MTV EUROPE MUSIC AWARDS 2009: 05.11.2009: BERLIN: O2 World

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Worauf freuen sich die Majorlabels? Gut, im Grunde auf fast gar nichts mehr. Aber es gibt da einen Tag, der potentiell mal wieder Kohle bzw. kurzfristiges Interesse aufwerfen könnte. Die EMA’s. Das jährliche Schaulaufen der von MTV dank Playlist-Einsatz Richtung Popularität getriebenen Popstars und Musikfratzen ohne realistisches Verfallsdatum. Nicht umsonst fallen in den Werbeblöcken die gar nicht mehr wahrgenommenen Billig-Download-Trailer komplett raus und werden von Unmengen Spots aller Neuveröffentlichungen von eh schon in den Top 10 platzierten Künstlern abgedichtet.
Dabei erwartet man von Awardverleihungen selten wirklich viel. Überreichte Preise, die ihre Produktion kaum wert sind. Laudatoren, welche keine sind und außer „Make Some Noise!“ nicht viel falsch oder richtig machen können. Live-Auftritte mit viel Hokus und letztlich gähnend viel Pokus. MTV setzt dann gerne einen inszenierten Pseudo-Skandal ins Hochglanz-Nest um den Hauch von Jugendlichkeit und Spontanität abseits der gecasteten U21-Zuschauermenge zu bieten. Parteilosigkeit und Nähe zur Basis ist ja dank des Netz-Votings gegeben. Die regelmäßige Warnung vor gewalt(tät)igem Inhalt und Stroposkopalarma scheint dabei wie das Achtung-Schild vor einem Kaninchenkäfig.
Die 2009′er Ausgabe ist Geschichte. Wo wir auch gleich beim historisch eingebettetenThema wären: 20 Jahre Mauerfall. Nicht umsonst hat man sich in die Geburtsstädte der Europe Music Awards begeben, drängt sich feierbedingt ja geradezu auf. Und wenn man kein nationales, host-taugliches Gesicht für die 150 Minuten TV-Unterhaltung findet, schnappt man sich eben was Weltbekanntes mit Spiel/Spaß/Spannung: Katy Perry. Hat sie bereits im vergangenen Jahr erschreckend souverän ihren moderierten Kleiderwechsel durchgezogen und ist auch gefühlte drei Jahre nach „I Kissed A Girl“ noch immer nicht auf der totalen Out-Liste, war sie der passende Joker. Ob auf dem Mond, im Champagnerglas oder im Löcherkleid: sie steht ihre Frau amtlich.
Und die Anderen? Waren da. Green Day eröffnen rebellisch und standardgemäß den Abend mit „Know Your Enemy“ plus „Minority“. Blond steht Billie Joe genauso wie der Witz mit dem gewonnenen Best Cock-Award. Um den bejubelten Gast David Hasselhoff darf man nur noch Angst haben, da haben Wahrnehmung und Ausdruck inzwischen seltsames Eigenleben begonnen. Inwieweit Placebo nach wie vor die relevante Alternative darstellen, sagt der Best Alternative-Award Gott sei Dank nicht aus. Und ob Lil’ Kim gerade nur Ausgang hat oder tatsächlich wieder gen Upperclass robbt, war nicht ganz auszumachen. Was die Mädels an der kleinen Schmuserock-Vorlage Pete Wentz finden, bleibt weiter fraglich. Stotternd vom Prompter im Backstageraum ablesen kann er zumindest. Siegerin des Abends ist Beyonce, deren „Halo“ als Best Song von Wrestlingstar Batista übergeben wird. Außerdem geht sie für ein Jahr als Best Female Artist durch, ihr tanztechnisch interessanter Clip zu „All You Single Ladies“ parallel als Best Video. Lady Gaga bleibt der Fete lieber fern und gibt einer Aidsgala trotz Best New Act-Auszeichnung den Vorrang. Auch Eminem bastelt im Studio statt in der deutschen Landeshauptstadt als Best Male gefeiert zu werden.
Während die Verkaufszahlen im Inland schwinden, der Kulturteil jedoch zeitgleich sein Interesse hochfährt, sind Tokio Hotel mit dem Best Group-Award gut gefahren. Vor zwei Jahren noch von MTV sträflich missachtet, gehören sie nun dazu wie Markus Kavka. Nur die Dankesrede des Haarchemie-Freundes Bill, ausschließlich in englisch gehalten, wird für einige böse Briefe zur Bravo-Community sorgen. Best German Act sahnt Nena ab. Ach nein, Silbermond mit ihrer dauerfreudig-euphorischen Sängerin sind es wohl eher.
Doch ob nun die türkischen Kollegen von MaNga mit der Best European Act-Trophäe, Dave Grohl mit Matte im Gesicht oder Shakira bzw. Leona Lewis samt ihrer gewollten Livedarbietungen, am Ende kann es immer nur einen geben. Den Retter: Bono. U2 sagen „Live is where this band lives“. Und so sind sie es, die das triumphale Highlight der Show inmitten von Freiheitsparolen wie „Get up, stand up for your rights“ samt Best Urban-Gewinner Jay-Z zelebrieren dürfen. Exklusiv am Brandenburger Tor mit der Lichtshow des Monats und dem Pathos des Halbjahres geben sie ihre Greatest Hits-Anwärter „One“ und „Sunday Bloody Sunday“ zum besten. Ost und West leuchtet auf. Alles vereint. Frei von Zwängen und Ketten. Schön. Danke, U2. Danke, Bono. Gute Nacht, MTV.
