Vorsicht Falle/n.
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THE HEART OF HORROR
Feels Like Falling (EP)
Label : RMR / Green Hell
2007
Da gibt es diesen Moment, wo alles zu viel zu sein scheint, so rasant, so laut, so unausgeglichen.
Die Sinne flehen nach Ruhe, Geborgenheit und Abstand vom bösen Tagesgeschehen. Bitte keine perverse Promopräsenz überall, kein Hetzen nach der kommenden U-Bahn Richtung Stadtmitte, weg mit den Medien-Alarmkommandos aller Orts.
Auszeit. Der Wasserkocher ist im Einsatz, die Fenster samt Vorhängen dicht, der Schlafplatz bereits gut eingerichtet. Endlich. Nicht für lange, nur einmal kurz ab vom Schuss. Gut gebettet möchte man werden, gerne auch mit Hilfe.
Mathias Reetz, Kopf des Projekts > The Heart Of Horror <, ist da ein guter (Schlaf-) Therapeut, und das im wirklich positiven Sinne.
Während die internationale Singer/Songwriter-Gesellschaft derzeit oft an ihren eigenen Überambitionen stolpert (> Ryan Adams <), ein wolkenkratzer-hoch-überfrachtetes Audio-Kollektiv rauswirft (> Bright Eyes <, leider), ihrem plötzlichen Wirbel auf dem Pop-Parkett gar nicht gerecht werden (> Two Gallants <) ist es nun überraschend besagter Hattinger, der dem Genre des traditionellem Liedguts kreativen Atem einhaucht.
Die EP > Feels Like Falling > ist der federleichte Traumtanz, den der Titel bereits andeutet. Hier wird sich Zeit genommen, vor allem aber zurück genommen. Das Wesentliche ist die sanft angeschlagene Akkustik-Gitarre und das sich passend hinzu gesellende Organ des ansonsten beim Indie-Dreiergespann > Junias < werkelnden Mathias.
Rastlos soll er sein, schreibt man über ihn, ständig unterwegs. Doch die Kompositionen klingen aufgeräumt, gar nicht von Zeitdruck besetzt, oder zwischen Kofferpacken und Routenplaner ausdrucken entstanden.
Vor allem in Begleitung der weiblichen Gaststimmen werden hier wahre Perlen ausgerollt. Ob nun der Eröffnungssong > Undercover > oder auch das abschließende > Pirate >, der Wohlfühlfaktor steigt, der Blutdruck sinkt, das Kissen freut sich.
Ein echter Hit wird mit > Whatever makes you sad < auch noch zelebriert, da könnte man das grüne Plüschtier aus dem sympathischen Videoclip zu > Let it go > (Tipp !) knuddeln bis zum Sonnenuntergang.
Der erwartete Horror bleibt also aus, das Herz wird hingegen ausgiebig verwertet -gut so. Die komplette erste Scheibe wird hoffentlich bald hinter her fliegen, schließlich kommen die angesprochenen Momente schneller als man zu hoffen mag.
Ach, wenn’s mich nur fröstelte.
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MINUS THE BEAR
Planet Of Ice
Label : Undergroove ( Indigo )
2007
Sich immer passend zu kleiden, kann persönliches Anliegen oder eben unreflektierter Instinkt sein, im Falle des Polarfuchses dient die Jahreszeiten-zugehörige Fellbedeckung zur Tarnung.
Im schneeweißem Kleid lässt es sich logischerweise unauffälliger durch das kanadische Hinterland oder gar auf Treibeis des Nordpolarmeers streifen, außerdem gilt jener Pelz als der kälteresistenteste aller Säugetiere.
Der buschige Schwanz kann auch als Schutz um die gedrungene Schnauze gelegt werden, gerade wenn er auf sich alleine gestellt umher streunt, zumindest ein zuverlässiger Freund.
Die Fähigkeit, Höhlen mit unglaublich komplexen Gängen zu erbauen, ist wahrlich ausgefuchst.Seine Beute greift er fast vorsichtig aber absolut zielsicher an-zack!-und als Überlebenskünstler verschmäht er in Notphasen auch weder Beeren, noch Kot anderer Kollegen.Der Mensch verschmäht gewisse Kleidung bekanntermaßen auch selten, darum wird auf den ebenfalls Eisfuchs genannten Räuber auch mancherorts eine Jagdprämie ausgesetzt.
Wie unschön, gibt es doch wenige kleine Visagen der Tierwelt die derart drollig, anheimelnd und wiederum unnahbar drein schauen können.
Mit Horn, Saiten und Leidenschaft.
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BORKNAGAR
The Archaic Course
Label : Century Media ( SPV )
1998
Frei übersetzt bedeutet der Albumtitel des Drittwerks der Norweger soviel wie > der alte Kurs <, wobei man eindeutig Abstand von der daraus resultierenden Vermutung nehmen muss, hier wird uns die altbekannte Leier der Viking-Metal-Lehre geboten bzw. die Herr/Heerschaften greifen erneut auf die eher ungehobelten Klänge des Debüts aus dem Jahre 1996 zurück.
