Corvonism

Der dicke Bumms im Wald. | April 28, 2008

Für die einen ist es die härteste Versuchung, für die anderen die längste Peinlichkeit des Jahres: der Männertag oder auch Herrentag, gerne auch Himmelfahrt.

Dabei ist das doch neben all diesen pompösen Feiertagsepen wie Weihnachten und vor allem Silvester das organisatorisch unkomplizierteste Event. Wenn man es richtig anstellt, auch finanziell wenig ausladend.

Klar, körperlich gestaltet sich das überwiegend böse, jedoch positiver Natur.

Apropos Natur: Eine Woche nach diesem obligatorischen Donnerstagsquerschuss kann einem schon mal ein peinlich berührtes Gefühl erschleichen, schließlich ist das gesellschaftliche Tohuwabohu zwischen sprießender Wiese, flüchtendem Fuchs und Dickicht en masse schon fernab von Reife und Etikette.

Ja ja, Kirmes ist uncool, Scheunenpartys sowieso, von Stadtfesten ganz zu schweigen, aber dieses Fiasko mit Hauptschulniveau ist natürlich was anderes.

Wie dem auch sei, jedem das seine, den Typen da bitte das meiste. Pannen und Pleiten den Prozenten sei Dank.

Und warum zum Dreihorn vermittelt die sauerstoffreiche Wald’n- Wiesenluft das Bedürfnis, nicht grundlos verbanntes Volksliedgut aus den Rucksäcken zu packen und gen Lichtung zu tröten?

Das kühle Blonde aktiviert wohl das Langzeitgedächtnis und holt dann musikalische Weisheiten der Marke Sondermüll hervor.

Bestes Beispiel für ein vertontes Himmelfahrtskommando haben einst die Chartlegenden von > Boomtown < im Jahre 1994 frei gelassen. > Blow, boys, blow < nennt sich das gute Stück und ist eine Hymne vor dem Herrn.

Man sieht die zünftig abgehalfterten Seeleute direkt vor sich, mit Inbrunst schreiend, auf’n guten Hieb bzw. Hiebe wartend.

Der Clou der 90er-Fassung ist jedoch eindeutig die hippe Verknüpfung des althergebrachten Shantys mit elektronischen Spielerein, die nach Großraumdisko schreien.

Die Eurodance-Kollegen damals zitterten vor den satten Raps, manche technoide Deathcombo leckt sich noch heute die Stiefel nach den gut gefingerten Laserbeats, so treibend wurde es einem seit dem Jahre X eben nicht mehr besorgt.

So schön also der baumelnde Bierkrug und das eingepackte halbe Hähnchen auch sein mögen, vollwertig wird der heute vorgelobte Tag doch erst mit den Helden von > Boomtown <.

Sollen die sich mal einen sonnigen Lenz auf Malle mit den Tantiemen des alten Kassenschlagers machen, ab sofort wird ihnen jährlich einmal zumindest Tribut gezollt, und das sowohl feucht, als auch fröhlich. In diesem Sinne, auf zur Bank von Sacramento, oder eben auf die nächste vor dem Hochstand. Prost/ata!


Veröffentlicht in LE SPECIALE

1 Kommentar »

  1. haha, ich knall mich weg (wie juhnke einst mit jägi). prosit auf ein neues.

    Kommentar von bollohorst — April 28, 2008 @ 4:18


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