Corvonism

APRIL: [IN/OUT] | April 6, 2008

+IN+

+Abschiede gebührend zelebrieren. Ob nun das Finale des lokalen Tanzworkshops, die anstehende Reise ins Irgendwo, das Ende des Junggesellendaseins oder einfach das Offline-Setzen kurz vor der Bettruhe. Klammheimlich und diskret davon schleichen ist nicht, von leidenschaftlichen Winken bis zum amtlichen Besuffskus ist alles erlaubt bzw. Gesetz.

+Eine reine bis übersichtliche Gesichtsfläche. Gut verwuchert ist halb gewonnen? Wohl kaum. Raus aus dem kauzigen Mantel und Freiheit für das Wesen/tliche.

+Strudel bzw. Stroodel. Ob mit Apfel oder Quark als Innerei, da wird sogar der Sonntag noch aufgewertet. Slam to schlemm.

+Freundschaft. Ja, nun doch. Also, Schäfchen zusammen halten und das ohne wild gewordenen Hirtenhund und Schlagstock.

+Rummel. Ein Platz zum Raunen und Staunen, alles so bunt hier. Kettenraucher mit Hängeblick hinter dem Mief des gar nicht originalen Thüringer Rostbratwurststands, chauvinistische Sprüche vom Mikro des „Airwolf“-Fahrgeschosses und mitleidserregende Gestalten all around. Ein Abenteuer, das nicht mal teuer sein muss, Sozialgaffer kommen auf ihre Kosten.

+Rückkehr der alten RTL2-Philosophie. Wer braucht schon Anspruch, wenn es auch leichter geht. „Hüllenlos- auch nackt gut aussehen!“ und „ Cheaters- Beim Fremdgehen erwischt“. Da kommt Freude auf, ein Hoch auf den televisionären Supergrütz. Freizeit, du bist gerettet!

+Jogging! Aber Vorsicht, ist leichtes Gesellschaft-Shocking. Freiwillig die 7km/h überschreiten genießt wenig Akzeptanz der Community. Demzufolge muss es außer dem Mp3-Player, dem Kapuzenpulli und der netten Brünetten an der Garage niemand wissen.

+Verstecken spielen, jedoch nicht mit Mitmenschen. Komplett drinne ist es, die eigenen Haustiere oder eben die des Nachbarn als Gamepartner zu wählen. Nein, nicht Bello hinter die Kellerluke sperren oder den dicken Mümmel in den Wäscheschrank, eher klassisch. Einer sucht, der andere wartet mit Herzklopfen im vermeintlichen Dickicht. Halber Kult, gerne auch direkt in der Menschenmenge.

+Luxus. Bevorzugt im kleinen Rahmen. Also, neues Auto, neue Wohnung, neue Freundin.

+Müll als Möbelersatz. Fahrt zu IKEA ersparen, schließlich gibt der seit 4 Jahren defekte Fernsehapparat oder die beiden Bierkästen mit einer lieblichen Decke versehen, den kaum erahnten Eyecatcher mit Funktion inklusive. Und ja, zumindest um die dadurch fehlenden Hot Dogs könnte man streiten.

_OUT_

_Dreist drauf los hupende Karosserien. Weder die akute Hochzeit, noch der Sieg der persönlichen Lieblingsmannschaft oder allgemeine Mööp-Laune, rechtfertigen diesen Lärm.

Achtung: ist eh illegal, also ist ein Aussteigen plus Faustschlag oder erhobenem Zeigefinger nur verständlich.

_Nihilismus. Es muss doch einen Sinn oder zumindest Werte und moralische Verbindlichkeiten geben. Warhols „Everything is nothing“ tut als Slogan selten gut.

_Gangbang im Netz. Alles kann und muss? Bitte nicht. Das wüste Verketten vom Miteinander wirft nur zu viele Fragen und vor allem wenig lehrreiche Stunden im World Wide Web auf. Sich nicht überall reinstecken.

_Smiley-Pretty-Boys. Kopf ab…äh…zu, es gibt nichts zu lachen bzw. das wird euch noch vergehen.

_Parkdecks und ihre Öffnungszeiten. Leben wir nicht in einer freien Welt? Dann weg mit den Ketten von Zeitgefügen. Und jetzt nicht an die Existenz der Wachmänner denken.

_Außergewöhnlich häufiges Darstellen der aktuell negativen Gemütslage durch lautes Stöhnen und einem Überangebot von „Fuck!“ und „Scheiße!“. Klingt dämlich und ändert nichts.

_Weisse Turnschuhe in Hochformat meets blaue Röhre. Nein und dreifach nein. Daran halten, sonst sind Legs weg!

_Transparente Cocktailgläser. Als wären Titel wie Venus, Pretty Barbie oder Blowing Candy nicht beschämend genug.

_ Neid und Missgunst, mal wieder zu erwähnen. Darf nicht jeder mal ein Stück der Sonnenseite abbekommen? Wolken kommen eh wieder, also.

_Städte ohne Struktur und visuelles System. Fehlende Orientierung hin bis her, zumindest ein Geldautomat, eine Pizzeria und ein Stadtplan müssen in überschaubarer Reichweite sein.

_Zielgerichtete Einkaufstouren. Sind nahezu zum Scheitern verurteilt. Ein Coffee-2-go in der einen und das Handy in der anderen Hand helfen auch nur schwerlichst bei der Erfolgsreise.

_Akute Müdigkeitsattacken. Partysprenger und Garaus für DVD-Sitzungen.

_Bewegung zum zweiten. Denkum Fatalum: Sprint zum Kühlschrank und Pfannenjonglieren ist nicht mit aktiver Betätigung gleich zuschalten. Hüpf!


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