Die vier Tätigkeiten …
die du mehr in deine Nachtschicht legen solltest.
01] das Aufräumen.
Natürlich gibt es keine mütterlichere Pflicht-Tätigkeit als das Ordnung Schaffen in den eigenen vier Wänden. Während man tagsüber selten den Drang bekommt, stinkige Jeans von frisch gewaschenen Kniestrümpfen und unbezahlte Rechnungen von unsortierten Flyern zu trennen, man sich außerdem zu gerne dann vom Überangebot an Online-Statusneuerungen oder potentiellen Besuchern ablenken lässt, ist zeitlich alles nach Mitternacht perfekt für räumliche Organisation. Die innere Ruhe, welche die Nachtruhe mit sich bringen sollte, macht sich beim Stapeln oder Ausmisten erschreckend positiv bemerkbar. Staubsaugungen oder groß angelegte Feudeldebakel sollte man dagegen dennoch auf außerhalb der Ruhezeiten legen.
02] das Briefe schreiben.
Wie jetzt? Korrekt, Zettel plus Stift, alles ohne CC und kein Alle Antworten. Das ist Herausforderung und wiederentdeckter Spaß in einem. So schön das Aktualisieren des Mail-Faches auch ist, so gerne das Mobilphone auf Neuigkeiten abgedrückt wird, das Gefühl beim erfolgreichen Öffnen des Briefkastens bleibt unschlagbar. Die Vorstellung, wie ein Mitmensch an Schreibtisch, im Bett oder am Bartresen eigenhändig Zeilen verfasst, könnte als eine der wenigen verbliebenen Romantizismen durchgehen, die noch nicht den prallen Hollywood-Kitsch-Kleber trägt. Nach dem Aufstehen sind die Gedanken genauso wenig verfassungsfähig wie am durchhängenden Nachmittag. Ab 1 Uhr hingegen schreiben sich die abgedunkelten Sonderbarkeiten wie von alleine und ehrlicher als geahnt.
03] die Körperhygiene.
Das Ratzi-Fatzi-Duschen vor der Uni oder dem Zwischendienst erfreut den Körperkreislauf, so schnell hüpft der Sympathikus selten in die Höhe. Das Reinlichkeitsgefühl ist auch in Maßen befriedigt, doch im Grunde ist Körperpflege in der Fast-Food-Methode nicht mehr als katzenwäschiges Pflichtprogramm. Dabei hat doch die Bravo bereits gepredigt, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Wie das aussehen kann, muss jeder für sich entscheiden. Ein ausgiebiger Wannenbesuch gegen 3 Uhr erweckt ein verdrängtes Luxusgefühl, ein Fußbad nach feucht-öligem Partyalarm gibt unten rum Gefühle von 1001 Nacht und eine dieser mysteriösen Gesichtsmasken verpasst der Visage vor dem Abnicken die Ladung Glücksgefühle.
04] das Vorbereiten auf den nächsten Tag.
Hallo, wer findet es nicht klasse, sich unbeschwert von einem Tag zum nächsten zu hangeln? Als Tarzan des Alltags lebt es sich auf den ersten Blick einfach und unbekümmert, doch das ist nur eine Sicht der Dinge. Großmutters Tipps hatten zwar ihren altbackenen Charme, aber eben auch ihre unerwünschte Berechtigung. Bereite dich auf morgen vor, habe einen Plan bzw. die Socken für den nächsten Tag parat. Das spart Zeit, akute Sorgen nach dem Erwachen und Fragezeichen, die zerknautschte Gesichtszüge selten beantworten können.
außerdem Richtung Nachtdienst zu bugsieren sind:
das Einkaufen, das Sich Gedanken Machen, das Arbeiten, das Kühlschrank Auswischen, das Joggen.
17 T-Shirt-Aufdrucke …
welche Frauen höchstwahrscheinlich wenig bis nie imponieren werden:
01] Call Me 666 or 69.
02] Lass mich dein Tampon sein.
03] Freiheit dem Reinheitsgebot / Allgemeiner Bierschutzverein.
04] I Am Smiling Because I Farted.
05] Das Männer-Ich.
06] I Love You (Later).
07] Rammstein Tour 2004.
08] Here To NEXT! You.
09] Kuschelbär / Partytiger.
10] Ich liebe Möpse.
11] 5UCK MY D1CK / Gott hängt zwischen meinen Beinen.
12] Stoppt Tierversuche – nehmt mich.
13] Leider beziehungsunfähig.
14] Dort – Mund!
15] Ich halte auch für Frauen (die Schlafzimmertür auf).
16] Pippi ist’ ne Emanze.
17] Komm her und mach mich wach!
