Corvonism

OC – CALIFORNIA | April 22, 2008

California-here we come.right back where we started from.

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OC – CALIFORNIA :

Zuviel Sonne benebelt die Sicht, und albern macht sie auch noch, und ungesund ist sie sowieso.

Was dagegen zuwenig Sonne mit Mensch und Umgebung anstellt, ist wohl weitaus fataler.

Darum also doch wieder mitten in die brütende Hitze, wo das Meer so blau herum strahlt, weit tragende bzw. mehrschichtige Kleidung fehl am Platz ist, der Schein des großen Glücks und allgemeiner Zufriedenheit dank der Schönheit ewiger Jugend aufrecht gehalten wird, und man einfach ein Teil vom großen Rad der Zeit sein möchte. Lebe den amerikanischen Traum, >welcome to the OC !<

Über vier Staffeln wurde die Upper Class von Newport zum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Außenstehende sprachen da voreilig, lediglich eine weitere visuelle Ausgabe leerer Ideale und fader Klischees in den Startlöchern zu haben. Und sie gingen alle falsch in der Annahme, schließlich bewies Ideengeber Josh Schwartz ab August 2003, dass gut ausgeleuchtete Serienunterhaltung nicht immer eine städtische Klinik oder ein unrealistisches Schicksal als roten Faden bieten muss.

„Ich hasse diesen Staat. Ich hasse den Sonnenschein. Ich hasse den Ozean. Ich hasse Schwarzenegger.“

Einer der Zitate, die aufhorchen ließen, und einmal mehr bewiesen, dass die kalifornische Community letztlich auch nur mit Wasser kocht und hinter den Fassaden Abgründe lauern, die natürlich ballonartig aufgedunsen präsentiert wurden und gerne fernab des Alltags pendelten, aber eben über alle Folgen hinweg eines nicht vergaßen- den Unterhaltungsfaktor.

Das ist es doch grundsätzlich, warum die Röhre läuft- der Wunsch des Mitgenommenwerdens in etwas was Kontrast zu dem Geschehen vor der Haustür darstellt. Realitätsnähe hin oder her, es muss einen packen und nicht nachträglich zum Schämen bringen, eine weitere kostbare Stunde vergeudet zu haben.

In Orange County tickten die Uhren etwas schneller als in benachbarten Serienstädten, zwei Folgen verpasst und schon ist der Nachholbedarf immens. Das passierte ganz klar eher selten, dafür waren die Storyschreiber zu pfiffig und trotz wankender Quoten nach einem fulminanten Sendestart weiterhin in Höchstform.

Thematisiert wurde rückblickend fast alles was das Buch der Dramaturgie so hergibt:

Korruption, Psychopathologie, Homosexualität, Umweltschutz, Karrieresturz, Suchtproblematik, Ehebruch, Gewalt und noch mehr, was zwischen Highschool und Poolhaus, Strand, Mall und Kanzlei eben Stoff bietet.

Und das Interessanteste an dem Projekt kommt erst: die Figuren.

Auf den ersten Blick möglicherweise eher grob gezeichnet und auf Grund der meist eher kompakt gehaltenen Dialoge fälschlicherweise als konturenlos bezeichnet, im Verlauf der Serie lernt man jedoch jeden einzelnen Charakter nicht nur logischerweise besser kennen, sondern auch schätzen, versteht man möglicherweise erst später bestimmte Handlungen, Reaktionen und Verläufe. Da passiert auch ausgesprochen viel zwischen den Zeilen, so gerne man sogenannten Teenieserien Tiefe absprechen mag. Breitendeckend eher unbekannte Musik im Feld von Indierock und Singer/Songwriter- Pop zieht sich ihre Bahn von Folge zu Folge, mit dem Auftrag, die Bilder intensiver zu transportieren und die neue Sparte > OC-Musik < in die Gesellschaft zu tragen.

Nachdem inzwischen längst die letzte Klappe fiel, und die latente Vorfreude auf die Episode der kommenden Woche in alle Winde verflogen ist, fällt auf, was man eigentlich an diesem wöchentlichen Intermezzo so zu schätzen lernte. Solch eine perfekt inszenierte Halb-Persiflage der Reichen und Schönen Kaliforniens wird es wohl nie wieder geben, muss es auch nicht, bleiben doch die starken TV-Momente mit Langzeitwirkung zurück.

Und man vermisst sie alle.

Ryan Atwood, die männliche Hauptfigur, welcher ständig die Dämonen seiner Vergangenheit bekämpfte und zwischen Unentschieden und Aufgabe des neuen und dann wieder alten Lebens wechselte.

Marissa Cooper, Schönheit des Schulhofs, die einfach ihr junges Dasein in eine wildgewordene Achterbahn katapultierte.

Summer Roberts, die schrille Brünette mit der Überladung Energie, Motivation und Herz.

Seth Cohan, das ungewollte Rolemodel eines verpeilten Indiepoppers.

Kirsten und Sandy Cohan, die das Ehepaar der Fernsehlandschaft mimen, welchem man das unbeschreibliche Miteinander nicht nur abnimmt, sondern auch Neid schenkt.

Und dann natürlich die unnachahmliche Julie Cooper, deren Intrigen und kleine Machenschaften, dank dem tief stechenden Blick und einer nicht enden wollenden äußeren Jugendlichkeit, nahezu anziehend rüberkommen.

Und auch die Nebendarsteller ließen so einige Folgen freudig entgegenfiebern, man nenne nur Jimmy, Anna, Trey, Theresa, Luke, Taylor oder Volchok.

Wem bei all diesen Namen weder die Serienglocken läuten, noch ein Hauch von Interesse aufkeimt, soll weiter in seinem Mantel von Vorurteilen bzw. Unwissen wandeln.

Intoleranz ist hier übrigens auch völlig fehl am Platz.

Das Vermächtnis sind vier Staffeln feinster amerikanischer Hochglanzunterhaltung, die trotz ihrer deutlichen Orientierung am Zeitgeist und jugendlichem Pulsschlag, als klassisches und ebenso eigenständiges Fernsehgut durchgehen.

Und sollten > Phantom Planet < auf ewig als One-Hit-Wonder gelten, ihren kleinen Platz auf dem Ehrenpodest haben sie dank der unkaputtbaren Hymne > California, here we come < allemal sicher.


Veröffentlicht in LE SPECIALE

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