Zum Marsch geblasen / die Fastnachts-Edition.
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MY CHEMICAL ROMANCE
The Black Parade
Label : Reprise ( Warner )
2006
Fasching ist so schrecklich anspruchslos. Och ne. Dann besitzen Zigaretten auch zu viel Nikotin, Bücherein zu viel Lesestoff und Scheunen übermäßig Heu. Manches steht fest und ändere sich bitte nie. Gefährlich wird es aber, wenn dir ein Elch als Bison verkauft werden soll.
Achtung, gerade entert eine schwarze Parade die Stadt. Aber von wegen straff geworfene Bierflaschen, Schwärme nachtfarbener Kapuzenpullis und brennende Mülltonnen . Bunt ist der Reigen, ausgelassen und im Auftrag des Elferrats, zumindest aus musikalischer Sicht.Textlich ist der Aufmarsch nämlich weniger eine keck geworfene Luftschlange, sondern als ein weiteres Konzept gedacht. Thema : Ein krebskranker Patient, der sowohl seinem Tod, als auch seinem zurück liegenden Leben in die Augen schaut. Vollgepackt mit Trauer, Angst und Reue, auch im Zusammenhang mit der heutigen Jugend. Wobei, halt mal, genau da sind wir doch. Inmitten der Sturm- und Drangzeit, zwischen der vertonten Poolparty unserer MTV-Diva Avril, dem letzten Abend der Klassenfahrt und einer Punkdemo, die keine ist.
Und da werden all die Problemchen gekonnt im Keim erstickt, alle sind dabei, keiner will’s später zugeben, also doch Karneval. Worte sind schneller verflogen, als die leichteste Caipi-Fahne, demnach: lieber gut besoffen, statt schwer betroffen.
Drama für die Massen schießt die Parade dermaßen zielsicher Richtung Meute, dass man sich ruckizucki beim kollektiven Mitfiebern des Titelsongs ertappt, und die raus lugende Verwandtschaft zu verdrängten Helden wie > Roxette < oder > Queen <, panisch weg tanzt.
> Dead! > punk-poppt sich ekstatisch in die Herzchen, dank Lalalalalala-Chören in wirklich jedes der Anwesenden. > I don’t love you > ist der zerrissene Liebesbrief am Spindschrank, mit fast echtenTränen, > Teenagers < mimt die Cheerleader-Hymne mit Marmor/Stein/Eisen-Anleihen, die > The Offspring < seit Jahren suchen und bei > Famous Last Words > gehen pathos-technisch alle Silvesterraketen in Startposition. Gitarren-Soli for everyone!
Nein, alles was hier an roter Flüssigkeit wild vergossen wird, kann sich nur um Cherry-Cola bzw. Tetra-Pack- Sangria handeln, blutig-kantig ist hier nix mehr und Hardcore auch nur die Konsequenz, mit welcher dieses fahrbare Theaterstück zelebriert wird. Schwarz ist heute neon. Doch sei’ s drum, wir sind ja alle so jung und süß. Danke für die Kussfreiheit.