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ASSJACK
Assjack

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Es war irgendwo im Grenzgebiet von Nashville, Tennessee.
Ein paar Leute erzählten bereits Tage zuvor was von einer Jackass-Party am Samstag Abend.
Da, wo doofe Stunts gepaart mit der amtlichen Überdosis Alkohol, einer Horde moshfreudiger Rednecks und kollektivem Psychobilly-Flair den eventtechnischen Ton angeben sollen.
Wo die Lunte brennt, Testosteron, Spaß und Spiel als Headliner regieren und der Feingeist mit der Axt gepeinigt wird.
Dort, wo wild und ungestüm Trumpf ist, und abgehangene Frauen zum Ankrabbeln bereit stehen.
Onkel Mikes bärtige Truckerfreunde der generellen Einödnis den Mittelfinger oder fettigen Mittelscheitel zeigen.
Die schlecht gezähmten Köter noch auf Kampf aus sind.
Wo das Fleisch blutig tropft und Bier noch richtig fließt.
Sich das handgemachte Teufelszeichen selbst beim Sturz in die eigene Kotze wie von alleine aufrichtet.
Da, wo Metal noch Gefahr plus Faustschläge bedeutet.
Zwar die Hälfte Anwesender wie genau solche aussehen, kompositorisch jedoch keine Gefangenen gemacht werden. Riff, Ratter, Röhr!Und das fast durchweg im beliebten Hasenficktempo.
Moment mal, die Fete lief vielleicht doch unter ASSJACK, nimmt sich am Ende aber genau gar nichts.
Ich war dort. Einmal und wohl nie wieder.
Entschuldige, alter Rebell Hank Williams III oder in deiner Sprache: Fuck you, Bastard!
(Sidewalk Records)
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written for FUZE Magazine
IN vs. OUT-Liste: November 2009.

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[IN]
! Auto als Allzweckmittel] Es darf auch mal auf Jugendherberge, Kneipe und Club geschissen werden, schließlich bietet der superverbleite Freund all das in einem. Macht Spaß, Dreck und Raubtiergeruch. Ansonsten gilt ab sofort: der Lenker ist für alle da, der Kofferraum auch.
! Suppe] Legt sich im ultrahocherhitzten Zustand angenehm schleppend von dünn- bis üppig dickflüssig Richtung Rachen. Das Gegenteil vom Nahrungs-Quickie.
! Drums] Geben den Beat an und spielen nach wie vor erste Geige. Dürfen auch öfters von weiblichen Mitmenschen bedient werden.
! Hotel-Übernachtungen] Du kannst/brauchst nicht immer 17 sein. Das frisch geputzte Eigenheim auf Zeit gibt dem hochtrabenden Begriff Luxus eine neu gelebte Bedeutung. Wobei ggf. der Einlaß schon zum Problem werden könnte.
! Aufgedrängte Prosits] Gewollter Abstand von Hochprozentigem wird von ihr, ihm oder ihnen zu gerne gesprengt. Was zählt schon der eigene Wille?
! Konsumieren] Raus mit der Kohle, solange sie da ist. Und vergiss gleichzeitig die verdammte Finanzbuchhaltung.
! Männerrunden] Schön primitiv aber wenig ertragreich bis fremdbeschämend schön. Spätestens ab dem Moment, wo die Alte vom Tresen mit dummen Fragen („Werdet ihr überhaupt von Frauen angesprochen?“) dazu tritt. Was dort passiert, bleibt auch dort bzw. wäre das meist angebracht.
! Wandern] Ohne blöden Stock und Gothic-Blick, aber mit der Lust auf Sauerstoffübersättigung und dem Liveerlebniss der Antichrist-Kulisse.
! Einsicht] Ob Fehler, pannige Aussagen oder fragwürdige Einstellungen. Sobald der Groschen selbst fällt, kann es bergauf/U-Turn gehen.
! Gespräche] Die mit Sprechen, Sätzen und ohne Alter, Digga, Vorhaut und Fotze. Kommt am Ende sogar mehr raus als nur der potentielle FSK 18-Aufkleber auf’s Konversations-Fazit.
! Navigationssystem] Jeder zweitklassige Beifahrer ist ersetzbar, leider.
! Mehr Eier auf der Bühne] Nein, nicht auf die Bühne (obwohl)! Nur weg mit dem (ramm-)dösigen Schmusekurs allerorts, der nach Pfeilern zum Anlehnen suchen lässt.
! Merchandise] Doch mehr als nur die finanzielle Notspritze für Bands. Manchmal muss Sympathie über Artwork und Nutzwert siegen.
! Neue Spitznamen] Auch die entwickeln sich von selbst bzw. ihr neues Eigenleben.
[OUT]
? Mangelndes Vegetarismus-Angebot nach Mitternacht] Wo bleibt denn da die Alternative bzw. Lebensmittel-Vielfalt? Bitte nicht nur die Massenschlachteplatte der einschlägigen Großunternehmen anbieten, schnelles Fressen sollte auch mal natürlich bunt und semi-koscher ausfallen.
? Mieses Publikum] Das ist nicht unbedingt das, was nach Vorstadt, Ibizaurlaub und unqualifierten Förderschulabschluss aussieht, sondern sich auch dementsprechend verhält.
? Undefinierbare Nachteindrücke] Mädels mit Drumpads auf dem Kopf, wacklige WG-Diskussionen wegen nächtlichen Fäkalverhaltens etc., sind nur der gefühlte Anfang.