Genau das Gegenteil ist der Fall, denn so überzeugend wie sich im Laufe der leider nur guten halben Stunde vom durchschnittlichen Schwarzwurzel-Moor frei geschwommen wird, da vergisst man all die Vorurteile über mit glänzendem Schwertgut bewaffnete Hörnerträger.
Brummende Choräle, die zwischen wilden Schlachtfeldern und überfülltem Bierkrug wechseln, findet man hier genauso wenig, wie Flötengefiedel aus dem Karstadt-Keyboard, nach Atmosphäre buhlende Saitenspielerein ohne Weg und Ziel bleiben ebenso außen vor.
> Borknagar < erschaffen mit im Grunde einfachen Mitteln einen bemerkenswert dichten Klangteppich, gleichzeitig herrlich aufbrausend, dann aber so leidenschaftlich, bisweilen fast spacig und mit der gesunden Ladung Pathos, dass alle Etikette fallen.
Selten hat sich klarer Gesang so galant und doch eigenwillig den Weg durch die felsenfeste Metallwand gebahnt, manchmal ist Hauptorgan I.C.S.Vortex knapp vor dem kalkulierten Sturz in die Tiefe, ein knurriger Gegenpart hält die Balance jedoch aufrecht, außerdem die alten Black-Metal-Anhänger vorerst bei der Stange.
Archaisch wird oft in Verbindung mit Primitivität gesetzt, an dieser Stelle jedoch absolut haltlos, da die Szene-Nachbarn vorerst in die Röhre/Ofen glotzen, denn diese vertonte Kampfansage hat die verschneiten Wälder längst verlassen und lässt > Enslaved <, > Einherjer < oder > Helheim < im auffällig großen Schatten zurück.
Dass nicht alle diesen Pfad mit gehen können, ist verständlich, aber eher ein Indiz für die weitgreifende Kreativität, die aus dem nordischen Untergrund empor schießt.
Die große Frage :
Wird dich die Apokalypse als erstes erwischen ?
PART I :
Du wirst am Montagmorgen sorgfältig von der einstrahlenden Sonne wach gekitzelt, du denkst :
A : So kann die Woche starten…hm…wird das heute wieder spannend.
B : Kann jemand diesen hellen Bastard ausstellen, ich kotze.
C : Was geschieht mit mir ? Na, ob das gut geht.
PART II :
Du hast Feierabend / Schulschluss, was gönnst du dir als flüssigen Snack ?
A : Einen Kaffee, aber schwarz wie die Nacht.
B : Diesen feinen Anti-Stress-Tee mit Ingwer oder Salbeiextrakt.
C : Ich trinke zum Abendessen doch erst wieder etwas.
PART III :
Du stehst in der Videothek um die Ecke, auf welches Abenteuer fällt deine Wahl ?
A : Die erste Staffel >Dawson´ s Creek<, gerne auch >Eine himmlische Familie<.
B : >Apocalypse Now< in der Exklusiv-Edition.
C : Irgendeine starke Musik- DVD.
PART IV :
Du bist am späten Abend in einer verlassenen Gegend zu Fuß unterwegs.
Ein kaum definierbares Geräusch schleicht sich direkt in deine Richtung.
Du denkst … ?
A : Endlich ist es soweit, sie kommen…Erlösung !
B : Gut, dass ich das mobile Telefon in der Jackentasche habe.
C : Oh nein, nun nichts wie weg, wäre ich gar nicht erst aus dem Haus gegangen.
PART V : Auf welchen Feiertag freust du dich am meisten ?
A : Natürlich Weihnachten, so schön romantisch.
B : Ich freue mich über jeden Tag und Gründe zum Feiern ergeben sich von selbst.
C : Meinen Todestag. Die, die, die !
PART VI :
Du gewinnst bei einem Gewinnspiel eines Radio-Senders eine Reise, wohin soll es denn gehen ?
A : Mallorca wäre herrlich, ist ja tatsächlich auch eine wundervolle Insel zum Ausspannen.
B : Death Valley.
C : Ach, ich gewinne doch nie. Die wollen mir sicher nur einen Bären aufbinden.
PART VII :
Die Überschrift deiner Biographie könnte wie lauten ?
A : Von einem erfüllten Leben.
B : Life sucks and I will kill you all !
C : Gute Zeiten, schlechte Zeiten.
PART VIII :
Es ist Samstag und du bist mit hoher Flirtbereitschaft in der City unterwegs, wie stellst du dich gekonnt an ?
A : Ich bestelle mir eine Cola und warte bis mir jemand zu blinzelt.
B : Ich lege keinen Wert auf diese Art des Kennenlernens.
C : Wenn mich so hackenstraff und zu gequarzt noch jemand braucht, wird er es bitterböse bereuen. Gewalt ist auch eine Lösung.
PART IX :
Welche Erkrankung könnte dich möglicherweise eines Tages ereilen ?
A : Krebs, und zwar überall.
B : Meine Mutter hat immer gesagt : Genieße die Zeit, solange du gesund bist.
C : Möglicherweise Herz-Kreislauf-Probleme oder der Darm macht mir eines Tages Sorgen.
PART X :
Ein starkes Gewitter überkommt dich bei einer Fahrrad-Tour, wie reagierst du ?