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THESE NEW PURITANS: HIDDEN: DOMINO RECORDS: 2010

Kapitel Zwei: Alles Anders.
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Was tut man eigentlich wenn man parallel zur Volljährigkeit, als musikalisches Hypemodell des Vereinigten Königreichs dient, mit Coolness-Buttons überhäuft wird und quasi schon vor der eigentlichen Karriere das dicke Ding sein darf, zu welchem man sich selbst noch nicht bereit fühlt. Man versucht die Flamme längstmöglich am Kochen zu halten, macht zukunftsgerichtet auf Cross-Marketing oder zieht sich eingeschüchtert in die Garage zurück, in welcher man nie proben brauchte. These New Puritans dagegen nehmen Option Nummer 4: die künstlerische Offensive, das selbstbewusste Klatschen an den Erwartungs-Bug, das neue Abstecken des eigenen Podests.
Wodkainfiziert zur NME-Party war gestern, das Quartett tut 2010 genau alles, um den Begriff “Pop” in seine plastischen Einzelteile zu zerlegen. Wer den Vorgänger bereits als “zu abgefahren” für sich verbuchen musste, wird nun erst recht irritiert abwinken und froh sein, seine Franz Ferdinands und Killers zu haben.
Dafür schwebt zu deutlich die Frage, was zum Henker “Hidden” sein möchte. Prog-Dance wäre zu allgemein, Bombast-Indie erst recht, Art-Rock sowieso. Das 11-köpfige Stück Kompositum erinnert an einen dreideutigen Chor-Ausflug zur Generalprobe der zeitgenössischsten Peter und der Wolf-Aufführung. Verworren, aufgeladen und so offensiv komplex, dass man die Platte entweder vorschnell unter “Klimperkrams” oder schlauerweise doch als “Aufbaufähig” abhakt. Allein die Single “We Want War” hat seinen fast zweistelligen Durchlauf hinter sich bis sie in ihrer Überlänge funktioniert oder man den pfiffigen Aufbau entflochten hat. Die Instrumentierung holt alles raus, was nicht bei Mitternacht zu Hause ist: das Flügelhorn trifft z.B. auf Kontrabass plus Piano und wird vom Trommelspiel und seinen verzerrten Elektroloops eingeholt, gejagt oder doch fast begleitet. Dass die Zeichen dabei mehr auf künstlerischer Neuinstandsetzung stehen, als auf allgemeine Befriedigung wirkt eher sympathisch statt tragisch. Und der erwartungstechnische Gegenpol war nicht selten schon gefundenes Futter einer erneuten Hype-Welle.
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Die vier Mitmenschen …
denen du mehr Aufmerksamkeit schenken solltest:
01] deinen Erziehungsberechtigten.
Ja, sie sind der teilweise gefühlte Ballast, dem man sich zu schwer entledigen kann. Die mit zuviel Meinung, Anordnungen und Interesse an deiner Existenz. Andererseits aber eben auch die Urheber von dem Spaß, den man dein Leben nennt. Doch Eltern und Vormund sollten und dürfen gerne mehr sein als das hartnäckige Kaugummi unter der Schuhsohle. Im Grunde macht man es sich auch einfacher, den/die Menschen mit genetischem Zusammenhang am eigenen Sein teilhaben zu lassen, das lässt Sorgenfalten und Spekulationen hinter der Küchentür generell auf einem erträglichen Level halten. Wohl dosiert und gut selektiert lautet natürlich die Devise!
02] deinen Nachbarn.
Die Personen, die Wand an Wand mit dir leben, die deine Duschzeiten genauso gut einordnen können, wie deine musikalische Vorlieben bzw. das regelmäßige Aus-und Eingehen deiner Besuche, müssen nicht nur Zweckgemeinschaft sein. Zu selten werden Pakete notbedingt bei Herrn Mustermann im 2.Stock abgegeben, als dass man in Kommunikation geraten könnte, und fehlt einem tatsächlich mal Zucker oder Zigaretten, ist der Eck-Konsum vorgezogene Adresse. Schade daher, weil einsame Abendessen an einem Juli-Donnerstag oder Topmodel-Alleine Gucken nicht unbedingt sein müssen und Nachbarschaftsfreundschaften nur bedingt Geisel des Miteinanders zu sein brauchen.
03] deinem/r besten Freund/in.