? Bankunternehmen] Statt Wechselkurs einfach schnell wechseln.
? Ansagen von Security-Seite] „Dafür sind wir da. Wir geben Stempel. Immer so ‘ne Scheiße!“
? Raucherräume] Raus da. Sind wir Orkus-Leser, oder wie?
? Runterstufen] Kann man vielleicht Kilojoule, Fernsehkonsum und Ähnliches. Bei persönlicher Position in Freundschaft oder Beruf wird es mulmig bis ätzend.
? Alkoholmangel] Es lohnt sich immer eine Überdosis im Haus zu haben. Der Fall X wird es zeigen.
? Web-Zweideutigkeiten] Beweist immer wieder, dass all die Communities nicht mehr als eine Cybersex-Singlebörse für Fortgeschrittene darstellen. Wenigstens ist das öffentliche Ankrabbeln da for free und letztlich auch for freedom.
? Kleinstadtflair] Jaja, idyllisch bis niedlich. Zeigt einem ebenso, was man (noch) nicht (mehr) möchte.
? Regenfiasko] Nass von oben sorgt erschreckend fix für Feuchtareale unten. Taxi, gleich drinne bleiben oder nur besoffen unterwegs sein als Alternativen möglich.
? I-Phone] Macht den einen süchtig, den Anderen neidisch.
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… als Trostkorb.
http://www.derbrotkorb.com
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Beständigkeiten machen vielen Menschen Angst, Wohlfühlen führt gerne zu fluchtartigen Bewegungsmustern und dort wo mit Nahrungsmitteln noch einfühlsam umgegangen wird, sind höchstens die Anderen. Das muss doch aber nicht sein. Als Paradebeispiel für die gelebte Antithese wäre da die Hamburger Institution zu nennen, die mit „Der Brotkorb“ schon mal den Rennernamen schlechthin gewählt hat. Verführt geradezu, die eigene oder kollektive Stimmung daran anzugleichen. Ob Frustkorb, Brustkorb oder Lustkorb – alles kann, nichts muss.
Mit seinem Sitz direkt zwischen Grüner Jäger und Kiezmeile hat man nicht nur den perfekten Platz der Wahl zu bieten, sondern auch die obligatorische Auffangstelle für gesuchtes Fressen oder geschundene Fressen. Tagsüber werden eher klassisch die Sesambrötchen und Motiv-Tortenstückchen über den Tresen gereicht. Der WG-Kaffee wartet schließlich schon. Doch spätestens zur Post-Mitternachts-Wochenendstunde, wo auf christliche Arbeitszeiten getreten wird, kann man mit dem „Brotkorb“ als Übergangslocation oder eventtechnischen Notnagel nur alles richtig machen.
Ob die pralle Rumkugel nun die Fahrt für den kommenden Erdbeerlimes-Überschuss frei machen muss, oder das belegte Käsebrötchen eher als das delikate Nachbeben zum Runterkommen herhalten darf. Alle angebotenen Bäckereiprodukte haben potentiell ihre Wirkung. Frisch ist das Hausmotto. Eingepackt, abgerechnet und überreicht von durchweg freundlichem Nachtdienstpersonal, die von stilsicherer Leidenschaft am Arbeitsplatz die übergroße Scheibe vom lieben Gott/der Natur mitbekommen haben. Hier wird nicht gerotzt, gemotzt oder gehetzt. Eine Konditorei als Ruhepol. Und völlig egal, ob da der faustreckende Handballtrupp oder eine Horde schlampiger Bordsteinschwalben einkehrt. Die Stimmung wahrt sich selbst. Und vor allem: auch noch so billig. Schließlich sind 52 Freitag-Sonntag-Runs pro Kalenderjahr generell schon kein geldbörsenstreichelnder Pappenstiel. Gut, günstig und zum Einziehen schön also. Wo sind denn da die Negativen? Typisch! Kann man sich denn nicht einfach mal zufrieden geben. Danke und Grüße, Richtung „Brotkorb“!
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TROELS ABRAHAMSEN: STARS: VORDINGBORG: DÄNEMARK: 24.10.2009

Kleinstädtisches Oberstufen-Stand-In.
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Was tut man in einer dänischen Hafenstadt, welche knapp 46.000 Einwohner zählt, jedoch offiziell nur ihren gut erhaltenen Gänseturm als Wahrzeichen und halbes Sightseeing-Ziel anbietet? Genau, durchfahren oder gar nicht erst kennen. Ist man jedoch am Soloprojekt der männlichen VETO-Frontale Troels Abrahamsen interessiert und scheut sich nicht vor Grenzübergängen, muss man eben doch einmal dort einkehren, wo alles über 21 scheinbar schnellstmöglich auskehrt.
Die ortsansässige Schülerzeitung scheint der aktuellen Oberstufe das Samstagskonzert zumindest ans Herz gelegt zu haben. Das Stars strahlt zwar nicht ausgebucht, dennoch ist die Raucherecke des Schulhofs fast komplett vertreten. Der kleine Ole, die kräftige Anneke und wie sie alle heißen. Da lässt Troels sein Merchandise-Angebot verständlicherweise gleich im Tourbus, packt dafür in der gut gefüllten Stunde alles raus, was zu erwarten war. Und im Grunde noch viel mehr. Schließlich kursierten so manche Gerüchte über die Abkehr vom raffinierten Clubsound Richtung Singen plus Songschreiben. Doch damit die brav stehende Meute was zum Tänzeln hat, wird dem Netzgerede die lange Nase gezeigt, entwickelt sich der albumgerecht vorgetragene Einstieg mit den lieb gewonnenen Soft-Elektronikperlen schließlich nach und nach zur ausgedehnten Sause ohne Auge auf Uhr und Songaufbau. Da mutiert das angeblich nerdige Laptop-Flackern und Knirschen im Downtempo unter dem sentimentalen Singsang wie von selbst zur vollmundigen Beatbox. Anbiedernd? Mitnichten. Dafür steckt noch immer zuviel Hirn unter jedem Schlag und fehlt der verstrahlte Chicorio-Sonnenbrillen-Charme am Mikro. Rumms. Musik aus, Jugend weg. Nein, alle weg. Wie wäre es mit Kopenhagen?
