprozess zu bleiben. Na, renn schon, die Pulsuhr der Zeit holt dich trotzdem ein und du wirst schließlich aufgeben müssen. Willst du wirklich einer der bemitleidenswerten Fälle sein, die sich auch mit schlecht kaschierten Falten noch unter den jugendlichen Dorfbumms mischen? Nicht vergessen, unentwegtes Flüchten macht müde und steigert die Sturzgefahr. Und dann wieder aufzustehen fällt schwer und tut weh.
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PS: Kommentare zu Ergebnissen gerne gesehen.

Gewaschen wird sich bestenfalls täglich, in der deutschen Fernsehlandschaft seit dem Mai 1992 und der Einführung von > Gute Zeiten, Schlechte Zeiten < von Montag bis Freitag durchgehend. Daily Soaps- ein Thema der großen Missverständnisse. Wer verdreht nicht die Augen, versuchen sich die Drehbuchautoren zur Abwechslung mal an Geschichten mit potentiellem Tiefgang und Aussagekraft, wie etwa Umweltschutz, Armut oder Ausländerfeindlichkeit. Wir Zuschauer wollen letztlich ja doch nur das eine wissen: Wer bumst mit wem statt wem? Und das bitte in ein schauspielerisches Korsett gesteckt, welches ordentlich hölzern und leienhaft ausgestattet ist. Große Kunst der Worte und Werke gibt es woanders. Beim Begriff > Seifenoper < hat einfach das Gewohnheitsrecht zu walten, welches besagt: Bunte Unterhaltung auf der Skala zwischen Pimkie-Filiale und Sugar-Magazin. Über die inventarähnlichen Vorabend-TV-Romane wie > Unter Uns < und > Verbotene Liebe < lohnt es sich kaum zu schreiben, sahen die gierigen Schonkost-Fans doch da ganz andere Formate kommen und vor allem gehen bzw. ist es dazu teilweise kaum gekommen.
Da wäre der absolute Edelflop > Lotta in Love <, der dank dicker Promowelle zwar namentlich bekannt wurde, aber eigentlich niemand je einschaltete. Die > Ahornallee < übertraf dies jedoch noch um Wellen. War da der Ideenreichtum genauso dünn gesät, wie das interessierte Publikum. Dieses nur knapp einmonatige Fiasko zog nicht mehr Leute als die 02:00-Shoppingshow auf QVC. Die > Geliebten Schwestern < von SAT1 geizten zwar nicht mit weißen Westen, sorgten dann in der Finanzbuchhaltung doch eher für rote Zahlen.
Den absoluten Vogel schoss jedoch anno 1996 unser Kulturkanal erster Wahl RTL2 ab, als > Alle zusammen- Jeder für sich < on air gesetzt wurde. Man darf die Tage des berührten Schweigens gerne brechen, schließlich muss es einmal raus. Der visuelle Totalschaden wurde neu definiert. Das war die Marke Familienserie, bei der man nur darauf wartete, dass bald ein Mikro ins Bild fällt, sich die Scheinwerfer in der Brille eines Komparsen spiegeln oder das „Und Action!“ des Regisseurs dummerweise beim Schnitt überhört wurde.
Na aber hey, Teenie-Idol Oli P. feierte dort sein Schauspieldebüt, VIVA-Dancefee Daisy Dee schlammasselte sich durch die Folgen und mit Verona Feldbusch hatte man einen weiteren exklusiven Trumpf im Ärmel.
Und da das Budget für Aussendrehs mit Null belastet wurde, schließlich reichte die Action zwischen Kfz-Werkstatt, Arztpraxis und Tanzstudio vollkommen aus, war mehr Lohn für fähige Storylineschreiber auf der Kante. Doping im Profisport, Umgang mit unheilbaren Erkrankungen oder das Drama eines Transsexuellen > alles aktuelle Themen, an die sich Ende der 90er wenige trauten, Zuschauer anscheinend fast gar nicht. Nach sage und schreibe 230 gesendeten Episoden waren alle zusammen entlassen, und das ohne richtiges Ende des Familienromans in eindeutig zu vielen Akten. Schade für alle, die weder die „Together we are strong“-Titelhymne, noch die einmaligen Dialoge zwischen Gut und Besser kennenlernen durften. Der Premiere-Kanal „Passion“ wiederholt die Saga übrigens derzeit täglich, aber eine gut angelegte Pedition reicht aus, den Lacher äh Kracher wieder zurück in das frei empfangbare Fernsehen zu retten. Das fehlende Serienende wäre dann vielleicht schneller realisiert als erhofft, und 9Live braucht sicher noch Füllmaterial für die Sendezeit vor dem Aufstehen.