Ja, diese Person kennt dich gut, zu gut vielleicht. Teilweise so erschreckend gut, dass wirkliche Zuwendung nicht durchgehend nötig erscheint. Aber so einen Best-Award verdient man sich nur bei MTV dank Schummelei und Push ohne Hintergrund. Im Leben bekommt niemand den Siegel ohne Aufwand und Einsatz. Während zu Grundschulzeiten der persönliche Beste/r-Titel wechselt wie die Launen der Mathelehrerin, ist FSK 18 spätestens offensichtlich, was dazu notwendig ist. Und das liegt eben fernab von Nostalgie, Gewohnheitsrecht und unausgesprochenen Selbstverständlichkeiten. So unvorstellbar das nämlich auch sein mag, jede scheinbar so gut geschnürte Verbindung kann sich eines Tages lösen, also Augen und Ohren auch im Jahre X in Wachposition.
04] deinem Chef.
Sicherlich klingt der Hinweis befremdlich, ist doch gerade der Vorgesetzte mehr oder wenig ungewollt für zuviele gestellte Worte, Etiketten-bedingte Gesten und Interessevortäuschungen existent. Aber in dem Moment, in welchem du an deinen Chef denkst, denkst du mit einer halben Gehirnhälfte auch an dich selbst bzw. an morgen, höchstwahrscheinlich. Über Schatten springen soll rückblickend sogar ganz nett sein.
außerdem weiter im Auge behalten:
deinen Agenten, deinen Hausmeister, deinen Tätowierer, deinen Putzdienst, deinen Steuergehilfen, deinen Kurschatten, deinen Schutzbengel, deinen Traumdeuter, deinen Styling-Koordinator, deinen Logopäden, deinen Wedding-Planer.
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Gerne verdrängt, doch nicht vergessen: SCRATCHING.

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Musikalische Hilfsmittel gibt und gab es schon dermaßen unterschiedliche, dass nur eine Reihe dieser die Zeiten überlebt haben bzw. ihr Revival feiern durften. In der aktuellen Populärmusik werden voraussichtlich weder die Zitter, noch Kastagnetten oder sphärische A-Cappella-Chöre auf ein flächendeckendes Hoch hoffen dürfen. Die Treble-Beats der Mitt-Neunziger und Chers besser mal gepachtetes Auto-Tune-Gesäusel platzieren sich derzeit mehr schlecht als gerecht zwischen Billboard Top 100 und 4-fach-Dancefloor.
Ein stilistischer Bonus hat sich derweil still, leise und doch tragischerweise seine überzeugende Dominanz aus den internationalen Tanz-Produktionen nehmen lassen: das Scratchen. In rückblickender Sichtweite noch als das unermüdliche Maß aller Style-Dinge beachtet, inzwischen eher als Relikt einer beatboxend-breakdancenden Weite-Hosen-Generation verachtet.
Scratching? Schallplatte auf Plattenspieler bei aufgelegter Nadel und dann rhythmisches Hin- und Herbewegen. Für alle Unwissenden: die dabei erzeugten Töne waren einst Beweis für urbane Klangkunst, Beiwerk bis songführendes Element im Hip-Hop-Universum und schließlich weit über dem hinaus. An DJ’ing ohne Gekratze war seit der Einführung 1975 durch Grandwizard Theodore nicht mehr zu denken. Mehr Musikinstrument als polierte Fremdfeder zum coolness-bezogenen Aufpolieren. Von Cutting über Crab Scratch bis Chirp Scratch – ein echtes Handwerk mit zu lernender Technik. Nicht alle mit dem DJ-Titel hatten und haben den pfiffigen Dreh raus. Weitergeführt von Szenegrößen wie Grandmaster Flash oder Pete Rock bis zu den unangefochtenen Kunstform-Spezialitäten der X-Ecutioners. Drehende Platten mit der Potenz zum Tinnitus-Alarm, das war so nie zu erwarten.
Die Welle der deutschen Hip-Hop-Künstler Ende des vergangenen Jahrtausends und die sich parallel anschließende New-Metal-Invasion brachte das Scratching zuletzt in den allgemeinen Lauschangriff. Ein Revival ist leider nicht abzusehen, doch wer hatte Eurodance, NDW 2.0 oder Pop-Punk als wiederkehrendes Stück Musikgeschichte tatsächlich auf dem Zettel? Eben. Und so ungerne man den vorbelasteten Satz bringen möchte: Wird wieder Zeit, dass sich was dreht.
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IN vs. OUT-Liste 2010: DIE ERSTE.

-”Oh! Fuck Out The Vision – Let’s Get The Decision.”-
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[IN]
! Eigene Desorientierung zugeben] Zu viele Irrwege und erwartungsgemäße Sackgassen, als dass man es verstecken müsste. Auf Hilfe von links bis rechts jedoch weder warten noch hoffen.
! Hardcore-infizierte Tanzakrobatik] Hektisch zappeln oder hölzern wippen kann jeder, doch die sprichwörtlichen Eier in der Dancefloorhose können nicht alle mitbringen. Geballte Fäuste Richtung Boden und pathetisches Himmelsgreifen als Pflichtmoves im Tanzrepertoire.