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Es existiert diese Szene von einer ca. 4-5-köpfigen Gruppe Heranwachsender, die an einem verregneten Spätsommerabend mehr oder weniger dumm zusammen sitzt. Jedoch nicht im Trubel der Bar-Innereien, sondern direkt davor, also frontdoor. Klimatisch war eher Herbstwinken angesagt. In ihrer Stimmung zwischen Wochenend-Lähmung und latent regierender Euphorie, war die Frage nach dem Getränk zum Aufwärmen absehbar. Während das Mischen von dem, was eigentlich nicht zusammen gehören soll, nicht nur menschlich gern gewähltes Thema bleibt, ist die Experimentierfreude beim Vermengen hochprozentiger Flüssigkeiten weiter Trumpf. Keine Sau kann ernsthaft Absinth mit Senf oder auch Kinderbowle plus Jägermeister delikat finden. Aber unter den alkoholischen Getränken gibt es einen ungekrönten König, der über nahezu jedem anderem Gesöff thront. Wodka, ggf. auch Vodka.
Schütte Kirschsaft über ihn, wichse ihn dir samt Ahoi Brause im Rachen wild oder mach dir die Wampe mit seiner rohen Hilfe akut warm. Everybody loves the Big W.
Diese Horde Halbwüchsiger saß da also im Taumel ihrer Ping-Pong-Unterhaltung, und einer von ihnen stand plötzlich auf. Er kam wieder. Mit einem Kakao, nein – mit einem Wodka-Kakao, Wod-Kao oder verdammt nochmal Wokako. Mit schlecht inszeniertem Stolz pries er diese Mixtur als das neue Ding an. Nie dagewesen. Die Anderen nickten das Getränk tatsächlich als beachtlichen Neu-Versuch ab. Wie unwissend sie waren und bis heute wohl sind.
Hätten ihre Großmütter mal den doofen Sangria oder Kopfschmerz-Jagertee in der Abstellkammer gelassen und ihnen die Lehre der altbekannten Russischen Schokolade näher gebracht. Die kommt natürlich nicht ursprünglich aus der Taiga, aber parallel enthält der Spinat auch nur geringfügig Eisen. Egal. Selbst die abgelegenste Wald- und Wiesenspeisegaststätte hat diese ach so spezielle Schokolade in ihrem Tagesangebot. Mehr konservativ als revolutionär chic also.
In Zukunft dürfte das angesprochene Gespann auch gerne mal in der Wohngemeinschaft der anwesenden Weiblichkeit landen. Sie setzt einen Topf Milch auf den Herd. Gibt eine selbst abschätzbare Ladung Zucker dazu, wirkliches Kakaopulver wird hinein geschüttet, gefolgt von der Fuhre Wodka. Sie kann dann noch ihr Sahnehäubchen draufgeben und fertig ist der Spuk. Und nein – Rum, Amaretto oder Tante Olgas Hinterhof-Likör sind keine wahren Vertreter für Mr. W. Die Wirkung einer Wod-Kao-Überdosis ähnelt angeblich der erschreckenden Süffigkeit eines lieblichen Weissweines featuring des Völlegfühls und dem Blähbauch drei zu schnell reingestopfter Rumkugeln. Klingt gut? Dann interessiert ja auch nicht mehr, wer es letztlich erfunden hat.
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ARCHIVE: HAMBURG: ÜBEL UND GEFÄHRLICH: 18.10.2009

Vorbildlicher Schichtsalat.
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Es gibt Bands, die sind so gut, dass man es den Massen gar nicht vorenthalten kann. Ebenso dann die Bands, welche anscheinend wieder zu gut für den allgemeinen Mob zu sein scheinen. Im Falle von Archive dann eher zu vielschichtig, zu abwechslungsreich und zu festlegungsfrei, um spartentechnisch wirklich Platz zu finden. Von allem ein bißchen mischen, versuchen viele, bleiben dabei oft aber zu inkonsequent oder beliebig, um dauerhaft als künstlerisch relevant durchzugehen.
Und was tut man eigentlich, wenn man die Platte in der Hinterhand hat, welche sich von einer netten Songsammlung zu dem dichten Hitbatzen mausert, der nach und nach die inoffiziellen Jahrespoll-Charts aufwärts klettert? Man wühlt eben bei der Zusammenstellung der Live-Setlist nicht im namentlich passenden Archiv-Dickicht, sondern bedient sich dem Material, welches am nächsten liegt. „Controlling Crowds“ in chronologisch und fast kompletter Aufstellung – ein schlauer Schachzug – bietet das proppevolle Stück Musik eben alles, was unter progressiven Epic-Pop irgendwie zu verstehen sein könnte.