A : Kapuze über und ordentlich in die Pedalen treten.
B : Ich lehne mein Fahrrad an ein beleuchtetes Gebüsch an und warte an der Bushaltestelle auf die nächste Linie oder meine Familie holt mich ab.
C : Ich werfe den verdammten Drahtesel in den Sumpf und warte, bis mich der Blitz trifft.
PART XI :
Du bekommst überraschend Gäste zum Abendessen, was wird serviert ?
A : Oh, für Überraschungen bin ich weniger zu gebrauchen. Hoffentlich mögen die alle etwas aus der Tiefkühltruhe, sonst muss ich noch mal los zum >Aldi<.
B : Na tolle Überraschung ! Wer Hunger hat, die wissen wo die Tür ist, blöde Schnorrer !
C : Das können wir doch gemeinschaftlich entscheiden. Vielleicht bestellen wir uns telefonisch etwas bzw. machen Reste-Essen aus dem Kühlschrank.
PART XII :
Dein obligatorischer Gruß zum Abschied ?`
A : Vielleicht sieht man sich bald wieder.
B : Ich meld mich !
C : Geh heim !
Lösung durch Addieren der jeweils zutreffenden Buchstaben und den zugehörigen Zahlen !
| Frage | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | XI | XII |
| A | 1 | 3 | 1 | 3 | 2 | 2 | 1 | 2 | 3 | 3 | 1 | 1 |
| B | 3 | 1 | 3 | 2 | 1 | 3 | 3 | 1 | 1 | 1 | 3 | 2 |
| C | 2 | 2 | 2 | 1 | 3 | 1 | 2 | 3 | 2 | 3 | 2 | 3 |
Ergebnis :
12 – 21 Punkte : Kind des Lichtes > nicht mehr lange !
Dir scheint es gut zu gehen, viel zu gut, sollte man vielleicht sagen.
Nur weil du dank dem ewigen Welpenschutz der Familie, oder einfach der fehlenden Reichweite deines Horizonts, weder den Begriff >Apokalypse< kennst, noch den Sinn des baldigen Endes aufnehmen kannst, bist du nicht gefeit vor der nahenden Präsenz des Glockenschlages. Mach die Augen auf und entkomme aus dieser künstlichen Schutzkapsel, denn sonst wird es bald blutige Schlachten mit deinem nimmer satten Optimismus hageln !
22 – 29 Punkte : Anhänger der Sparflamme > halb leer ist das neue halb voll !
Wer hat denn behauptet, der Mittelweg wäre der Richtige ?
Wie gekonnt du auch versuchst durch das Abwägen und dem Yin/Yang-Denken aus der großen Nummer rauszukommen, der Medium-Schuss geht nach hinten los. Stellung beziehen ist nicht tödlich, Kollege/in ! Schon mal livehaftig versucht, zwischen zwei Stühlen zu stehen? Entscheide selbst und konsequent, solange du kannst, sonst tut es jemand anders
( kein Kirschen-Essen!).
30 – 36 Punkte : Jünger der Einsicht > ready to fall !
Nah am Abgrund zu spazieren ist die beste Voraussetzung, um den abrupten Sturz in das Dunkle zu ertragen. Wer will schon schön reden, wenn die unaufhaltbaren Tatsachen doch bereits ihre Pforten geöffnet haben. Lass dich nicht ärgern wegen dem Kopf-hängen-Lassen.
Da wirst du wenigstens nicht geblendet und kannst vorbereitend Richtung Abgrund blicken.
Raise hell, time is running out for the planet earth…earth….ear….e….exit.
Zum Marsch geblasen / die Fastnachts-Edition.
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MY CHEMICAL ROMANCE
The Black Parade
Label : Reprise ( Warner )
2006
Fasching ist so schrecklich anspruchslos. Och ne. Dann besitzen Zigaretten auch zu viel Nikotin, Bücherein zu viel Lesestoff und Scheunen übermäßig Heu. Manches steht fest und ändere sich bitte nie. Gefährlich wird es aber, wenn dir ein Elch als Bison verkauft werden soll.
Achtung, gerade entert eine schwarze Parade die Stadt. Aber von wegen straff geworfene Bierflaschen, Schwärme nachtfarbener Kapuzenpullis und brennende Mülltonnen . Bunt ist der Reigen, ausgelassen und im Auftrag des Elferrats, zumindest aus musikalischer Sicht.Textlich ist der Aufmarsch nämlich weniger eine keck geworfene Luftschlange, sondern als ein weiteres Konzept gedacht. Thema : Ein krebskranker Patient, der sowohl seinem Tod, als auch seinem zurück liegenden Leben in die Augen schaut. Vollgepackt mit Trauer, Angst und Reue, auch im Zusammenhang mit der heutigen Jugend. Wobei, halt mal, genau da sind wir doch. Inmitten der Sturm- und Drangzeit, zwischen der vertonten Poolparty unserer MTV-Diva Avril, dem letzten Abend der Klassenfahrt und einer Punkdemo, die keine ist.
Und da werden all die Problemchen gekonnt im Keim erstickt, alle sind dabei, keiner will’s später zugeben, also doch Karneval. Worte sind schneller verflogen, als die leichteste Caipi-Fahne, demnach: lieber gut besoffen, statt schwer betroffen.