! Schreibtisch] Man muss wissen wo man hingehört.
! Miteinander cool sein] Erster Schritt zur kollektiven Besserung, dennoch kein Garantieschein für ein generelles Gesellschafts-Hoch mit Zukunft.
! Vanilletee mit Rum] Alternativer Gaumentaumel vorm verpatzten Schlafengehen.
! Angst vor offiziellen Kundgebungen] Gibt zumindest das Zeichen, dass geplante Aussagen eben prägnant-relevant zu sein scheinen.
! <3] Sind zur Zeit scheinbar für alle/s da: Brechen, Operieren und offensichtlicher Schmelztiegel.
! Beheizte Schuheinlagen] Gaukeln was Heißes von unten vor, dürfen das aber auch.
! Beenden] Und zwar so Einiges.
! Selbstbeherrschung] In die Lehre der Disziplin setzt man sich am besten selbst.
! Per Taxi zum Arbeitsamt] Wie Kot mit Silberlöffel schaufeln.
! Betrug] Beweis: 2010 – We Feel Better Then … Pff!
! Kaffee featuring Sitzfleisch] Da können nur die unbeweglichen Öffnungszeiten dem Sit-In den Garaus machen.
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[OUT]
? Voraussagungen] Sind meist so realistisch wie Danksagungen ehrlich gemeint.
? Mehr Tunnel als Licht] Schlechter Empfang und verzögertes Entkommen, leider.
? Warten] Haus- und Hof-Weisheit: Wer wartet, ist eh nur zu dumm zum Weiterlaufen.
? Essen] Fast schöne Stadt, aber bedenkliche Freizeitbeschäftigung.
? Taktikdenken] Kalkuliertes Agieren gehört in den Sommer bzw. in die Hauptstory einer gängigen Daily-Soap.
? Vertrauenspersonen] Schade, meist mehr Grauen statt Vertrauen.
? Bargeldzahlung] Ist viel zu offensichtliche Hantieren mit Noten, die über der eigenen Schmerzgrenze liegen.
? Umfragen per Mobiltelefon] Ergeben gut besetzten Speicher, gleichzeitig aber auch eher tief gesetztes Umfrageergebnis.
? Schicksal] Der schlecht geratene weil weniger recht beratene Stiefsohn von Trübsal.
? Den Absprung verpassen] Ist nicht wie ‘ne zeitlich verschwitzte U-Bahn-Linie.
? Snow] … Is Only Frozen Water. Und wohl der treueste Gefährte von November – März.
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(Anmerk. d.Red.: Kommentare erwünscht, Zweifel verboten!)
THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE: HERE BE DRAGONS: AD NOISEM: 2009

Spuk ohne Hochhaus.
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Man lässt sich ja gerne austricksen, von Bandnamen zum Beispiel. Die Eagles Of Death Metal haben mehr mit schwitzigen Whiskeyclubs als breitmauligen Todesblei zu tun, Superpunk tönen nicht ganz so super und Punk kennt man auch anders, und die Killers schießen lediglich die Lichter der städtischen Autoscooter-Disko ins Jenseits. Also ist auch beim Bandnamen mit dem Begriff Darkjazz fast davon auszugehen, eine Möwe als Igel vorgegaukelt zu bekommen. Doch halt – nicht mal getäuscht und fast nicht gelogen.
Von Drachen und anderen Fabelwesen ist auf Album Nummer Zwei zwar keine Spur, auf finster und surreal schafft es das inzwischen siebenköpfige Ensemble jedoch fast durchgehend. Der Soundtrack zu dem möglichen Stummfilm in Slow-Mo gestaltet sich so, wie das ansehnliche Covermotiv bereits erahnen lässt. Dunkel schattiert und verzweifelt, wie ein verbotener Maskenball unter der Noir-Deluxe-Flagge oder der fiese Hangover mit Format. Die Songtitel haben den selben ambitionierten Anstrich wie die zugehörige Klangumsetzung. Und der gefangene weibliche Gesang fügt sich in den musikalischen Bilderrahmen wie das Piano hinter die gebrochenen Beats. Tanzbar ist was anderes, ausgelassene Stimmung ebenso. Ob da nun Ambient vor Avantgarde oder doch eher neben Progressive und hinter Experimentronic steht, überlässt man den Menschen am Lichtschalter, die eh nicht da sind.
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WE FELL TO EARTH: WE FELL TO EARTH: IN STEREO: 2009

In Grace From Outto Space.