Sympathische Notlügen.
__________
30 SECONDS TO MARS: 05.05.2008: BERLIN: COLUMBIAHALLE

Was tut man an einem Montag Nachmittag?
Genau, sich freuen, dass die Tageshälfte geschafft ist. Es handelt sich jedoch in diesem Falle um einen besonderen Montag Nachmittag. Leto ist in der Landeshauptstadt-Jared Leto. Ja, das inflationär weltweit funktionierende Rollenmodell des Emohypes. Der einstige Serienstar zieht sich die Kontrolle der Hormonwelt der Unter-18-Fraktion gehörig unter die lackierten Nägel, und das wird nirgends dermaßen offensichtlich, wie am Columbiadamm 13-21. Die Sonne brutzelt ordentlich abwärts, dass tut der schwarzgefärbten Mädchentraube natürlich keinen Abbruch. Vorne dabei sein ist alles, hat man von den Zuständen von anderen Boygroup-Events bereits gelernt. Seitenhieb? Okay. Gemein? Nicht wirklich. > 30 SECONDS TO MARS < sind letztlich ja nicht mehr als die breitenwirksame Essenz des Emogedankens, die sympathischste noch dazu.
Sie geben der restlos ausverkauften Columbiahalle die Ladung Entertainment, die ihr Image dank MTV-Kurzstreifen und dem Übermaß Merchandise eben vorgibt. Pathos fürs Kinderzimmer. Wenigel kredibil, aber live dann wohltuend agil.
Nach lediglich einer knappen Stunde regulärer Spielzeit und so einigen Minuten fast nervigen Füssevertretens dazwischen, bleiben diffuse Eindrücke zurück.
Natürlich die eng stehenden Reihen von Totenkopf-Mädels, die scheinbar wie von Schönheit geblendet stocksteif Richtung Bühne starrten, und auf neue Forderungen des gut gegelten Helden am Mikro warteten. Springen, Klatschen, Schreien, Fäuste recken- das umfassende Animationsprogramm. Die Tränen flossen da wie automatisch. Da sind die sauber inszenierten Single-Hits wie > The Kill < und > From Yesterday < zwar nur schnödes Beiwerk zur emotionalen Identifizierung, doch darf das kaum als Vorwurf dienen. Bombast aus Plastik fühlt sich eben mehr künstlich als künstlerisch an. Und bitten lassen sich die vier Herren sichtlich gerne, abfeiern sowieso. Doch um die vielen hängenden Münder bei der Ankündigung einer längeren Auszeit tat es einen schon leid. Sehen wir uns wieder? Wohl eher nicht. Bis zur Rückkehr haben die aufgeregten Tanjas, Sandys und Ninas um mich herum, die musikalische Seifenblase des Mars vielleicht auch durchschaut. Bis dahin sagen wir alle, danke Jared. Poster mit Dackelblicken gehören schließlich seit jeher in die Stuben der Jugend.

+IN:
+ Parties, die sich wie von Zauberhand ihren Weg bahnen und einen finden, ganz ohne Googelein oder breite Mund-Propaganda.
+ Ping-Pong-Gespräche mit ohne Inhalt, selten zeitlos jedoch kurzfristig euphorisierend. Da bleibt das Motto ohne Balken frei stehen: Ein Gehirn wäscht das andere.
+ Mümmeln. Besser als nagen und knabbern. Blonde Mädchen wissen möglicherweise Bescheid.
+ Sound of silence. Ja, ist so. Das Autoradio in Mute-Funktion oder den Hausmeister mal den Krach zum Feierabend verbieten und schon merkt man, dass nicht das Brummen der Hummeln oder dieses Regengetröpfel der Feind im Ohr ist. Vermeidet nicht nur Tinitus, sondern auch das allgemeine Gefühl durchzudrehen.
+ Slogans zur Weltverbesserung. Beispiel der Woche: Postrock statt Rosenkohl. Potentiell für die kommende dann: Liebe wird aus Wut gemacht.
+ Lokale als Heizdecke. Meist diese mehrfach abgetrennten In-Schuppen mit Salaten nicht unter 12 €. Probleme mit dem Parasympathikus flüchten automatisch, der gefühlten All-Around-Wärmflasche sei Dank.