Drama für die Massen schießt die Parade dermaßen zielsicher Richtung Meute, dass man sich ruckizucki beim kollektiven Mitfiebern des Titelsongs ertappt, und die raus lugende Verwandtschaft zu verdrängten Helden wie > Roxette < oder > Queen <, panisch weg tanzt.
> Dead! > punk-poppt sich ekstatisch in die Herzchen, dank Lalalalalala-Chören in wirklich jedes der Anwesenden. > I don’t love you > ist der zerrissene Liebesbrief am Spindschrank, mit fast echtenTränen, > Teenagers < mimt die Cheerleader-Hymne mit Marmor/Stein/Eisen-Anleihen, die > The Offspring < seit Jahren suchen und bei > Famous Last Words > gehen pathos-technisch alle Silvesterraketen in Startposition. Gitarren-Soli for everyone!
Nein, alles was hier an roter Flüssigkeit wild vergossen wird, kann sich nur um Cherry-Cola bzw. Tetra-Pack- Sangria handeln, blutig-kantig ist hier nix mehr und Hardcore auch nur die Konsequenz, mit welcher dieses fahrbare Theaterstück zelebriert wird. Schwarz ist heute neon. Doch sei’ s drum, wir sind ja alle so jung und süß. Danke für die Kussfreiheit.
Der Tee ist fertig !
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ABOUT SONGS – CLUB : THE HEART OF HORROR & AUDREY
GRUENER JÄGER
HAMBURG
31.10.2007
Statt im obskurem Outfit, zwischen Zauberer on Speed und Fleisch gewordener Kürbisfratze, die Straßen der Hansestadt unsicher zu machen, bietet sich ein weniger gespenstisches, umso mehr fein-gediegenes musikalisches Zusammenkommen im fast immer ehrwürdigen > Grünen Jäger < an.
Dass dem Schreiber gewisser halbtrockener Wein, der genauso halbedlen Spezies, bis zum Anschlag stand, bleibt hier außen vor, denn auch in neutraler Ausgangsposition hätte der Abend seine Wirkung nicht verfehlt.
Das Ein-Mann-Projekt > The Heart Of Horror < spielte sich mit dem wahrlich minimalistischen Liedgut direkt in das noch fröstelnde Herz.
Mathias Reetz , ebenfalls Mitglied der eher alternativ rockenden Truppe > Junias < , plus sanft angeschlagener Gitarre – ruhig, traurig, nachdenklich, so wie es die MySpace-Seite bzw. die frisch veröffentlichte EP > Feels Like Falling < bereits ankündigte.
Und ein Böser, der unterstellt, lediglich die abschließende Coverversion des nett abgeschirmten > Rihanna < – Sommerklopfers, und die persönlichen bedächtigen Einwürfe zwischen den Stücken, animierten zum Aufhorchen. Und dass Vertreter der jungen Singer/Songwriter-Garde nicht nur betroffen schmollen können, bewies Herr Reetz fannah hinter dem Tresen.
Ach ja, es gab ja auch einen offiziellen Headliner des Abends: Audrey aus Schweden. Vier Damen, die die beige-graue Sonntagmorgenstimmung von der Bühne ungefiltert in das Jagdhaus aussandten. Bei Augen zu > karge Felder, Teetassen mit alten Beuteln, Gedanken an ähnlich alte Freunde und die Wirkung vom Spiritus in den Gliedern.
Melancholisch und angenehm getragen, aber leider auch nicht zwingend oder packend genug, um sich nicht dank Hilfe fremder Mitmenschen vom Geschehen ablenken zu lassen. Ja, es setzte erwartungsgemäß keine > Ausziehen! < – Rufe von hinten links, aber eine > Bionade < hätte mir die liebe Rebecka doch noch ausgeben können, gerne sogar im gewagten Hexenkostüm.
Die Sehkraft in pink.
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Is Is EP
Label : Polydor ( Universal )
2007
Alles Schlampen !
Immer wieder das selbe. Einmal kurz zu ihr umgedreht und sie hat dich da, wo sie dich sehen möchte: am Boden, mit panisch wummerndem Herz. Jaja, der Verstand weiß ganz genau, this is just a test.
Man will ja nichts falsch machen, also anstarren, von oben bis unten, und lernen.
Sind wir hier auf’m Kiez, oder wie ?
Knack, plötzlich ist die Runde vorbei. Man fühlt sich dreckig, benutzt und wertlos. Spinnt die Alte ? Wer bin ich denn ?
Der Ärger verfliegt aber schnell und zurück bleibt eine erneut rosa verfärbte Brille ohne Weitsichtfunktion.
Es fängt schon an, bevor man überhaupt ja gesagt hat: > Rockers To Swallow <
mit der angriffslustigen Raubkatze im Trommeldelir, noch ein verwegenes
>Hey! < von hinten, und ich muss bereits gehen. Doch keine Fluchtmöglichkeit in greifbarer Nähe, dafür sorgt das erotisch-getragene > Down Boy < mit einem dunklen Fingerschnipsen und der musikalische Zungenschlag > Kiss Kiss < mit quer verwischtem Lipgloss in perfekter Inszenierung.