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Lass dir nicht vorwerfen in einer Pärchenkonstellation auf taube Ohren und allgemeines Desinteresse zu stoßen. Schließlich sind die Mann/Frau-Couples insbesondere im Musikuniversum eine eher beachtlich wachsende Spezies als verachtetes Miteinander. Die White Stripes haben diese in die Hitparaden gehievt, die Blood Red Shoes Richtung vollem Indie-Club und Phantogram zuletzt in die Herzen der schlauen Elektropopper. Die klassische Zweisamkeit bringt auch mit den Londonern von We Fell To Earth ein neues Beispiel zu Tage. Dass sich Richard File und Wendy Rae bei den Aufnahem zu einer UNKLE-Platte kennen und schätzen gelernt haben, scheint lediglich nettes Beiwerk, das Namedropping durch Vorarbeiten mit Queens Of The Stoneage und Mark Lanegan in ihrem jetzigen musikalischen Spektrum eher wenig relevant.
Kauzige Riffs mit Staub im Mund haben auf dem unbetitelten Debüt keine Präsenz, das Duo agiert eher im Dunkeln. Und das weniger im Neonlicht der erstbesten Tanzfläche als im Schatten verquarzter Tragödien im gefühlten Halbschlaf. We Fell To Earth werfen sich einem nicht provokativ vor die Ohren, sie agieren abseits, entrückt und mit der Portion Dissonanz im Feinklang, dass sich erst nach und nach die Perlen offenbaren. Da gibt es die Momente, in welchen man die fallende musikalische Nadel zu hören scheint, so nah und intim, doch parallel auch fernab von Gedanken an sterile Studioinnenleben oder große US-Serien in denen ihre Songs Verwendung finden. Und trotz der gekonnten Balance zwischen Fliegen und Fliegen-lassen verkommen die neun Songs dennoch nicht zum typisch kulleräugigen Pärchen-Allerlei wie Schmusen, Kratzen und Engel-spielen.
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Gerne verdrängt, doch nicht vergessen: BUSFAHREN.

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“Du benimmst dich wie’n Busfahrer!” Wer diese Aussage lediglich als keck auffässt, ist entweder selbst schuld oder hat sich von öffentlichen Verkehrsmitteln gut und gerne fern halten können.
Bei keiner Option vom Platz A zu B oder gar F zu kommen, verziehen sich kollektiv die Gesichtszüge dermaßen überzeugend wie beim Nennen des dreistelligen Fargeschosses. Großstädter lieben ihrer Untergrundbahnen, Kleinstädter ihre Kleinwagen und Dorfbewohner ihr Fahrrad oder Seifenkiste. Der Bus bleibt das übel schimmernde Stück Fahrgenuss, die urwüchstigste aller Fortbewegungsmethoden, altbacken und doch treu wie ein alter Dackel.
Sicher fallen die transparenten Wartehäuschen in Sachen Architektur zum pseudo-steril-abwischbaren Bereich Untertage fast immer durch, doch so ein Bushäuschen bietet Schutz, Stellfläche für Fahrrad und Gepäck und vor allem die Garantie für Erlebnisse, welche mehr menscheln als das Geschehen am Tresen des Wilden Manns. Frauen jenseits der gesetzlichen Arbeitsjahre mit Themen zwischen Einkauf, Regen und seltsame Nachbarin. Jugendliche, die dank Zigarette, Gepöbel und Alkohol in Büchsenform Aufermksamkeit erregen. Männer, die steif-mimig zur Uhr und parallel zur Straße schauen. Und dann trifft er ein: der Lange mit Charakter. Hier gestaltet sich Schwarzfahren schwer bis unmöglich, der Herr am Lenkrad ist per Adlerauge schließlich konditioniert auf Monatskarten und Behindertenausweise.
Außerdem fühlt ein Busfahrer sich oft erst bei einer Überzahl an eng zu nehmenden Kreisverkehren und knappen Ampelphasen wohl, bei innerhalb ebenso dichtem Menschengedränge – versteht sich. Nahezu nirgends gehen amtlich bestückte Kinderwagen, Rollstühle, Stangenfahrräder und Frau Meiers Einkaufsbeutel solch eine Fusion ein.
Lesen tut im Bus nur die Upperclass, zu schnell landet man mit der frei gefalteten Zeitung auf dem Schoß oder Schoßhund des Sitznachbarn bzw. im argwöhnischen Blick der Dame gegenüber. Gesprochen wird ungerne, wir sind schließlich nicht in der Bahn. Alles Gesagte könnte nämlich unter das Projekt Lauschangriff fallen. Lediglich aus der hintersten Reihe kommen Fäkalbegriffe bis Drohgebaren. Das ist da, wo die wilden Kerle wohnen. Die Schulgangs haben den Platz auf der vermeintlichen Ersatzbank scheinbar gepachtet. Von da ist die Übersicht auf die stehende Meute mit MP3-Knopf oder Hörgerät im Ohr und das ein- und aussteigende Volk außerdem bestens gegeben. Und auch dort sind die grimmigen Durchsagen vom Fahrersitz zwecks Füße-vom-Sitz oder Faust-aus-dem-Gesicht noch zu vernehmen. Busfahren bedeutet Teil vom Alltag zu sein, Mittendrin und doch dabei, außerdem erinnert sie an das Leben: schön jede Kurve mitnehmen.
