Einen Schritt zurück, aber langsam.
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IMMANU EL / NIHILING
HAMBURG
ASTRA-STUBE
Dienstag, 12.02.2008
„Mensch, sind die hier alle distanziert“, höre ich leicht genervt aus dem Mund einer Dame jenseits der 40 hinter mir.
Erstens, die Astra-Stube lässt es aufgrund der sehr ausgeprägten Überschaubarkeit kaum zu, Abstand zu halten. Nicht ohne Grund heißt es hier: Fasst du mit einer Hand an die Türklinke, berührst du mit der anderen potentiell die Schulter des Gitarristen.
Zweitens, Postrock ist nicht wirklich zum Umarmen da.
Klänge, die zwar deutlich nach weiten Feldern und fliegenden Gedanken greifen, sind nicht gleichzeitig Heilmittel gegen Einsamkeit.
Und da sitzen und stehen sie da: > Immanu El < aus Schweden.
In Sachen Style, wie schon bekannt, anschauliche Aushängeschilder der Metro-Bewegung, da kommt selbst die Hamburger Indie-Elite nicht ran.
Sei’s drum, man ist ja wegen der Musik da, und womöglich einem Astra.
Da ist die Gefahr gegeben, gar nicht zu merken, wie das Gebräu in der Hand immer wärmer wird, denn die Herren schaffen das, was die Menschen wohl an diesem Dienstag vor die Tür getrieben hat: den Alltag abzustreifen, eine Stunde mal weg zu sein.
Darin sind die Gothenburger wahre Meister. Sänger Claes ist mit dieser schwebenden Stimme beschenkt, die sich wie ein frisches Frotteetuch zum restlichen, fein geordneten Wäschekorb gesellt. Ein Cello, das fernab vom Kitsch Seelenbalsam frei gibt, plus Keyboardgeplänkel, welches gar keines ist. Nicht zu vergessen, die erwarteten Gitarrenflächen, die den finalen Grund zum unpeinlichen Augenschließen geben.
Während die Straße weiter eine der berühmt-berüchtigten Radarkontrollen im Akkord Blitze abfeuert und damit einen Moment festhält, tut der Fünfer rund um die Strängberg-Zwillinge letztlich nichts anderes, nur eben ohne schwerwiegende Konsequenzen. Bedächtiges Verharren nicht mit Langweile verbinden. Das Gefühl vom Nachmittagsschlaf aufzuwachen kennt jeder, so zwischen leichter Desorientierung und noch halb anästhetischem Zustand, da passen > Immanu El < musikalisch ohne Zweifel hinein.
Hier herrscht kein emotionales Anbiedern, lediglich die Begleitung für den Sonntag danach, die nächsten Nordischen Filmtage oder eben die Vorfreude auf den langsam aufkeimenden Frühling. Wer hier auf die Uhr schielt, hat nicht genug Zeit mitgebracht.
Dabei war es schon bei den Lokalmatadoren von > Nihiling < angebracht, vor Ort zu sein, zeigten sie doch eine gekonnte Version kleiner progressiver Rockepen, welche bereits auf der EP überzeugen konnten und definitiv Potenzial besitzen.
Ja, die Frau von vorhin ist inzwischen nicht mehr da, wird doch nicht auf Abstand gegangen sein…