Wie in Stein gemeißelt steht die gute Miss O. beim Titelsong da, die Bühne ist ein Lichtermeer, wechselnd zwischen kühlstem Blau und einstechendem Rot, die Gitarren umflirren sie wie Schmetterlinge ein keckes Reh im klassischen Disney-Kino. Der EP-Abschluss > 10 x 10 < tönt mit seinem tanztauglichem Klanggerüst wie die Begleitung zum abendlichen Großstadtflirt, wobei hier nur ein Name Objekt der Begierde bleibt. Ich danke, die Gedanken sind traurig bis blutig unterlaufen.
Und, so schlecht sind meine Augen gar nicht, die Brille bleibt trotzdem auf.
Willkommen in der Cheers-Connection.
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Friend And Foe
Label : City Slang ( Universal )
2007
Zum Wochenende die Innenstadt nach Sonnenuntergang zu durchqueren, gleicht oft einem Kampf mit dem inneren Schweinehund bzw. des eigenen Anspruchs, schwirren doch Eindrücke am Sichtfeld vorbei, die den Zeigefinger mal mehr oder selten weniger gen Rachen wandern lassen.
Ein besonderes Exemplar der Gattung > Abendgestaltung < nennt sich Cocktailparty, abgehalten in stehender Position. Da läuft schon mal alles schief:
Die Beleuchtung ist zu grell, das Publikum im Grunde schon dermaßen raus, die Preise eine Frechheit und die Musik greift das Wort Zumutung auf.
Bei den ersten drei Punkten ist Rettung weder in Sicht, noch angebracht, doch wenn es um die Klangkulisse geht, könnte Abhilfe geschaffen werden.
Lässt man nun weder eine dieser unsäglichen Chill-Out-Ramschplatten, noch die bedingt stilvolle Jazzpop-Kollektion vom Wühltisch auf die hippe Proseccogemeinde los, sondern zum Beispiel den neuesten Output der Portlander >MENOMENA< namens > Friend And Foe <, würde die sterile Tristesse der lauten Meute möglicherweise im eigenen Jil Sander-Nebel ersticken.
Abgedreht, leicht obskur, immer aber so herrlich bunt und knackig, dass sich die süße Brühe im Glas wie von alleine verflüchtigt. Sicher wird niemand der Anwesenheiten den Begriff >Art-Rock< zum Thema ausstellen wollen, schließlich ist Samstag und der nächste Montagmorgen kommt bestimmt. Wie schnell aber hat man den nächsten halbcoolen Scheiß verpasst, dann mal lieber nix sagen und diese wilde Popaufführung im Background unkommentiert laufen lassen, tolerant und weltoffen ist ja die Devise. Und außerdem sind es vielleicht genau diese Minuten jüngste Musikgeschichte, die den Soundtrack zur perfekten individuellen Abendperformance vor Ort darbieten.
Mit der glorreich getragenen Piano-Schnulzette >Rotten Hell< aus der Designer-Anlage, fließen die Gespräche zum Thema Abo der >Wirtschaftswoche< umso besser, >Wet & Rusty< lässt dank der sonnendurchtränkten Melodie das auffällige Blinzeln des Typen am Nachbartisch zum kleinen Höhepunkt des Events mutieren und beim Ertönen der fetzigen Saxophon-Samples in >Boyscout’N< wird der Weg Richtung Toilette zum inoffiziellen Catwalk.
Dass beim Rausschmeißer-Doppel des Albums >Ghostship< und >West<, die Belegschaft zwischen funkelnden Kreolen im Ohr und der frisch gedruckten Visitenkarte in der Jackentasche, tatsächlich ob der so fragil-leidenden Atmosphäre, über Sinn und Zweck des Daseins grübeln, bleibt eher ungewiss.
Home sweet home.
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POPULÄRMUSIK AUS VITTULA
Regisseur : Reza Bagher
Darsteller : Niklas Ulfvarsson, Max Enderfors, Lasse Beicher
Spieldauer : 100 Minuten
DVD – Erscheinungstermin : 29. September 2006
Die eigene Unzufriedenheit beherrscht doch gerne und immer wieder den Alltag plus Lebensführung und lässt das Leben der anderen als bedeutend unbeschwerter und weniger problembeladen wirken, hindert einem an möglicher Weiterentwicklung, längere Sonnenperioden kaum in Sicht. Man ist sich selbst am nächsten, stirbt sowieso nur für sich alleine und das ganze trara.
Letztlich kreuzen einen dann unregelmäßig Situationen, welche nicht selten mehr oder weniger verdeutlichen, dass die eigene Existenz wohl doch nicht die verfluchteste A-Card gezogen hat.
Der einstige > Everybody’s Darling< der Schule fristet 5 Jahre nach Abschluss ein jämmerliches Nischendasein, ganz ohne Groupies mit Pausenbrot in der Hand, Cliquen sind eh gelaufen und von wegen, der wird es mal ganz weit bringen, die ranzige Kleinstadtdisse bleibt die letzte Stätte zum Darstellen, nur ohne Bewunderer.