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ARMS AND SLEEPERS w/ BEN SHEPARD (UZI & ARI): HAMBURG: HAUS 73: 13.01.2010

Die wiederentdeckte Definition sphärischer Dynamik.
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Wenn der allgemeine Ruf besser ist als die scheinbar offensichtlichen Tatsachen, winken Skepsis und Voreingenommenheit bekanntlich fast auf ewig. Dabei sind Scheuklappen und Gähnen im Voraus in manchen Fällen schlichtweg dumm bis fatal.
Arms And Sleepers wären da bestes Beispiel. Dass sie mehr zu bieten haben als die nachts am Mac getüftelten Chillout-Electronic-Kompositionen zum zähfließenden Stummfilm, den es nicht gibt, muss man wohl erst livehaftig registrieren. Das Duo aus Boston hat den Weg eingeschlagen, welcher ihnen endlich auch das musikalische Profil verpasst, das nicht nur den “Music For/While Sleeping”-Button trägt. Sie verlieren sich nicht mehr in ihrem episch zirpelnden Klangkosmos, sondern setzen auf songdienliche Dynamik. Dabei werden weit mehr als nur liebliche Kopfkino-Fahrten im Pocketformat produziert. “The Architekt” oder auch der Titelsong der aktuellen “Matador”-Platte bauen sich auf ohne schwebend in ihre Einzelteile zu zerfallen. Das reine Ambient-DJ-Set war gestern – Wiedererkennungswert jetzt.
Uzi & Ari’s Ben Shepard ist da stimmlich hochwertige Unterstützung, wenn auch die zwischenzeitlichen Gags weniger zum sympathisch arrangierten Sorglos-Paket passen wollen. Das tut der guten Stunde überzeugender Mittwochsunterhaltung im kleinen Rahmen dennoch keinen Abbruch, siehe anschließendes Gedränge am Merchandisestand.
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Die große Frage: BIST DU BEREIT FÜR DEN GROSSEN LEBENS-CUT?

Alle reden darüber. Die aktuelle Lage satt zu sein ist jedoch erstmal nicht mehr als eine geläufige Feststellung. Denn eher wird die Stirn in Falten und die Hände in den Schoß gelegt, als den möglichen Fokus auf das neu sortierte Übermorgen zu setzen. Sich verirren ist ja menschlich, doch gar nicht erst die Sachen zu packen, fast schon lebensgefährlich.
Bist du auch einer der ewig stets Bemüten ohne Arsch in der Hose? Oder im Grunde bereits geistig da, wo die anderen gerne wären?
Wo liegt der Begriff “Entscheidung” bei dir persönlich > Schwerpunkt auf Ende oder eher Scheidung?
Corvonism ist dein schulterklopfender Freund und Helfer dank des folgenden Hand-aufs-Herz-Duzends:
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01] Das Leben ist … ?
A: Die Tasse Tee, welche zu schnell kalt wird.
B: Das Gegenteil von Himmelhochjauchzend.
C: A Wind Of Change.
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02] Ein gutes abruptes Jobangebot kann wodurch behindert werden … ?
A: Die falsche Stadt.
B: Die falschen Freunde.
C: Das falsche Ich.
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03] Was reimt sich auf “Gewöhnen” … ?
A: Versöhnen.
B: Stöhnen.
C: Verhöhnen.
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04] Ich packe meinen Koffer und nehme mit …?
A: Die Ladung Wehmut featuring Euphorie.
B: Beauty-Case und was Engangliegendes.
C: Die Freunde, die meinen Koffer packen.
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05] Wenn der Wecker zweimal klingelt …?
A: Tippe ich den Mensch neben mir zum Ausschalten an.
B: Warte ich auf das dritte Mal.
C: Steh ich schon mit Seife unter dem Duschhahn.
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06] Zwei Wochen innerer Dauerhass bedeutet …?
A: Falsche Ernährung bzw. Entzugserscheinungen.
B: Es wird Zeit für mich zu gehen.
C: Ich lebe noch!
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07] Die mächtigste Sicherheit ist …?
A: Der Tod.
B: Die Kreditkarte von Mutti.
C: Der nächste Tag.
