Mit Horn, Saiten und Leidenschaft.
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BORKNAGAR
The Archaic Course
Label : Century Media ( SPV )
1998
Frei übersetzt bedeutet der Albumtitel des Drittwerks der Norweger soviel wie > der alte Kurs <, wobei man eindeutig Abstand von der daraus resultierenden Vermutung nehmen muss, hier wird uns die altbekannte Leier der Viking-Metal-Lehre geboten bzw. die Herr/Heerschaften greifen erneut auf die eher ungehobelten Klänge des Debüts aus dem Jahre 1996 zurück.
Genau das Gegenteil ist der Fall, denn so überzeugend wie sich im Laufe der leider nur guten halben Stunde vom durchschnittlichen Schwarzwurzel-Moor frei geschwommen wird, da vergisst man all die Vorurteile über mit glänzendem Schwertgut bewaffnete Hörnerträger.
Brummende Choräle, die zwischen wilden Schlachtfeldern und überfülltem Bierkrug wechseln, findet man hier genauso wenig, wie Flötengefiedel aus dem Karstadt-Keyboard, nach Atmosphäre buhlende Saitenspielerein ohne Weg und Ziel bleiben ebenso außen vor.
> Borknagar < erschaffen mit im Grunde einfachen Mitteln einen bemerkenswert dichten Klangteppich, gleichzeitig herrlich aufbrausend, dann aber so leidenschaftlich, bisweilen fast spacig und mit der gesunden Ladung Pathos, dass alle Etikette fallen.
Selten hat sich klarer Gesang so galant und doch eigenwillig den Weg durch die felsenfeste Metallwand gebahnt, manchmal ist Hauptorgan I.C.S.Vortex knapp vor dem kalkulierten Sturz in die Tiefe, ein knurriger Gegenpart hält die Balance jedoch aufrecht, außerdem die alten Black-Metal-Anhänger vorerst bei der Stange.
Archaisch wird oft in Verbindung mit Primitivität gesetzt, an dieser Stelle jedoch absolut haltlos, da die Szene-Nachbarn vorerst in die Röhre/Ofen glotzen, denn diese vertonte Kampfansage hat die verschneiten Wälder längst verlassen und lässt > Enslaved <, > Einherjer < oder > Helheim < im auffällig großen Schatten zurück.
Dass nicht alle diesen Pfad mit gehen können, ist verständlich, aber eher ein Indiz für die weitgreifende Kreativität, die aus dem nordischen Untergrund empor schießt.