Die früher so nach Erfolg und Anerkennung beim Lehrerkollektiv grabschende Brillenträgerin, hat nun ihre Zelte im Ausland aufgeschlagen, Brasilien oder Spanien heißt es. Dass dies nicht automatisch ein ausgefülltes Leben mit der beneidenswerten Ladung Glückseligkeit und Individualität ausmacht, wird einem erst nach einer eher ernüchternden Mail aus der Ferne klar.
< Populärmusik aus Vittula > ist so ein Streifen, der einem auf raffinierteste Weise vor Augen hält, wie viel trister und verschrobener die anderen Umstände namens Leben eigentlich sein könnten.
Da wartet der gefühlskalte Vater stets mit dem Gürtel schwingend vor dem Haus, während die Hausfrau sich resignierend in ihrer eigenen Schutzkapsel von Tag zu Tag schleift und bei der Aufforderung des Sohnes, doch mal Arbeit zu suchen, völlig in sich ein stürzt.
Trinkfest sind die Einwohner des nord-schwedischen Pajala allesamt. Außerdem heißt es für die rauen Männer, sich regelmäßig in ausladenden Saunawettbewerben, und für die Damen ( wobei das Wort hier eher zynisch gewählt ist ) in Fingerhakeln zu messen. Die Frauenwelt hat es hier faustdick hinter den kühlen Ohren, geht es nämlich um Geschlechtsverkehr, kennen sie kein Halten mehr. Da kann die gesamte Hochzeitsgesellschaft vor Ort sein, kein Hindernis, den mindestens zwei Generationen jüngeren pupertierenden Matti rücksichtslos zu entweihen. Selbst die Anwesenheit der latent unästhetischen regionalen Gymnastikgruppe kann den armen Jungen vor sexuellen Überfällen nicht retten.
Die eigene Großmutter pustet selbst vom Sterbebett noch die vernichtendsten Feindlichkeiten gen Family.
Und wer immer mit der möglichen Präsenz des durchgeknallten, jagenden Hausmeisters und vor allem eines ranzigen Waldschrats, mit einer überdeutlichen Vorliebe für Jungs und seltsame Tinkturen, rechnen muss, kann keine unbeschwerte Jugend durchleben.
Gut, dass da der neue Musiklehrer Greger eine gefühlte Revolution mit seiner Ankunft startet. Wer tritt schon siegesgewiss mit Fahrrad gegen die Rasanz des Schulbusses an.
Es sind schließlich die 60er, die > Beatles < kommen und damit auch die Welle des Rock´n Roll. Alles verweichlichter Mist, der O-Ton der konservativ eingestellten Einwohner.
Doch die Stärke von Freundschaft hält diesen Berg von schlechten Vorraussetzungen doch stand, oder nicht ?
Das ist eben die Geisel mit Erwartungen.
Geht man nämlich mit dieser in die Verfilmung des Romans von Mikael Niemi, dass sich ein Rundumpaket der Witzigkeit vor einem öffnet, dann wird sie nicht erfüllt.
Dafür bekommt man ein 100-minütiges Stück skurriler Unterhaltung mit einer Wagenladung Seele geboten.
Alle Charaktere bleiben haften, nicht weil so überzogen gemimt, sondern weil dermaßen eindringlich inszeniert, dass zwei mal in Folge schauen eher anzuraten, als nur zu empfehlen ist.
Hier werden sowohl dialogtechnisch, als auch dramaturgisch gekonnt Haken geschlagen, dass wiederholendes Stirnrunzeln nicht auszuschließen ist.
Darum geht es letztlich ja, überrascht zu werden und wenn anschließend Fragen über der Schädeldecke kreisen, muss das nicht immer ein Zeichen von schwierigem Filmgut sein.
Übrigens kann man froh sein, da zu sein, wo man ist. Ist ja nicht alles schlecht hier.
MIXTAPE TAPE
Ich glaube, ich habe sie verloren.
Es gab keinerlei Anzeichen dafür, und dass ich es habe kommen sehen, würde ich auch abwinken. Dabei gab es da doch diese Verbindung, vor allem jedoch diese Überzeugung.
Eine Leidenschaft, die letztlich so herrlich intim war, bereits so viele Stunden des Lebens kostete und ganz ohne Einfluss von den direkten Mitmenschen ausgelebt wurde.
Ob es nun durch die Tristesse einer der zahlreichen zähflüssigen Sonntagnachmittage ausgelöst wurde, oder es mich abrupt kurz vor dem Schlafengehen packte, auf einmal gab es kein Halten mehr. Platten neben die Anlage stapeln, aber zackig.
Komische Blicke erntete man schon bei der Nachfrage von Bekannten, was ich denn in einem der einschlägigen Multimedia-Riesen kaufen wolle, und zaghaft mit dem Wort >Audiokassetten< antwortete.