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08] Gib mir eine Glaskugel …!
A: Ich habe noch Platz in der Schrankwand.
B: Denn nur selbst produzierte Scherben bringen Glück.
C: Um heute zu wissen, was übermorgen falsch läuft.
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09] Ich suche eine Schlafgelegenheit …!
A: Irgendwas zwischen Hängematte und Iglu-Zelt.
B: Hauptsache mit Heizung an.
C: Aber die ohne Beischlafsverpflichtung.
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10] Urlaub ist …?
A: Das Vorgaukeln von Harmonie und generellem Lebensinhalt.
B: Drei Tage im Party-Outback.
C: Das organisierte Kopfzerbrechen.
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11] Die Nacht ist Sammelstelle für …?
A: Schlechte Träume und Urin in der Harnblase.
B: Die Meute am Spätshop.
C: Kleine Pläne im großen Stil.
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12] Das Ende …?
A: Ist doch nur ein schlecht verkleideter Anfang.
B: Ist nah.
C: Ist da, wo ich nicht bin.
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Auswertung >>>
Die Lösung des Tests ergibt sich durch das korrekte Addieren (+) der jeweils geantworteten Möglichkeiten (A, B oder eben C)
| Frage | I | II | III | IV | V | VI | VII | VIII | IX | X | XI | XII |
| A | 2 | 1 | 1 | 3 | 1 | 1 | 2 | 3 | 2 | 1 | 1 | 3 |
| B | 1 | 2 | 3 | 2 | 2 | 3 | 1 | 2 | 1 | 2 | 2 | 1 |
| C | 3 | 3 | 2 | 1 | 3 | 2 | 3 | 1 | 3 | 3 | 3 | 2 |
Das Ergebnis:
12 – 21 Punkte: Jeder Einschnitt ein Schnitzer!
Man muss es ja zugeben, es lebt sich einfach und bequem in stromlinienförmigen Bahnen. Da lauern weniger Gefahren, welche den Freunden namens Alltag oder Gewohnheit in die Quere kommen könnten. Dabei wurmt sich in stillen Stunden die kleine Achtung!-Fahne in dein Unterbewusstsein, die deine lebenstechnische Einbahnstraße bzw. Sackgasse schnellstmöglichst zu einem Kreisverkehr mit mindestens vier Ausfahrmöglichkeiten umbauen möchte. Glaubst du nicht? 1…2…3…siehste!
22 – 29 Punkte: Einschnitte ja, auffällige Konsequenzen nein!
Es wird darüber geredet, pseudo-mäßig geplant und doch wieder akut geschwiegen um das Thema dorthin zu kehren, wo nur du es bei Bedarf vorkramen kannst. Dabei hast nicht nur du selbst, sondern auch dein vertrauenswürdiges Umfeld die Glocken auf potentiellen Aufmarsch ins Neue gestellt. Mitziehen, soll heißen: vielleicht sogar umziehen und komische Stecker, die auf- und abhalten, mal rausziehen!
30-36 Punkte: Von wegen The First Cut Is The Deepest!
Genau, bei dir steht alles auf Revolution, Veränderung und große Gesten, die andere sich nicht trauen. Du bist quasi die Fleischwerdung der stetigen Neuabschnitte. Hallo? NICHT! Sicher gibst du allen um dich herum die Tipps mit dicker Lippe und überzeugender Miene, doch im Inneren kannst du nur erahnen, schneller zur Karikatur eines Möchtegern-Selbstverwirklichers zu verkommen , als dir lieb ist. Ready To Take Off? Pff, auf dem Papier vielleicht!
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Dieser Test ist verbindlich. Bei Fragen oder Unsicherheiten steht Euch Corvonism dennoch jederzeit zur Seite.
ARMS AND SLEEPERS: MATADOR: EXPECT CANDY (CARGO RECORDS): 2009

Stilsichere Runde Feldenkrais.
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Das Genre der Meditationsmusik ist und bleibt eines der großen Missverständnisse. Die Damen mit dem Massageöl bzw. den Akupunkturnadeln in der Hand können zwar handwerklich gut und gerne in die richtige anatomische Kerbe hauen, von dem obligatorischen Soundtrack haben sie meist keinen Schimmer. Niemand kann oder sollte sich ernsthaft zu hochgepitchten Vogelgesängen aus dem trans-andalusischen Outback oder Rituals-Spoken-Word-Performances mit Anleitung (“Stellen sie sich vor ein Fisch zu sein”) ins gefühlte Nirwana schieben lassen.
Dafür gibt es echte musikalische Könner, die natürlich auf Querverweise zu Nackenverspannung & Co. pfeifen. July Skies sind vorne mit dabei, Dirty Elegance ebenso, doch für das neue Jahr darf man dem Cambridge-Duo von Arms and Sleepers die Auszeichnung der inoffiziellen Silbernen Klangmassage überreichen.