Die Briten von Archive handeln nie halbherzig oder reissen Ideen nur zwecktechnisch an, sie füllen den Begriff Künstler auch oder gerade nach 15 Jahren Bandgeschichte erstaunenswert aus. Wenn neun Mitglieder in den Sound integriert sind, kann das interessant, live aber auch gerne überfordernd und überladen rüberkommen. Doch hier sitzt einfach alles: die agile Light- und Videoshow, das mit sichtlicher Leidenschaft funktionierende Treiben des Kollektivs, die Euphorie des Publikums, welches überwiegend nicht zum Jungvolk, sondern zur angehenden Oil Of Olaz-Generation gehört, und wesentlich das aktuellen Album-Material. Spätestens live wird klar, wieviele Details sich in gute 70 Minuten packen lassen. In dem Moment, in welchen „Bullets“ mit den auftürmenden Gitarrenläufen als tanzbarer Rock durchgehen mag, greift sich „Collapse/Collide“ atmosphärebedingt die Sterne und all das dahinter, während „Bastardised Ink“ das treibende Rap-Teil mimt, auf dessen Beat die Westcoast neidisch schielen dürfte. Eine bessere Werbung für eine Scheibe, die nach Konzeptalbum riecht, all die negativen Begleiterscheinungen genau dieser jedoch ad acta legt, war nicht zu erwarten. Das setzt schlußendlich für die treuen Fans noch eine Handvoll alter Hymnen, die jedoch eines offenbaren: das Hier und Jetzt kann manchmal so viel spannender sein.
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INTRO INTIM: HEALTH/FUCK BUTTONS/LE CORPS DE FRANCOISE/PICTUREPLAN: HAMBURG: PRINZENBAR: 15.10.2009

Festival der Hiebe.
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Von Krawall und Remmidemmi kann dir jeder was vormachen, von der Lust auf Ohrenalarma ebenso. Wenn es dann mal wirklich fiept und knackt, drehen sich die Pseudo-Harten unter die Kapuze oder eben Kopfhörer mit Muse drauf. Seitdem Indie mehr und mehr zum missachtenswerten Genre verkommt und als wirklich unabhängig nur die Beziehungsumstände auf den zugehörigen wöchentlichen Motto-Feten durchgehen, ist schlau inszenierter Krach die potentielle Alternative. Schließlich mag nicht jeder Hardcore und vor krassem Electroclash schaudert es vielen weiterhin. Die viergeteilte Sause für all die Musikkenner dazwischen, wird ausgerechnet vom weiterhin Kostnix-Musikmagazin Nr.1 – der Intro – als Festivalreihe veranstaltet.
Und was dabei rauskommt? Nicht weniger als gute drei ungeheuer intensive Stunden Klanggewalt. Angefangen bei dem weiblichen Dreiergespann von Le Corps Mince De Francoise aus Helsinki, die gleich mal klar machen, wie man elektronifizierte Popmusik tanzbar und dennoch künstlerisch nicht unbrauchbar auf sechs Beine stellt. Songtitel wie „Bitch Of The Bitches“ lassen wir mal im Hintergrund. Wenig Platz und trotzdem viel Gas, das scheint die Devise. Beim Ein-Mann-Projekt von Pictureplan ist die Bezeichnung Gothic-Dub-House genauso wenig passend, wie die Performance an sich. Zwei Tage später in einer hochprozentigen 2 Uhr-Session würden die Beats wohl eher zünden.
Richtig lodern oder eher Wall-Of-Sound-mäßig mähen tun dann die Jungs von Fuck Buttons, welche beweisen, dass live erleben auch 2009 eine Kunststoffpressung nicht ersetzen kann. Da lässt sich nämlich nur ansatzweise erahnen, mit welchem Druck, welcher Wucht und welchem komplexen Tohuwabohu-Effekt die Buttons genommen werden. Teilweise zu ausgedehnte Flächen, die sich gar nicht weiter aufbauen können. Nennt es psychedelisch, seltsam verworren und so dicht, dass man das Songkonstrukt hinter all dem gestapelten Irrsinn nicht mehr suchen mag. Letztlich war das bereits das Highlight, welches 16 Euro gerechtfertigt hätte.
Doch keine Noise-Runde ohne Health, welche ihren akuten Karriereschub wohl selbst eher hinnehmen als ganz nachvollziehen können. Steriler Vernissage-Pop auf dem Laufsteg war angeblich gestern, heute dürfen ggf. Krawallmatzen wie die Karlifornier von Health den Soundtrack zum Gutaussehen und Gutausgehen vorstrecken. Die Scheibe „Get Colour“ ist bereits der manifestierte Beweis für schräg angenervten Drum-Rock, der kompakt auf die Barrikaden, im ungünstigsten Moment auch kräftig auf die Nüsse geht, und dank den entrückten asexuellen Stimmlinien die Mische kreiert, die eben ab sofort als hip abzuhaken ist. Großstadtflair klingt wohl so. Mit „Die Slow“ ist nicht nur ein treibender Hit, mit „In Violet“ sogar so etwas wie ein halbgekochtes Stück Epik geglückt. Der Spuk ist leider schneller vorbei, als den breakfreudigen Prinzenbar-Besuchern lieb zu sein scheint. Sei’s drum, kurz und schön schmerzhaft, bevor der ungewollte Nervfaktor einzutreffen droht.
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THE XX: HAMBURG: ÜBEL UND GEFÄHRLICH: 14.10.2009

Der Anfang könnte das Ende sein.