Manch einer wüsste diese kleinen Raritäten gar nicht mehr zu händeln, Abspielen – aber wie eigentlich ? Kenner können da nur enttäuscht mit dem Kopf schütteln. Während ich im hochgetunten Kleinwagen des Kollegen überall unbeschriftete CD-Rohlinge wild in der Karosserie rumliegen sah,
ohne Wissen und Interesse, was das Netz da so alles auf den Datenträger zog – Hitparaden-Sternchen mit einem Haltbarkeitsdatum von 2 Monaten bleiben auch eher schlecht im Hirn hängen, soll wohl auch nicht anders sein – überkam mich diese Abscheu vor dem fast-food-artigen Umgang mit der Sache, die doch so viel ungeteilte Aufmerksamkeit verdient.
Die Nachbarn in der Bahn lauschten sich quer durch ihren I-Pod, ich derweilen versteckte meinen Walkman im Rucksack und hoffte, das Rauschen und laute Gespule blieben unbemerkt.
Ich hatte da diese rote Kassettenbox aus lederähnlichem Material, bestückt mit einer Reihe von selbst kreierten Soundtracks für den Alltag.
Aber da der gar nicht so trottelig ist, wie behauptet wird und ganz klar von unterschiedlichsten Stimmungen geleitet wird, müssen auch die Klangkollektionen dementsprechend bestimmten Themen folgen.
Mein erstes Band nannte sich > Das Drogentape <. Da musste dem Titel natürlich Entsprechendes geliefert werden und so wurde dieser wabernde Cocktail aus Balladen der damaligen Rockmeister und eher seltsamen Popliedchen mit Electro / Folkeinschlag schnell zum Begleiter von kaum zu zählenden Nachtfahrten mit und ohne Anhang.
Sogar im kollektiven niederländischen Zelturlaub hatten die 90 Minuten ihren Auftritt am Feuerwerks-Strand und durchzechte Abende fanden nicht selten ihren Abschluss im Genuss des besagten Bandsalats.
Es folgte das > Good Morning Tape >, welches passender Weise die noch müden Ohren mit einem eher sanft gepackten Korb empfing.
Die ersten Sonnenstrahlen des Tages lassen sich eben noch etwas mehr mit dem musikalischen Hahnenschrei von > Mazzy Star < über > The Coral < bis zu den > Eels < genießen.
Was als kleine Angelegenheit zwischen Zeitschrift durchstöbern und Abwasch erledigen begann, wurde immer mehr zu einer regelmäßigen Befriedigung. Ob nun > Apres Ski Hits <, > Siesta Tape < , Rockschatulle < , > Hitklistier < oder die > Rotation < – Reihe. Die Box wurde immer voller, die Mixturen ausgefeilter, die Zeit zwischen der Erschaffung von zwei Tapes stets kürzer. Und sie liefen immer bewusster im Hintergrund beim Spieleabend oder als Partybeschallung zum Männertag. Wenn dann noch nach gefragt wurde, welcher Interpret das denn war und wie man nur an all die Sachen käme, fühlte ich mich gut und bestätigt, der DJ ohne Geld und Tanzfläche.
Doch das Blatt wendete sich langsam. Die anfängliche Liebe für die einzelnen Stücke und die Zusammenstellung unter einem Motto, geisterte bald nur noch im Hintergrund. Waren es die wirklich besten Stücke? Sei’s drum. Hauptsache, es ist der neueste Scheiß, die Hits vom übermorgigen Indie-Dancefloor. Masse statt Klasse hieß es immer lauter, ohne mein Wissen. Wo war denn der spannende Moment vom Betätigen des Record-Knopfes geblieben und die Aufregung vor dem ersten kompletten Durchhören eines fertigen Werks.
Verflogen, auf der Fahrt liegen geblieben.
Kann ich mich denn nicht einfach wieder aufraffen?
Beim nächsten Dauerregen kommt die Laune doch bestimmt.
Wohl eher nicht. Sie sind alle noch da, die Dokumente der Zeit.
Wegwerfen fällt aus, Überspielen ist Todsünde.
Doch die Gedanken an meinen ersten MP3-Player rücken dichter.
Ich = Verräter ? Dann soll es so sein. Doch in Zeiten, in welchen sich die Regale mit Audiokassetten stetig verkleinern, laufe ich nicht verächtend oder belächelnd an diesen jenen vorbei, sondern denke grinsend an > Das Drogentape <. Schön war’s. Könnte ich mir ja auf den Rechner ziehen.
Dauerschlaf auf Hochniveau.
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MASSIVE ATTACK
Mezzanine
Label : Circa ( EMI )
1998
War der Wecker tatsächlich schon immer so laut ?
Vor allem aber, ist es möglich, dass er es schafft, sich unaufhaltsam näher Richtung Ohrmuscheln vor zu arbeiten ? Seltsam.
Das Herz schlägt aber eindeutig langsamer als der hypnotische Sekundentakt da neben einem. Es kann nicht sein, dass man allen Ernstes fordert, Gliedmaßen aus dieser warmen Höhle namens Bett zu befördern – würde ja auch den Herzschlag verändern.
Wer braucht schon Fenster bzw. wann befestige ich diese Vorhänge, nach dem Umfärben in schwarz, endlich dauerhaft ?
Moment, bin ich wirklich alleine in diesem Raum ? Man könnte annehmen, die liebliche Nachbarin mit der eindringlichen Tagesmutterstimme hätte unbemerkt die Wände abgerissen um mir ein morgendliches Ständchen zu bieten. Jetzt bleibe ich erst recht liegen, wenn nur ihr meditativ bewanderte Gatte nicht wäre, der ihr eher selten den Vortritt lässt.
