Es kann nicht immer 1992 sein, oder doch? Oder wieder?
Besser nicht, aus diversen Gründen wohlgemerkt.
Da stehen nicht nur Mode und Stand der Technik auf einem inzwischen befremdlichen Platz, die allgemeine Stimmung hangelt sich zwischen anhaltendem Aufbruch und einkehrender Tristesse, transparent dargestellt von der sogenannten Generation X.
Zukunft also ähnlich ungewiss wie Wetterlage vom Folgetag, ja.
Eine ganze Heerschar an Musikern, besonders offensichtlich aus den Vereinigten Staaten, Seattle als auffälligster Button, schleift sich mehr oder weniger freiwillig auf die Rampe der Popmusik.
Im Gepäck nicht viel, außer einer gewissen Wut und Perspektivlosigkeit plus Jeans und Flanellhemden.
Boah, sind die alle authentisch. Potentiell alles deine Nachbarn.
80er-Edelglanz ist nicht mehr, hier leuchten auf den ersten Blick weder Makeup, Haarspray und Latexbüchsen, noch wird testosteron-geschwängert die Fahne des Rock’n Roll empor gestreckt.
Dafür fehlt den personalen Aushängeschildern der neu aufkommenden Szene auch sichtlich die Kraft, körperlich und seelisch. Zur Schmerzbetäubung und als Hubwagen der fehlenden Euphorie wird bekanntlich das halbsynthetisch hergestellte Opioid namens Heroin einmal quer durch die Karoreihen gegeben. Nicht ohne Folgen, wie man weiß.
Grunge? Aus jetziger Sicht wie ein dunkler Springbrunnen, der urplötzlich eine kreative Ladung frei schoss, welche im Eiltempo Hinterhoftruppen von eben auf das Titelbild des Rolling Stone und vor die MTV-Kamera buchsierte. Die Betroffenen waren noch überforderter mit der veränderten Situation, als die Verantwortlichen der Label-Etagen, die ihre kommerzielle Hoffnung im Nu in jede zweite Garagencombo setzten.
2008? Der kurzzeitige Wind, der vor wenigen Jahren unüberhörbar den Spirit alter Tage zurück in die Rocklandschaft wehen sollte, ist inzwischen über alle Berge.
Godsmack, Staind, Puddle of Mudd oder auch Nickelback dümpeln inzwischen eher in den hinteren Reihen der Szenerie bzw. haben die Grunge-Atmosphäre derart poppig-flach ins Songwriting geschoben, dass das Wort Seattle kaum noch Verbindung darstellen dürfte.
Doch was streunert durch die Presse? Die alten Helden selbst wollen zurück in das Geschehen drängen. Die Vorfreude hält sich in Grenzen. Genau wie beim lieblosen Comeback der Smashing Pumpkins, welches zwar im ersten Moment für hoch gestellte Ohren sorgte, sind die anstehenden Wiedervereinigungen eher Versuche.
Layne Staley ist genauso von uns gegangen wie Shannon Hoon, doch trotzdem sind es aktuell Alice in Chains und Blind Melon, die Infos über bevor stehende Konzerte und ggf. Neuveröffentlichungen um den Globus schicken. Die Köpfe der musikalischen Helden sind nun nur noch Erinnerung, was soll von neuen Organen kommen. Das bringt niemanden voran. Enttäuschung und Kratzer am Ansehen sind eher im Anmarsch, leider.
Und von der visuellen Darbietung des Kurt/Courtney-Dramas im großen Hollywood-Stil und der geplanten Rückkehr der Stone Temple Pilots, hört man die Tage auch mehr als erwünscht.
Zurück in die Zukunft? Alles fraglich.