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Plötzlich ist der Hype da und keiner will dran schuld sein. Erklären kann sich nämlich niemand, woher das akute Emporsteigen der derzeit heißesten The-Band Londons- welche weder eine wirkliche ist, noch sich selbst dazu zählen würde/sollte – nun genau her kam. Ab dem Tag X sah man selben Buchstaben groß in weiß auf schwarz und das überall. Ganz ohne eifrige Radio- oder TV-Rotation, eher durch blitzschnelle Mund-zu-Mund-Propaganda, war die Band aufeinmal allgegenwärtig. In knapp 8 Wochen auf nahezu jeden Rechner des musikinteressierten jungen Menschen, das darf schon was heißen. Das Dubiose an der Sache: Das sogar mit Rechtfertigung. Schließlich sind die 11 Songs des selbst betitelten Debüts erschreckenderweise durchgehend gut bis großartig. All Killer, No Filler.
Die auf das Wesentliche runter reduzierten und produzierten poppigen No Wave-Stücke lassen viel Platz zum Atmen, geben im Background lediglich eine künstliche Nebelschleife ab – zum Lachen geht das +/- volljährige Quartett nämlich sicher überall hin, nur nicht in den Proberaum. Kompakte Soundskelette zum Wohlfühlen > auch live?
Das erfährt man nach Holly Miranda. So lieblich wie auf den Promofotos grinst sie sich auch heimlich im Vorprogramm durch ihr ebenso überschaubar instrumentiertes Set. Zwei Gitarren und zwei Stimmen, das darf reichen. Tut es auch. Holly zeigt all den dünnstimmigen Püppchen, was neben langen Haaren und parallel langen Beinen eine ausdrucksstarke Vokalharke ist. Kompositorisch noch teilweise durchwachsen bis wenig songorientiert, doch das handwerkliche Potential ist schon da.
Die Hütte ist ausverkauft, von bis zum Bersten gefüllt jedoch noch weit entfernt. Da hätte man von Seiten der Veranstalter dem ein oder anderen in der Kälte erfolglos Wartenden ja noch ein kleines Geschenk zum Mittwoch Abend bereiten können. Die Band des Abend wird zeitgleich mit dem beschenkt, was es selten ohne Hintergrund gibt: Jubel, Lob und Klatschalarm. Nur so richtig Bewegung will nicht einkehren, dafür wird den Indie-Hits in spe einfach zuviel Aufmerksamkeit zwischen den Tönen gegeben. Sei’s drum.
Jung, unerfahren und kaum erfolgserprobt. So kann der inoffizielle Siegeszug doch fast nur daneben gehen. Geht er aber nicht. Das Unfertige und noch nicht Durchchoreographierte in der Stunde XX macht sympathisch. Da schaut man über die Hüftsteife, einigen verkappt aufgeregten Mimiken am Mikro und dem dank fehlender/unpassender Lightshow wenig atmosphärischem Rahmen auch hinweg. Allen Bedenken zuwider werden die Songs live albumgerecht inszeniert. Keine Club-Remixe, keine übertriebenen Experimente, so roh wie bekannt. Da sprechen Perlen wie „Crystalised“ und „Infinity“ eben für sich. Unterm Strich nicht die hippe Fete, die man erahnte, sondern der Beweis, dass man gutes Songwriting nicht kaufen kann und nicht wie gecastete Halbstars ausschauen muss. In drei Monaten die Auflösung bekannt geben und man hat fast alles richtig gemacht.
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13 Dinge … für die man sich ab Oktober endlich Zeit nehmen kann.
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01] Eltern, Erziehungsberechtige, Vormünder und andere autoritäre Beziehungspersonen einen mehrtägigen Besuch abstatten. Bringt zusammen, was Jahr für Jahr weniger zusammen zu gehören scheint. Problem: Ungewollte Termine und zeitliche Erwartungshaltung wenn Füße unter dem Tisch.
02] Mehr lesen, schreiben, malen und anderweitig für kreativen Output sorgen. Setzt Ungeahntes frei. Problem: Vorhaben kommt selten über das fixe Briefverfassen zum Donnerstag Abend hinaus bzw. wird das ausgedehntere Lektürekontrollieren auf dem WC schon als Mehr-Zeit-Nehmen eingeordnet.
03] Persönlichen Finanzplan erstellen. Könnte Übersicht in die Soll-reiche Kontoführung bringen. Problem: Am Wochenende hat man die Aufzeichnungen aus unersichtlichen Gründen verlegt oder verdrängt.
04] Hygienemaßnahmen in den eigenen vier Wänden oder den der besten Freunde. Die festklebenden Krümel vom Juli wird es weniger freuen, den gemiedenen Putzlappen aus der Abstellkammer schon eher. Problem: Wird zu schnell dunkel und da sieht man die staubigen Ecken und Kanten ja nur geringfügig, außerdem ist man doch nicht seine eigene Mutter.
05] Den angesammelten Musikhaufen einmal akribisch ordnen und dem vorrätigen B-Material mehr konzentrierte Aufmerksamkeit schenken. Problem: Die Dropbox füllt sich stetig neu bzw. ist der „Anhörbar“-Ordner erstmal blind zu minimieren.
06] Mehr Schlaf. Off als Regenerationsprophylaxe. Problem: Verpasst man da nicht was?
07] Man kann Mitmenschen zum Kochen einladen. Fördert Umgang mit Essbarem und denen, die es schneiden müssen. Problem: Das obligatorische Eck-Bistro hat doch so eine nette Bedienung und so teuer ist das eigentlich alles gar nicht.