Habe ich womöglich gar nicht geschlafen, sondern bin noch immer inmitten einer dieser Therapiestunden zum Thema Katatonie ?
Die Laute der Straße verfremden sich immer mehr zu einem dissonanten Wirrwarr.
Hätte ich nur etwas mehr Wasser getrunken. Das Wort Schädel-Hirn-Trauma verfängt sich in meinen Gedanken. Ich bin wohl im Aufwachraum ? Aber halt, ich will gar nicht erwachen.
Meiner Rechnung nach herrscht noch immer offizielle Ruhezeit…ach, jetzt kehrt sie ein.
Auch ohne Push kein Yeah! zuviel.
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YEAH YEAH YEAHS
Show Your Bones
Label : Polydor ( Universal )
2006
Das ist schon ein Kapitel für sich, mit den Damen im Rock – Zirkus.
Viele tauchen in der Manege auf, zeigen uns kurz und prägnant ihre Künste, doch außer dem hübschen Gesicht bleibt letztlich wenig von der Vorstellung zurück. Oder aber es handelt sich um die wahrlich großen Damen, die anfangs nur mit dem kleinen Finger locken und – peng ! – haben sie dich und du bist ihnen verfallen, selbst wenn die Zelte schon die nächste Stadt erreicht haben.
Es war eine dieser größenwahnsinnig angelegten US – Awardverleihungen.
Eher entsetzt und gelangweilt über all den billigen Lack der VIP – Schönheiten, schleppte ich mich durch das Programm, bis sie kam > Karen O !
Nennt sie nur überbewertete Style – Ikone, Pseudo – Avantgardistin oder einfach nervige Indie – Schnalle – sie trotzt alledem.
Der elektrifizierende Glamour, den sie da versprühte, er hält an bis zum heutigen Tag. Hier geht es nur um Image ? Mitnichten ! Musikalische Eckdaten ? Bitteschön !
Vergesst die erste Platte , die vorzeitige Perfektion erreicht das New Yorker – Dreigespann erst mit >Show Your Bones<. Ein Album, welches nicht in bestimmten Situationen zum Auflegen einlädt, sondern einfach immer funktioniert und vor allem immer wieder und immer öfter.
Mit der Hit – Single >Gold Lion< als Eröffnung kann schon mal nichts mehr schief gehen, der Alternative – Club deines Vertrauens würde das unterschreiben. Doch, was heißt hier Hit? Das >All Killers – No Fillers< – Prinzip greift im Falle dieser 39 Minuten nämlich bedingungslos.
>Phenomena< kommt mit seiner staksigen Tanzrhythmik cooler um ´s Eck, als du je sein möchtest, während >Warrior< die ergreifende Lagerfeuerballade mimt, die man sich nach dem >Fever To Tell< – Übersong >Maps< erhofft hat, und >Turn Into< gibt uns abschließend die musikalische Nachtfahrt, die nie enden soll.
Wo ist der Punk, das Chaos und der hohe Fun – Level von alten Tagen ?
Etwa im Laubdickicht versteckt, in dem das Trio im Booklet lässig halt macht ?
Es ist alles noch da, liebe Zweifler, nur anno 2006 eben in der kanalisierten Fassung. Während Miss O. uns einst am liebsten die frisch gewetzten Krallen Richtung Rücken rammte, ist sie inzwischen eben auch zu Umarmungen im Stande. Und die sollen weniger schmerzen ? Ihr wisst nicht, wovon ihr redet.
Kurzum : Over the top, Pflichtkauf und der Klassiker, den ein Hype eigentlich gar nicht produzieren darf.
Fuck off cause bands suck.
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No Wow
Label : Domino ( Rough Trade )
2005
Ich muss erst mal eine rauchen, am besten gleich zwei.
Mann, fühle ich mich uncool. Röhrenjeans kann ich mir nicht leisten.
Und Drogen sind mindestens genauso schweineteuer und gefährlich (?), Mist.
Ich ( also Casino ) laufe einfach mit Sonnenbrille Richtung City und stelle mir vor, ich sei in London bzw. New York. Und hätte mit meiner ( besten ) Freundin, die sich XX nennt, auch eine Art- Punk- Band: >The Offfucks.<.
Kann die sich denn so überzeugend auf dem Boden wälzen ?
Das üben wir. Und außer ihrer mindestens 17. Zigarette in Folge, darf man nichts vom Gesicht hinter den schwarzen, langen Haaren sehen.
Und wir machen ständig S/W – Fotos von uns, gerne auch nackt.
Wo könnten wir uns denn treffen ? Fuck the recordstore, also im >Museum Of Modern Architecture<. Ich werde kein Wort sagen, wenn XX torkelnd in den Treppenaufgang kotzt, nur rauchen. Wo geht´ s zur U-Bahn, wenn es die hier gäbe ? Ich will Rotwein. Und wir werden die Typen, die nach Bandfuzzies aussehen, ordentlich anpissen, virtuos ist Satan.
Wo ist der nächste Kippenautomat ?