+ Ülker-Halley-Kekse. Die neuen Knusperfreunde vom türkischen Market am Straßeneck. Etwas trocken, aber ergiebig und eigensinnig. Bei Bedarf gerne das Produkt mit einem Menschennamen der Wahl ersetzen.
+ Bügelbrett. Abgesehen von der eifrigen Tante und Mutti, eher ein Nischendasein fristend, aber eben unbegründet. Knitterhemden sind was für Terry und David, Hosen mit Schieffalte kommen panne rüber. Also nicht so anstellen, sondern aufstellen!
+ Events mit plakativen Titeln. Was soll das Geeier und Rühren im Brei. > Black-Metal-Party in Volteroda < oder > Porno-Treffen-Bremen < sind nicht falsch zu verstehen und verkaufen einem nicht Brause für’n Felsquell.
+ Raubtiergeruch im Kleinwagen. Lass ihn raus den Tiger oder so.
+ Open-Air-Frühstück nach durchzechter Nacht. Macht einem erstmal richtig den desaströsen körperlichen Zustand bewusst, gleichzeitig die viel zu selten gesehene Schönheit des Morgens danach. Kann nicht jeder genießen, sollte auch nicht. Was wäre dann 07:12 Uhr nur beim 24h-Bäcker an der Kreuzung los.
+ http://www.toilettenpapier-sammlung.de/. Links zu Toilettenpapierherstellern weltweit, Themen wie Falten und Wickeln, interessante Gallerien und jede Menge mehr zum verdrängten Hilfsmittel. Bei zuviel Maiwärme als nette alternative Stöberseite zu empfehlen.
_OUT:
_Die ranzigsten Lokale der Stadt bewusst aufsuchen, solange man nicht offiziell Feldstudie betreibt (für Bezahlung). Wo ranzig-da tanz ich!, denken sich eh viel zu viele Nasen.
_Grundsatzdiskussion: Weckeralarm! Ein ewiger Reibungspunkt der Gemüter, schließlich ist es noch immer unklar, ob der einprogrammierte Klingelstreich eher einmalig zum abrupten Erwachen oder eben heran- und wieder davonschleichend über Stunden gezogen, das Obligatum darstellt. Nur bitte ausstellen, wenn mehr als 3 Tage die Wohnung verlassen wird. Nachbarn gibt es schließlich überall.
_Momentaner Gossip, weil zum Abgewöhnen. Okay okay, Robbie ist jetzt adipös, Mariah heimlich unter der Haube, Mariah züchtet Nachwuchs heran, Pete wieder auf freiem Fuß, Jimi Hendrix und sein Flotter Dreier auf Videotape, ein Disney-Mädel zeigt Haut und Paris Hilton hat auch Lust auf einen Ehering. Beugt alles gut dem Sommerloch vor, ist aber abgesehen von letzter Nachricht keine offenen Münder wert.
_Vorwarnen von schlechten Geschenken. Schön blöd, die Spannung so zu bremsen bzw. sich selber zu ritzen, hat doch jeder seine eigene Ansicht von Freude, Enttäuschung und Scham.
_Abschleppen. Zwischenmenschlich längst fernab vom Tabu, auf das Automobil bezogen, nach wie vor lästig wie die Scheiße am Schuh.
_Inkonsequenz. Und wenn, dann bitte verstecken. Geht nicht um Inkontinenz!
_Anmache: Komm vorbei, das wird echt’n Spaß! > laaangweilig und recht schwach auf der Brust.
_Falsche Haltung einnehmen. Sowohl politisch ein feuriges Thema, in diesem Falle jedoch auf die adäquate Körperstellung bezogen. Nicht stand up and fight, sondern stand up right!
_Thema Wegwerfgesellschaft> Unterpunkt: Freundschaft. Soziale Selbstverständlichkeiten als Freundschaftsbeweis werten und auch einmaliges Nachfragen als deutliches Interesse am Gegenüber durchgehen lassen. Alles herrlich knorkig.
_Zappen. Hallo!?
_Plötzliche Eventflucht. Ein Unding, beim Kinoabspann wie entrüstet auf die husch schwindende Besuchermeute zu starren, beim offiziellen oder absehbaren Ende einer anderen Kultursause (Konzert, Puppentheater, Silberne Hochzeit) aber wie angestochen den Ausgang entgegen poltern. Durchatmen, Abgang vorbereiten bzw. inszenieren und Schlussakt in Ruhe aufnehmen.