08] Mehr Zeit für die eigene Körperhygiene aufbringen. Der Kampf gegen Augenringe und weitere ungebetene Verdächtige könnte sich auszahlen. Problem: Eine Wodkamaske oder doofe Schaumparty bewirkt leider das Gegenteil.
09] Sich bilden. Informationen über die Online-Ausgabe des Spiegels hinaus. Problem: Wissen macht angeblich Macht, letztlich aber auch Kopfschmerzen.
10] Das nächste Jahr in seinen Grundzügen vorplanen. Könnte abseitige Gedanken als den Masterplan ablösen. Problem: Sich Dinge halbherzig vornehmen ist doch Sache des Neujahrs, oder?
11] Fitnessplan trotz und wegen Minusgraden. Härtet ab und Muskulatur angeblich an. Problem: Sieht doch im Snowboard- oder Nachtdress eh fast niemand, außerdem sind Grippen nicht zu provozieren.
12] Umräumen, ggf. auch Umziehen. Tapetenwechsel oder neu geordnete Einrichtung als Sinnes-Refresher. Problem: Kostet Geld, Nerven und die helfenden Hände sind im Grunde nur auf den kollektiven Absacker im Anschluss aus.
13] Weihnachtsgeschenke rechtzeitig kaufen. Problem: Unsinn.
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ALICE IN CHAINS: BLACK GIVES WAY TO BLUE: VIRGIN (EMI): 2009

Die verspätete Seattle-Aftershow-Fete.
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Wenn man ganz ehrlich ist, war die Zeit für Grunge und all die 1992 ‘er Nachwehen nicht nur vorbei, sondern bereits komplett Geschichte. Als frisch nach dem Millennium Heerscharen an US-Rockern sich mehr oder weniger kompetent an den Herren der Dekade zuvor orientierten (Theory Of A Deadman, Puddle Of Mudd, Godsmack etc.), war offensichtlich, dass neu geladene Erinnerungen gut und schön sind, aber die Musikhistorie ungekonnt verwaschen bzw. gedankliche Verbindungen setzen, die mehr weh als gut tun.
Alice in Chains waren immer die coolere Grungeband. Sie setzten weder auf so eine musikalisch reduzierte Ein-Mann-Show wie Nirvana oder dem verschrobenen Indien-Psycho-Kosmos der Stone Temple Pilots, noch auf die potentiellen Soundtrack-Massenhymnen von Pearl Jam bzw. die Garagenkracher der Mudhoney-Jungs. Immer standen sie mit einem Bein im Heavy Metal, bedienten sich wabernden 70er-Jahre-Doomriffs, hatten eher das Image der selbstzerstörerischen Rocktypen und wollten nie so wirklich als Everybodys-Posterboys durchgehen. Seltsame Junkhead-Bekenntnisse und flehende Todessehnsüchte waren und sind eher kein gern gehörtes Mainstreamfutter.
Es war der Tag X. Layne Staley = tot. Damit zersprang der letzte aufrecht wankende Grungefunke, der bereits mit der elektronischen Unterwanderung des Rock und aufkeimenden New Metal-Invasion in die Ecke verdrängt wurde. Hoffnung ist tabu, gerade wenn der Sänger und Frontmann das lebenstechnische Handtuch wirft. Und so war Staunen und Stirnrunzeln angesagt, als Gerüchte eines Alice In Chains-Comebacks die mediale Runde machten. Wo bleibt da die Ehrfurcht? Der Respekt vor dem eigentlichen Ruf ? Scham und generelle Moralvorstellung? Wer sollte bitte Layne ersetzen? Den Mann, der bis zum Ende mit einem Charisma aufwarten konnte, welches man sich eben nicht kaufen, geschweige denn antrainieren kann. Neues Material nach 13 Jahren – kann nur schief gehen.
Nun ist es raus. Einmal das Album „Black Gives Way To Blue“, und dann, dass es Wiedersehen gibt, die nicht nur Freude machen, sondern im besten Falle auch richtig gut tun. Im Grunde ist auch 2009, nach vielen Jahren Bandpause und kommenden und gehenden Musikhypes alles wie zu den Zeiten, als MTV noch Geld und Platz für Clipformate hatte. Als Karohemden nicht zum wiederholten Mal angesagt waren, lange Haare ein Must-Have und die Generation X die Zukunft als das schwarze Loche ansahen. Kompositorisch ist das alte Schulte, aber eher der freundschaftliche Schulter- als ungewollte Schenkelklopfer. Die kellertiefen Sägeriffs ziehens sich im Classic Rock-Kontext durch 3/4 der Platte, bleiben dennoch zu schräg gespielt um den 0815-Brummifahrer das Cap wackeln zu lassen. Das Wechselspiel aus der vokalen Disharmonie, die sich erst zweistimmig aufbaut, um in nächsten Moment in sich zusammenzufallen, feiert wieder ihr ausgedehntes Fest . Kein „Oooh!“ und „Yeeeah“ zu selten oder zu kurz gehalten. Die obligatorischen Balladen fehlen genauso wenig, wie der Anklang von Countryfolk unter den akkustischen Zeilen. Macht unter dem Strich also den nahtlosen Anknüpfer an die letzte, selbstbetitelte Platte? Nicht ganz. Lyrisch ist die Verzweiflung entschärft, musikalisch die Schärfe leicht entzweifelt wurden. Egal, das passt trotzdem, schließlich kommt ehrlich gemeinte Wut auch im neuen Jahrtausend besser selten auf Knopfdruck.