Weit weg von Raum und Zeit, Unruhe und Unmut tüfteln sich sich die Herren im scheinbar unpassend betitelten “Matador” quer durch die Luftschichten. Kämpferisch und angriffslustig fällt aus, da werden die neuerdings häufig eingesetzten Vocals fast eins mit dem Sog an Easy-Listening-Elektronik. Hier wird der Begriff elegischer Downbeat neu definiert, der der Abwechslung jedoch weniger. So herrlich und schwebend die Dreiviertelstunde im Feinklang auch sein mag, so raffiniert die Nuancen zwischen den Tönen auch aufblinken, das aufrecht begeisternde Stück Postrock ohne Post und vor allem Rock, will sich auch im wiederholten Durchlauf nicht einstellen. Dafür ist die Entscheidung zum Thema Soundtrack während Schönheitsschlaf jedoch vorerst getroffen.
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WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN.

Take A Walk On The Wild Side.
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Man kann es ganz professionell von vorne aufrollen: Maurice Sendak, Kindergeschichte, Buchverfilmung, Bestseller, jahrelanges Warten nach passender Umsetzung, Spike Jonze, Karen O And The Kids.
Doch im Grunde können all die Basics gekonnt überlesen werden, sind es letztlich die 100 Minuten überraschend anders gearteter Unterhaltung, welche zurückbleiben. Kinderfilme waren schon immer nicht gleich Kinderfilme. Und dennoch kennt man kitschübersät und zu Tode geplüscht zu Genüge, und so war in Bezug auf die Geschichte mit felligen Monstern ein liebliches Treiben zu erwarten. Oder man nimmt das Wort “wild” in seinen Ursprung und lässt eben mehr als nur die süßen Puppen tanzen.
Schon lange nicht mehr hat eine Geschichte mit FSK 6-Siegel so viel unterschwelligen Feingeist atmen dürfen, ohne die Überdosis Kinderzimmer-Pathos intus zu haben. Nicht die Grundschulklassen werden die sein, welche geistig nachladend aus den Kinosesseln steigen. Dazu schürft die eigentlich einfach kreierte Story um den kleinen Jungen Max zu tief, als dass lediglich das moralische Zeigefinger-Hoch-Resümee den Abspann verlässt.
Kind-sein ist bekanntlich viel mehr als das fleischgewordene Fragebuch zu mimen. Abenteuerlust, Sehnsucht nach dem Unbekannten, unbändige und unvorhersehbare Energie, Gefühschaos ohne Vorwarnung. Da wünscht man sich schnell aus der Kinderzimmer-eigenen Höhle zu steigen um in eine tatsächliche Welt der Ausrufe- statt Fragezeichen zu landen. Wo Regeln entdeckt statt befolgt werden. Wo man bestimmen darf und gleichzeitig nicht verstummen braucht. Wo Schwäche zeigen Entwicklung ist.
Die Insel der wilden Monster ist das phantastische Paradies und für Max ebenso der Ort des Schicksals. Gib dich nicht als jemand aus, wer du nicht bist. Schmücke dich nicht mit Fähigkeiten, die du nie besitzen wirst. Dabei ist der Abstand zwischen Traum- und Schaumschläger als Kind so wunderbar gering. König sein ist klasse, aber eben auch der Posten des schnellsten Angriffs. Das muss man lernen und nicht schon gelernt sein.
Spike Jonze hat die seltsamen Inselbewohner schlauerweise nicht drastisch verniedlicht. Sie sind laut, launisch, aufs Fressen aus und alle mit einer Persönlichkeitsproblematik versehen, die auch ihr neu gekrönter König Max nicht bändigen kann. Bei all der offenbarten Urgewalt wirken sie trotzdem nach und nach liebenswert wie die freigelassenen Kuscheltiere vom kalten Dachboden. Gut ausgearbeitet ohne übertrieben charakterisiert zu werden. Die Kulisse von Wald bis Wüste scheint phantastisch und doch nicht märchenhaft idyllisch. Die Stimmung pendelt überzeugend zwischen keck, aufbäumend und dann wieder nachdenklich. Nicht erst wenn Max auf seiner Rückreise wehmütig Richtung Monsterbande schaut und Karen O ein flirrendes “Uuh” über die Wellen fliegen lässt, ist es mehr als nur ein auf Zelluloid gebannter Hort-Schmöker. Kind-sein ist nicht einfach, ein innerlich geladenes Monster zu sein genaus so wenig, vom hungrig ins Bett gehen zu müssen, ganz zu schweigen.
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