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ONE WEEK: KANADA: 2008

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Nichts will als mehr Zeit- und Nervenverschwendung durchgehen als die alte „Was-wäre-wenn?“-Frage. Hätte die Nachbarin nicht geklingelt, die U-Bahn keine Verspätung oder der Hund keinen Durchfall gehabt. Die Geschichte würde anders geschrieben werden. Spekulation ist der Menschen Wohl und Hohn in einem. Stelle dir vor, du bekämst heute akut die Diagnose, welche nur eines schlussfolgert: Die Zeit rennt bzw. ist nahezu vorüber. Was nun? Entgegen flitzen, sich beruhigt zurück legen oder für die un/bestimmte Zeit genau sich der Existenz hingeben, die man nie oder immer sein wollte.
Wer will einem vorschreiben, wie man sich in Extremsituationen verhält? Wer will wissen, welche gedanklichen Kanäle parallel Achterbahn fahren? Wo fängt Egoismus an und hört Selbstbestimmung auf?
Regisseur und Drehbuchautor Michael McGowan tut in „One Week“ gar nicht so, als würde er es wissen. Er wühlt die Fragen auch zu keiner Zeit psychoanalytisch auf, verzettelt sich nicht in pathetischer Überinterpretation des Gedankens an Tod, Vergängnis und Endlichkeit.
Kanada scheint mit seinen idyllischen und teilweise unfassbar anmutenden Weiten geradezu prädistiniert als Kulisse für einen Roadmovie, der im Grunde keiner sein möchte. Joshua Jackson bricht aus seinem mittelprächtigen US-Serien-Image raus, ohne die Figur des Endzwanzigers Ben eine künstlich aufgesetzte Dramatik aufzuheizen. Solch eine endgültige Diagnose bringt um den Verstand, lässt Zweifeln und alles hinterfragen, was zwischen Beziehung und Lebensführung bisher Bestand hatte. Liane Balaban spielt die Rolle der in sich versteiften und eindimensional agierenden Verlobten außerordentlich überzeugend. Man möchte sie schütteln, Szenen festhalten und ihr klar machen, dass es Ben ist, der für sich selbst Entscheidungen treffen muss.
Charmant und mit einer sensiblen und doch nicht luftleeren Leichtigkeit wird man quer durch Bens Motorradreise geführt. All die ernüchternde Schwere wird hinter den Bergen belassen, jedes inszenierte Augenzwinkern kommt passend und kämpft nicht um erzwungen auflockernde Situationskomik. Und so ist der Hauch von Tragik durchgehend spürbar, wird jedoch nie als Mittel zum typischen Zweck erkoren. Was bleibt, sind 94 Minuten getragener Unterhaltung, die mal wieder nachhaltig die gedankliche Waagschale vom Sein und Werden füllen. Da darf man auch mal Danke sagen.
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(500) Days Of Summer: USA: 2009

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Songs, welche von sich behaupten, keine Liebeslieder zu sein, oder liebliche Geschenke, die auf keinen Fall liebenswert gemeint sein sollen, sind schon so eine seltsame Seuche der Neuzeit. Dass das Genre „No-Love-Movie“ von Jahr zu Jahr dichter besetzt wird, passt da nur umso besser in die allgemeine Entwicklung rein. Der Konsumt, Hörer oder Zuschauer kann anscheinend selbst schlecht einschätzen, wo die Botschaft hingeht oder das was das imaginäre Etikett aufzeigen soll. Das nimmt Spannung und Erwartung, schließlich wird der Begriff Liebe dann nur skelletiert, in seine allgemein kritischen Bestandteile zerpflügt. Das nennt man berechenbar. Im schlimmsten Falle langweilig.
Anti-Beziehungskomödien gibt es zuhauf. Partnerschaften, die zum Scheitern verurteilt sind bzw. so tun müssen, um der Nähe zu Realität und Alltag Rechnung zu tragen. Wo die Aussage: Stay solo! aufleuchtet, die Contra-Liste mit einer satten Portion Überhangmandaten aufwarten kann. Die Verliebten naive Träumer sind, verkappte Neuauflagen ihrer Eltern. Ziemlich einfach gedacht alles.
In (500) Days Of Summer lebt sich diese Sparte quer gedrückter Großstadtromantik wie ein extra errichtetes Paradebeispiel aus. Die Hauptcharaktere Tom und Summer erleben die Liebesgeschichte mit Verfallsdatum. Wobei hierbei der Katy Perry-Verschnitt mit ihrer lockeren, unverbindlichen Art zu Beginn noch begeistern kann, im Laufe der 97 Minuten dann an Coolness verliert bzw. Entscheidungen trifft, die weder Tom, noch der konventionelle beziehungserprobte Zuschauer gut heißen oder nachvollziehen kann. Der Rahmen oder Platz zum Mitfühlen fehlt leider, fällt inmitten der zahlreichen angedeuteten Ideen von Script und Produktion misslicherweise den Stadtpark runter, der Dreh- und Angelpunkt des Geschehens sein darf. Drumherum wird das liebenswerte, aber recht bissfreie Gefühlsunterfangen in den zu erwartenden unchronologischen 500-Tages-Kalender gepackt, bekannte bis verdrängte Indie-Popsongs inklusive. Euphorische Melancholie auf Zelluloid kann schön sein, unbeschwertes Coming-Of-Age-Geschwurbel mit Mute-Taste und dem Schenkelklopfer-Finale des Monats sind spätestens übermorgen vergeben und vergessen.
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